Wer nach Ligurien in die Provinzen Genua, Imperia und Savona fährt, der kann sie schon von Weitem sehen: sonnengelbe Flecken inmitten dem zarten Grün der Büsche und Bäume, die im Februar und März aus ihrem winterlichen Schlaf erwachen. Die Rede ist von der Mimose, botanisch Acacia dealbata, die bereits seit dem 19. Jahrhundert in Europa kultiviert wird und seit 1946 als nationales Symbol für den Tag der Frau steht und deshalb zum Frauentag (Giornata internazionale della donna, allgemein üblich ist aber Festa della donna) am 8. März überreicht wird. 

Mimosenbaum in voller Blüte
Mimosenbaum in voller Blüte

Weitere Feiertage in Italien

Wo gedeiht die Mimose in Italien?

Die Mimose ist insbesondere in Ligurien, an der ligurischen Riviera, weit verbreitet, aber man findet sie in Italien auch in der Toskana, auf Sizilien und im gesamten Süden sowie an den nördlichen Seen.

Ursprünglich kommt die Pflanze jedoch aus Tasmanien in Australien, wurde dann anscheinend im 19. Jahrhundert eingeschleppt und hat insbesondere in Ligurien ihr Habitat gefunden. Die Silber-Akazie, wie die Mimose auch genannt wird, liebt gut durchlässige und eher saure Böden, keine strengen Winter und keinen Dauerregen. Sie liebt eher trockenere Gefilde, denn dann entwickelt sie ihre Blüten. Bedingungen also, die in Italien insbesondere in Ligurien gegeben sind. 

Insbesondere kann zwischen Vallebona und Perinaldo in der Provinz Imperia in der Zeit zwischen Februar und März eine wahre Farbexplosion beobachtet werden. dann nämlich blühen ganze Landstriche in einem strahlenden Sonnengelb. 

Die Wahl zum Symbol für den Frauentag

Detailaufnahme einer Mimosenblüte
Detailaufnahme einer Mimosenblüte

Seit der Wahl der Mimose als Symbol für den Frauentag am 8. März werden in Ligurien über 200 Hektar des Mimosenbaumes angebaut, das entsprechen etwa 90 Prozent der Gesamtproduktion an Mimosen in Italien.  

Warum sollte es aber ausgerechnet die Mimose als Symbol für den Tag der Frau sein und nicht wie in Europa üblich das Veilchen? Die Idee kam von Teresa Noce, Teresa Mattei und Rita Montagnana, die die Silber-Akazie 1946 vorschlugen. Der Grund für die Wahl ist eher simpel: Veilchen waren zu teuer. Die Mimose gab es nahezu umsonst, denn sie wuchs wild in Italien. Eine Produktion der Silber-Akazie würde wesentlich preisgünstiger sein als die Produktion von Veilchen, weshalb die Wahl der Frauentags-Blume schließlich auf die Mimose fiel. Seither wird die Mimose in Italien am Frauentag verschenkt. In Pieve Ligure in der Provinz Genua wird sogar Volksfest mit der Mimose gefeiert, in anderen Regionen gilt sie als wirtschaftliche Komponente, die Arbeitsplätze schafft. 

Gibt es weitere Arten der Silber-Akazie?

Mimose ist nicht gleich Mimose, es gibt vielmehr verschiedene Arten wie Gaulois, im genuesischen Dialekt auch Galuà genant oder auch Moonlight, Tournaire (Turnè) und beispielsweise Denis Bodei. Schädlinge hat die Pflanze kaum, weshalb Fungizide und Pestizide eher selten zum Einsatz kommen.

Wo bekommen Frauen die Mimose in Italien geschenkt?

In Italien wird die Mimose am 8. März zum Frauentag verschenkt, jedoch nicht nur von den Liebsten zuhause, sondern auch im öffentlichen Leben. Wer einmal an diesem Tag in Italien war, der hat sicher festgestellt, dass selbst in einem Supermarkt, Mimosen den Frauen als Geschenk überreicht werden. Auch in Fußgängerzonen, in Läden, in Lokalen und an Tankstellen werden Mimosen zum Frauentag überreicht. 

Wie wird die Mimose zuhause gepflegt?

Wer eine Mimose zum Frauentag geschenkt bekommt, nimmt einfach die Plastikverpackung ab, lässt sie in klarem, frischen Wasser mit einem Spritzer Zitrone für ein paar Minuten einweichen und stellt sie dann an einen feuchten, hellen Ort. Täglich mit frischen Wasser besprühen, damit sie nicht austrocknet, denn die Pflanze gibt bei ihrer Transpiration viel Wasser ab. Ohne eine Besprühung würde die Mimose schneller austrocknet.

Der 8. März wird zur Geste der Störung

Während des Kalten Krieges in den 1950er Jahren wird der 8. März und damit das Verteilen der Mimose bzw. von der Monatszeitschrift der Unione Donne Italiane (UDI), Noi donne, zu einer „Geste zum Stören der öffentlichen Ordnung“ („atto a turbare l’ordine pubblico“).

Die Senatoren und Sozialistinnen Giuseppina Palumbo und Giuliana Nenni sowie die Kommunistin Luisa Balboni legten im Jahr 1959 einen Gesetzesentwurf vor, um den 8. März zum nationalen Feiertag zu machen. Doch der Gesetzentwurf zum nationalen Frauentag in Italien fand kein Gehör.

Zwar verbesserte sich das politische Klima in den nachfolgenden Jahrzehnten, aber der Gesetzentwurf blieb ungeachtet in der Schublade – bis in den 1970er Jahren. Dann trat ein neues Phänomen in Italien auf: die Frauenbewegung (il movimento femminista).

In Rom wurde am 8. März 1972 auf der Piazza Campo de‘ Fiori der Frauentag zusammen mit der amerikanische Schauspielerin Jane Fonda gefeiert. Umrahmt wurde das Ganze durch ein großes Polizeiaufgebot, das den römischen Platz umstellte. Viele Frauen, die an dem Frauentag in Rom teilnahmen, hielten Plakate hoch, auf denen die Homosexualität befreit, die Ehe als legale Prostitution bezeichnet und die Abtreibung legalisiert werden sollte. Die feministische Demonstration forderte, dass die Frau selbst ihre Mutterschaft verwalten könne und nicht etwa der Statt oder gar die Katholische Kirche. Nach einer Weile war genug des Guten. Die Polizei löste die Demonstration auf. Heute sind viele Straßen und Gärten in Italien nach dem 8. März, den Frauentag, benannt.