In Italien beginnt die Vorweihnachtszeit traditionell am 08. Dezember, der Mariä Empfängnis (Immacolata Concezione), der auch gleichzeitig ein gesetzlicher Feiertag darstellt. An diesem Tag wird die Weihnachtskrippe aufgebaut, die Familie kommt zusammen und verbringt oftmals zum Mittagessen Zeit miteinander. Es werden Ausflugspläne geschmiedet und in der Regel schon über das Festtagsessen zu den Weihnachtsfeiertagen philosophiert. Weihnachten in Italien bedeutet eins: Zusammen mit der Familie feiern, lachen und schlemmen.

Italien im Schnee. Hier nahe Cuneo.
Es scheint auch in Italien. Ganze Landschaften sind traumhaft eingeschneit.

Die Vorweihnachtszeit in Italien

Die Zeit zwischen dem 8. Dezember und dem 24. Dezember verbringt eine italienische Familie neben den üblichen Dingen in der Regel mit vielen Einkaufstouren. In Italien wird viel Wert auf die weihnachtliche Ausschmückung von öffentlichen Gebäuden gelegt. Jeder Ort, jeder Supermarkt und jedes noch so kleine Lädchen wird weihnachtlich geschmückt. Es gibt Lichterketten, die Straßen säumen, beleuchtete Bäume, Weihnachtsmusik und viel viel Glitzer. In Neapel blüht das Weihnachtsgeschäft auf der Via San Gregorio Armeno, der sogenannten „Krippenstraße“, die beliebt und zugleich bekannt für ihre Krippenkunst ist. Weihnachten in Italien heißt demnach auch: Krippenkunst.

Nicht wegzudenken: Die Krippenkunst

Die neapolitanische Krippe steht als Sinnbild für die Krippenkunst in Italien. Handwerkliche Figuren aus Terrakotta kosten hier ab 200 Euro. Günstigere Produkte für den kleineren Geldbeutel sind ebenso erhältlich. In der Via San Gregorio Armeno gibt es wohl nichts, was das Herz begehrt. Von ganze meterhohe und -lange fertige Krippen bis hin zu jedes noch so kleine Accessoire wie Gemüsesorten, Teppichen, Lichtern und natürlich jede Menge Krippenfiguren. Was viele nicht wissen ist, dass es neben Neapel noch ein anderer Ort geschafft hat, sich zum Krippenort zu manifestieren. Bagni di Lucca in der Toskana ist bekannt für seine Krippenbaukunst und die handwerkliche Ausarbeitung von Krippenfiguren. Hier sitzen namhafte Unternehmen wie Arte Barsanti Di Fiori S., Euromarchi Srl und auch Fontanini Spa. Alle drei Unternehmen sind für ihre Krippenkunst bekannt.

Krippe aufgebaut von den Grundschülern in Sagliano Micca (BI).
Krippe von den Grundschülern in Sagliano Micca (Biella) aufgebaut

Ihre Preise bewegen sich deutlich unter der neapolitanischen Handwerkskunst. Krippenfiguren kosten hier ein paar Euros. Zumeist sind diese zu Weihnachten in Italien auch in den größeren Supermärkten wie Bennet und Ipercoop als Mix bestehend aus mehreren Figuren für etwa rund 5 Euro erhältlich. Natürlich ist dies kein Vergleich zu den handwerklichen Krippenfiguren aus Neapel. Diese sind in der Regel mit etwa 30 cm und aufwärts wesentlich größer als die kleinen Krippenfiguren von etwa 3 bis 12 cm der drei Unternehmen aus der Toskana, auch wenn Fontanini ebenso Krippenfiguren in fast Lebensgröße produziert. Zudem sind die neapolitanischen Krippenfiguren zumeist realistischer ausgestaltet, haben oft Glasaugen und können angezogen werden. Bei den drei oben genannten Unternehmen und auch bei Moranduzzo, ein weiteres Krippenunternehmen ist dies eher nicht der Fall. Gekauft werden können italienische Figuren für die Krippe auch in Deutschland, zum Beispiel bei holyart.de. Dort findet sich alles, was das Krippenherz begehrt.

Schöne Krippe mit beweglichen Figuren aufgebaut in Dogliani (Cuneo)
Weihnachten in Italien: Krippe in Dogliani (Cuneo) mit beweglichen Figuren

Italienische Weihnachtsmärkte

Der Gang auf einen Weihnachtsmarkt gehört auch in Italien zum vorweihnachtlichen Programm. Ich muss sagen, dass die italienischen Weihnachtsmärkte, bis auf Südtirol, mich nicht wirklich umhauen. Diese, die ich bisher kennenlernen durfte, waren eher enttäuschend. Es gab Kerzen, Weihnachtskugeln und Gebäck zu überteuerten Preisen. Aber das ist natürlich Geschmacksache.

Verschneite Landschaft im Roero und den Langhe.
Verschneite Landschaft im Roero und den Langhe (Weinanbau im Piemont)

Der Heiligabend in Italien

Der Heiligabend (Vigilia di Natale) ist wie bei uns kein gesetzlicher Feiertag. An diesem Tag kann noch eingekauft werden und wird noch gearbeitet. Am Abend trifft sich dann die Familie, isst in der Regel eine Hühner-Suppe (variiert von Region zu Region) und wartet auf Mitternacht. Wenn die Uhr Mitternacht schlägt, wird sich „Frohe Weihnachten“ gewünscht. Dann beginnt offiziell Weihnachten, im Italienischen das „Natale“.

Die Weihnachtsfeiertage

Am 25. und 26. Dezember wird mit der Familie zusammen gefeiert. Das Weihnachtsmenu, bestehend aus Antipasto, Primo, Secondo, Dolce und Caffé wird am 25. Dezember abends zusammen verspeist. Die restliche Weihnachtszeit wird dann so viel wie möglich zusammen verbracht. Es werden Ausflüge gemacht, Karten gespielt, viel gelacht und natürlich gegessen. Die Panettone, das klassische Weihnachtsgebäck darf natürlich nicht vergessen werden. Diese wird traditionell am 25. Dezember abends als Nachtisch angeschnitten. Oft wird dazu eine Crema, häufig eine Orangen- oder Zitronencreme, gereicht. Unsere klassische Ente mit Rotkohl und Kartoffelklößen wird in Italien ohne Klöße und Rotkohl aber stattdessen mit einer fruchtigen Orangensoße gereicht.

Das nachfolgende Rezept ist von mir über Jahre hinweg erprobt und sehr sehr lecker! Guten Appetit und viel Spaß beim Nachkochen!

Der Weihnachtsklassiker: Ente in Orangensoße (Anatra all’arancia)

Zutaten:

  • eine Ente, am besten frisch, um die 2 kg
  • Thymian getrocknet oder frisch (3 Stängel)
  • 6-7 Orangen
  • 1-2 Zitronen
  • 30 ml Weißwein (einen Schuß)
  • 100 ml Grand Marnier
  • 300 ml Orangensaft frisch gepresst
  • 1 l Gemüsebrühe
  • Salz, Pfeffer n.B.

Vorgehensweise

  1. Zuerst die Ente waschen und von restlichen Federn befreien.
  2. Die Ente in einen großen Topf legen, einsalzen und ohne Zugabe von Fett rundum bräunen. Die Ente hat bereits selbst Fett, was sie zur Bräunung nehmen kann.
  3. Nach etwa 10 bis 15 Minuten mit dem Grand Marnier ablöschen. Die Temperatur nun ein wenig herunterstellen.
  4. Nach wenigen Minuten den Weißwein zugeben. Achtung vor einer möglichen Stichflamme! Hier am besten die Ente kurz vom Herd nehmen und dann den Weißwein zugeben.
  5. Sogleich auch den frisch gepressten Orangensaft aus etwa 3 Orangen und einer Zitrone und die Gemüsebrühe zugeben. Die Ente müsste nun fast bedeckt sein.
  6. Die Temperatur soweit absenken, sodass die Ente köchelt. Diese für etwa 40 Minuten bei geschlossenem Topf köcheln lassen.
  7. In der Zwischenzeit die Schale von 2 Orangen in sehr feine Streifen schneiden. Dabei nicht das Weiße verwenden. Am besten eignet sich dazu ein Sparschäler.
  8. Die zwei geschälten Orangen sowie die restlichen Orangen in Scheiben schneiden, die Kerne entfernen.
  9. Die Scheiben von zwei Orangen mit zur Ente geben. Die restlichen Scheiben von etwa 3 Orangen auf eine Platte im Kreis anrichten.
  10. Nach den 40 Minuten den Deckel abnehmen, die Temperatur ein wenig höher stellen und den Sud ein wenig einkochen lassen. Dies sollte nun etwa um die 20 bis 30 Minuten geschehen.
  11. Wenn die Ente gar ist, diese auf die Platte in die Mitte legen, sodass sie ringsum kreisförmig von den Orangenscheiben umrahmt wird.
  12. Den Sud nun nach Belieben eindicken. Ich persönlich nehme eine kleine Tasse mit kaltem Wasser und rühre dort Mehl ein. So gibt es keine Klümpchen. Diese Mischung gieße ich in den kochenden Sud nur so viel, wie dick ich die Soße haben möchte. Das Ganze kurz aufkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer je nach Belieben abschmecken und die Soße über die Ente geben.
Ente in Orangensoße, Anatra all'arancia.
Traditionelle Ente in Orangensoße, schon zerlegt. Fehlt nur noch die Soße darüber.

Guten Appetit! Buon appetito!