Friaul-Julisch Venetien ist eine Region der Übergänge. Zwischen den Julischen Alpen und der Adria treffen italienische, slowenische, friulanische und mitteleuropäische Einflüsse aufeinander. Wer Friaul-Julisch Venetien nur über die bekannten Sehenswürdigkeiten betrachtet, sieht deshalb nur einen Teil der Region. Interessanter wird es dort, wo Geschichte, Sprache, Literatur und Landschaft ineinandergreifen – in kleinen Orten, alten Schlössern, Karstlandschaften und den Häusern, in denen Schriftsteller gelebt und geschrieben haben.
Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ausgesprochener Kulturliebhaber bin. Deshalb habe ich Friaul-Julisch Venetien auf unterschiedlichen, selbst zusammengestellten Reisen besucht. Die Region in einer Woche zu bereisen und danach zu denken, man habe alles gesehen und verstanden, ist meines Erachtens ein Irrglaube.
Allein meine Literaturreise im Frühjahr 2025 hat sechs Tage gedauert. Meine Schlössertour im Oktober 2024 nahm eine weitere Woche in Anspruch – dazu kommen zahlreiche Bergwanderungen, die mich immer wieder in andere Teile der Region geführt haben.
Wer Friaul-Julisch Venetien wirklich tiefgründiger entdecken möchte, sollte deshalb mehrere Wochen einplanen oder mehrmals kommen. Auf dieser Seite möchte ich meine Reisen und Entdeckungen vorstellen – für alle, die die Region nicht nur besichtigen, sondern sie auch auf kultureller Ebene intensiver kennenlernen möchten.
Hier geht es deshalb nicht allein um die klassischen Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Miramare. Ich möchte Ihnen Orte, Geschichten, Schriftsteller, Schlösser, Landschaften und Besonderheiten zeigen, die man bei einem gewöhnlichen Besuch leicht übersieht.
Das erwartet Sie auf meiner Seite
Lage, Fläche und geografische Besonderheiten Vier Körperschaften – vier unterschiedliche Landschaften
Gorizia, Pordenone, Triest und Udine Landschaften zwischen Alpen, Karst und Adria
Gebirge, Höhlen und außergewöhnliche Naturräume Die Magredi – eine trockene Landschaft am Tagliamento
Kiesflächen und seltene Pflanzen der friaulischen Ebene Der Tagliamento – ein Fluss, der seine Landschaft selbst formt
Ein außergewöhnlicher Fluss und seine Lebensräume Die Risorgive – Wasser aus dem Untergrund
Quellen, Feuchtwiesen und seltene Lebensräume Endemische Pflanzen und besondere Tiere
Seltene Arten und ihre besonderen Lebensräume Die Herrscher von Friaul-Julisch Venetien
Adelsfamilien, Machtkämpfe und historische Spuren Meine Literaturreise: Auf den Spuren der Schriftsteller
Sechs Tage zwischen Literatur, Geschichte und Landschaft Verborgene Schlösser und Residenzen
Historische Adelssitze abseits der bekannten Routen Wissenswertes und Kurioses zu Friaul-Julisch Venetien
Besondere Fakten und weniger bekannte Geschichten
Mehr über die Region und Italien
Geografische Übersicht über Italien Karte der Regionen Italiens
Die 20 Regionen Italiens auf einer Karte entdecken Regionen Italiens
Alle 20 Regionen mit ihren Besonderheiten Städte und Dörfer
Italienische Städte und kleinere sehenswerte Orte Sehenswürdigkeiten in Italien
Historische Orte, Bauwerke und besondere Ausflugsziele Kulturhauptstadt Pordenone
Kultur, Geschichte und Sehenswürdigkeiten in Pordenone
Friaul-Julisch Venetien auf einen Blick
Friaul-Julisch Venetien liegt im äußersten Nordosten Italiens und reicht von den Julischen und Karnischen Alpen bis zur Adriaküste. Im Osten grenzt die Region an Slowenien, im Norden an Österreich. Italienische, friulanische, slowenische und mitteleuropäische Einflüsse haben hier eine Kulturlandschaft entstehen lassen, die sich deutlich von anderen Regionen Italiens unterscheidet.
Fläche: rund 7.900 km²
Bevölkerung: rund 1,19 Millionen Einwohner
Körperschaften: 4 – Gorizia, Pordenone, Trieste und Udine
Friaul-Julisch Venetien gehört zu den kleineren Regionen Italiens, besitzt aber eine ungewöhnliche landschaftliche und kulturelle Vielfalt. Von den Alpen über die friulanische Ebene und den Karst bis zur Adria liegen auf engem Raum sehr unterschiedliche Landschaften nebeneinander.
Karte von Friaul-Julisch Venetien mit Provinzen

Vier regionale Körperschaften – vier unterschiedliche Landschaften
Obwohl Friaul-Julisch Venetien flächenmäßig relativ klein ist, lässt sich die Region kaum auf einen einzigen Charakter reduzieren. Gorizia steht für Grenzgeschichte und den Isonzo, Pordenone für Handwerk, Ebene und Bergland, Triest für Karst, Hafen und mitteleuropäische Kultur, Udine für das historische Friaul.
Gerade diese Unterschiede machen die Region für mich so interessant. Wer nur Triest und vielleicht noch Grado besucht, lernt Friaul-Julisch Venetien nur ausschnittweise kennen. Die eigentliche Vielfalt beginnt dort, wo man die großen Städte verlässt und sich mit den kleinen Orten, Landschaften, Schlössern, literarischen Spuren und historischen Besonderheiten beschäftigt.
Provinz Gorizia
Provinzhauptstadt: Gorizia
Landschaft und Charakter: Die Provinz Gorizia liegt im äußersten Osten der Region und grenzt unmittelbar an Slowenien. Der Isonzo, die Collio-Weinberge und der historische Grenzraum prägen die Landschaft. Hier treffen italienische, slowenische und mitteleuropäische Einflüsse besonders deutlich aufeinander.
Traditionelles Handwerk: Gorizia ist unter anderem für die traditionelle Klöppelspitze bekannt.
Sehenswerte Orte: Gorizia mit seiner Burg und den historischen Plätzen, Gradisca d’Isonzo, die Landschaft des Collio, Grado und die Orte entlang des Isonzo.
Besonderheit: Kaum ein anderer Teil Italiens macht die wechselvolle Geschichte der europäischen Grenzen so unmittelbar sichtbar wie Gorizia und das angrenzende Gebiet um Nova Gorica.
Provinz Pordenone
Provinzhauptstadt: Pordenone
Landschaft und Charakter: Die Provinz reicht von der friulanischen Ebene bis an die Ausläufer der Dolomiten. Zwischen Flüssen, historischen Kleinstädten und Berglandschaften findet sich eine besonders abwechslungsreiche Kulturlandschaft.
Traditionelles Handwerk: Maniago ist seit Jahrhunderten für die Herstellung von Messern und Klingen bekannt. Spilimbergo besitzt eine bedeutende Tradition der Mosaikkunst.
Sehenswerte Orte: Pordenone, Spilimbergo, Maniago, Sacile, Polcenigo, Poffabro, Valvasone, Sesto al Reghena sowie Erto und Casso am Vajont.
Besonderheit: In dieser Provinz treffen handwerkliche Traditionen, friulanische Kleinstädte und die Bergwelt der Dolomiten unmittelbar aufeinander.
Provinz Triest
Provinzhauptstadt: Triest
Landschaft und Charakter: Die kleinste der vier Provinzen verbindet Adriaküste, Karstlandschaft und die Geschichte der Habsburgermonarchie. Triest war über Jahrhunderte ein wichtiger Hafen- und Handelsplatz und entwickelte dadurch eine besondere kulturelle Vielfalt.
Traditionelles Handwerk: In Triest und im Karst haben sich unterschiedliche handwerkliche Traditionen erhalten, unter anderem in der Holz-, Metall-, Textil- und Keramikverarbeitung.
Sehenswerte Orte: Piazza dell’Unità d’Italia, Canal Grande, Castello di San Giusto, Molo Audace, Schloss Miramare, Duino, Grotta Gigante, Val Rosandra und die Risiera di San Sabba.
Kulturelle Besonderheit: Triest ist zugleich eine Stadt der Literatur. Italo Svevo, Umberto Saba, Scipio Slataper, Virgilio Giotti und Boris Pahor sind eng mit der Stadt und ihrer Geschichte verbunden.
Provinz Udine
Provinzhauptstadt: Udine
Landschaft und Charakter: Die Provinz Udine bildet das historische Herz des Friaul. Sie reicht von der Ebene über die friulanischen Hügel bis in die Karnischen und Julischen Alpen.
Traditionelles Handwerk: Überliefert sind unter anderem Holzschnitzerei, Keramik sowie verschiedene Arbeiten aus Metall und Textilien.
Sehenswerte Orte: Udine mit Schloss und Altstadt, Cividale del Friuli, Venzone, Gemona del Friuli, San Daniele del Friuli, Palmanova, Aquileia und Schloss Colloredo di Monte Albano.
Besonderheit: Die Provinz vereint einen großen Teil dessen, was mit dem historischen Friaul verbunden wird: friulanische Sprache und Kultur, mittelalterliche Orte, venezianische Einflüsse, Schlösser, Weinlandschaften und die Bergwelt im Norden.
Landschaften zwischen Alpen, Karst und Adria
Kaum eine italienische Region verändert ihr Gesicht auf so kurzer Strecke wie Friaul-Julisch Venetien. Im Norden reichen die Karnischen und Julischen Alpen bis an die österreichische und slowenische Grenze. Weiter südlich gehen die Berge in Voralpen, Hügel und schließlich in die weite friaulische Ebene über. Noch weiter östlich verändert sich der Charakter der Landschaft erneut: Der Karst beginnt und zieht sich bis an die Adriaküste.
Diese Übergänge sind besonders interessant. Zwischen den einzelnen Landschaftsräumen liegen keine scharf voneinander getrennten Grenzen. Wasser, Gestein, Höhenlage und Klima greifen ineinander und schaffen auf kleinstem Raum ganz unterschiedliche Lebensbedingungen. Während in den Bergen alpine Arten vorkommen, finden sich wenige Kilometer entfernt trockene Schotterflächen, Feuchtwiesen oder eine Vegetation, die bereits deutlich mediterrane Züge trägt.
Besonders eindrucksvoll lässt sich das am Karst beobachten. Das kalkreiche Gestein ist von Rissen, Dolinen, Höhlen und unterirdischen Wasserläufen durchzogen. Niederschlag verschwindet teilweise rasch im Untergrund und tritt an anderer Stelle wieder als Quelle zutage. Dadurch entstehen Landschaften, die auf den ersten Blick trocken wirken können, obwohl sich unter der Oberfläche ein komplexes Wassersystem verbirgt.
Wer den Karst erleben möchte, muss deshalb nicht nur eine Höhle besichtigen. Rund um Sgonico, Duino, Aurisina und das Val Rosandra lässt sich die Karstlandschaft auch oberirdisch entdecken. Der Rilkeweg zwischen Duino und Sistiana, den ich jedem ans Herz legen möchte, führt entlang der weißen Kalkklippen und bietet gleichzeitig einen Blick über den Golf von Triest. Der Weg ist rund 1,7 Kilometer lang und weitgehend eben.
Eine weitere Möglichkeit bietet die Strada Vicentina, die sogenannte Napoleonische Straße oberhalb von Triest. Von hier führen verschiedene Wege in die Karstlandschaft. Der Blick reicht über die Hochfläche des Karstes bis zur Adria und macht deutlich, wie abrupt die Landschaft zwischen dem felsigen Hinterland und dem Meer abfällt.
Eine besonders ursprüngliche Karstlandschaft findet sich zudem im Naturreservat Val Rosandra bei Triest. Das Schutzgebiet liegt in einer geologisch und botanisch außergewöhnlichen Übergangszone. Wanderwege führen durch das Tal zu Höhlen, Aussichtspunkten und historischen Spuren. Besonders eindrucksvoll sind der rund 36 Meter hohe Wasserfall und die Überreste eines römischen Aquädukts.
Wandern im Karst: Val Rosandra
Das Val Rosandra gehört zu den besten Gebieten, wenn Sie die Karstlandschaft nicht nur ansehen, sondern zu Fuß erleben möchten. Die Wege führen durch eine Landschaft aus hellem Kalkstein, trockenen Hängen, Felswänden und mediterran beeinflusster Vegetation. Gleichzeitig zeigt das Tal, wie Wasser den Karst verändert: Der Fluss Rosandra hat sich tief in das Gestein eingeschnitten und eine auffällige Schlucht geschaffen.
Auf den Wegen begegnen Ihnen außerdem Spuren verschiedener Epochen. Neben natürlichen Höhlen und Aussichtspunkten finden sich Reste alter Verkehrswege und des römischen Aquädukts. Das Val Rosandra verbindet damit Geologie, Pflanzenwelt und Geschichte auf vergleichsweise kleinem Raum.
Auch unter der Erde zeigt sich die Vielfalt des Karstes. Die Grotta Gigante bei Sgonico gehört zu den bekanntesten Höhlen der Region. Ihre riesige unterirdische Halle besitzt eine Höhe von fast 100 Metern. Ein geführter Besucherweg führt tief in den Untergrund und vermittelt einen Eindruck davon, welche Dimensionen die unterirdische Karstwelt erreichen kann.
Grotta Gigante bei Sgonico
Die Grotta Gigante ist nicht einfach eine Tropfsteinhöhle mit einigen Stalaktiten. Ihre Besonderheit liegt in der gewaltigen Dimension des unterirdischen Hohlraums. Die Höhle besitzt ein Volumen von etwa 365.000 Kubikmetern und eine Höhe von nahezu 100 Metern. Der erschlossene Besucherweg ist rund 850 Meter lang.
Damit lässt sich hier besonders gut nachvollziehen, was mit einer „Karstlandschaft unter der Erde“ gemeint ist: Das Wasser hat sich über lange Zeiträume seinen Weg durch das Kalkgestein gesucht und dabei riesige Hohlräume geschaffen.
Eine andere Form des Karstes kann man in der Grotte di Villanova im Alta Val Torre erleben. Die Grotta Nuova ist eine sogenannte Kontaktkarsthöhle, die sich an der Grenze unterschiedlicher Gesteine entwickelt hat. Im Inneren befinden sich weitläufige Galerien, unterirdische Schluchten, Tropfsteinformationen und ungewöhnliche exzentrische Stalaktiten. Die Höhle kann auf geführten Rundgängen erkundet werden.
Noch ungewöhnlicher ist die Grotta di San Giovanni d’Antro bei Pulfero. Hier verbinden sich Geologie, Geschichte und Religion. Über eine Treppe mit rund 100 Stufen gelangt man zu einer Höhle, in der sich eine Kapelle mit einem barocken Holzaltar befindet. Die Höhle diente bereits früh als Zufluchts- und Kultort. Der Weg dorthin verbindet damit eine Karstlandschaft mit einem ungewöhnlichen Zeugnis religiöser Geschichte.
Grotta Torri di Slivia bei Aurisina
Eine weitere interessante Höhle liegt bei Aurisina, mitten im klassischen Karstgebiet oberhalb der Triester Küste. Die Grotta Torri di Slivia führt etwa 60 Meter tief in den Untergrund. Über rund 200 Stufen gelangt man in die Höhle, die vor allem durch ihre Tropfsteinformationen interessant ist.
Ihr besonderer Reiz liegt darin, dass sich hier die oberirdische Karstlandschaft unmittelbar mit ihrer unterirdischen Fortsetzung verbinden lässt. Wer vorher die trockenen Kalkflächen und Felsformationen rund um Aurisina gesehen hat, bekommt in der Höhle eine Vorstellung davon, was sich unter dieser Landschaft verbirgt.
Wer dagegen die Karstlandschaft unter freiem Himmel erleben möchte, findet sie besonders eindrucksvoll an der Triester Küste zwischen Aurisina und Duino. Die weißen Kalkfelsen, trockenen Wiesen, niedrigen Gehölze und die Nähe zum Meer schaffen einen Lebensraum, der sich deutlich von der feuchten Ebene des Friaul unterscheidet.
Hier wächst auch Centaurea kartschiana, eine der botanischen Besonderheiten des Triester Karstes. Die Pflanze ist eng an die kalkreichen Felsstandorte der Küste gebunden und kommt vor allem im Bereich zwischen Aurisina und Duino vor. Ihre Blütezeit liegt im Juni und Juli.
Die Magredi – eine trockene Landschaft am Tagliamento
Ein vollkommen anderes Bild bieten die Magredi von Meduna und Cellina westlich von Pordenone. Das Wort „Magredi“ bezeichnet trockene, nährstoffarme Landschaften, deren Böden aus großen Mengen Kies, Schotter und Sand bestehen. Das Material wurde über lange Zeiträume von den Flüssen aus den Alpen herantransportiert.
Besonders zwischen den Flüssen Cellina und Meduna ist eine weitläufige Landschaft erhalten geblieben, die auf den ersten Blick beinahe karg wirkt. Gerade diese scheinbare Armut macht die Magredi botanisch interessant. Pflanzen müssen hier mit trockenen Böden, wenig Wasser und großen Temperaturschwankungen zurechtkommen.
Die Magredi gehören deshalb zu den ungewöhnlichsten Lebensräumen des Friaul. Sie erinnern stellenweise eher an eine steinige Steppe als an die fruchtbare Ebene, die man mit Norditalien normalerweise verbindet.
Brassica glabrescens – der friaulische Kohl
Brassica glabrescens ist eine besonders seltene Pflanze der trockenen Schotterlandschaften. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in den Magredi von Meduna und Cellina sowie bei Tauriano im Raum Pordenone.
Der friaulische Kohl wächst auf kalkreichen Schotter-, Fels- und Geröllflächen und kommt in relativ niedrigen Höhenlagen vor. Wer seinen Lebensraum kennenlernen möchte, sollte deshalb nicht nach einer klassischen Blumenwiese suchen, sondern die offenen und steinigen Magredi betrachten. Die Blütezeit liegt ungefähr im April und Mai.
Die Pflanze ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine Landschaft, die auf den ersten Blick karg erscheint, keineswegs artenarm sein muss.
Der Tagliamento – ein Fluss, der seine Landschaft selbst formt
Der Tagliamento verbindet mehrere dieser Landschaftsräume miteinander. Der Fluss entspringt in den Karnischen Alpen, durchquert die Voralpen und die friaulische Ebene und transportiert dabei große Mengen Gestein aus den Bergen in Richtung Süden.
Besonders außergewöhnlich ist seine weitgehend natürliche Dynamik. An vielen Stellen besteht das Flussbett nicht aus einem einzigen festgelegten Wasserlauf. Stattdessen teilt sich der Fluss in zahlreiche Arme, die sich je nach Wasserstand verändern können. Dazwischen liegen breite Kiesbänke und Inseln.
Diese natürliche Flussdynamik schafft ständig neue Lebensräume. Manche Flächen werden regelmäßig überschwemmt, andere bleiben über längere Zeit trocken. Dadurch können unterschiedliche Pflanzen- und Tiergemeinschaften auf engem Raum nebeneinander bestehen.
Die Bedeutung des Tagliamento reicht deshalb weit über seine Funktion als Fluss hinaus. Seine Schotterflächen haben auch zur Entstehung der Magredi beigetragen und verbinden die alpine Welt mit der Ebene und der Adriaküste.
Die Landschaft des Tagliamento erleben
Besonders interessant sind die offenen Flusslandschaften im Bereich von San Martino al Tagliamento und weiter südlich. Hier können Sie die breiten Kiesflächen, Wiesen und wechselnden Flussarme unmittelbar erleben. Auch bei Osoppo lassen sich die Übergänge zwischen Flusslandschaft, trockenen Schotterflächen und feuchteren Lebensräumen beobachten.
Der Tagliamento ist dabei kein klassischer Fluss mit einer durchgehend befestigten Uferpromenade. Gerade seine weitgehend natürliche Form macht ihn interessant. Die Landschaft wirkt an vielen Stellen ursprünglich und unterscheidet sich deutlich von den regulierten Flüssen, die man aus vielen anderen Teilen Europas kennt.
Die Risorgive – Wasser aus dem Untergrund
Der Gegensatz zu den trockenen Magredi könnte kaum größer sein als bei den Risorgive, den Quellen der friaulischen Tiefebene. Zwischen dem Bereich von Codroipo und Palmanova tritt Grundwasser aus dem Untergrund an die Oberfläche. Es entstehen Quellbäche, Feuchtwiesen, Niedermoore und kleine Wasserläufe.
Die Ursache liegt in der Geologie der Ebene. Das Wasser versickert weiter nördlich in den durchlässigen Schotterflächen und trifft südlich der sogenannten Risorgive-Linie auf weniger durchlässige Bodenschichten. Dadurch wird das Grundwasser wieder an die Oberfläche gedrückt.
Diese Landschaften sind heute besonders wertvoll, weil viele ursprüngliche Feuchtgebiete in Europa durch Entwässerung und intensive Landwirtschaft verschwunden sind. Die erhaltenen Risorgive gehören deshalb zu den botanisch interessantesten Bereichen der friaulischen Ebene.
Endemische Pflanzen und besondere Tiere
Die besondere geografische Lage macht Friaul-Julisch Venetien auch botanisch außergewöhnlich. Alpine, mediterrane, karstige und feuchte Lebensräume liegen hier ungewöhnlich dicht beieinander. Einige Pflanzen haben sich so stark an einzelne dieser Lebensräume angepasst, dass sie heute nur noch in sehr kleinen Gebieten vorkommen.
Armeria helodes – eine Pflanze der Risorgive
Armeria helodes ist eine regional endemische Art der feuchten und moorigen Lebensräume südlich der Risorgive-Linie. Besonders bekannt ist das Biotop von Flambro bei Talmassons. Die Art ist eng an diese speziellen Feuchtlebensräume gebunden und deshalb nicht einfach an beliebigen Wiesen der friaulischen Ebene zu finden.
Erucastrum palustre – der Sumpf-Kohl der Quellen
Erucastrum palustre ist ein regionaler Endemit der friaulischen Tiefebene. Die Pflanze wächst in kalkreichen Niedermooren und feuchten Wiesen der Risorgive. Bedeutende Lebensräume liegen in der Zone zwischen Codroipo und Palmanova, darunter das Gebiet der Risorgive dello Stella.
Brassica glabrescens – der friaulische Kohl
Brassica glabrescens gehört zu den seltenen Pflanzen der trockenen Magredi. Die wichtigsten Vorkommen liegen in den Magredi von Meduna und Cellina sowie bei Tauriano im Raum Pordenone.
Die Art wächst auf kalkreichen Schotter- und Felsstandorten und zeigt damit eine völlig andere Anpassung als die Pflanzen der Risorgive. Während diese feuchte Böden benötigen, kommt der friaulische Kohl mit trockenen und nährstoffarmen Standorten zurecht.
Centaurea kartschiana – eine Pflanze des Küstenkarstes
Centaurea kartschiana gehört zu den botanischen Besonderheiten des Triester Karstes. Ihr Verbreitungsgebiet ist klein. Sie kommt an den kalkreichen Felsstandorten der Triester Küste zwischen Aurisina und Duino vor und wächst teilweise direkt in Felsspalten.
Damit ist sie ein gutes Beispiel für die besondere Verbindung von Karst und Meer. Die Pflanze muss nicht nur mit dem trockenen Kalkboden, sondern auch mit den besonderen klimatischen Bedingungen der exponierten Küste zurechtkommen. Ihre Blütezeit liegt im Juni und Juli.
Die Herrscher von Friaul-Julisch Venetien – Familien, Macht und ihre Spuren
Wer durch Friaul-Julisch Venetien fährt, sieht viele Burgen, Schlösser und Paläste. Doch hinter vielen dieser Bauwerke stehen Familien, deren Macht über Jahrhunderte das Leben in der Region bestimmte. Manche kämpften um Land und Einfluss, andere standen im Dienst Venedigs oder der Habsburger. Zwischen ihnen entstanden Bündnisse, Erbfeindschaften und manchmal auch offene Gewalt.
Die Savorgnan beispielsweise lieferten sich erbitterte Fehden mit anderen Adelsfamilien, die Colloredo stiegen von regionalen Burgherren zu einem europäischen Adelsgeschlecht auf, während die Strassoldo ihre beiden Burgen an einer jahrhundertelang umkämpften Grenze bewahrten. Über allem standen zunächst die Patriarchen von Aquileia, später Venedig und schließlich die Habsburger. Einige der wichtigsten Adelsfamilien möchte ich nachfolgend vorstellen.
Patriarchen von Aquileia
Herrschaftszeit: 1077–1420 als weltliche Landesherren des Friaul.
Die Patriarchen von Aquileia gehörten zu den ungewöhnlichsten Herrschern der Region. Sie waren Geistliche, besaßen aber zugleich weitreichende weltliche Macht. 1077 übertrug Kaiser Heinrich IV. dem Patriarchen von Aquileia umfangreiche Rechte und machte ihn damit zu einem der wichtigsten Landesherren im mittelalterlichen Friaul. Das Patriarchat entwickelte sich zu einem eigenständigen politischen Machtzentrum zwischen dem Heiligen Römischen Reich, Venedig und den benachbarten Herrschaften.
Die Patriarchen mussten ihre Macht allerdings immer wieder gegen andere Adelsgeschlechter behaupten. Besonders die Grafen von Görz wurden zu ihren Konkurrenten. Auch die friaulischen Adelsfamilien verfügten über eigene Burgen, Gefolgschaften und politische Interessen und waren keineswegs bereit, sich widerspruchslos der Herrschaft des Patriarchen unterzuordnen.
Was heute noch von dieser Herrschaft zu sehen ist: Die bedeutendsten Spuren finden sich in Aquileia, Cividale del Friuli, Udine und San Daniele del Friuli. Besonders die Basilika von Aquileia erinnert an die außergewöhnliche religiöse und politische Bedeutung des Patriarchats. Auch zahlreiche Burgen und befestigte Orte im Friaul entstanden oder wurden während dieser Epoche ausgebaut.
1420 endete die weltliche Herrschaft der Patriarchen, als die Republik Venedig den größten Teil des Friaul übernahm. Das Patriarchat selbst bestand als kirchliche Institution noch bis 1751 weiter.
Grafen von Görz
Herrschaftszeit: etwa 12. Jahrhundert–1500.
Die Grafen von Görz gehörten zu den mächtigsten weltlichen Herrschern im östlichen Friaul. Ihr Einfluss reichte weit über Görz hinaus und verband den Raum zwischen Kärnten, dem Friaul, Istrien und dem Heiligen Römischen Reich. Dadurch geriet das Geschlecht immer wieder in Konkurrenz zu den Patriarchen von Aquileia, die ebenfalls Anspruch auf die politische Vorherrschaft in Teilen des Friaul erhoben.
Die Lage des Herrschaftsgebietes machte die Grafen von Görz zu wichtigen Akteuren in einer politischen Grenzregion. Ihre Geschichte war von wechselnden Bündnissen und Konflikten mit den Patriarchen, Venedig und später den Habsburgern geprägt. Gerade diese Grenzlage erklärt, weshalb im östlichen Friaul so viele Burgen und befestigte Herrschaftssitze entstanden.
Was heute noch von dieser Herrschaft zu sehen ist: Besonders deutlich wird die Geschichte der Grafen in Görz und auf der Burg von Görz. Auch die Befestigungsanlagen von Gradisca d’Isonzo und zahlreiche Burgen des ehemaligen Görzer Herrschaftsraumes erinnern an diese Zeit.
1500 starb mit Leonhard von Görz der letzte Graf des Geschlechts. Sein Erbe fiel an die Habsburger. Damit begann eine neue Phase der Geschichte, in der die österreichische Macht im östlichen Friaul immer stärker wurde.
Savorgnan
Herrschaftszeit: seit dem Mittelalter; politische Bedeutung besonders vom 14. bis zum 16. Jahrhundert.
Die Savorgnan waren eines der mächtigsten friaulischen Adelsgeschlechter. Ausgehend von ihren Besitzungen rund um Savorgnano del Torre bauten sie ihren Einfluss über zahlreiche Burgen und Herrschaften aus. Gleichzeitig standen sie in enger Verbindung zur Republik Venedig und stellten wichtige militärische Führer und politische Vertreter.
Besonders bekannt wurde die Familie jedoch durch die erbitterten Fehden mit anderen friaulischen Adelsgeschlechtern. Die Auseinandersetzungen waren nicht nur politische Machtkämpfe, sondern konnten in offene Gewalt umschlagen. Einen Höhepunkt erreichte der Konflikt 1511 in Udine beim sogenannten „Giovedì grasso“. Anhänger der Savorgnan gingen gegen rivalisierende Adelsfamilien vor. Paläste wurden geplündert, Gegner getötet und Burgen zerstört. Die Ereignisse gehören zu den dunkelsten Kapiteln der friaulischen Adelsgeschichte.
Was heute noch von den Savorgnan zu sehen ist: Zu den wichtigsten Spuren gehören Savorgnano del Torre, Osoppo und verschiedene ehemalige Savorgnan-Besitzungen. Auch die militärische Geschichte der Familie ist bedeutend. Giulio Savorgnan wurde als Festungsbaumeister bekannt und war an der Entwicklung moderner Befestigungsanlagen im venezianischen Herrschaftsgebiet beteiligt.
Die Geschichte der Savorgnan zeigt besonders deutlich, dass die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Burgen des Friaul nicht nur Wohnsitze waren. Sie waren Machtzentren, von denen aus Familien ihre politischen Interessen verteidigten.
Della Torre
Herrschaftszeit: seit dem Mittelalter; besonders bedeutend im 15. und 16. Jahrhundert.
Die Della Torre gehörten zu den bedeutenden Adelsfamilien des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Friaul. Ihre Geschichte ist eng mit den politischen Auseinandersetzungen innerhalb des friaulischen Adels verbunden. Besonders wichtig war ihre Rivalität mit den Savorgnan, die sich zu einem der bekanntesten Familienkonflikte der Region entwickelte.
Während die Savorgnan eng mit Venedig verbunden waren, standen Angehörige der Della Torre teilweise auf der gegnerischen Seite. Damit spiegelte der Konflikt zwischen beiden Familien gleichzeitig den größeren Gegensatz zwischen venezianischem und habsburgischem Einfluss wider. Im Aufstand von 1511 gehörten die Della Torre zu den Gegnern der Savorgnan. Die Auseinandersetzungen führten zu Plünderungen, Zerstörungen und zahlreichen Todesopfern.
Was heute noch von dieser Familie zu sehen ist: Die Spuren der Della Torre finden sich vor allem in ihren ehemaligen Feudalbesitzungen und Herrschaftssitzen im Friaul. Einige dieser mittelalterlichen Anlagen wurden später verändert oder zu repräsentativen Wohnsitzen umgebaut.
Die Della Torre sind deshalb besonders interessant, weil sich an ihrer Geschichte die politische Zerrissenheit des Friaul erkennen lässt. Die großen Adelsfamilien kämpften nicht nur um Burgen und Land, sondern auch darum, welcher übergeordneten Macht sie sich anschlossen.
Colloredo
Herrschaftszeit: seit dem 14. Jahrhundert; politischer und gesellschaftlicher Aufstieg über mehrere Jahrhunderte.
Die Familie Colloredo gehört zu den Geschlechtern, an denen sich der Wandel des friaulischen Adels besonders gut erkennen lässt. Ausgangspunkt war Castello di Colloredo di Monte Albano, das zu Beginn des 14. Jahrhunderts als befestigter Herrschaftssitz errichtet wurde. Von hier aus entwickelte sich die Familie zu einem bedeutenden Adelsgeschlecht, dessen Angehörige später in den Dienst der Habsburger traten.
Mit dem Aufstieg veränderte sich auch die Stellung der Familie. Aus regionalen Burgherren wurden Militärs, Diplomaten und Hofbeamte mit Verbindungen weit über Friaul hinaus. Gleichzeitig blieb die Familie in die lokalen Machtkämpfe verwickelt. Auch zwischen den Colloredo und den Savorgnan kam es zu persönlichen und gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Was heute noch von den Colloredo zu sehen ist: Das wichtigste erhaltene Zeugnis ist Castello di Colloredo di Monte Albano. Die Anlage ist nicht nur wegen ihrer Architektur interessant, sondern auch aus literaturgeschichtlicher Sicht. Ippolito Nievo verbrachte hier einen Teil seiner Kindheit. Das Schloss wurde später mit dem literarischen Schloss Fratta aus seinem Roman Le confessioni di un italiano verbunden.
Die Geschichte der Colloredo zeigt damit besonders schön, wie sich aus einer mittelalterlichen Burganlage über Generationen ein europäisch vernetztes Adelsgeschlecht entwickelte.
Strassoldo
Herrschaftszeit: seit dem Mittelalter; die Familie blieb über viele Jahrhunderte mit Strassoldo verbunden.
Die Familie Strassoldo gehört zu den alten Adelsgeschlechtern des Friaul. Ihre besondere Bedeutung ergibt sich weniger aus großen Eroberungen als aus ihrer außergewöhnlichen Lage. Strassoldo lag in einer Grenzregion, in der venezianische und habsburgische Interessen aufeinandertrafen. Dadurch musste sich die Familie immer wieder an veränderte politische Verhältnisse anpassen.
Die beiden Burgen von Strassoldo waren ursprünglich befestigte Herrschaftssitze. Während der Kriege zwischen Venedig und dem Reich wurde die strategische Bedeutung der Anlagen besonders deutlich. Im Laufe der Zeit verloren die Befestigungen jedoch ihre militärische Funktion und wurden zu repräsentativen Adelssitzen umgestaltet.
Was heute noch von den Strassoldo zu sehen ist: Besonders eindrucksvoll sind Castello di Sopra und Castello di Sotto. Wasserläufe, Gärten und historische Parkanlagen verbinden die beiden Anlagen mit der Landschaft. Gerade hier lässt sich nachvollziehen, wie aus einer mittelalterlichen Festung im Laufe der Jahrhunderte ein adeliger Landsitz wurde.
Strassoldo steht damit beispielhaft für den Wandel des friaulischen Adels: Aus dem wehrhaften Burgherrn wurde schließlich der Besitzer einer repräsentativen Residenz.
Republik Venedig
Herrschaftszeit: 1420–1797.
Venedig war keine Herrscherfamilie, sondern eine Republik – für die Geschichte des Friaul aber eine der entscheidenden Mächte. 1420 übernahm die Serenissima die weltliche Herrschaft über den größten Teil des ehemaligen Patriarchats von Aquileia. Damit begann eine fast vier Jahrhunderte dauernde venezianische Epoche.
Venedig musste seine neue Provinz allerdings gegen äußere Gegner und gegen die politischen Interessen des lokalen Adels sichern. Besonders im Osten blieb der habsburgische Einfluss stark. Die Grenze zwischen den venezianischen und habsburgischen Gebieten prägte Friaul über Jahrhunderte und bestimmte auch den Bau zahlreicher Festungen.
Was heute noch von Venedig zu sehen ist: Venezianische Spuren finden sich unter anderem in Udine, Cividale del Friuli, San Daniele del Friuli und Pordenone. Das außergewöhnlichste Beispiel ist Palmanova. Die Stadt wurde 1593 als streng geplante Festung gegründet. Ihr sternförmiger Grundriss zeigt bis heute, wie die Republik Venedig ihre Grenzen mit modernster Militärarchitektur sichern wollte.
Mit dem Ende der Republik Venedig 1797 endete auch diese Epoche. Die venezianische Prägung des Friaul ist jedoch bis heute im Stadtbild, in der Architektur und in den ehemaligen Festungsanlagen erkennbar.
Habsburger
Herrschaftszeit: regional unterschiedlich; vom 16. Jahrhundert bis 1918 prägend für große Teile von Friaul-Julisch Venetien.
Die Habsburger waren kein friaulisches Adelsgeschlecht, prägten die Region jedoch über Jahrhunderte. Nach dem Tod des letzten Grafen von Görz im Jahr 1500 fiel dessen Erbe an die Habsburger. Damit verstärkte sich ihre Stellung im östlichen Friaul. Gleichzeitig standen die habsburgischen Gebiete in einem dauerhaften politischen Gegensatz zu den venezianischen Besitzungen.
Diese Grenze war nicht nur eine Linie auf einer Landkarte. Sie beeinflusste Handel, Militär, Verwaltung und das Leben der Adelsfamilien. Angehörige lokaler Geschlechter konnten durch den Dienst für die Habsburger politischen Einfluss, militärische Ämter und neue Adelstitel gewinnen. Auch Familien wie die Strassoldo und Colloredo profitierten von dieser Entwicklung.
Was heute noch von den Habsburgern zu sehen ist: Besonders deutlich ist ihr Erbe in Görz, Triest und Gradisca d’Isonzo. In Triest entstand unter österreichischer Herrschaft eine bedeutende Hafen- und Handelsstadt mit großen Palästen, Plätzen und öffentlichen Gebäuden. In Görz und Umgebung erinnern Burgen, Festungen und Adelssitze an die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum habsburgischen Machtbereich.
Die habsburgische Epoche endete in Friaul-Julisch Venetien erst nach dem Ersten Weltkrieg. Bis heute gehört sie zu den wichtigsten Gründen dafür, dass die Region kulturell zwischen Italien, Mitteleuropa und dem Balkan steht.
Meine Literaturreise: Auf den Spuren der Schriftsteller
Meine Reise führt nicht einfach zu den bekannten Sehenswürdigkeiten im Friaul-Julisch Venetien. Sie folgt Schriftstellern, ihren Häusern, Museen und Landschaften und verbindet dabei Triest mit dem westlichen Friaul und den Bergen am Vajont. Ich hatte die Reise im Frühjahr 2025 als sechstägigen literarischen Kurzurlaub angelegt, denn ich liebe Literatur, Kunst und Geschichte.
Karte meiner Literaturreise

TAG 1 · TRIEST UND BASOVIZZA
Italo Svevo, Umberto Saba und Virgilio Giotti
Meine Literaturreise durch Friaul-Julisch Venetien begann in Triest. Für mich war das eigentlich der ideale Ausgangspunkt, denn kaum eine andere Stadt der Region ist so eng mit unterschiedlichen Schriftstellern und Sprachen verbunden. Ich wollte dabei nicht einfach Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern den Spuren von Autoren folgen, deren Bücher ich kenne und die ich nun an den Orten erleben konnte, an denen sie selbst gelebt und geschrieben haben.
Italo Svevo
Mein erster literarischer Halt war das LETS – Museo della Letteratura an der Piazza Attilio Hortis. Italo Svevo wurde 1861 in Triest geboren; sein eigentlicher Name war Aron Hector Schmitz. Bekannt wurde er vor allem durch La coscienza di Zeno, einen Roman, der mit viel Ironie die Selbsttäuschungen und Widersprüche des Menschen betrachtet.
Für mich sind solche Literaturmuseen immer etwas Besonderes. Zu Hause habe ich eine eigene Bibliothek, und wenn ich dort die Bücher eines Schriftstellers lese, bleibt er zunächst eine Figur aus seiner Zeit. Im Museum verändert sich das plötzlich. Dort werden persönliche Gegenstände Svevos aufbewahrt, die die Bombardierung seiner Villa 1945 überstanden haben, darunter seine Geige und sein Bücherregal. Vor solchen Dingen zu stehen, schafft eine Nähe, die kein Buch allein vermitteln kann.
Virgilio Giotti
Nach Svevo beschäftigte ich mich mit Virgilio Giotti. Er gehört zu den Schriftstellern, die mir besonders deutlich zeigen, wie eng Sprache und Heimat miteinander verbunden sein können. Giotti schrieb einen großen Teil seiner Gedichte im Triestiner Dialekt. Gerade das finde ich bei Literaturreisen faszinierend: Eine Sprache, die im Alltag gesprochen wird, kann plötzlich zu einer ganz eigenen poetischen Welt werden.
Im LETS – Museo della Letteratura a Trieste begegnete ich seinem Leben und Werk. Nach Svevo eröffnete sich damit für mich eine weitere Seite der literarischen Stadt. Triest erscheint bei Giotti nicht nur als Schauplatz, sondern wird durch seine Sprache selbst zum Teil der Literatur.
Umberto Saba
Von Giotti führte mich mein Weg anschließend zu Umberto Saba. Ich fuhr in die Via San Nicolò 30, zur ehemaligen Antiquariatsbuchhandlung des Dichters. Saba übernahm das Geschäft 1919 und führte es über viele Jahre. Für mich war dieser Besuch besonders reizvoll, weil ich hier nicht nur einen weiteren Ort der Literaturgeschichte besuchte, sondern an einem Platz stand, an dem ein Dichter tatsächlich einen großen Teil seines Lebens zwischen alten Büchern verbracht hatte.
Die Buchhandlung, die ursprünglich als Libreria Mayländer bestand, wurde für Saba zu einem persönlichen literarischen Mittelpunkt. Der kleine Laden soll ihn unter anderem zu dem „cantuccio“, dem „Winkel“, in seinem Gedicht Trieste inspiriert haben.
Heute wird die Buchhandlung im Geist des Dichters weitergeführt. Gerade solche Orte suche ich auf meinen Reisen immer wieder auf: Man steht nicht nur vor einem Gedenkschild und liest einen Namen, sondern befindet sich an einem Ort, an dem Literatur tatsächlich gelebt worden ist.
Und nur wenige Schritte weiter begegnete mir Saba gleich noch einmal. An der Kreuzung von Via San Nicolò und Via Dante Alighieri steht eine lebensgroße Bronzestatue des Dichters. Nino Spagnoli hat ihn mit Hut und Pfeife dargestellt. Fast könnte man sich vorstellen, Saba wäre gerade aus seiner Buchhandlung gekommen und würde noch immer durch die Straßen seines Triest gehen.
Monumento Foiba di Basovizza
Am Ende des Tages fuhr ich noch nach Basovizza. Das Monumento Foiba di Basovizza ist kein literarischer Ort, gehört für mich aber unbedingt zu dieser Reise durch Triest. Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer der Foiben und an die Geschichte des östlichen Grenzraums. Nach einem Tag, der sich mit der vielsprachigen Kultur Triests beschäftigt hatte, führte dieser Besuch noch einmal zu einer anderen, sehr schweren Seite der Geschichte dieser Grenzregion.
Gerade diese Verbindung wollte ich erleben: Literatur, Kultur und die schwierige Geschichte Triests lassen sich hier nicht voneinander trennen.
TAG 2 · TRIEST
Castello di San Giusto, Canal Grande und Scipio Slataper
Am zweiten Tag blieb ich noch in Triest. Nach dem literarischen Auftakt wollte ich die Stadt zunächst selbst besser kennenlernen und verband deshalb Geschichte und Architektur mit einem weiteren Schriftsteller, der eng mit Triest und dem Karst verbunden ist, nämlich Scipio Slataper.
Vormittag: Castello di San Giusto und Canal Grande
Am Vormittag besuchte ich das Castello di San Giusto auf dem Hügel über Triest. Von hier oben versteht man die Lage Triests zwischen Meer, Karst und Hinterland viel besser als bei einem gewöhnlichen Spaziergang durch die Innenstadt. Zudem kann man gleichzeitig den Panoramablick über die Stadt genießen.
Anschließend ging ich hinunter zum Canal Grande. Dieser hat für die Stadt eine enorme historische Bedeutung, denn Triest galt einst als wichtige Hafen- und Handelsstadt. Rund um den Kanal begegnen sich die unterschiedlichen architektonischen und kulturellen Einflüsse, die Triest über Jahrhunderte geprägt haben.
Nachmittag: Scipio Slataper
Am Nachmittag widmete ich mich Scipio Slataper. Er wurde 1888 in Triest geboren und gehört für mich zu den Schriftstellern, bei denen Landschaft und persönliche Geschichte besonders eng miteinander verbunden sind, ähnlich wie bei Cesare Pavese und Beppe Fenoglio aus dem Piemont. Sein bekanntestes Werk Il mio Carso ist weit mehr als eine Beschreibung des Karstes. Die Landschaft wird zu einem Teil seiner eigenen Lebens- und Gedankenwelt.
Slataper starb bereits 1915 als Soldat im Ersten Weltkrieg. Im Museo del Risorgimento e Sacrario Oberdan wird an ihn erinnert.
TAG 3 · TRIEST UND KARST
Naturgeschichte, Erinnerung und die Grotta Gigante
Am dritten Tag rückte die Literatur etwas in den Hintergrund. Nach zwei Tagen in Triest wollte ich verstehen, in welcher besonderen Landschaft diese Stadt eigentlich liegt. Da ich mich besonders für Naturwissenschaften wie Geologie interessiere, verband ich drei ganz unterschiedliche Orte, die jeweils einen eigenen Zugang zur Naturgeschichte, zur Erinnerungskultur und zur faszinierenden Unterwelt des Karstes eröffneten.
Museo Civico di Storia Naturale
Mein erster Besuch galt dem Museo Civico di Storia Naturale di Trieste. Das Museum wurde bereits 1846 gegründet und besitzt außergewöhnliche naturkundliche und paläontologische Sammlungen sowie eine Verbindung zur regionalen Landschaft: Fossilien, Tiere und geologische Zeugnisse erzählen hier eine viel längere Geschichte als die menschliche Besiedlung.
Risiera di San Sabba
Danach besuchte ich die Risiera di San Sabba. Das ehemalige Reisstrohlager wurde während der deutschen Besatzung als Polizeihaftlager und Ort der Verfolgung genutzt und ist heute eine nationale Gedenkstätte.
Die Atmosphäre dieses Ortes ist bedrückend und still. Erst wenn man sich mit seiner Geschichte auseinandersetzt, wird die Bedeutung der Gedenkstätte in ihrer ganzen Tragweite verständlich.
Grotta Gigante
Am Nachmittag fuhr ich weiter zur Grotta Gigante. Nach der bedrückenden Atmosphäre der Risiera war der Wechsel in die unterirdische Welt des Karstes beinahe unwirklich. Die gewaltigen Dimensionen der Höhle zeigen, welche Landschaft sich unter dem Karst verbirgt, den Slataper am Vortag literarisch beschrieben hatte.
Damit bekam die Reise für mich einen schönen Zusammenhang: Ich hatte den Karst zunächst durch die Augen eines Schriftstellers kennengelernt und stand nun selbst mitten in seiner geologischen Welt.
TAG 4 · COLLOREDO DI MONTE ALBANO UND ATTIMIS
Ippolito Nievo, alte Burgen und mittelalterliches Friaul
Am vierten Tag fuhr in Richtung Udine. Nun wurde die Reise stärker von Burgen und mittelalterlicher Geschichte bestimmt. Der wichtigste literarische Bezugspunkt war Ippolito Nievo, aber gerade die Verbindung mit den beiden anderen Burgen machte diesen Tag für mich besonders interessant.
Castello di Colloredo di Monte Albano
Mein erstes Ziel war das Castello di Colloredo di Monte Albano. Die Anlage wurde ab 1302 von Wilhelm von Waldsee, dem Viscount von Mels, errichtet. Ursprünglich war sie als befestigter Wohnsitz gedacht. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Burg immer stärker zu einer repräsentativen Residenz.
Im 16. Jahrhundert wurde die Anlage unter den Colloredo Mels aufwendig umgestaltet. Im Westturm finden sich Reste von Fresken von Giovanni da Udine, einem Schüler Raffaels. Damit verbindet das Schloss Wehrarchitektur, Renaissance und Literatur auf ungewöhnliche Weise.
Für mich war natürlich die Verbindung zu Ippolito Nievo der wichtigste Grund für den Besuch. Nievo war mit der Familie Colloredo Mels verwandt, lebte hier und schrieb an seinem Roman Le confessioni di un italiano. Das Schloss wurde zum Vorbild für das literarische Castello di Fratta.
Castello di Partistagno
Von Colloredo fuhr ich weiter zum Castello di Partistagno, auf Friaulisch Cjistiel di Paristagn. Die mittelalterliche Anlage liegt auf einem Höhenzug und gehört zu den alten Burgen der östlichen friaulischen Voralpen. Zwischen Mauerresten und Landschaft bekommt man eine Vorstellung davon, wie dicht dieses Gebiet einst mit befestigten Herrensitzen überzogen war.
Museo Archeologico Medievale di Attimis
Zum Abschluss besuchte ich das Museo Archeologico Medievale di Attimis. Das Museum widmet sich der mittelalterlichen Lebenswelt der Burgen in diesem Teil Friauls – von Keramik und Glas über Waffen bis zu Landwirtschaft, Jagd und Handwerk. Besonders schön fand ich, dass hier nicht nur die großen Herrscher und Burgen im Mittelpunkt stehen, sondern auch der Alltag der Menschen, die in und um diese Anlagen lebten. Sozusagen bildet dieses Museum auch gleichzeitig ein Ethnografisches Museum.
TAG 5 · CASARSA DELLA DELIZIA UND VALVASONE
Pier Paolo Pasolini – Sprache, Erinnerung und Landschaft
Am fünften Tag stand wieder ein Schriftsteller ganz im Mittelpunkt: Pier Paolo Pasolini. Nach den Burgen und der mittelalterlichen Geschichte des Vortages führte mich meine Reise nun weiter nach Westen in das Friaul, das Pasolini während seiner Jugend entscheidend geprägt hat.
Casa Colussi und Centro Studi Pier Paolo Pasolini
In Casarsa della Delizia besuchte ich die Casa Colussi, das Haus der Familie seiner Mutter, in dem heute das Centro Studi Pier Paolo Pasolini untergebracht ist. Für mich war das einer der wichtigsten Besuche der gesamten Reise. Bei einem Schriftsteller wie Pasolini interessiert mich nicht nur sein späteres, viel diskutiertes Leben. Mich fasziniert ebenso der junge Pasolini und die Landschaft, in der seine Beziehung zur friaulischen Sprache entstand.
Pasolini schrieb bereits früh Gedichte auf Friulanisch. Er sah in dieser Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern eine eigenständige literarische Ausdrucksform. In Versuta und im Umfeld der Academiuta di lenga furlana lässt sich diese frühe literarische Tätigkeit besonders gut nachvollziehen.
Auf den Spuren Pasolinis
Ich wollte an diesem Tag möglichst viel Zeit mit Pasolini verbringen und fuhr deshalb auch zu seinem Grab. Ein Grab eines Schriftstellers zu besuchen, empfinde ich immer als etwas anderes als den Besuch eines Museums. Man steht dort nicht vor einem ausgestellten Gegenstand, sondern an einem Ort, an dem die Lebensgeschichte tatsächlich endet.
Natürlich schaute ich auch im Shop vorbei. Bei solchen Besuchen gehört das für mich einfach dazu. Ich nehme gerne Bücher oder Postkarten mit nach Hause, weil ich weiß, dass man gerade kleinere Ausgaben oder besondere Motive später kaum irgendwo findet.
Castello di Valvasone
Auf dem Weg durch diese friaulische Landschaft besuchte ich außerdem Valvasone mit seinem mittelalterlichen Schloss. Der Ort passt wunderbar zu diesem Tag, weil hier die alte friaulische Kulturlandschaft noch unmittelbar zu spüren ist.
TAG 6 · ERTO UND VAJONT
Mauro Corona – Berge, Holz und die Erinnerung an den Vajont
Der letzte Tag führte mich ganz in den Norden der Provinz Pordenone nach Erto. Nach den Schriftstellern von Triest, Casarsa und Colloredo erwartete mich hier eine vollkommen andere literarische Welt. Bei Mauro Corona sind Berge, Holz, Handwerk, Dorfleben und Erinnerung so eng miteinander verbunden, dass man den Schriftsteller eigentlich nur verstehen kann, wenn man auch seine Landschaft kennenlernt.
Erto und Mauro Corona
Corona ist Schriftsteller, Bildhauer und Bergsteiger. Seine Geschichten handeln häufig von Menschen, die in den Bergen leben, von ihrer Arbeit, ihrer Einsamkeit und ihrer besonderen Beziehung zur Natur. In Erto begegnet man dieser Welt nicht nur in seinen Büchern. Auch das handwerkliche und künstlerische Umfeld des Ortes gehört zu seinem Leben. Ich kenne Mauro Corona bereits seit vielen Jahren, vornehmlich aus Fernsehsendungen und seinen Büchern. Ich habe fast alle Bücher von ihm in meinem Regal stehen. Wer mehr über das einste harte Leben in der Region erfahren möchte, der sollte das Buch „Im Tal des Vajont“ lesen. Mich hatte das Buch gefesselt und war am Ende verblüfft darüber, wie die Menschen einst insbesondere im hohen Schnee im Winter überleben konnten.
Diga di Vajont
Von Erto fuhr ich weiter zur Diga del Vajont. Die Staumauer steht heute wie ein Monument in einer Landschaft, die von der Katastrophe von 1963 geprägt ist. Ein gewaltiger Erdrutsch stürzte damals in den Stausee und löste eine Flutwelle aus, die Longarone und weitere Orte traf. Rund 2.000 Menschen verloren in jener Nacht ihr Leben.
Am Rand der Staumauer zu stehen, macht die Dimension dieser Katastrophe auf eine Weise begreifbar, die reine Zahlen nicht vermitteln können. Gleichzeitig wird deutlich, warum der Vajont für Mauro Corona und die Menschen dieser Gegend bis heute ein Ort der Erinnerung ist.
Ecomuseo Vajont
Zum Abschluss besuchte ich das Ecomuseo Vajont. Hier wird die Katastrophe nicht nur als einzelnes Ereignis betrachtet. Es geht auch um die Landschaft, die Menschen und das Leben vor und nach dem Unglück.
Damit schloss sich für mich der Kreis dieser Reise. Ich hatte sechs Tage lang Schriftsteller, Künstler, historische Orte und Landschaften miteinander verbunden. Am Ende stand mit Erto ein Ort, an dem Literatur unmittelbar aus der Landschaft und aus der Erinnerung heraus entsteht.
Verborgene Schlösser und Residenzen
Wer die Region nicht nur bereisen, sondern sie besser verstehen und sich intensiver mit ihrer Geschichte beschäftigen möchte, findet in meiner Schlössertour vielleicht einige Anregungen für eine ganz andere Reise durch die Region.
Friaul-Julisch Venetien besitzt weit mehr historische Adelssitze, als man bei einem ersten Blick auf die Region vermuten würde. Neben den großen und bekannten Schlössern interessierten mich besonders die kleineren Residenzen, Burgen und historischen Anlagen, die abseits der üblichen Reiserouten liegen und ihre ganz eigenen Geschichten erzählen.
Im Oktober 2024 stellte ich mir deshalb einen Urlaub zusammen, bei dem ich gezielt solche Orte ansteuern wollte. Ich wollte nicht einfach eine Liste der bekanntesten Schlösser wie Miramare abarbeiten, sondern herausfinden, was hinter unbekannteren Mauern steckt: Wer hat hier gelebt? Wann wurde die Anlage errichtet? Welche Spuren älterer Epochen sind erhalten geblieben? Und welche Geschichten und Legenden haben sich an diesen Orten erhalten?
Karte meiner Schlösserreise

Für meine Route nahm ich mir eine ganze Woche Zeit. Dabei achtete ich darauf, die einzelnen Stationen möglichst sinnvoll miteinander zu verbinden. So fuhr ich nicht ständig dieselben Strecken zurück, sondern arbeitete mich von Triest über die östlichen Hügel und Udine immer weiter nach Westen und Norden vor.
Einige der Schlösser sind heute nur nach vorheriger Anmeldung zugänglich, andere können nur zu bestimmten Zeiten besichtigt werden. Gerade das gehört für mich aber zum Reiz dieser Reise: Manche historischen Residenzen sind keine gewöhnlichen Sehenswürdigkeiten, sondern Orte, die sich erst öffnen, wenn man sich etwas intensiver mit ihnen beschäftigt.
Meine Schlössertour durch Friaul-Julisch Venetien
Tag 1 – Triest und Strassoldo
Tag 2 – Strassoldo, Rosazzo und Cividale
Tag 3 – Udine
Tag 4 – Cassacco, Susans und Ragogna
Tag 5 – Spilimbergo und Pordenone
Tag 6 – Fagagna und Cordovado
Tag 7 – Canussio und Castello Ceconi
Tag 1 – Triest und der Beginn meiner Schlössertour
Tomba di Giorgio Strehler – Triest
Meine Reise begann in Triest. Bevor ich mich auf den Weg zu den Schlössern Friauls machte, besuchte ich das Grab des bedeutenden Theaterregisseurs Giorgio Strehler auf dem Cimitero Monumentale di Sant’Anna.
Strehler, der 1921 in Triest geboren wurde, gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten des italienischen Theaters des 20. Jahrhunderts. Sein Grab ist deshalb für mich weniger wegen seiner Gestaltung interessant als wegen des Ortes selbst: Hier ruht einer der Männer, die das moderne italienische Theater entscheidend geprägt haben.
Danach begann meine eigentliche Fahrt durch die Region. Von Triest fuhr ich rund 50 Kilometer weiter nach Strassoldo.
Tag 2 – Strassoldo, Rosazzo und Cividale
Castello di Strassoldo
Das Castello di Strassoldo war eines der Ziele, auf die ich mich besonders gefreut hatte. Die Anlage unterscheidet sich von vielen bekannten italienischen Schlössern schon durch ihre Lage im Wasser: Alte Wasserläufe, Brücken, Gärten und die historischen Gebäude bilden hier eine Einheit, die den Charakter einer mittelalterlichen Wasserburg bis heute spürbar macht.
Das Castello di Strassoldo di Sopra befindet sich in Privatbesitz. Eine normale tägliche Öffnung gibt es deshalb nicht; eine Besichtigung muss vorher vereinbart werden. Genau diese private Atmosphäre war für mich ein Teil des Reizes.
Nach meinem Besuch fuhr ich ungefähr 25 Kilometer weiter zur Abbazia di Rosazzo.
Abbazia di Rosazzo
Die Abbazia di Rosazzo liegt auf den östlichen Hügeln Friauls und war für mich einer der geschichtlich eindrucksvollsten Orte der Reise. Das Kloster entstand im Mittelalter an einer strategisch wichtigen Stelle zwischen Friaul, dem heutigen Slowenien und dem Adriaraum und wurde dadurch über Jahrhunderte zu einem wichtigen geistlichen und kulturellen Mittelpunkt.
Die Geschichte der Abtei reicht wesentlich weiter zurück als die späteren Adelsschlösser meiner Route. Gerade deshalb passte Rosazzo so gut in die Reise.
Von Rosazzo fuhr ich anschließend etwa 25 Kilometer weiter nach Cividale del Friuli.
Vittorio Podrecca – Cividale del Friuli
In Cividale beschäftigte ich mich mit Vittorio Podrecca, dem berühmten Marionettenspieler, dessen Truppe I Piccoli di Podrecca im 20. Jahrhundert internationale Bekanntheit erlangte. Seine Theaterwelt bildet einen ungewöhnlichen Gegensatz zu den mittelalterlichen Burgen und Klöstern, die den bisherigen Teil meiner Reise geprägt hatten.
Tag 3 – Udine: Tiepolo und Malignani
Am nächsten Morgen fuhr ich von Cividale nur etwa 25 Kilometer nach Udine. Hier erwarteten mich zwei Persönlichkeiten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: der Barockmaler Giambattista Tiepolo und der Erfinder Arturo Malignani.
Museo Diocesano e Gallerie del Tiepolo
Das Museo Diocesano befindet sich im ehemaligen Patriarchenpalast von Udine. Für mich gehörte der Besuch zu den Höhepunkten der Reise, denn hier befinden sich einige der bedeutendsten Fresken Giambattista Tiepolos außerhalb Venedigs.
Der Palast wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach erweitert und umgestaltet. Tiepolo arbeitete hier ab den 1720er-Jahren im Auftrag des Patriarchen Dionisio Dolfin. Gerade die Verbindung zwischen dem historischen Patriarchenpalast und Tiepolos farbenprächtigen Fresken macht diesen Ort für mich so besonders.
Arturo Malignani – Museo Etnografico del Friuli
Anschließend widmete ich mich Arturo Malignani, einem der wichtigsten Erfinder Udines und einem Mann, der die technische Geschichte der Stadt entscheidend mitprägte.
Malignani beschäftigte sich insbesondere mit der Verbesserung der Glühlampe und entwickelte Verfahren, die ihre industrielle Herstellung erleichterten. Damit steht er für eine völlig andere Epoche als Tiepolo: Während im Patriarchenpalast der Barock noch allgegenwärtig ist, führt Malignani in das Zeitalter der Elektrifizierung und industriellen Entwicklung.
Tag 4 – Cassacco, Susans und Ragogna
Am vierten Tag begann der eigentliche Abschnitt meiner Schlösserreise. Von Udine fuhr ich nur etwa 14 Kilometer weiter nach Cassacco.
Castello di Cassacco
Die Geschichte des Castello di Cassacco beginnt weit vor dem Mittelalter. Die Burg wurde auf den Resten spätantiker römischer Fundamente errichtet. Der südliche Turm entstand im 11. oder 12. Jahrhundert als Teil der mittelalterlichen Befestigung.
Die heutige Burg wird von zwei mächtigen quadratischen Türmen geprägt, die durch einen zentralen Baukörper miteinander verbunden sind. Hinzu kommen die Ringmauer, Reste des Grabens und die mittelalterliche Wehrstruktur.
Besonders schön fand ich auch die alte Sage, nach der das Castello di Cassacco durch einen unterirdischen Gang mit der Burg von Tricesimo verbunden gewesen sein soll. Ob dieser Gang tatsächlich existierte, kann man nur schwer sagen.
Von Cassacco fuhr ich anschließend nur etwa 15 Kilometer weiter zum Castello di Susans.
Castello di Susans
Das Castello di Susans überraschte mich, weil man hinter dem Begriff „Burg“ hier etwas anderes erwartet, als die Anlage tatsächlich bietet: Das heutige Erscheinungsbild geht wesentlich auf den Grafen Fabrizio di Colloredo zurück, der 1636 auf den Resten einer mittelalterlichen Anlage eine repräsentative Residenz im Stil einer toskanischen Villa errichten ließ.
Die Familie Colloredo bewohnte das Schloss mehr als drei Jahrhunderte lang. Dadurch erzählt Susans nicht nur von mittelalterlicher Verteidigung, sondern auch von der Lebenswelt des friaulischen Adels der frühen Neuzeit.
Danach fuhr ich weitere rund 15 Kilometer nach Ragogna.
Castello di Ragogna
Das Castello di Ragogna liegt hoch über dem Tagliamento und war für mich nicht nur wegen der Burg selbst interessant, sondern vor allem wegen ihrer Lage. Von hier oben lässt sich verstehen, warum dieser Höhenzug für die Kontrolle des Flusses und der Verkehrswege durch Friaul von strategischer Bedeutung war. Die Burg steht nicht zufällig dort oben: Wer den Tagliamento kontrollieren wollte, musste diese Höhen im Blick behalten.
Tag 5 – Spilimbergo und Pordenone
Am nächsten Morgen fuhr ich von Ragogna etwa 15 bis 20 Kilometer weiter nach Spilimbergo.
Castello di Spilimbergo
Das Castello di Spilimbergo unterscheidet sich deutlich von den wehrhaften Burgen Cassacco und Ragogna. Innerhalb des befestigten Bereichs entstanden im Laufe der Jahrhunderte mehrere adelige Paläste, sodass hier mittelalterliche Befestigung und Renaissancearchitektur unmittelbar nebeneinanderstehen.
Von Spilimbergo fuhr ich anschließend etwa 33 Kilometer weiter nach Pordenone.
Giovanni Antonio de Sacchis – Il Pordenone
In Pordenone führte mich die Reise wieder in die Kunstgeschichte. Giovanni Antonio de Sacchis, genannt Il Pordenone, gilt als einer der bedeutendsten Maler der Renaissance im Friaul und war zu Lebzeiten ein ernstzunehmender Konkurrent Tizians.
Tag 6 – Fagagna und Cordovado
Am Sonntag fuhr ich zunächst etwa 45 Kilometer weiter nach Fagagna.
Museo della vita contadina „Cjase Cocèl“
Das Museo della vita contadina „Cjase Cocèl“ war für mich eine willkommene Abwechslung zu den Schlössern. Hier geht es nicht um Grafen und Patriarchen, sondern um das Leben der Menschen, die auf den Höfen Friauls arbeiteten.
Für meine Reise war dieser Besuch wichtig, weil er eine andere Perspektive auf Friaul eröffnete. Die großen Schlösser erzählen von den Familien an der Spitze der Gesellschaft; Cjase Cocèl zeigt dagegen, wie der Alltag der einfachen Bevölkerung aussah.
Anschließend fuhr ich weiter rund 50 Kilometer nach Cordovado.
Castello di Cordovado
Das Castello di Cordovado gehört für mich zu den geschichtlich spannendsten Anlagen. Die befestigte Anlage entstand an einem Ort, der bereits in der römischen Zeit eine wichtige Funktion besaß.
Tag 7 – Canussio und Castello Ceconi
Castello di Canussio
Am letzten vollständigen Tag meiner Reise führte mich die Route zunächst nach Canussio. Die Anlage gehört zu den weniger bekannten historischen Adelssitzen der Region und passte deshalb besonders gut zu meinem ursprünglichen Ziel, nicht die großen und berühmten Schlösser Friauls kennenzulernen, die ich zum Teil bereits mehrfach besucht hatte.
Danach setzte ich meine Fahrt in Richtung Norden fort. Die Landschaft veränderte sich nun deutlich: Aus der flachen friaulischen Ebene wurde zunehmend eine Berglandschaft.
Castello Ceconi – Pielungo
Mein letzter großer Höhepunkt war das Castello Ceconi in Pielungo. Nach den mittelalterlichen Burgen der vergangenen Tage erwartete mich hier eine völlig andere Geschichte: Das Schloss ist gar keine mittelalterliche Burg, sondern ein Bau des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, der bewusst wie eine mittelalterliche Festung gestaltet wurde. So etwas kannte ich bereits aus Turin, bei dem das Borgo medievale ebenso einem Mittelalterort nachempfunden wurde.
Wissenswertes und Kurioses zu Friaul-Julisch Venetien
Geschichte und Herrschaft
Welche Verantwortung trug Italien für die Vorgeschichte der Foibe-Massaker?
Die Frage nach der Verantwortung Italiens für die Foibe-Massaker muss differenziert betrachtet werden. Italien trug nicht die unmittelbare Verantwortung für die Massentötungen und Deportationen, die 1943 und insbesondere 1945 in der Venezia Giulia stattfanden. Diese Gewalt ging vor allem von jugoslawischen Partisanen und später von den Behörden des kommunistischen Jugoslawiens aus. Gleichzeitig lässt sich die Geschichte der Foibe nicht von der italienischen Herrschaft und der faschistischen Politik gegenüber der slowenischen und kroatischen Bevölkerung trennen.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden große Gebiete mit slowenischer und kroatischer Bevölkerung dem Königreich Italien eingegliedert. Unter dem Faschismus wurde eine Politik der Italianisierung betrieben. Slowenische und kroatische Orts- und Familiennamen wurden verändert, der Gebrauch der slowenischen und kroatischen Sprache wurde eingeschränkt und kulturelle sowie politische Einrichtungen gerieten unter erheblichen Druck.
Nach dem italienischen Angriff auf Jugoslawien 1941 verschärfte sich die Situation. Italienische Truppen besetzten Teile Jugoslawiens und gingen gemeinsam mit deutschen und anderen Achsenmächten gegen Partisanen vor. Dabei kam es zu Internierungen, Erschießungen, Deportationen und weiteren Repressionen. Diese Erfahrungen prägten das Verhältnis zwischen den Bevölkerungsgruppen und bildeten einen wichtigen Teil der Vorgeschichte der späteren Gewalt.
Nach dem Zusammenbruch des faschistischen Italien im September 1943 kam es in Istrien zu einer ersten Gewaltwelle. Jugoslawische Partisanen und lokale Aufständische gingen gegen Faschisten, Vertreter der italienischen Verwaltung, Sicherheitskräfte, Großgrundbesitzer und andere politische Gegner vor. Einige Menschen wurden getötet und ihre Leichen in Karsthöhlen, den sogenannten Foiben, beseitigt.
Eine zweite und wesentlich größere Gewaltwelle begann im Frühjahr 1945, als jugoslawische Truppen in die Venezia Giulia einrückten. Nun wurden neben Angehörigen faschistischer und nationalsozialistischer Organisationen auch politische Gegner der jugoslawischen kommunistischen Führung verfolgt. Menschen wurden erschossen, verhaftet oder nach Jugoslawien deportiert. Viele starben später in Gefangenenlagern an Hunger, Krankheiten oder Misshandlungen.
Die Foibe-Geschichte lässt sich deshalb weder ausschließlich als ethnische Verfolgung der Italiener noch ausschließlich als Folge der faschistischen Unterdrückung erklären. Nationale Konflikte, politische Säuberungen, kommunistische Revolution, Kriegserfahrungen und die Auseinandersetzung um die zukünftige Zugehörigkeit der Venezia Giulia spielten zusammen.
Für eine historische Betrachtung ist deshalb die Unterscheidung entscheidend: Italien trug durch Faschismus, Italianisierungspolitik und die Besatzungspolitik in Jugoslawien erheblich zur Vorgeschichte des Konflikts bei. Die unmittelbare Gewalt der Foibe von 1943 und 1945 wurde jedoch vor allem von jugoslawischen Partisanen und den späteren jugoslawischen Behörden ausgeübt.
Inseln, Meer und Tierwelt
Gibt es Inseln vor der Küste von Friaul-Julisch Venetien?
Ja. Vor der Küste von Friaul-Julisch Venetien liegt eine ausgedehnte Lagunenlandschaft mit zahlreichen Inseln und kleinen Inselchen. Besonders bekannt ist die Lagune von Grado. Zu ihren bekanntesten Inseln gehört Barbana, auf der sich das Santuario della Beata Vergine Maria befindet.
Barbana liegt nicht weit draußen im offenen Meer, sondern innerhalb der Lagune. Die Insel kann von Grado aus mit einem Boot erreicht werden. Das Heiligtum besitzt eine lange Geschichte und gehört zu den bedeutenden religiösen Orten der Lagunenlandschaft.
Auch die Lagune von Marano besteht aus zahlreichen kleinen Inseln, Sandbänken und Wasserläufen. Einige dieser Bereiche sind kaum bebaut und vermitteln einen sehr ursprünglichen Eindruck. Charakteristisch sind außerdem die traditionellen Fischerhütten, die Casoni.
Die Inselwelt der Region unterscheidet sich damit deutlich von den großen italienischen Mittelmeerinseln. Es handelt sich überwiegend um flache Laguneninseln, deren Landschaft durch Gezeiten, Sedimentablagerungen und die Dynamik der Flüsse verändert wird.
Welche Schildkrötenarten kommen in Friaul-Julisch Venetien vor?
In Friaul-Julisch Venetien kommen sowohl Süßwasserschildkröten als auch Meeresschildkröten vor. Besonders bemerkenswert ist die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). Sie benötigt ruhige oder langsam fließende Gewässer und findet geeignete Lebensräume in Feuchtgebieten, Kanälen und Teilen der Lagunenlandschaft.
An der Küste und im nördlichen Adriatischen Meer kann außerdem die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) vorkommen. Sie nutzt die nördliche Adria vor allem als Nahrungsgebiet. Sichtungen sind möglich, aber nicht vorhersehbar.
Die Lebensräume der Europäischen Sumpfschildkröte sind dagegen zunehmend durch Veränderungen der Gewässer, Entwässerung und Zerschneidung von Feuchtgebieten gefährdet. Deshalb sind die geschützten Feuchtgebiete und Lagunen der Region für den Erhalt der Art besonders wichtig.
Welche ist die tiefste bekannte Höhle in Friaul-Julisch Venetien?
Die tiefsten bekannten Höhlensysteme der Region befinden sich im hochalpinen Karst des Monte Canin. Im regionalen Höhlenkataster wird der Abisso Firn mit einer derzeit bekannten Tiefe von etwa 720 Metern geführt.
Der Abisso Firn ist keine touristisch erschlossene Höhle. Er gehört zu den anspruchsvollen alpinen Karsthöhlen, die von Höhlenforschern untersucht werden. Das System besitzt tiefe Schächte und unterirdische Bereiche, in denen Wasser in den Karst eindringt.
Für Urlauber sind dagegen die touristisch erschlossenen Höhlen der Region wesentlich geeigneter. Dazu gehören beispielsweise die Grotta Gigante bei Sgonico, die Grotte di Villanova im Alta Val Torre und die Grotta di San Giovanni d’Antro bei Pulfero.
Der Monte Canin zeigt besonders deutlich, wie tief die Karstlandschaft Friaul-Julisch Venetiens unter die Erdoberfläche reicht. Oberirdisch sieht man Felsen, Dolinen und Hochflächen; unterirdisch setzt sich diese Landschaft mit Schächten, Gängen und Wasserläufen fort.
Welcher Wasserfall erreicht in Friaul-Julisch Venetien die größte Fallhöhe?
Als höchster Wasserfall Friaul-Julisch Venetiens gilt die Cascata Radime bei Villa Santina in der Provinz Udine. Die Fallhöhe beträgt ungefähr 230 Meter.
Die Cascata Radime ist allerdings kein ganzjährig gleichmäßig fließender Wasserfall. Besonders eindrucksvoll ist sie nach stärkeren Niederschlägen und während der Schneeschmelze. In längeren Trockenperioden kann die Felswand dagegen fast trocken erscheinen.
Die Wasserfälle der Karnischen Alpen sind generell stark von Niederschlag und Schneeschmelze abhängig. Das erklärt auch, warum die tatsächliche Wassermenge der Cascata Radime im Jahresverlauf erheblich schwanken kann.
Der Wasserfall liegt oberhalb von Villa Santina und ist mit einer lokalen Überlieferung verbunden. Im Friaul wird er auch Farine dal Diaul, also „Mehl des Teufels“, genannt.
Wo kann man in Friaul-Julisch Venetien Flamingos beobachten?
Flamingos können in den Lagunen und Feuchtgebieten an der Küste von Friaul-Julisch Venetien beobachtet werden. Besonders interessant sind die Lagune von Grado, die Valle Cavanata und das Naturschutzgebiet Isola della Cona an der Mündung des Isonzo.
Die Isola della Cona gehört zu den bedeutendsten Feuchtgebieten der Region. Flache Wasserflächen, Schlickbereiche und ausgedehnte Schilfzonen bieten zahlreichen Zug- und Wasservögeln geeignete Rast- und Nahrungsplätze.
Flamingos suchen in den flachen Gewässern nach kleinen Wirbellosen und anderen Nahrungsorganismen. Ihre Anwesenheit hängt deshalb unter anderem von Wasserstand, Jahreszeit und Nahrungsangebot ab.
Eine Sichtung kann daher nie garantiert werden. Wer Flamingos beobachten möchte, sollte möglichst früh am Tag kommen, ein Fernglas mitnehmen und die ausgewiesenen Beobachtungsbereiche benutzen.
Kann man im Golf von Triest Delfine beobachten?
Ja. Im Golf von Triest werden regelmäßig Delfine beobachtet. Am häufigsten handelt es sich um den Großen Tümmler (Tursiops truncatus).
Die Tiere können in verschiedenen Bereichen des Golfs vorkommen, auch in Küstennähe. Die Meeresschutzgebiete vor Triest und Miramare werden wissenschaftlich untersucht, sodass Delfinsichtungen nicht nur zufällige Beobachtungen sind, sondern auch für die Erforschung der Population von Bedeutung sein können.
Der Große Tümmler kann in relativ flachen Küstengewässern leben und ist deshalb nicht ausschließlich auf die offene Adria beschränkt. Gelegentlich werden auch größere Gruppen beobachtet.
Gibt es Seeigel im Meer vor Friaul-Julisch Venetien?
Ja. Im nördlichen Adriatischen Meer und damit auch im Golf von Triest leben verschiedene Arten von Seeigeln. Sie gehören zur natürlichen Lebensgemeinschaft des Meeresbodens.
Besonders geeignete Lebensräume finden sich dort, wo felsige Untergründe, Algen und andere Strukturen vorhanden sind. Seeigel ernähren sich überwiegend von Algen und spielen dadurch eine Rolle im ökologischen Gleichgewicht der Küstengewässer.
Der Golf von Triest besitzt trotz seiner vergleichsweise geringen Tiefe eine vielfältige Unterwasserwelt. Neben Seeigeln kommen dort unter anderem Seesterne, Schwämme, Seeanemonen, Muscheln und zahlreiche Krebstiere vor.
Im Meeresschutzgebiet von Miramare wird die Entwicklung der Unterwasserlebensräume wissenschaftlich beobachtet. Für Schnorchler sind die flachen Küstenbereiche deshalb besonders interessant.
Lagunen und Küste
Wofür sind die Lagunen von Grado und Marano bekannt?
Die Lagunen von Grado und Marano gehören zu den charakteristischsten Landschaften der friaulischen Adriaküste. Sie bilden einen Übergangsraum zwischen Festland und offenem Meer und bestehen aus flachen Wasserflächen, Kanälen, Schilfgebieten, Sandbänken, Schlickflächen und zahlreichen kleinen Inseln.
Besonders bekannt sind die traditionellen Casoni. Dabei handelt es sich um einfache Fischerhütten aus Holz und Schilf, die von den Bewohnern der Lagune über lange Zeit als Unterkünfte und Arbeitsplätze genutzt wurden.
Die Lagunen sind außerdem wichtige Lebensräume für Fische, Wasservögel und zahlreiche wirbellose Tiere. Die flachen Gewässer bieten insbesondere Zugvögeln geeignete Rast- und Nahrungsplätze.
In der Lagune von Marano liegen die Naturschutzgebiete Foci dello Stella und Valle Canal Novo. Besonders die Mündung des Stella ist eine sehr ursprüngliche Landschaft, die sich am besten vom Wasser aus erleben lässt.
Die Lagunen sind aber nicht nur Naturgebiete. Sie erzählen auch die Geschichte einer Bevölkerung, die über Jahrhunderte von Fischfang, Bootsbau und der Nutzung der flachen Küstengewässer lebte.
Familie und besondere Erlebnisse
Gibt es in Friaul-Julisch Venetien Reiterhöfe mit Ponys?
Ja. In Friaul-Julisch Venetien gibt es verschiedene Reiterhöfe und Reitzentren, die auch Angebote mit Ponys für Kinder anbieten. Solche Einrichtungen findet man vor allem im ländlichen Raum und im Umfeld größerer Städte.
Ein Beispiel ist die Fattoria Il Borgo bei Polcenigo in der Provinz Pordenone. Auch im Raum Triest gibt es Reitzentren mit Angeboten für Kinder und Anfänger.
Die konkreten Angebote können sich allerdings von Saison zu Saison ändern. Wenn ein Ponybesuch Bestandteil des Urlaubs sein soll, sollte deshalb vorab beim jeweiligen Reiterhof nachgefragt werden, ob Ponyreiten, geführte Ausritte oder andere Kinderangebote aktuell angeboten werden.
Eisenbahn und Schiffsverbindungen
Kann man in Friaul-Julisch Venetien mit einem historischen Zug fahren?
Ja. In Friaul-Julisch Venetien werden sogenannte Treni storici, also Fahrten mit historischen Zügen, angeboten. Dabei handelt es sich nicht nur um Museumsfahrten, sondern häufig um Ausflüge, die mit Besichtigungen, kulturellen Veranstaltungen oder touristischen Zielen verbunden sind.
Die historischen Züge erinnern an die lange Eisenbahngeschichte der Region. Friaul-Julisch Venetien war aufgrund seiner Lage zwischen Italien, Österreich und dem ehemaligen Jugoslawien über lange Zeit ein wichtiger Verkehrs- und Grenzraum.
Gibt es von Triest aus Bootsverbindungen nach Kroatien?
Ja. Von Triest aus gibt es saisonale maritime Verbindungen entlang der istrischen Küste. Je nach Fahrplan werden unter anderem Ziele wie Poreč, Rovinj und Mali Lošinj in Kroatien angefahren. Auch Piran in Slowenien kann auf entsprechenden Verbindungen erreicht werden.
Damit lässt sich die kroatische Küste von Triest aus auch ohne Auto erreichen. Die Fahrten sind besonders im Sommer interessant und verbinden den Besuch von Triest mit einem Ausflug über die Adria.
Daneben gibt es private Boots- und Charterangebote. Diese sind von den regulären öffentlichen Verbindungen zu unterscheiden und können je nach Anbieter individuell zusammengestellt werden.
Sagen und Mythologie
Welche Sagen und Legenden sind in Friaul-Julisch Venetien überliefert?
Friaul-Julisch Venetien besitzt eine sehr vielfältige Sagenwelt. Besonders reich ist die Überlieferung in abgelegenen Bergtälern wie dem Val Resia. Dort wurden Geschichten über Riesen, Hexen, Geister und andere übernatürliche Wesen über Generationen mündlich weitergegeben.
Eine bekannte Gestalt der resianischen Erzähltradition ist die Mora. Sie erscheint in Geschichten als unheimliche nächtliche Gestalt und steht mit alten Vorstellungen über Albträume und bedrückende Träume in Verbindung.
Auch Geschichten über Riesen kommen in der Region vor. Im Val Resia wird beispielsweise vom Riesen Dardej erzählt, der in den Bergen gelebt haben soll.
Viele dieser Geschichten sind eng mit der Landschaft verbunden. Berge, Höhlen, Quellen und abgelegene Täler wurden mit Wesen und Ereignissen verbunden, die sich die Menschen früher nicht anders erklären konnten.
Gibt es in der Mythologie Friaul-Julisch Venetiens Zwerge, Gnome oder andere unterirdische Wesen?
Ja, solche Vorstellungen kommen in der Volksüberlieferung der Region vor, spielen allerdings eine deutlich geringere Rolle als in manchen anderen europäischen Bergregionen. Besonders im Zusammenhang mit alten Bergwerken finden sich Geschichten über kleine unterirdische Wesen.
Ein interessantes Beispiel ist das ehemalige Bergbaugebiet von Cave del Predil bei Tarvisio. Die jahrhundertelange Bergbautradition hat dort eine eigene Welt aus Geschichten und Vorstellungen über das Leben unter Tage hervorgebracht.
In den alten Bergbaugebieten der angrenzenden Regionen Sloweniens sind solche Vorstellungen noch stärker ausgeprägt. Das zeigt, dass die Sagenwelt der Region nicht an heutigen Staatsgrenzen endet, sondern mit der gemeinsamen Geschichte des Alpen- und Karstraums verbunden ist.
Im friaulischen Volksglauben sind allerdings andere Gestalten wesentlich häufiger überliefert, darunter Hexen, Geister, der Teufel und die sogenannten Benandanti.
Film und Kultur
Welche bekannten Filme wurden in Friaul-Julisch Venetien gedreht oder spielen dort?
Friaul-Julisch Venetien wurde mehrfach als Filmkulisse genutzt. Ein bekanntes Beispiel ist „La ragazza del lago“ von Andrea Molaioli aus dem Jahr 2007. Der Kriminalfilm spielt in der friaulischen Bergwelt und nutzt unter anderem Landschaften rund um die Seen von Fusine bei Tarvisio.
Auch historische Filme wurden in der Region gedreht. Besonders bekannt ist „La grande guerra“ von Mario Monicelli aus dem Jahr 1959. Für den Film wurden unter anderem historische Orte und Landschaften in Friaul-Julisch Venetien als Kulissen genutzt.
Die Region ist für Filmemacher besonders interessant, weil hier sehr unterschiedliche Landschaften auf engem Raum zusammentreffen: Alpen, Karst, historische Dörfer, Festungsstädte und die Adriaküste.
Hinzu kommt die Geschichte der Region. Die Grenze zwischen Italien, Österreich und Jugoslawien, der Erste Weltkrieg und die politischen Konflikte des 20. Jahrhunderts bieten Stoffe, die sich in zahlreichen Filmen und literarischen Werken wiederfinden.
Barrierefreiheit und ungewöhnliche Orte
Ist das Schloss Miramare barrierefrei zugänglich?
Das Castello di Miramare ist in wichtigen Bereichen barrierefrei zugänglich. Im Schloss steht ein Aufzug zur Verfügung, sodass auch Besucher mit eingeschränkter Mobilität die oberen Museumsbereiche erreichen können. Bei Bedarf kann ein Rollstuhl zur Verfügung gestellt werden.
Auch Teile des Schlossparks sind barrierefrei erreichbar. Der Bereich vom Eingang Porta della Bora bis zum Schloss kann mit einem Rollstuhl genutzt werden. Der Schlossvorplatz und weitere zentrale Bereiche sind ebenfalls zugänglich.
Nicht alle Wege des weitläufigen Parks sind jedoch gleichermaßen geeignet. Für bestimmte Bereiche kann eine vorherige Abstimmung mit der Museumsverwaltung erforderlich sein.
Besonders interessant sind die Angebote für blinde und sehbehinderte Besucher. Dazu gehören taktile Informationstafeln und ein tastbares Modell des Schlosses.
Das Schloss Miramare gehört damit zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten der Region, bei denen Barrierefreiheit bereits vergleichsweise umfassend berücksichtigt wurde.
Welche ungewöhnlichen Brunnen gibt es in Friaul-Julisch Venetien?
Ein interessantes Beispiel ist die Fontana del Turco in Gemona del Friuli. Der historische Brunnen besitzt einen steinernen Maskaron und ist mit einer lokalen Überlieferung verbunden.
Der Name erinnert an die historischen türkischen Einfälle, die im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit den Nordosten Italiens bedrohten. Eine lokale Geschichte erzählt, dass türkische Soldaten beim Anblick der Berge erschrocken seien und ihren Vormarsch aufgegeben hätten.
Eine weitere ungewöhnliche Quelle findet sich im Gebiet von Pradis. Dort sind verschiedene Geschichten über Quellen, Felsen und übernatürliche Wesen überliefert. Solche Orte zeigen, wie eng die friaulische Landschaft mit der lokalen Sagenwelt verbunden ist.
Seen, Camping und Berge
An welchem See können Sie in Friaul-Julisch Venetien mit dem Camper Urlaub machen?
Eine gute Möglichkeit bietet der Lago dei Tre Comuni, auch Lago di Cavazzo genannt, in der Provinz Udine. Er ist der größte natürliche See Friaul-Julisch Venetiens und liegt in einer eindrucksvollen Berglandschaft am Fuß der Karnischen Voralpen.
Am See gibt es einen Campingplatz mit Stellplätzen für Wohnmobile und Wohnwagen. Dadurch lässt sich ein Aufenthalt am Wasser mit Ausflügen in die umliegenden Berge verbinden.
Die Umgebung eignet sich außerdem für Wanderungen und Radtouren. Der Lago dei Tre Comuni ist deshalb interessant für Reisende, die nicht ausschließlich einen Badeurlaub suchen, sondern See und Berglandschaft miteinander verbinden möchten.
Welches ist das höchstgelegene bewirtschaftete Rifugio in Friaul-Julisch Venetien?
Als höchstgelegenes bewirtschaftetes Rifugio der Region gilt das Rifugio Giovanni e Olinto Marinelli. Es liegt auf etwa 2.120 Metern Höhe an der Forcella Moraret in den Karnischen Alpen.
Die Hütte besitzt eine lange Tradition und dient Bergsteigern und Wanderern als Ausgangspunkt für Touren in der hochalpinen Landschaft. Sie verfügt über Übernachtungsmöglichkeiten und eine Bewirtschaftung.
Die Lage oberhalb der Waldgrenze macht das Rifugio besonders interessant, denn von hier aus reicht der Blick weit über die Karnischen Alpen und in Richtung des Grenzraums zwischen Italien und Österreich.
Der Aufstieg sollte nicht unterschätzt werden. Wetter und Wegbedingungen können sich in dieser Höhenlage schnell verändern. Je nach Jahreszeit können außerdem Schnee und Eis die Wege erschweren.