Der Tag der Arbeit, la festa dei lavoratori oder nur festa del lavoro in Italienisch, wird seit 1890 in Italien gefeiert. Jährlich finden große öffentliche Demonstrationen in Italien statt, insbesondere auf der Piazza San Giovanni in Laterano in Rom, mit einem von den Gewerkschaften organisierten Konzert begleitet, das live im Fernsehen (zumeist auf RAI) übertragen wird.

Bild "Arbeit im Reisfeld" von Angelo Morbelli
Arbeit im Reisfeld von Angelo Morbelli | Originaltitel: Per 80 centesimi

Weitere Feiertage in Italien

Tag der Arbeit 2023

Zum 01. Mai 2023 wird es in Italien wieder zahlreiche nationale Demonstrationen geben. Es kommt zu einem Generalstreik im Schienenverkehr, bei der landesweit der Zugverkehr für 24 Stunden eingeschränkt sein wird. Dieser wird voraussichtlich bis 21 Uhr am 1. Mai gehen.

In Rom findet auf der Pferderennbahn Cappanelle von 9 bis 18 Uhr das Fest der Landwirte statt, bei dem es viele lokale Erzeugnisse, Speisen und Musik geben wird.

In Bozen wird um 9 Uhr eine Kranzniederlegung im Kapuzinerpark am Gedenkstein für die Märtyrer der Arbeit stattfinden, 9.30 Uhr dann in der Via Pacinotti an der Gedenktafel für die Opfer des Cellsa-Werks.

In Mailand gibt es zum 1. Mai 2023 das traditionelle „Concertone“, das große Konzertfest dieses mal im Barona-Viertel, aber auch viele kleine Veranstaltungen, insbesondere für Kinder.

Tag der Arbeit 2022

Am 1. Mai 2022 wird es zu lokalen Demonstrationen kommen, wobei die nationale Demonstration von CGIL, CISL und UIL in Assisi stattfinden wird. Die drei Generalsekretäre der Bundesverbände Maurizio Landini, Luigi Sbarra und Pierpaolo Bombardieri, werden dabei die Bühne betreten und ihre Reden halten. Am Nachmittag wird in Rom auf der historischen Piazza San Giovanni in Laterano das traditionelle Concertone (großes Konzert) stattfinden.

In der Lombardei wird es in allen Städten zum 1. Mai 2022 Veranstaltungen geben. So wird die Demonstration in Mailand auf dem Corso Venezia mit einem Konzert begleitet. In Bergamo, Brescia und wird es Demonstrationen geben und es werden Reden von den Delegierten der CGIL, CISL und UIL abgehalten werden. In Cremona wird es ein Treffen am Denkmal für die Gefallenen der Arbeit auf der Piazza Marconi in Crema geben. Weitere Mai-Demonstrationen wird es in Lecco, Lodi, Mantua, Monza, Pavia, Legnano, Vallecamonica und Varese geben. In Sondrio wird eine Zeremonie zur Aktualisierung des „Buches der Erinnerung“ mit anschließender Messe in der Kirche des Convento dei Frati Cappuccini di Colda stattfinden.

In Neapel wird indes der ukrainische Generalkonsul Maksym Kovalenko bei den Demonstrationen anwesend sein. Ebenso wird der aktuelle Bürgermeister von Neapel, Gaetano Manfredi, als Gast erwartet. Der Generalsekretär der CGIL Neapel und Kampanien, Nicola Ricci, wird das Schlusswort sprechen. Er erklärt im Vorfeld, dass Neapel seine Kompetenzen zurückgewinnen muss. In vielen Gemeinden der Provinz Neapel, die von der Camorra durchdrungen wurde, liegt die Schulabbrecherquote bei 50 Prozent. Dadurch bedingt sind die sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten in den Problemvierteln wie beispielsweise in Scampia offensichtlich.

In Apulien hat der Inhaber der Megamark-Gruppe beschlossen, seine Läden an diesem Tag zu schließen. Zudem erhalten alle seine Mitarbeiter einen 100 Euro-Gutschein, den sie in den Geschäften der Megamark-Gruppe ausgeben können.

Die Wurzeln des 1. Mai in Italien

Bild Mondine bei der Arbeit von Angelo Morbelli
Mondine bei der Arbeit von Angelo Morbelli | Originaltitel: In risaia

Jedes Jahr wird der 1. Mai in Italien gefeiert. Er soll an die Kämpfe und Demonstrationen der Arbeitnehmer und Arbeiter für die Abschaffung des 12-Stunden-Arbeitstags und die Einführung humaner achtstündiger Arbeitszeiten erinnern, die während der industriellen Revolution in den Vereinigten Staaten von Amerika, stattfanden.

Das erste Gesetz über den Achtstundentag wurde 1866 in Chicago, Illinois verabschiedet. Es trat am 1. Mai 1867 in Kraft. Nach und nach dehnte sich die Eroberung des Achtstundentags auf die weiteren Bundesstaaten aus bis am 1. Mai 1886, dem 19. Jahrestag der Verabschiedung eines 8-Stunden-Gesetzes im Bundesstaat Illinois, in Chicago eine große Demonstration stattfand, bei der es zu gewaltsamen Zusammenstößen auf der Straße zwischen Polizisten und Demonstranten kam. Dabei wurden zahlreiche Polizeibeamte und auch Demonstranten getötet. Am 20. August 1887 verkündete das Gericht sein Urteil, bei dem auch acht angeklagte Anarchisten gehängt wurden.

Der Mai-Feiertag erreicht Italien

1888 erreichte die Nachricht von der Ermordung der Anarchisten auch Livorno in der Toskana. Diese lehnten sich gegen das Urteil, gegen die im Hafen ankernden amerikanischen Schiffe und gegen die Questura von Chicagos auf. Damit waren die Kämpfe der Arbeiter und Gewerkschaften für einen Achtstundentag in Italien geboren.

Auf dem Internationalen Kongress in Paris 1889, bei dem die Zweite Sozialistische Internationale gegründet wurde, wurde das Datum des 1. Mai als Internationaler Tag der Arbeit gewählt.

In Italien wurde der 1. Mai als Tag der Arbeit im folgenden Jahr, also 1890 erstmals gefeiert.

1923 erklärte der damalige Ministerpräsident Benito Mussolini, der von 1922 bis 1943 Ministerpräsident des Königreiches Italien war, den Achtstundentag mit dem königlichen Gesetzesdekret Nr. 692 als legal.

1924 wurde der Mai-Feiertag auf den 21. April vorverlegt und in Natale di Roma – Festa del Lavoro (Römisches Weihnachtsfest) umbenannt. Er galt als Fest der Faschisten. Nach dem Ende des Weltkriegs 1945 wurde er wieder auf den 1. Mai verlegt. Er blieb ein gesetzlicher Feiertag.

Überschattet wurde der Mai-Feiertag 1947, als die kriminelle Bande von Salvatore Giuliano auf etwa zweitausend feiernden Arbeitern schoss und dabei 14 Menschen tötete und rund 50 verletzte. Diese Gräueltat ging als Massaker von Portella della Ginestra (PA) in die Geschichte Italiens ein.