Der Jahrestag der Befreiung Italiens (L’anniversario della liberazione d’Italia), auch einfach nur als Tag der Befreiung oder 25. April bekannt, ist in Italien ein grundlegender Tag in der Geschichte. Er gilt als nationaler Feiertag, der jährlich am 25. April gefeiert wird, um an die Befreiung Italiens vom Nazifaschismus und dem endgültigen Ende der Nazi-Besatzung sowie den Sturz des faschistischen Regimes zu erinnert.

Resistenza in Bildern
Resistenza in Bildern; Bild: raicultura.it

Weitere Feiertage in Italien

Der 25. April in Zahlen

336.516 Italiener wurden als Partisanen anerkannt, auch wenn die tatsächlichen Zahl etwa um die Hälfte geringer liegt

35.000 Frauen befanden sich unter den Partisanen

1 Partisanenarmee, die in Europa einzigartig ist

6 Mitgliedsparteien, die dem Nationalen Befreiungsausschuss DC, PCI, PSUIP, PLI, PdA, DL angehören

28 ist der Tag im April, an dem Mussolini ermordet wurde, als er versuchte zu flüchten und in Dongo gefangen genommen wurde

29 ist der Tag im April, an dem in Caserta die nationalsozialistisch-faschistischen Truppen in Italien die Kapitulation vor den Angloamerikanern unterzeichneten. Damit ist das Ende des Krieges in Italien besiegelt.

1945 ist das Jahr, in dem der 25. April erstmals auf Veranlassung von Alcide DeGasperi gefeiert wird

1949 ist das Jahr, in dem mit dem Gesetz 260 der Jahrestag der Befreiung zu einem ständigen nationalen Feiertag erklärt wird

So wird der 25. April 2022 in Italien gefeiert

Der Tag der Befreiung beginnt in Marzabotto im Jahr 2022 bereits am 23. April mit der Einweihung der Ausstellung Dante Cruicchi. Am Sonntag, den 24. April wird der Vorplatzes der Kirche San Giovanni im Beisein von Martin Schulz, dem ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments, eingeweiht. Am Montag, den 25. April, dem eigentlichen Tag der Befreiung Italiens, findet eine Kranzniederlegung am Sacrario dei Caduti statt, danach folgen ein Konzert, Ansprachen, Partisanengesang und Gespräche.

Rai Storia erzählt die Geschichte

Auf nationaler Ebene hat das Webportal Rai Storia Videos aus den Rai-Archiven, Infografiken, Zahlen und Fotogalerien mit besonderem Schwerpunkt auf die Perspektive der Zeitzeugen erstellt, um den historischen Moment der Befreiung am 25. April sowohl unter den Hauptakteuren des Widerstands als auch unter den einfachen italienischen Bürgern festzuhalten.

Paraden mit der Trikolore werden stattfanden

Am 25. April 2022, der 77. Jahrestag der Befreiung, werden Paraden und offizielle Zeremonien auf den Straßen erstmals wieder nach zwei Jahren Corona-Pandemie stattfinden. In der Pandemiezeit wurden sie ausgesetzt. Daher werden an diesem Tag die traditionellen Paraden mit den Trikolore-Fahnen und die Vertretung der Behörden der ehemaligen Kämpfer und der ehemaligen Deportierten wieder stattfinden. Im Jahr 2022 wird der Tag der Befreiung nicht der innenpolitische Erinnerungstag darstellen, sondern auch ein Aufruf zum Frieden angesichts des aktuellen russisch-ukrainischen Krieges.

Sergio Mattarella besucht Acerra

Einer der wichtigsten Schauplätze der Feierlichkeiten wird Acerra sein, eine Stadt am Stadtrand von Neapel, die zwischen dem 1. und 2. Oktober 1943 Schauplatz eines der größten Vergeltungsmassakers wurde. Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella wird in Acerra zu Besuch sein.

Umzug in Mailand

In Mailand wird der traditionelle jährliche Umzug am 25. April im Zentrum Mailands stattfinden. Am Umzug nehmen der aktuelle Bürgermeister Beppe Sala zusammen mit den nationalen Führern der Partisanen- und Deportiertenverbände teil.

Eröffnung des Montecitorio in Rom

In Rom wird es ebenso eine Parade im Zentrum geben, aber auch dieses Jahr die Eröffnung des Montecitorio, dem Sitz der Abgeordnetenkammer der italienischen Verfassung, die am Ende des Zweiten Weltkriegs und nach der Befreiung verabschiedet wurde.

Feierlichkeiten am 25. April 2021

Ministerpräsident Mario Draghi nahm an der Kranzniederlegung auf der Altare della Patria anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung teil. Im Anschluss fuhr er zur Via Torquato Tasso zum Historischen Museum, um dort eine Ansprache zu halten. Danach besuchte Draghi gemeinsam mit dem Kulturminister Dario Franceschini das Museum und nahm schließlich an der Feier im Quirinale teil.

Wie kam es zur Befreiung Italiens?

Am 08. September 1943 wurde der Waffenstillstand von Cassibile unterzeichnet. Zuvor musste der König Italiens, der für die Aggressionen des Faschismus in die Pflicht genommen wurde, die Kapitulation Italiens durch den General Giuseppe Castellano am 03.09.1943 auf Sizilien unterschreiben. Daraufhin wurde der Waffenstillstand durch die Alliierten am 08.09.1943 verkündet.

Die antifaschistischen Parteien verbündeten sich

Mit diesem Waffenstillstand schlug die Stunde der antifaschistischen Parteien. Nur einen Tag später formierte sich in Rom das aus sechs antifaschistischen Parteien bestehende Zentralkomitee für nationale Befreiung (Comitato Centrale di Liberazione Nazinale CCLN). Am 07.02.1944 formierte sich hingegen in Mailand das Comitato di Liberazione Nazionale Alta Italia (CLNAI), das zunehmend an Bedeutung gewann. Zuvor konnte die Resistenza den deutschen Besatzungsmächten und der Diktatur der RSI kaum gefährlich werden, da sie eher unkoordiniert agierten. Durch die Bildung eines Komitees wurden die Angriffe der Resistenza nun koordiniert. Sie agierten gemeinsam und wuchsen zu einer Stärke an.

Massaker als Vergeltung

Jeder Angriff der Resistenza wurde von den deutschen Besatzern mit furchtbaren Massakern an der Zivilbevölkerung vergolten. Gegen die Partisanen, sprich gegen die Resistenza, gingen die Wehrmacht und die Waffen-SS grausam vor. Es wurden Geiseln erschossen, ganze Dörfer zerstört und die Zivilbevölkerung ermordet. Gebilligt wurde dieses Vorgehen von Marschall Kesselring, dem deutschen Heeresführer.

Das Massaker in Marzabotto

Insbesondere prägten sich zwei Massaker in den italienischen Köpfen ein, die durch deutsche Heeresführer gebilligt wurden. Dazu gehört Marzabotto, ein heute 6.800-Einwohner Ort nahe Bologna in der Emilia-Romagna. In Marzabotto wurden durch die deutsche Wehrmacht und der Waffen-SS am 29. September und am 05. Oktober 1944 770 Kinder, Frauen und alte Männer erschossen. Die Ortschaft wurde weitestgehend zerstört. Dieses Massaker galt den „Banditen und Banditenhelfern“, die angeblich den Partisanen der „Stella-Rossa“-Gruppe halfen, wie die deutsche Besatzung die Einwohner von Mazzabotto nannte. Heute erinnert ein Mahnmal an das grausame Massaker.

Das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen

Das zweite große Massaker wurde in den römischen Fosse Ardeatine (Ardeatinischen Höhlen) am 24.03.1944 verübt, bei dem 355 Menschen, die als Geiseln genommen waren, erschossen wurden. Dieses Massaker, das persönlich von Hitler in Auftrag gegeben worden war und unter dem Kommando von Herbert Kappler ausgeführt wurde, war ein Racheakt auf eine Militäraktion der kommunistischen Gruppi di Azione Patriotica (GAP), die zur Resistenza gehörten und ein Attentat auf eine Kolonne deutscher Polizeisoldaten in der Via Rasella in Rom verübten.

Der 25. April wird zum Tag der Befreiung

Die Kämpfe in Italien wurden bis zum 03. Mai 1945 weitergeführt. Erst dann kapitulierten die deutschen Truppen in Italien nach einer geheimen Verhandlung. Die RSI (Repubblica Sociale Italiana) hatte sich zunehmend aufgelöst und das CLNAI hatte am 25.04.1945 im überwiegenden Teil Oberitaliens die Herrschaft übernommen und zum Volksaufstand im industriellen Triangolo (Industriedreieck Mailand-Genua-Turin) aufgerufen. Seit 1949 gilt dieser Tag als symbolischer Tag der Befreiung.

Wichtige Persönlichkeiten

Das Leben der jungen Partisanin Teresa Mattei ist von großen Kämpfen, privaten Tragödien und ideellen Werten geprägt. Sie gehörte nach dem Krieg zu den 21 Frauen, die in die verfassungsgebende Versammlung gewählt wurden.

Pietro Nenni gilt als Protagonist des Widerstands und einer der Väter der italienischen Verfassung. Als Kind erlebte er in Faenza einen Aufstand von Arbeitern und Bauern mit, die Brot verlangten. Sein leben war von Streiks, Gefängnisstrafen und Exile geprägt.

Der italienische Widerstandskämpfer Luigi Longo war ein Antifaschist und Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens, der Inhaftierungen und Internierungen miterlebte und am Aufstand in Norditalien im April 1945 teilnahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er wichtige politische Ämter inne. Von 1964 bis 1972 war Longo Generalsekretär der PCI.

Giuseppe Spataro spielte während des Faschismus eine wichtige Rolle im Widerstand gegen das Regime. Er organisierte unter anderem in seinem Haus in Rom geheime Treffen. Spataro arbeitete zudem im Komitee für die nationale Befreiung. Am Ende des Krieges trug er maßgeblich zur Entstehung der Christdemokraten bei.

Ferruccio Parri wurde im Zeitraum von 1915 bis 1926 vom Helden des Ersten Weltkriegs zum Gegner Mussolinis und schließlich zum Staatsfeind. Er war ein Anhänger der Demokratie, der Gerechtigkeit und Freiheit. 1926 wurde er von der faschistischen Polizei verhaftet, da er die Flucht des Sozialistenführers Filippo Turati ins Ausland organisiert hatte. Ab September 1943 war Parri einer der wichtigsten Protagonisten des Widerstands.

Paolo Emilio Taviani, formierte sich bereits in jungen Jahren zu einem entschiedenen Gegner des Faschismus, als Mussolini die Rassengesetze verabschiedete. Nach dem Fall des Faschismus im Juli 1943 gründete er die ligurische Sektion der Christdemokraten und beteiligte sich am Widerstand in Ligurien. Taviani gab die Untergrundzeitschrift „La Voce d’Italia“ heraus und führte in der Nacht des 23. April 1945 den berühmten Aufstand in Genua an, der den Aufstand in weiten Teilen Norditaliens auslösen sollte. Nach dem Krieg wurde Taviani einer der führenden Vertreter der Christdemokraten.

Giuseppe Saragat, der 1898 in Turin geboren wurde und ein Diplomkaufmann wurde, schloss sich 1922 der Vereinigten Sozialistischen Partei unter der Führung von Giacomo Matteotti an. Er stieg zu einem der führenden Vertreter des Antifaschismus auf. Nach dem Fall des Faschismus wurde Saragt 1944 Minister ohne Geschäftsbereich in der Exekutive von Bonomi. Nach der Befreiung Italiens zwischen 1945 und 1946 bekleidete er das Amt des italienischen Botschafters in Paris und Präsident der verfassungsgebenden Versammlung, die am 25. Juni 1946 die Verfassungscharta ausarbeitete. Saragat wurde fünfter Präsident der Italienischen Republik.