Neapel (Napoli) öffnet sich an der Küste wie ein Amphitheater und wird von den Inseln Capri, Ischia und Procida, dem Kap Miseno, dem Küstengebirge und dem gewaltigen Vesuv begrenzt.
Neapel, die Hauptstadt Kampaniens und gleichzeitig Stadt der Kunst, erstreckt sich über eine Fläche von 117,27 Quadratkilometern, auf der etwa 1.020.120 Einwohner leben.

In Neapel gibt es reichlich Zitronen und Orangen
In Neapel gibt es reichlich Zitronen und Orangen

Wie aus Parthenope Neapel wurde

Die erste Besiedlung Neapels beginnt vor rund 3.000 Jahren, im Jahr 9 v. Chr., als anatolische und achäische Reisende und Händler in das Gebiet kamen und Parthenope gründeten. Parthenope umfasste die kleine Insel Megaride, welche heute das Castel dell’Ovo darstellt sowie das Vorgebirge des damaligen Monte Echia, die heutigen Monte di Dio und Pizzofalcone.

Nach etlichen Kriegen wurde Parthenope als solches aufgegeben, erhielt aber den Namen „Palepolis“, die alte Stadt. Bereits im Jahr 475 n. Chr. wurde dank der Einwohner von Cumae im östlichen Teil des Gebiets die ursprünglichen Stadt Neapolis, die neue Stadt, gegründet. Nach dem Plan Hippodamea wurde Neapolis mit einem Netz orthogonal angelegter Straßen errichtet, die heute noch in Neapel sichtbar sind.

Vom Nilgott zum Corpo di Napoli

Die Altstadt Neapels wird durch die Spaccanapoli, eine schnurgerade zwischen den Häusern eingekerbte Straße bestehend aus sieben aneinander folgenden Straßen, in zwei Teile geteilt. Wer die Spaccanapoli, die in Neapel offiziell diesen Namen trägt, aber nirgends als solche eingetragen ist, entlang geht, der kommt in der Nähe der Via San Gregorio Armeno, der berühmten Straße mit ihren unendlich vielen Krippenfiguren, den pastori, für die Weihnachtszeit an eine monumentale Steinfigur eines bärtigen Mannes auf der Piazzetta del Nilo, dem kleinen Platz auf dem es auch eine Bar Nilo gibt und an der auch die Via del Nilo abgeht.

Diese Steinfigur ähnelt denen, die der große Bernini geschaffen hat, aber sie stammt aus römischer Zeit, heißt Corpo di Napoli und stellt den Flussgott Nil dar. Woher die Figur kommt, darüber wird spekuliert. Für die einen ist sie mit den alexandrinischen Kaufleuten nach Neapolis gekommen, für die anderen ist sie ein Relikt für den Ägyptenkult in Italien aus dem im 1. Jahrhundert n. Chr. im Römischen Reich, der zu jener Zeit in Mode kam.

Als sie dann während der Zeit des Niedergang des Römischen Reichs verschwand, dann aber im Mittelalter im 12. Jahrhundert wieder kopflos auftauchte, tauften die damaligen Chronisten sie als weibliche Mutter mit ihren Kindern. Die Kinder wurden von den Putten verkörpert, die von der Frau genährt werden. Damit wurde Neapel identifiziert.

Aus dem Nilgott wurde also eine Mutter mit Kinder. Neapel war geboren und so wurde die Figur schlichtweg als Corpo di Napoli, der Körper Neapels, getauft. Auch wenn Kunsthistoriker die Figur bereits 1667 mit dem originalen Männerkopf versahen, bleibt sie der Corpo di Napoli.

Neapel ist anders als der Rest Italiens

Fischverkäufer in Neapel mit seiner Ware in Plastikbehältern
Fischverkäufer in Neapel mit seiner Ware

Neapel ist anders. Neapel scheint ein eigens Land in Italien zu sein. Während in anderen Ländern und auch Städten Italiens diese römische Figur, Corpo di Napoli, zum Schatz eines jeden Museums geworden wäre, so bildet sie in der Stadt ein Teil einer Fußgängerzone, ganz gleich, ob sie nun wertvoll oder nicht ist. Ihr marmorner Sockel dient den einen als Ausruhplatz, den Fischern als geeigneter Stellplatz für ihre Plastikbehälter mit ihrer Fischware, den fliegenden Händlern als idealer Befestigungspunkt zum Spannen von Leinen und den Kindern als Kletterort. Kurzum: Die Figur wird gebraucht. Sie ist Teil des neapolitanischen Lebens.

So ergeht es auch eine Vielzahl anderer monumentaler Schätze. So befindet sich gleich um die Ecke der Palazzo Diamede carafa aus dem 15. Jahrhundert mit einer einzigartigen Pferdestatue auf dem Innenhof. Ein paar Schritte weiter südlich warten eine Reihe wichtiger Museen auf ihren Besucher. Das Paläontologische Museum ist gemeinsam mit dem Museum der Zoologie und Mineralogie in der Universität Neapels untergebracht.

Wäsche in Neapel zwischen Häusern aufgespannt
Wäsche in Neapel aufgespannt

Was man in Neapel vermeiden sollte

Zwischen den sehenswerten Monumenten, den schon heruntergekommen Monumenten, dem Geknatter der Motorinis, den kleinen Motorrädern, dem Geschrei der Warenverkäufer und dem ganzen Lärm und Staub der einen umgibt, hängen über den Köpfen in den mehr oder weniger engen Gassen frischgewaschene Kleidungsstücke, die an einer Kordel an ihre Position gezogen werden. Manche Gassen sind so dunkel und eng, dass man eigentlich von Balkon zu Balkon springen könnte. Diese Gassen sollte man lieber meiden, auch bestimmte Stadtviertel wie Spagnolo und Scampia. Scampia sollte gar nicht erst betreten werden.

In Neapel sollte man sich kleiden wie ein Bürger der ärmeren Schichten. Teuren Schmuck und Markensachen sollten nicht offen getragen werden. Es hat schon so mancher sein Ohr oder Finger wegen eines schönen Klunkers verloren. Daher heißt es hier nicht nur weniger ist mehr, sondern gar nichts ist mehr.

Wer ein Motorino sieht mit zwei Personen darauf, die ihre Gesichter verhüllt haben, dann weiß man, jetzt schlägt die Stunde. Diese gehören meistens zu einer Baby-Gang, die Leuten die Handtaschen oder sonstige Wertgegenstände stehlen und die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Wer diese auf einen zukommen sieht, der klemmt ganz fest seine Handtasche unter den Arm und sieht zu, dass er sich an eine Wand drücken kann, besser noch, in ein Geschäft gehen kann. Falls einem die Tasche dann dennoch weggerissen wird, auf keinem Fall versuchen, diese wiederzubekommen, denn das kann böse enden.

Nachts sollte in Neapel nicht spazieren gegangen werden. Wer essen geht, der sollte abends ein Taxi rufen, das einen zum Hotel bringt.

Die Gassen können in Neapel sehr eng und dunkel sein
Die Gassen können in Neapel sehr eng und dunkel sein

Die Chiesa di Sant’Angelo a Nilo

Wieder auf der Piazetta Nilo angekommen erwartet die Kirche des Heiligen Engels, die Chiesa di Sant’Angelo a Nilo auf neugierige Besucher, denn sie beherbergt das Grabmal des Kardinals Rinaldo Brancaccio, eines der bedeutendsten Werke der Frührenaissance in Neapel, welches von Donatello und Michelozzo angefertigt wurde.

Die Cappella Sansevero und ihr Schatz

Weiter nördlich findet sich eine der wichtigsten Kirchen Neapels: die barocke Cappella Sansevero aus dem Jahr 1590 mit ihrem Cristo velato, einer einzigartigen Marmorstatue, die schöner nicht sein kann.

Archäologisches Museum Neapel

Wenn man von der Cappella Sansevero vorbei weiter nördlich am 6. Februar 1878 eingeweihten Teatro Bellini di Napoli (Bellini-Theater) geht, stößt man unweigerlich auf das Archäologische Nationalmuseum Neapels (Museo Archeologico Nazionale di Napoli), einem der wichtigsten und ältesten Museen der Welt, mit seiner Fülle an Objekten. Auf etwa 12.650 m² drängen sich die aus römischen Artefakten bestehende Farnese-Sammlung, die pompejanische Sammlung mit Funden hauptsächlich rund um das Gebiet des Vulkans Vesuv und die ägyptische Sammlung, die nach dem Ägyptischen Museum in Kairo und dem Ägyptischen Museum in Turin die weltweit drittgrößte ist.

Der Vesuv von Pompeji aus gesehen
Der Vesuv von Pompeji aus gesehen

Das unterirdische Neapel

Neapel ist auf porösen, weichem Tuffstein errichtet, wodurch sich an zahlreichen Stellen entweder auf natürlichem oder künstlichem Wege Höhlen gebildet haben. Diese dienten als Katakomben, Friedhöfe und Stollen. Für die Einwohner Neapels war der beständige Austausch zwischen oberirdischen und unterirdischem Leben, dem Platz der Lebenden und dem Platz der Seelen, Stimmen und Geister von großer Wichtigkeit. So besaß nahezu jedes Haus im alten Zentrum auch einen eigenen Zugang zum unterirdischen Reich. Der Zugang wurde durch einen 30 bis 40 m tiefen Brunnen, dem pozzo, gewährt, der am Ende mit einem Geflecht aus Aquädukten und Kavernen verbunden war.

Die Idee der unterirdischen Wasserleitungen wurde von den Griechen übernommen, später wurden sie durch die Spanier im 17. Jahrhundert erweitert. Da unten war das Reich vieler Arbeiter, den pozzari, den Brunnenmännern, die das Wassersystem warteten und so auch überraschenderweise in einem der Häuser durch den Brunnen auftauchen konnten. Erst mit dem Bau der modernen Wasserleitungen in den 1880er Jahren verschwanden die pozzari und mit ihnen der Gebrauch der alten unterirdischen Aquädukte.

Es gibt also nicht nur ein oberirdisches Neapel, sondern auch ein unterirdisches, das sogenannte Napoli sotterranea, in dem sich die Neapolitaner im Zweiten Weltkrieg vor Luftangriffen zu Zehntausenden flüchteten.

Der Totenkult ist in Neapel sehr präsent. Aus dem Totenreich des griechischen Hades ist inzwischen das Totenreich der Christen, dem Purgatorio, geworden – dem Fegefeuer. Das Fegefeuer der armen Seelen ist in Neapel nicht nur in der Architektur und dem Glauben präsent, sondern auch in der Kunst. Erst 1837 wurde der erste oberirdische Friedhof eingeweiht, davor wurde alles unterirdisch bestattet wo eben Platz war und wo es ging. Trotzdem wurden weiterhin die Angehörigen, die unterirdisch begraben lagen, besucht und umsorgt. Dazu wurden die aufgestellten Schädel geschmückt bis 1969 von der Katholischen Kirche ein Dekret erlassen wurde, bei dem die Gebeine des Verstorbenen aus den Katakomben entfernt und beigesetzt werden sollten. Sie sollten von Untoten zu Toten werden. Allerdings scheiterte das Dekret, denn die für die Katholische Kirche Untoten wurden insbesondere von jungen Frauen und Mädchen, Schwangeren und Müttern weiterhin besucht, angebetet und geschmückt – bis heute.

Nördlich des Nationalmuseums von Neapel befinden sich die Katakomben des Schutzheiligen San Gennaro mit einem christlichen Friedhof aus dem 2. bis 4. Jahrhundert und die des San Gaudioso mit frühchristlichen Wandmalereien aus dem 3. Jh. Nördlich der Sansevero-Kapelle befindet sich der Eingang zu den Untergrund-Führungen Neapels.

Cimitero delle Fontanelle

In der Via Fontanelle nordwestlich der Innenstadt von Neapel existiert eines der Beinhäuser der Stadt, der Cimitero delle Fontanelle, der auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, als Neapel von drei Erdbeben, drei Volksaufständen, drei Hungersnöten, drei Epidemien und fünf Vesuvausbrüchen heimgesucht wurde. Da diese Höhle isoliert von der Innenstadt war, sammelte man die Leichen und brachte sie hierher, da die Friedhöfe der Stadt bereits hoffnungslos überfüllt waren. Die Pest von 1656 war tödlich, sodass bis zu 300.000 Leichen begraben werden mussten. Carlo Praus, ein Architekt, berichtete, dass der Cimitero delle Fontanelle 1764 insbesondere arme Leute aufnehmen musste, die an einer verheerenden Hungersnot gestorben waren. 1837 folgte die nächste Epidemie. Dieses Mal zog die Cholera morbus ihre Kreise und brachte erneut ein Dutzend Tote nach Fontanelle.

Neapel wäre nicht Neapel, wenn auch hier nicht eine Legende auftauchen würde. Man sagt sich, dass eine adlige Frau namens Margherita Petrucci geb. Azzoni, die am 5. Oktober 1795 starb, mumifiziert worden ist. Ihr Mund steht dabei weit offen. Was ist passiert? Die Ärmste soll an einen Knödel erstickt worden sein, weshalb ihr Mund weit offen steht, als würde sie ihn noch heute auswürgen wollen.

Die Burgen Neapels

Neapel hat etliche Burgen zu bieten, darunter das Castel dell’Ovo, das auf der kleinen Felseninsel Megaride steht. Die griechisch-euböischen Cumani (Kolonie Cumae) landeten Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. auf Megaride und gründeten auf dem Rücken des Monte Ecchia die Siedlung Parthenope. Erst 1949 entdeckten Archäologen die Nekropole in der Via Nicotera 10.

Eine neapolitanische und dieses Mal sehr fantasievolle Legende besagt, dass der Name der Festung auf ein Ei zurückgeht, das der römische Dichter und Epiker Vergil in einem mit schweren Schlössern gesicherten Käfig im Keller der Festung versteckt haben soll. Der Ort wurde geheim gehalten, denn das Schicksal von Castel Marino hinge von dem Ei ab.

Ab diesem Zeitpunkt war das Schicksal der Festung mit der Stadt Neapel fest mit dem Ei verbunden. Das Ei wurde im Laufe der Zeit ersetzt, denn es sollte verhindert werden, dass Katastrophen über die Hauptstadt Kampaniens heimkommen. So sah sich auch die Königin Johanna I. gezwungen, das Ei zu ersetzen. So erhielt die Burg den Namen Castel dell’Ovo, auf deutsch Burg des Eies.

Ein wenig nördlicher ebenso küstennah befindet sich das Castel Nuovo, das Neue Schloss. Der Bau dieser Burg wurde 1279 unter der Herrschaft von Karl I. von Anjou nach einem Entwurf des französischen Architekten Pierre de Chaule begonnen und ging in die neapolitanische Geschichte als Maschio Angioino ein. Das Castel Nuovo diente nicht nur als königlich Residenz, sondern auch als Festung. Anfänglich wurde es als „Castrum Novum“ bezeichnet, um es von den älteren Burgen Ovo und Capuano unterscheiden zu können.

Das Castel Nuovo wurde unter der Herrschaft von Robert von Anjou zu einem kulturellen Zentrum, in dem sich gern Intellektuelle und Künstler wie Boccaccio, Giotto und Petrarca aufhielten. Unter den nachfolgenden Aragonier mit Alfonso I. wurde das Schloss schließlich zur Residenz, das dann aber allmählich zur Festung für die Kriegsführung umfunktioniert wurde. Der Wohncharakter der Burg, den sie unter den Anjou hatte, ging verloren. Nach den Aragoniern, lösten die Franzosen, dann die Spanier und die Österreicher sich nacheinander ab. Die Festung wurde als Verteidigungsanlage ausgebaut und diente insbesondere im Zeitraum von 1503 bis 1734 als Verteidigungsanlage. Heute wird das Castel Nuovo für kulturelle Zwecke genutzt. In ihm ist das Stadtmuseum untergebracht.

Weitere Sehenswürdigkeiten Neapels

Neapel ist vollgepackt mit vielen interessanten und wichtigen Sehenswürdigkeiten, die nicht nur innerhalb des Stadtgebiets, sondern auch außerhalb zu finden sind. Zu den wichtigsten gehören die Grotte di Seiano und der archäologische Park Pausilypon. Die Grotte, die nach Lucius Aelius Sejanus, dem Präfekten des Kaisers Tiberius, benannt ist und von der aus das atemberaubende Panorama der Bucht von Trentaremi genossen werden kann, führt den Besucher anschließend über einen mit mediterraner Vegetation gesäumten Weg zum archäologischen Gebiet des Pausilypon, wo sich die Villa des reichen römischen Ritters Vedio Pollione befindet, an der auch ein kleines überdachtes Theater, ein Odeion, angeschlossen ist.

Das Prachtstück Neapels ist schlichtweg die Reggia di Caserta, ein mit vier Innenhöfen ausgestatteter Komplex mit einer Fläche von 61.000 Quadratmetern, einer Höhe von 40 Metern, fünf Stockwerken, 1.742 Fenstern, 1.026 Schornsteinen, 34 Treppen, mehr als 1.000 Zimmer und Türen und mindestens zwei gigantischen Untergründen. Die Reggia di Casterta (Palast von Caserta) ist zweifelslos eine der größten Residenzen der Welt. Sie wurde ab 1952 von Carlo di Bondone (Karl III.) erschaffen und befindet sich etwa 40 km nördlich von Neapel.