Die Emilia-Romagna habe ich inzwischen viele Male besucht und auf ganz unterschiedliche Weise erkundet. Und trotzdem entdecke ich bei jeder Reise wieder etwas Neues. Manchmal ist es ein kleines Dorf, an dem man auf dem Weg eigentlich vorbeifahren wollte, manchmal ein Schloss, eine ungewöhnliche Landschaft oder ein Detail, das man beim ersten Besuch noch gar nicht wahrgenommen hat.

Dabei sind über die Jahre viele Fotos entstanden. Einige davon möchte ich Ihnen auf dieser Seite zeigen – natürlich nicht alle, denn dafür sind es inzwischen viel zu viele, sondern eine persönliche Auswahl, die einen Eindruck davon vermitteln soll, wie abwechslungsreich die Emilia-Romagna ist.

Die Region zwischen dem Po, der Via Emilia, dem Apennin und der Adriaküste hat mich gerade deshalb immer wieder überrascht. Neben den bekannten Städten und Sehenswürdigkeiten gibt es unzählige kleinere Orte und Geschichten, die man leicht übersieht: versteckte Schlösser, ehemalige Herrschaftssitze, kleine Residenzen, ungewöhnliche Naturphänomene und alte Handwerkstraditionen. Auch Frauen, die in der Kunstgeschichte der Emilia-Romagna eine wichtige Rolle gespielt haben, gehören zu den Themen, denen ich hier nachgehen möchte. Auf dieser Seite stelle ich demnach nicht die üblichen Top-10-Sehenswürdigkeiten der Emilia-Romagna vor, sondern möchte Ihnen verborgene Orte und Sehenswürdigkeiten vorstellen, die die großen Touristenmassen in der Regel nicht ansteuern.

Auf dieser Seite entdecken Sie:
Die Region verstehen
Von Bologna bis Rimini – die Region auf einen Blick
Verborgene Schlösser und märchenhafte Orte
Abseits der bekannten Wege Burgen, Dörfer, ungewöhnliche Orte entdecken
Meine Woche in der Emilia-Romagna
Unterwegs auf den Spuren von Dichtern, Künstlern und alten Geschichten
Karte meiner Rundreise mit Etappen
Übersichtskarte meiner Rundreise durch die Emilia-Romagna mit Route, Übernachtungen und allen Etappen
Meine Fotos – persönliche Eindrücke
Meine ganz persönlichen Bilder aus der Region
Este, Farnese, Malatesta & Co.
Auf den Spuren mächtiger Familien
Warum die Emilia-Romagna Italiens Food Valley ist
Parma, Modena, Reis, Käse und regionale Spezialitäten
Alte Handwerkskunst, die bis heute lebendig geblieben ist
Traditionen, Materialien und Menschen hinter dem Handwerk
Frauen in der Kunst – vergessene Künstlerinnen
Künstlerinnen, deren Geschichten oft im Schatten geblieben sind
Wissenswertes und Kurioses
Dinge, die man über die Emilia-Romagna nicht überall findet

Entdecken Sie mehr zur Emilia-Romagna und Italien

Die Provinzen der Emilia-Romagna

Die Emilia-Romagna besteht aus neun Provinzen und der Città metropolitana di Bologna. Einige Quellen nennen auch acht Provinzen und Bologna als Città metropolitana. Jede dieser Verwaltungseinheiten besitzt ihren eigenen unverwechselbaren Charakter. Manche sind durch ehemalige mächtige Herzogtümer und Fürstenhöfe geprägt, andere durch die ausgedehnte Landwirtschaft, die Keramik, die Küste oder die mittelalterlichen Burgen. Nachfolgend stelle ich Ihnen alle Provinzen der Emilia-Romagna einschließlich Bologna in einer knappen, auf die für Ihren Urlaub wichtigsten Informationen reduzierten Übersicht vor.

Karte der Emilia-Romagna

Damit Sie sich in der Emilia-Romagna besser orientieren können, habe ich eine eigene Karte der Region erstellt. Sie zeigt die neun Provinzen und die wichtigsten Städte und hilft Ihnen dabei, die einzelnen Orte und Sehenswürdigkeiten geografisch einzuordnen und Ihre Reise besser zu planen.

Die neun Provinzen im Überblick

Bologna

Hauptstadt: Bologna

Sehenswert: Piazza Maggiore, Basilica di San Petronio, die beiden Türme Torre degli Asinelli und Torre Garisenda, die Arkaden von Bologna, Dozza mit seinen bemalten Hausfassaden, Rocchetta Mattei und das Castello dei Manzoli bei Minerbio.

Typische Produkte: Mortadella Bologna, Tortellini, Tagliatelle, Ragù, Parmigiano Reggiano und traditionelle Balsamico-Produkte.

Traditionelles Handwerk: Besonders interessant sind die historische Herstellung von Musikinstrumenten in Bologna, die Ocarina aus Budrio sowie die Aemilia Ars mit ihren Stickerei- und Spitzenarbeiten.

Besonderheit: Bologna verbindet eine bedeutende Universitäts- und Kunstgeschichte mit einer überraschend lebendigen Handwerkstradition. In Budrio wird die Ocarina-Tradition bis heute gepflegt; das Instrument wurde dort 1853 von Giuseppe Donati entwickelt.

Ferrara

Provinzhauptstadt: Ferrara

Sehenswert: Castello Estense, Palazzo dei Diamanti, Kathedrale San Giorgio, Comacchio, die Este-Residenzen Delizia di Belriguardo und Delizia del Verginese sowie das Po-Delta.

Typische Produkte: Coppia Ferrarese, Salama da Sugo, Cappellacci di Zucca Ferraresi, Knoblauch aus Voghiera und Reis aus dem Po-Delta.

Traditionelles Handwerk: Ferrara besitzt eine alte Tradition im Bau und in der Restaurierung von Musikinstrumenten. Dazu kommen historische Handwerksbetriebe und die Verarbeitung regionaler Materialien.

Besonderheit: Ferrara war über Jahrhunderte das Zentrum der Este. Noch heute lässt sich die Verbindung zwischen Hofkultur, Architektur, Kunst und Landwirtschaft besonders gut in der Umgebung der Stadt erkennen.

Forlì-Cesena

Provinzhauptstadt: Forlì und Cesena

Sehenswert: Rocca di Ravaldino in Forlì, Abbazia di San Mercuriale, Rocca Malatestiana und Biblioteca Malatestiana in Cesena, Terra del Sole, Bertinoro, Longiano und die Landschaft des Nationalparks Foreste Casentinesi.

Typische Produkte: Piadina Romagnola, Formaggio di Fossa, Sangiovese, typische Romagna-Weine und regionale Wurstwaren.

Traditionelles Handwerk: Besonders eng mit der Romagna verbunden sind die Herstellung der Piadina, textile Handarbeiten und traditionelle Holz- und Metallarbeiten.

Historische Besonderheit: In dieser Gegend trafen die Interessen der Malatesta, der Sforza, des Kirchenstaates und später Cesare Borgias aufeinander. Die Burgen und Festungen erzählen daher von einer ausgesprochen bewegten Vergangenheit.

Modena

Provinzhauptstadt: Modena

Sehenswert: Dom von Modena mit Ghirlandina und Piazza Grande, Palazzo Ducale, Palazzo dei Musei, Castello di Spezzano, Villa Sorra und die historische Landschaft des Modeneser Apennin.

Typische Produkte: Aceto Balsamico Tradizionale di Modena, Parmigiano Reggiano, Zampone, Cotechino, Prosciutto di Modena und Lambrusco.

Traditionelles Handwerk: Modena besitzt unter anderem eine lange Tradition im Bau und in der Restaurierung von Musikinstrumenten. Dazu kommen Lebensmittelhandwerke, die bis heute eng mit den Familienbetrieben der Region verbunden sind.

Besonderheit: Modena war über Jahrhunderte eng mit dem Haus Este verbunden. Der heutige Palazzo Ducale steht dort, wo sich einst die mittelalterliche Burg befand, und wurde später zur Residenz der Este.

Parma

Provinzhauptstadt: Parma

Sehenswert: Dom und Baptisterium von Parma, Palazzo della Pilotta mit Teatro Farnese, Teatro Regio, Schloss von Torrechiara, Colorno und die Orte entlang der Verdi-Route.

Typische Produkte: Parmigiano Reggiano, Prosciutto di Parma, Culatello di Zibello, Salame Felino, Coppa Piacentina im angrenzenden Gebiet sowie traditionelle Pasta- und Wurstwaren.

Traditionelles Handwerk: Neben der Lebensmittelproduktion spielen Restaurierung, Instrumentenbau und traditionelle handwerkliche Verarbeitung eine Rolle.

Besonderheit: Parma war zusammen mit Piacenza das Zentrum des Herzogtums der Farnese. Die Familie hinterließ mit der Pilotta, dem Teatro Farnese und weiteren Bauten ein außergewöhnliches architektonisches Erbe.

Piacenza

Provinzhauptstadt: Piacenza

Sehenswert: Palazzo Farnese, Palazzo Gotico, Piazza Cavalli, Dom von Piacenza, Basilica di Sant’Antonino, Castello di Gropparello und die Burgen im Hügelland.

Typische Produkte: Coppa Piacentina, Salame Piacentino, Pancetta Piacentina, Gutturnio und weitere regionale Weine.

Traditionelles Handwerk: In den historischen Orten finden sich traditionelle Lebensmittelhandwerke, Restaurierungsbetriebe und kunsthandwerkliche Werkstätten.

Besonderheit: Piacenza war ab 1545 Teil des Herzogtums Parma und Piacenza und wurde damit zu einem wichtigen Schauplatz der Farnese. Der riesige Palazzo Farnese sollte die Macht der Familie sichtbar machen.

Ravenna

Provinzhauptstadt: Ravenna

Sehenswert: Basilica di San Vitale, Mausoleum der Galla Placidia, Sant’Apollinare Nuovo, Sant’Apollinare in Classe, das Baptisterium der Arianer und das Grab Dantes.

Typische Produkte: Scalogno di Romagna, regionale Weine, Olivenöl, Obst und Gemüse der Romagna sowie traditionelle Produkte der Küsten- und Poebenen.

Traditionelles Handwerk: Ravenna ist besonders für die Mosaikkunst bekannt. Die Mosaiktradition reicht bis in die Spätantike zurück und wird bis heute in Werkstätten weitergeführt.

Besonderheit: Ravenna war mehrfach Hauptstadt bedeutender Herrschaftsgebiete und besitzt dadurch ein ungewöhnlich dichtes spätantikes und frühmittelalterliches Kulturerbe.

Reggio Emilia

Provinzhauptstadt: Reggio Emilia

Sehenswert: Basilica di San Prospero, Piazza Prampolini, Teatro Municipale, Sala del Tricolore, Castello di Rossena, Canossa und die Burgen der Matildischen Ländereien.

Typische Produkte: Parmigiano Reggiano, Aceto Balsamico Tradizionale di Reggio Emilia, Erbazzone, Lambrusco Reggiano und weitere regionale Spezialitäten.

Traditionelles Handwerk: Neben der Lebensmittelherstellung gibt es traditionelle Holz-, Metall- und Textilarbeiten sowie Werkstätten rund um die regionale Handwerkskultur.

Besonderheit: Das Gebiet ist eng mit Mathilde von Canossa verbunden. Die Burgen von Canossa und Rossena machen Geschichte hier besonders unmittelbar erlebbar.

Rimini

Provinzhauptstadt: Rimini

Sehenswert: Ponte di Tiberio, Arco d’Augusto, Tempio Malatestiano, Castel Sismondo, Piazza Cavour, San Leo und die Burgen des Montefeltro.

Typische Produkte: Piadina Romagnola, Olivenöl, Sangiovese, regionale Käse- und Wurstwaren.

Traditionelles Handwerk: Typisch für die Romagna sind unter anderem textile Arbeiten, Keramik, Holzhandwerk und die Herstellung traditioneller Produkte rund um die Küche.

Besonderheit: Rimini war das Zentrum der Malatesta. Mit Sigismondo Pandolfo Malatesta verbindet sich eine der interessantesten Renaissancegeschichten der Region.

Verborgene Schlösser und außergewöhnliche Orte

Die Emilia-Romagna besitzt weit mehr Schlösser und Burgen, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Neben den bekannten Festungen gibt es kleine Herrensitze, romantische Sommerresidenzen und beinahe verwunschene Anlagen, die wesentlich weniger bekannt sind als die großen touristischen Ziele. Wer genauer hinschaut, entdeckt auch Orte, die kaum in den klassischen Reiseführern auftauchen und mit ihrer Geschichte, Geologie oder ungewöhnlichen Atmosphäre überraschen. Manche wirken fast fremd, andere erzählen von einer Vergangenheit, die man an dieser Stelle nicht erwarten würde.

Gerade diese Orte finde ich besonders interessant, weil sie häufig nicht wie klassische Sehenswürdigkeiten wirken. Manche tauchen mitten in der Landschaft auf, andere sind von einem Wassergraben umgeben oder wurden im 19. Jahrhundert stark umgestaltet. Wer mich kennt, weiß, dass ich genau diese Art von Tourismus liebe – immer auf Abwegen sein, um Neues und Unbekanntes zu entdecken.

Rocchetta Mattei – Grizzana Morandi

Hoch über dem Reno-Tal, im Apennin südlich von Bologna, erhebt sich mit der Rocchetta Mattei eine der ungewöhnlichsten Burgen der Emilia-Romagna. Schon von außen erinnert die Anlage an ein Märchenschloss – im Inneren wird es jedoch noch außergewöhnlicher. Ich habe die Rocchetta Mattei im Mai 2026 besucht und war von der Schönheit der Anlage sowie der Vielfältigkeit der Stilepochen verblüfft.

Der Graf Cesare Mattei ließ die Rocchetta ab 1850 auf den Ruinen einer mittelalterlichen Burg errichten. Was anschließend entstand, ist kein gewöhnliches Schloss: Türme, verschachtelte Gebäudeteile, monumentale Treppen und Innenhöfe verbinden mittelalterliche Formen mit neugotischen, maurischen, neorenaissanceartigen und späteren Liberty-Elementen.

Besonders ungewöhnlich ist der Ala Arabo-Moresca-Teil der Anlage. Der sogenannte Löwenhof erinnert mit seinen Formen an die Alhambra in Granada, während die Kapelle Gestaltungselemente der Mezquita von Córdoba aufgreift. Dadurch wirkt die Rocchetta Mattei eher wie eine fantastische Kulisse als wie ein klassischer Adelssitz.

Auch die Geschichte ihres Erbauers ist ungewöhnlich. Cesare Mattei war kein Fürst aus einem alten Herrschergeschlecht, sondern ein wohlhabender Bologneser, der sich nach politischen Enttäuschungen zunehmend seiner selbst entwickelten Elektrohomöopathie widmete. Die von ihm entwickelten Mittel machten ihn im 19. Jahrhundert international bekannt. Zeitweise kamen Patienten aus verschiedenen Ländern zur Rocchetta.

Nach seinem Tod verfiel die Anlage zunehmend und wurde schließlich in den 1980er-Jahren geschlossen. Erst nach dem Erwerb durch die Fondazione Carisbo im Jahr 2005 begann die umfassende Restaurierung. Seit 2015 ist die Rocchetta Mattei wieder für Besucher zugänglich.

Heute: Die Rocchetta kann besichtigt werden, allerdings ist eine vorherige Reservierung, oft monatelang im Voraus erforderlich, da sie insbesondere in der Nebensaison nicht täglich geöffnet hat. Ich hatte die Rocchetta Mattei im Februar für einen Besuch im Mai reserviert. Die Monate März und April waren zu diesem Zeitpunkt bereits ausgebucht. 

Rocca Sanvitale – Fontanellato

Mitten im historischen Zentrum von Fontanellato steht die Rocca Sanvitale. Die Burg ist von einem Wassergraben umgeben und wirkt dadurch bis heute wie eine kleine Insel mitten im Ort.

Die Familie Sanvitale machte die mittelalterliche Festung im Laufe der Jahrhunderte zu einem repräsentativen Wohnsitz. Besonders berühmt ist das Zimmer der Diana und Aktäon mit den Fresken von Parmigianino aus den Jahren 1523-1524.

Damit besitzt die Rocca Sanvitale eine Besonderheit: Hinter der wehrhaften Außenmauer verbirgt sich ein Werk eines der bedeutendsten Maler der italienischen Renaissance.

Forte di San Leo – Provinz Rimini

Die Festung von San Leo gehört zu den spektakulärsten Burgen der Romagna. Sie sitzt auf einem gewaltigen Felsplateau, dessen Seiten teilweise senkrecht abfallen. Von weitem entsteht dadurch tatsächlich der Eindruck, die Festung würde über dem Marecchia-Tal schweben.

Die heutige Festung wurde im 15. Jahrhundert nach Plänen des Militärarchitekten Francesco di Giorgio Martini grundlegend umgebaut. Aus der mittelalterlichen Burg entstand eine moderne Renaissancefestung, die den Anforderungen der damaligen Artillerie angepasst war.

Besonders düster wurde die Geschichte von San Leo durch den berühmten Grafen Cagliostro. Der Alchemist und Abenteurer wurde hier als Gefangener des Kirchenstaates eingesperrt und starb 1795 in der Festung. Seine Gefängniszelle, die sogenannte Cella del Pozzo, kann heute besichtigt werden.

San Leo verbindet deshalb auf ungewöhnliche Weise Renaissance-Militärarchitektur, spektakuläre Landschaft und die Geschichte einer der rätselhaftesten Figuren des 18. Jahrhunderts.

Votigno di Canossa – Tibet mitten in der Hügellandschaft

Provinz Reggio Emilia

Votigno di Canossa ist ein kleines mittelalterliches Steindorf in den Hügeln bei Canossa. Schon die alten Gebäude machen den Ort ungewöhnlich – doch seine heutige Bedeutung ist noch überraschender. Zwischen den historischen Mauern befindet sich das „Casa del Tibet“, ein buddhistisches Kulturzentrum, das im März 1990 unter den Auspizien des Dalai Lama gegründet wurde. Das Museo del Tibet wurde dann am 25. Oktober 1999 vom Dalai Lama eingeweiht.

Wer durch das alte Borgo geht, trifft deshalb nicht nur auf mittelalterliche Architektur, sondern auch auf buddhistische Symbole, Gebetsfahnen, Schreine und Buddha-Darstellungen. Der Gegensatz könnte kaum größer sein: eine historische Landschaft der Emilia-Romagna und eine Kulturtradition, die man eher in Tibet oder im Himalaya erwarten würde.

Gerade diese unerwartete Verbindung macht Votigno di Canossa zu einem der ungewöhnlichsten kulturellen Orte der Region.

Rocca Fregoso in Sant’Agata Feltria – eine Burg wie aus einem Märchen

Provinz Rimini

Hoch über Sant’Agata Feltria thront die Rocca Fregoso auf einem gewaltigen Sandsteinfelsen, dem sogenannten Sasso del Lupo. Schon ihre Lage macht die Burg zu einem besonderen Ort. Sie scheint förmlich aus dem Felsen herauszuwachsen und blickt weit über die Landschaft des Montefeltro.

Die Geschichte der Rocca reicht bis ins Mittelalter zurück. Im 15. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Festung unter dem Einfluss von Federico da Montefeltro umgebaut. Der berühmte Militärarchitekt Francesco di Giorgio Martini war an der Modernisierung der Festungen des Herzogs beteiligt. Aus der Wehrburg entwickelte sich später eine repräsentative Residenz der Familie Fregoso. Im Inneren haben sich unter anderem Renaissancekamine, Kassettendecken und eine kleine Kapelle mit Fresken aus dem 16. Jahrhundert erhalten.

Die Burg hat im Laufe ihrer Geschichte viele Veränderungen erlebt. Sie war unter anderem Kloster, Schule, Gefängnis und Amtsgericht. Heute beherbergt sie jedoch etwas ganz anderes: die Rocca delle Fiabe, ein ungewöhnliches Museum, das sich ganz der Welt der Märchen widmet.

Schon beim Rundgang durch die Burg wird deutlich, dass hier nicht einfach bekannte Märchen ausgestellt werden. Die Ausstellung beschäftigt sich mit den grundlegenden Themen der Märchen und erzählt sie mit Büchern, Illustrationen, Objekten, Filmen, Animationen und multimedialen Installationen. Das Konzept geht auf den Literaturwissenschaftler und Kinderliteratur-Experten Antonio Faeti zurück, der die Rocca als einen Ort verstand, an dem das Märchen bewahrt, erforscht und neu erlebt werden kann.

Ein Raum ist den „Schuhen“ gewidmet. Hier begegnet man unter anderem Aschenputtel, Allerleirauh und dem kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern – Geschichten von jungen Frauen, die zunächst Leid und Unterdrückung erfahren und schließlich ihre eigene Befreiung finden. Besonders schön ist die Verbindung von Märchenwelt und realem Objekt: In diesem Bereich befindet sich auch ein Schuh von Aschenputtel.

Im Bereich „Der verzauberte Reisende“ geht es um die Sehnsucht nach fernen Welten und unbekannten Orten. Hier tauchen unter anderem der Kleine Prinz und Corto Maltese auf. Luftschiffe, Schiffe, Reisen und Abenteuer führen den Besucher aus der Burg hinaus in fantastische Welten.

Ganz anders wirkt der „einsame Burgherr“. Dieser Bereich beschäftigt sich mit Figuren wie Kapitän Nemo und Kapitän Ahab und mit der dunkleren Seite der Fantasie: Macht, Einsamkeit, Gier und die Sehnsucht nach Kontrolle. Dadurch bekommt die Ausstellung eine überraschend erwachsene und nachdenkliche Seite.

Besonders märchenhaft fand ich den Bereich „Die Kinder im Wald“. Hier begegnen Rotkäppchen sowie Hänsel und Gretel. Der dunkle Wald wird zunächst zum Ort der Angst, bevor sich die Stimmung wieder verändert und Tiere, Licht und die Hoffnung auf Rettung auftauchen. Ein sogenannter sprechender Baum gehört ebenfalls zu diesem Bereich und erzählt auf seine eigene Weise von den Märchen und vom Menschen.

Das Besondere: Die Rocca Fregoso ist für mich deshalb weit mehr als eine alte Burg. Mittelalterliche Mauern, Renaissancekunst und die Welt der Märchen treffen hier auf ungewöhnliche Weise aufeinander. Ich mag solche Orte besonders, weil sie nicht nur etwas zeigen, sondern die Fantasie anregen. In Sant’Agata Feltria hatte ich tatsächlich das Gefühl, eine Burg betreten zu haben, in der die Märchen nicht hinter Glas liegen, sondern noch ein wenig weiterleben.

Brescello – das Dorf, in dem Don Camillo und Peppone weiterleben

Provinz Reggio Emilia

Brescello wirkt auf den ersten Blick wie ein ruhiger Ort in der Poebene. Seine ungewöhnliche Berühmtheit verdankt das Dorf jedoch zwei erfundenen Figuren: Don Camillo und Peppone. Die Geschichten des katholischen Dorfpfarrers Don Camillo und des kommunistischen Bürgermeisters Peppone stammen aus den Erzählungen des Schriftstellers Giovannino Guareschi.

Zwischen 1952 und 1965 entstanden mehrere Filme mit Fernandel als Don Camillo und Gino Cervi als Peppone. Gedreht wurde ein großer Teil der Szenen tatsächlich in Brescello. Dadurch wurde das kleine Dorf zu einem ungewöhnlichen Stück italienischer Filmgeschichte.

Wer heute durch Brescello geht, entdeckt deshalb zahlreiche Spuren der Filmreihe. Auf der Piazza Matteotti stehen die bekannten Figuren von Don Camillo und Peppone, und auch die Kirche sowie der Platz, die in den Filmen eine wichtige Rolle spielen, sind noch vorhanden. Im ehemaligen Kloster befindet sich das Museo Peppone e Don Camillo, das an die Dreharbeiten und die beiden Filmfiguren erinnert. Ein Panzer auf dem kleinen Platz vor dem Museum sowie etliche russische Inschriften erinnern heute noch an den Kommunismus.

Das eigentlich Überraschende an Brescello ist der Gegensatz zwischen Realität und Filmwelt: Das Dorf ist kein Filmpark und wurde auch nicht eigens als Kulisse gebaut. Die Filme machten vielmehr einen ganz normalen Ort der Poebene zu einem der bekanntesten Filmdörfer Italiens. 

San Lazzaro – die ungewöhnliche Geschichte eines ehemaligen psychiatrischen Komplexes

Provinz Reggio Emilia

Der historische Komplex von San Lazzaro gehört zu den Orten der Emilia-Romagna, deren Geschichte weit über normale Stadtgeschichte hinausgeht. Seine Ursprünge reichen bis ins Jahr 1217 zurück, als hier ein Leprosorium entstand. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Komplex zu einer psychiatrischen Einrichtung.

Im 19. Jahrhundert wurde San Lazzaro zu einem bedeutenden Zentrum der italienischen Psychiatrie. Heute befindet sich auf dem weitläufigen Gelände unter anderem der historische Park sowie das Museo di Storia della Psichiatria.

Besonders eindrucksvoll ist der ehemalige Padiglione Lombroso. Dort sind historische Räume, medizinische Instrumente und Spuren der früheren Patienten erhalten. Dazu gehören auch Graffiti, die von den Menschen hinterlassen wurden, die hier lebten.

Der Ort ist deshalb nicht einfach ein „verlassener Irrenhaus-Komplex“. Er erzählt vielmehr von der Entwicklung der Psychiatrie, vom Umgang mit psychisch kranken Menschen und von einem Kapitel italienischer Medizingeschichte, das lange Zeit kaum öffentlich betrachtet wurde.

Grotte di Soprasasso – Felsen wie von einem anderen Planeten

Provinz Bologna

In den Apenninen südlich von Bologna verstecken sich die Grotte di Soprasasso, ein ungewöhnliches Beispiel dafür, wie Wasser, Verwitterung und Zeit eine Landschaft verändern können.

Die Höhlen und Felsformationen entstanden im Sandstein. Durch die natürliche Erosion bildeten sich Hohlräume, Nischen und stark strukturierte Oberflächen. Die Felsen wirken an manchen Stellen fast wie poröses Gestein, andere Bereiche erinnern an eine unregelmäßige Mondlandschaft.

Gerade weil die Formationen nicht wie eine klassische Höhle mit riesigen Tropfsteinen aussehen, liegt ihr Reiz im Detail. Wer genauer hinsieht, erkennt, wie unterschiedlich Sandstein durch Wasser und Witterung geformt werden kann. Allerdings ist der Aufstieg nicht einfach, denn der Weg ist teilweise nicht gut gekennzeichnet.

Castell’Arquato – Leben im Mittelalter

Provinz Piacenza

Castell’Arquato liegt auf einem Hügel über dem Tal des Flusses Arda und gehört zu den eindrucksvollsten mittelalterlichen Orten der Emilia-Romagna. Schon von weitem ist die Silhouette mit der Rocca Viscontea, dem markanten Glockenturm und den alten Stadtmauern zu erkennen.

Wer durch die verwinkelten Gassen des historischen Zentrums geht, fühlt sich schnell in eine andere Zeit versetzt. Gut erhaltene Steinhäuser, kleine Plätze, Arkaden und Treppenwege prägen das Ortsbild. Besonders sehenswert sind die Piazza del Municipio mit dem mittelalterlichen Palazzo del Podestà und die Collegiata di Santa Maria Assunta.

Im Mittelpunkt des mittelalterlichen Ortskerns steht die Rocca Viscontea. Die Festung entstand im 14. Jahrhundert und prägt bis heute die Silhouette von Castell’Arquato. Von den Türmen eröffnet sich ein weiter Blick über die umliegende Hügellandschaft.

Das Besondere an Castell’Arquato ist jedoch nicht nur die Burg. Der gesamte historische Ortskern vermittelt ein ungewöhnlich geschlossenes mittelalterliches Bild. Viele Gebäude, Gassen und Plätze sind erhalten geblieben, sodass der Ort eher wie eine gewachsene historische Kulisse als wie ein gewöhnliches italienisches Dorf wirkt.

Das Ungewöhnliche: Castell’Arquato ist kein künstlich angelegtes Museumsdorf. Zwischen den alten Mauern findet bis heute ganz normales italienisches Dorfleben statt. Gerade diese Verbindung von mittelalterlicher Architektur, Geschichte und lebendigem Alltag macht den Ort für mich zu einem besonderen Kulturort der Emilia-Romagna.

Meine Woche Urlaub in der Emilia-Romagna – auf den Spuren von Dichtern, Künstlern und alten Geschichten

Im September 2026 habe ich eine Woche lang die Emilia-Romagna bereist. Es war keine klassische Rundreise, bei der eine bekannte Sehenswürdigkeit nach der anderen auf dem Programm stand. Mich interessierten vielmehr die Geschichten hinter den Orten: alte Dörfer, mittelalterliche Burgen, Künstler, Dichter, Musik und kleine Museen, in denen man noch das Gefühl bekommt, einem Ort wirklich näherzukommen.

Ich liebe Kultur, Geschichte, Kunst und ganz besonders Literatur. Deshalb habe ich diese Reise auch etwas anders zusammengestellt. Giuseppe Verdi, Giosuè Carducci, Giovanni Pascoli, Arturo Toscanini und Antonio Ligabue waren für mich nicht einfach Namen auf einer Liste, sondern Menschen, deren Leben und Werk ich an ihren jeweiligen Orten besser verstehen wollte.

Dazu kamen alte Kirchen, mittelalterliche Festungen, Fresken und kleine Orte, die teilweise fast märchenhaft oder ein wenig verwunschen wirkten. Genau diese Mischung fasziniert mich.

Große Einkaufszentren, überfüllte Cafés und Orte, an denen sich die Menschenmassen durch die Straßen schieben, sind dagegen nicht meine Welt. Ich suche lieber die kleinen Geschichten, die oft etwas abseits liegen. Und davon gibt es in der Emilia-Romagna erstaunlich viele.

🚗 Tag 1 – Mittwoch: Castell’Arquato, Verdi und eine Burg mit Wassergraben

Am ersten Morgen startete ich bei Mailand und fuhr in Richtung Emilia-Romagna. Ich wollte nicht einfach möglichst schnell nach Parma kommen, sondern bereits am ersten Tag Orte kennenlernen, die etwas von der Geschichte dieser Region erzählen.

Castell’Arquato – ein mittelalterliches Dorf auf dem Hügel

Mein erster Halt war Castell’Arquato. Die alten Steinhäuser, die engen Gassen und der historische Ortskern haben eine ganz eigene Atmosphäre.

Zu Fuß ging es dann durch den Ort hinauf zur Rocca Viscontea. Von oben öffnet sich der Blick weit über die Landschaft. Es war ein ruhiger Beginn meiner Reise – kein großes Spektakel, sondern Geschichte, die unmittelbar vor mir lag.

Für meinen Besuch nahm ich mir etwa 1,5 bis 2 Stunden Zeit.

Roncole Verdi – das Geburtshaus von Giuseppe Verdi

Von Castell’Arquato fuhr ich weiter nach Roncole Verdi. Hier steht das Geburtshaus von Giuseppe Verdi.

Der Mann, dessen Musik später in den großen Opernhäusern der Welt erklang, wurde in einem einfachen Haus in diesem kleinen Dorf geboren.

Ich finde solche Orte besonders interessant, weil sie einen Menschen auf eine ganz andere Weise greifbar machen als ein großes Denkmal oder ein berühmtes Opernhaus.

Fontanellato – die Rocca Sanvitale

Am Nachmittag fuhr ich weiter nach Fontanellato. Die Rocca Sanvitale liegt mitten im Ort und ist von einem Wassergraben umgeben. Schon von außen wirkt die Anlage sehr eindrucksvoll.

Besonders interessiert hat mich das kleine Kabinett mit den Fresken von Parmigianino. Fresken gehören ohnehin zu den Dingen, bei denen ich selten einfach weitergehen kann. Ich schaue lieber etwas länger hin und versuche, die Details und die Geschichte dahinter zu erfassen, die ich bereits im Vorfeld gelesen habe. Ich gehe nie ohne Hintergrundwissen los.

Abends in Parma

Am Abend fuhr ich weiter nach Parma. Ich entschied mich bewusst dafür, zwei Nächte hier zu bleiben. So musste ich am nächsten Morgen nicht schon wieder Koffer packen und konnte Parma ganz in Ruhe zu Fuß entdecken.

Übernachtung: Parma

🎼 Tag 2 – Donnerstag: Parma – Fresken, Musik und alte Geschichten

Parma lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden und genau das kam mir sehr entgegen.

Der Dom von Parma

Ich begann den Tag am Dom. Schon beim Betreten der Kathedrale war für mich klar, dass ich hier gerne etwas mehr Zeit verbringen wollte. Das berühmte Kuppelfresko von Correggio ist eines dieser Kunstwerke, bei denen ich nicht einfach nur ein Foto machen möchte. Ich wollte stehen bleiben und nach oben schauen wie ich es auch bereits in vielen anderen Kirchen Italiens gemacht habe.

Mich faszinieren besonders die alten Fresken, weil sie für mich Kunst, Religion und Geschichte miteinander verbinden. Man sieht nicht nur ein Bild – man sieht ein Stück der Zeit, in der es entstanden ist.

San Giovanni Evangelista

Direkt hinter dem Dom liegt San Giovanni Evangelista. Der kurze Weg dorthin war ideal, denn auch diese Kirche gehört zu den Orten, die ich mir nicht nur im Vorbeigehen ansehen wollte, denn hier begegneten mir bedeutende Werke von Correggio, wunderbare Ensemble der italienischen Renaissance.

Was mir besonders gefallen hat:
Ich habe mir bei den Kirchen bewusst Zeit gelassen. Gerade die mittelalterlichen, frühchristlichen und byzantinischen Bildwelten faszinieren mich. Ich kann mich lange mit solchen Darstellungen beschäftigen und entdecke dabei immer wieder kleine Details wie Eulen, die in künstlerischen Darstellungen eher selten vorkommen.
Castello dei Burattini

Am Nachmittag besuchte ich das Castello dei Burattini. Das kleine Museum der Marionetten war für mich eine schöne Abwechslung zu den großen Kunstwerken des Vormittags. Ich habe bereits das Puppenmuseum in Angera besucht, weshalb dieses Museum, für mich das Pendant darstellte.

Casa Natale di Arturo Toscanini

Danach ging ich weiter in Richtung Oltretorrente zur Casa Natale von Arturo Toscanini. Da ich klassische Musik liebe, durfte dieser Ort für mich natürlich nicht fehlen.

Toscanini gehört zu den großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Ich schätze ihn sehr, denn er hatte seine Prinzipien, die er unumfänglich lebte.

Cimitero Monumentale della Villetta

Zum Abschluss des Tages besuchte ich den historischen Cimitero Monumentale della Villetta. Hier befindet sich unter anderem das Grab von Niccolò Paganini, welches ich besuchen wollte. Der Ärmste wurde erst nach 36 Jahren bestattet. Nach seinem Tod verweigerte die katholische Kirche zunächst die Beisetzung in geweihter Erde. Es folgten jahrelange Auseinandersetzungen und mehrere Stationen, bevor Paganini 1876 endgültig auf dem Cimitero della Villetta in Parma beigesetzt wurde. Sein außergewöhnliches musikalisches Können, seine Lebensgeschichte und die vielen Anekdoten, die sich um ihn ranken, machen ihn zu einer der interessantesten Persönlichkeiten der klassischen Musik.

Übernachtung: Parma

🏔️ Tag 3 – Freitag: Votigno di Canossa und Giosuè Carducci

Am dritten Tag verließ ich Parma und fuhr in die Hügel von Reggio Emilia. Mein Ziel war Votigno di Canossa, bevor es am Nachmittag weiter nach Bologna ging.

Votigno di Canossa – das kleine Tibet

Votigno di Canossa war genau einer dieser Orte, nach denen ich auf meinen Reisen immer wieder suche. Ein kleines mittelalterliches Dorf, eingebettet in die Hügel und weit entfernt vom großen touristischen Trubel.

Der Ort wird häufig als „kleines Tibet“ bezeichnet, denn der Ort beherbergt ein tibetisches Museum, Statuen von Buddha und Gandhi sowie einen Tempel. 

Für die Innenräume beziehungsweise das tibetische Zentrum sollte man vorher klären, ob eine Besichtigung möglich ist.

Bologna – Casa Carducci

Am Nachmittag ging es dann weiter nach Bologna. Mein eigentliches Ziel war aber nicht irgendeine der bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt, sondern die Casa Carducci. Giosuè Carducci gehört zu meinen Lieblingsdichtern. Besonders sein Gedicht Davanti San Guido – auf Deutsch „Vor San Guido“ – gehört zu meinen Lieblingsgedichten. Ich liebe dieses Gedicht, weil darin Landschaft und Erinnerung auf eine sehr melancholische Weise miteinander verbunden sind. Interessant und für mich eine Augenweide ist die riesige Bibliothek des Nobelpreisträgers.

Bologna am Abend

Nach dem Museumsbesuch blieb noch Zeit für einen ersten Spaziergang durch Bologna. Ich ging über die Piazza Maggiore und durch die alten Arkaden. Am Abend wirkt die Stadt noch einmal ganz anders als am Tag, denn nun sind viele Palazzi und die Arkaden beleuchtet.

Übernachtung: Bologna

🏛️ Tag 4 – Samstag: Bologna – Mittelalter, Kunst und Geschichte

Den vierten Tag verbrachte ich vollständig in Bologna.

Piazza Maggiore und Palazzo Re Enzo

Ich begann auf der Piazza Maggiore. Hier liegen mehrere bedeutende historische Gebäude unmittelbar nebeneinander, unter anderem fiel mein Blick auf den Palazzo Re Enzo.

Basilica di San Petronio

Anschließend ging ich in die Basilica di San Petronio. Die gewaltige Kirche gehört für mich zu den eindrucksvollsten Sakralbauten Bolognas. Ich habe mich hier bewusst nicht beeilt. Gerade bei Kirchen interessiert mich nicht nur die Architektur. Ich möchte die einzelnen Kunstwerke und Kapellen betrachten und verstehen, was sich hinter den Bildern und Darstellungen verbirgt.

Museo Ottocento Bologna

Da ich mich besonders für Kunst interessiere, nahm ich mir anschließend Zeit für das Museo Ottocento Bologna. Nach den mittelalterlichen und Renaissance-Werken des Vormittags war die Kunst des 19. Jahrhunderts eine interessante Ergänzung.

Die beiden Türme – von außen

Zum Abschluss meines Rundgangs ging ich zur Piazza di Porta Ravegnana. Dort stehen die beiden Wahrzeichen Bolognas: Torre degli Asinelli und Torre Garisenda.

Wichtig:
Die Torre degli Asinelli war während meiner Reise für Besucher geschlossen und auch die Torre Garisenda war nicht zugänglich. Ich konnte die beiden Türme deshalb nur von außen betrachten.

Die Garisenda ist für mich trotzdem interessant, denn sie hat auch eine literarische Geschichte. Dante erwähnt den schiefen Turm im 31. Gesang des „Inferno“. Solche Verbindungen zwischen Literatur und den Orten, die man tatsächlich vor sich sieht, faszinieren mich immer besonders.

Übernachtung: Bologna

📚 Tag 5 – Sonntag: Ligabue, Don Camillo und Giovanni Pascoli

Am fünften Tag verließ ich Bologna und fuhr wieder ein Stück nach Norden. Dieser Tag war für mich besonders abwechslungsreich, denn er verband bildende Kunst, Filmgeschichte und Literatur.

Gualtieri – Antonio Ligabue

Mein erster Halt war Gualtieri. Der kleine Ort ist eng mit Antonio Ligabue verbunden, einem der ungewöhnlichsten Künstler Italiens.

Ich besuchte die Casa Museo Antonio Ligabue. Endlich sah ich die Kunst real vor mir, von der ich in seinen Büchern gelesen habe. Einmal besuchte ich auch eine Ausstellung in der Forte di Bard, im Aostatal, die sich mit ihm, seinem Leben und seinen Bildern beschäftigte. Seine Bilder wirken auf mich durch die kräftigen Farben freundlich, kindlich und unschuldig.

Ligabue war kein Künstler, dessen Leben in die üblichen Vorstellungen von Erfolg und Kunstbetrieb passte. Seine ganz eigene Sicht auf die Welt macht seine Geschichte für mich so interessant.

Brescello – auf den Spuren von Don Camillo und Peppone

Von Gualtieri fuhr ich nur ein kurzes Stück weiter nach Brescello. Der kleine Ort wurde durch die Filme mit Don Camillo und Peppone weltbekannt.

Ich wollte Brescello aber nicht nur als Filmkulisse sehen, auch wenn dies in dem Ort unweigerlich der Fall ist. Ich denke hier an den öffentlich ausgestellten Panzer, die russischen Inschriften und die beiden Figuren Don Camillo und Peppone auf dem Hauptplatz. Wer die Filme kennt, erkennt vieles sofort wieder. Ich habe mir in Brescello auch verschiedene Museen angeschaut, wie das archäologische Museum.

San Mauro Pascoli – Giovanni Pascoli

Danach ging es weiter nach San Mauro Pascoli. Hier wurde Giovanni Pascoli geboren.

Auf diesen Besuch hatte ich mich besonders gefreut. Pascolis Gedichte haben für mich eine ganz eigene Stimmung. Natur, Erinnerungen, Kindheit, Vergänglichkeit und eine oft leise Melancholie verbinden sich darin auf eine Weise, die mich sehr anspricht.

Ich besuchte das Museo Casa Pascoli in seinem Geburtshaus. Dort begegnete ich Möbeln, Erinnerungsstücken, Fotografien und Manuskripten aus dem Leben des Dichters.

Anschließend besuchte ich auch die Villa Torlonia mit dem Museo Multimediale, das sich ebenfalls mit Pascoli und seiner Dichtung beschäftigt. Gerade die Verbindung zwischen seiner Poesie und der Landschaft rund um San Mauro Pascoli wollte ich sehen, denn Pascoli beschreibt in seinem Gedicht „La cavalla storna“ (Die Schimmelstute) die Ställe des Landguts „La Torre“ in San Mauro, wo seine Mutter mit der Schimmelstute spricht, die den ermordeten Vater nach Hause gebracht hatte.

Weiter nach Rimini

Am Abend fuhr ich weiter nach Rimini. Damit war ich endgültig an der Adriaküste angekommen.

Übernachtung: Rimini

🌊 Tag 6 – Montag: Rimini abseits des Badeortes

Rimini verbindet man schnell mit langen Stränden, Hotels und Sommerurlaub. Das war allerdings nicht der Grund, warum ich hierherkam. Mich interessierte die historische Seite der Gegend. Deshalb schaute ich mir zwei Burgen an.

San Leo in Montefeltro

San Leo liegt hoch auf einem gewaltigen Felsen und wirkt fast wie eine mittelalterliche Kulisse. Genau solche Orte faszinieren mich. Man kommt an und hat für einen Moment das Gefühl, eine andere Zeit betreten zu haben. Die Festung von San Leo thront über dem Ort. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert und diente unter anderem als Gefängnis.

Rocca Fregoso – das Märchenschloss

Die Rocca Fregoso vereint mittelalterliche Burg und märchenhafte Welt perfekt: Hier treffen Renaissance, alte Fresken und berühmte Märchen wie Aschenputtel, Hänsel und Gretel und Rotkäppchen aufeinander. Ich liebe Märchen, weshalb diese Burg auf meiner Reise nicht fehlen durfte.

🗺️ Meine Woche auf einen Blick

Tag Meine Route Übernachtung
1 Castell’Arquato – Verdi – Fontanellato Parma
2 Parma – Kunst, Musik und Geschichte Parma
3 Votigno di Canossa – Carducci – Bologna Bologna
4 Bologna – Mittelalter und Kunst Bologna
5 Ligabue – Brescello – Pascoli Rimini
6 Rimini – Rocca Fregoso – San Leo –

Karte meiner Rundreise mit allen Etappen

Nachfolgend habe ich Ihnen eine Karte meiner Rundreise durch die Emilia-Romagna erstellt. Auf dieser können Sie die eingeschlagene Route mit allen Etappen erkennen.

Meine Fotos aus der Emilia-Romagna

Auf meinen Reisen durch die Emilia-Romagna habe ich unzählige Fotos gemacht. Einige davon möchte ich hier präsentieren. Sie zeigen Momentaufnahmen vor Ort, unverschönert und unbearbeitet. So können Sie sich ein reales Bild von der Emilia-Romagna machen.

Auf den Spuren der großen Herrscherfamilien

Wer durch die Emilia-Romagna reist, begegnet immer wieder denselben Familiennamen. Este, Farnese, Malatesta, Sforza, Bentivoglio und Borgia waren nicht einfach Adelsfamilien, deren Wappen heute an alten Gebäuden hängen. Sie kämpften um Städte, Burgen, Handelswege und politischen Einfluss.

Besonders spannend wird die Region, wenn man die Bauwerke nicht einzeln betrachtet, sondern als Spuren dieser Machtkämpfe liest.

Die Este – Ferrara, Modena und das Land am Po

Das Haus Este prägte vor allem Ferrara und später Modena. In Ferrara entstanden unter den Este bedeutende Paläste, Gärten und sogenannte Delizie – Landsitze, die nicht nur der Verwaltung dienten, sondern auch der Erholung und höfischen Repräsentation.

Zu den eindrucksvollsten Spuren gehören das Castello Estense, der Palazzo dei Diamanti, die Delizia di Belriguardo und die Delizia del Verginese. Belriguardo wurde 1435 auf Veranlassung von Niccolò d’Este als Sommerresidenz errichtet. Das Verginese wurde später von Alfonso I. d’Este für Laura Dianti zur herzoglichen Residenz ausgebaut.

Auch Modena wurde unter den Este zu einer Residenzstadt. Der heutige Palazzo Ducale entstand als repräsentativer Herzogspalast und erinnert daran, dass die Familie ihren politischen Schwerpunkt schließlich nach Modena verlegte.

Interessant: Die Este standen nicht isoliert. Ihre Geschichte war mit den anderen italienischen Fürstenhäusern durch Heiraten, Bündnisse, Rivalitäten und politische Interessen eng verflochten.

Die Farnese – Parma und Piacenza

1545 schuf Papst Paul III. aus dem Hause Farnese das Herzogtum Parma und Piacenza für seinen Sohn Pier Luigi Farnese. Damit begann die Herrschaft der Farnese in einem Gebiet, dessen politische Bedeutung weit über die heutigen Provinzgrenzen hinausreichte.

In Piacenza erinnert vor allem der gewaltige Palazzo Farnese an diese Epoche. Der Bau begann 1558 und wurde unter der Leitung von Vignola weitergeführt. Das Projekt blieb allerdings unvollendet – gerade dieser unvollendete Charakter macht den Palazzo heute so interessant.

In Parma entstand mit der Palazzo della Pilotta ein riesiger höfischer Gebäudekomplex. Dazu gehört das berühmte Teatro Farnese, eines der bedeutendsten erhaltenen historischen Hoftheater Europas.

In Piacenza erinnern außerdem die Reiterdenkmäler der Herzöge Alessandro und Ranuccio Farnese auf der Piazza Cavalli an die Dynastie.

Spurensuche: Wer den Farnese folgen möchte, kann also von Parma nach Piacenza reisen und dabei beobachten, wie sich politische Macht in Palästen, Kirchen, Theatern und Stadtbildern ausdrückte.

Die Borgia – Machtkampf in der Romagna

Die Borgia hinterließen in der Emilia-Romagna ein anderes Erbe. Cesare Borgia versuchte um 1500, große Teile der Romagna unter seiner Herrschaft zu einem einheitlichen Herzogtum zusammenzufassen.

Sein Feldzug führte unter anderem nach Imola und Forlì. In Forlì stieß er auf Caterina Sforza, die ihre Festung Ravaldino energisch verteidigte. Nach der Einnahme der Stadt wurde Caterina gefangen genommen.

Cesare Borgia machte anschließend Cesena zum politischen Zentrum seines Herzogtums. Imola, Forlì, Cesena, Rimini und weitere Städte gerieten zeitweise unter seinen Einfluss.

Das Besondere an dieser Geschichte ist die Verbindung zu Leonardo da Vinci: Leonardo hielt sich 1502 im Auftrag Cesare Borgias in der Romagna auf und fertigte unter anderem den berühmten Stadtplan von Imola an.

Wichtig: Nicht jede Festung, die heute mit den Borgia verbunden wird, wurde von ihnen errichtet. Viele Anlagen stammten von älteren Herrscherfamilien und wurden von Cesare Borgia lediglich erobert oder militärisch genutzt. Genau diese Abfolge macht die Geschichte interessant.

Este, Farnese und Borgia – waren sie miteinander verfeindet?

Ein einfacher Dauerkrieg zwischen diesen drei Familien wäre allerdings ein falsches Bild. Die politische Landschaft Italiens war viel komplizierter. Bündnisse wechselten, Ehen wurden zur Absicherung politischer Interessen geschlossen und große Familien standen je nach Situation auf unterschiedlichen Seiten.

Die Borgia gehörten vor allem in der Romagna zu den aggressivsten Akteuren ihrer Zeit. Dort traf Cesare Borgia auf ältere Herrschaftsstrukturen wie die der Sforza und Malatesta. In der Emilia hatten dagegen Este, Farnese und kleinere Dynastien wie die Pio, Pico, Bentivoglio oder Rossi ihre eigenen Machtbereiche.

Burgen wurden deshalb nicht ausschließlich gegen eine bestimmte Familie errichtet. Sie sollten Verkehrswege, Städte und Grenzen sichern oder den Einfluss eines Herrschers sichtbar machen. Wer heute von Burg zu Burg fährt, kann diese ehemaligen politischen Räume noch erstaunlich gut nachvollziehen.

Die Emilia-Romagna – Italiens Haupternäherer

Warum wird die Emilia-Romagna als Food Valley Italiens oder als Haupternährer bezeichnet? Die Antwort liegt in der Verbindung von fruchtbaren Böden, Viehzucht, Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, jahrhundertealten Rezepten und einer außergewöhnlich dichten Struktur kleiner und großer Produzenten. Ich liebe die Emilia-Romagna genau auch deshalb, denn hier gibt es kulinarisch viel zu entdecken.

Entlang und rund um die historische Via Emilia liegen zahlreiche Produktionsgebiete. Parmigiano Reggiano, Prosciutto di Parma, Aceto Balsamico Tradizionale, Mortadella Bologna, Culatello, Lambrusco und viele weitere Produkte sind deshalb nicht einfach regionale Spezialitäten. Sie gehören zu bestimmten Landschaften und Produktionsweisen. Einige davon möchte ich hier vorstellen.

Parmigiano Reggiano – vom Stall bis zum Käselager

Besonders anschaulich lässt sich die Food Valley in den Käsereien erleben. Der Parmigiano Reggiano wird in zahlreichen Caseifici hergestellt. Besucher können bei geeigneten Betrieben die Herstellung beobachten, die Lagerung kennenlernen und den Käse in unterschiedlichen Reifestufen probieren.

Der offizielle Produzentenfinder des Consorzio del Parmigiano Reggiano führt zahlreiche Käsereien in Bologna, Parma, Reggio Emilia und Modena auf. Einige Betriebe bieten nach Reservierung Führungen an.

Aceto Balsamico – ein Produkt, das Zeit braucht

Rund um Modena und Reggio Emilia kann man eine ganz andere Form der Lebensmittelproduktion kennenlernen. Beim traditionellen Balsamico wird der Most über viele Jahre in verschiedenen Holzfässern gereift.

Besonders interessant sind Besuche in einer traditionellen Acetaia. Dort wird verständlich, warum Fassgröße, Holzart, Temperatur und Zeit eine so große Rolle spielen.

Prosciutto di Parma – unterwegs im Hügelland

Das Gebiet rund um Langhirano südlich von Parma gehört zu den bekanntesten Produktionslandschaften der Region. Hier wird Prosciutto di Parma hergestellt und gereift.

Wer die Herstellung kennenlernen möchte, findet dort Produzenten mit Besichtigungsmöglichkeiten. Besonders anschaulich sind Veranstaltungen wie „Finestre Aperte“, bei denen Besucher Einblick in die Produktionsbetriebe erhalten.

Wurst, Reis, Knoblauch und Gemüse

Die kulinarische Landschaft endet nicht bei Käse und Aceto. Im Gebiet von Ferrara und im Po-Delta wird Reis angebaut. Voghiera ist für seinen Knoblauch bekannt, während die fruchtbaren Ebenen der Region eine große Vielfalt an Obst und Gemüse hervorbringen. Rund um Parma werden dagegen Prosciutto und Culatello di Zibello hergestellt.

Gerade hier wird sichtbar, warum die Bezeichnung Food Valley mehr bedeutet als eine Sammlung berühmter Spezialitäten: Die gesamte Landschaft ist Teil der Lebensmittelproduktion.

Traditionelles Kunsthandwerk in der Emilia-Romagna

Neben der Lebensmittelproduktion besitzt die Emilia-Romagna eine bemerkenswerte handwerkliche Vielfalt, die ich hier kurz vorstellen möchte. Einige Traditionen sind eng mit einzelnen Städten verbunden und lassen sich dort noch heute erleben. Es gibt neben den folgenden vorgestellten Kunsthandwerken natürlich auch noch weitere Handwerke, wie Korbflechter, die ebenso Erstaunliches und Wunderbares hervorbringen.

Faenza – die Stadt der Keramik

Faenza ist das bekannteste Keramikzentrum der Region. Die Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Technik immer weiter verfeinert. Der Name „Faïence“ wurde in Europa schließlich zum Begriff für glasierte Keramik.

Heute gibt es in Faenza zahlreiche Keramikwerkstätten. Besucher können teilweise bei der Herstellung zusehen, an Workshops teilnehmen und Arbeiten direkt bei den Keramikern erwerben.

Ravenna – Mosaikkunst

Die Mosaikkunst gehört zu den sichtbarsten Handwerkstraditionen der Region. Die berühmten spätantiken Mosaiken von Ravenna sind der historische Ausgangspunkt einer Tradition, die in modernen Werkstätten weitergeführt wird.

Budrio – Ocarinen aus Terrakotta

Eine der ungewöhnlichsten Handwerkstraditionen befindet sich in Budrio. Dort entwickelte Giuseppe Donati im Jahr 1853 die Ocarina, eine kleine kugelförmige Flöte aus Terrakotta.

Die Herstellungstradition ist heute zwar klein, wird aber durch Museum und Handwerker weiterhin lebendig gehalten.

Bologna – Aemilia Ars

Die Aemilia Ars steht für eine besondere Verbindung von Kunsthandwerk und dekorativer Kunst. Dazu gehören Stickerei, Spitzenarbeiten, Holz, Metall und florale Gestaltung. Besonders interessant ist, dass diese Bewegung um 1900 bewusst traditionelle Handarbeit mit einer modernen Formensprache verband.

Auf den Spuren weiblicher Künstlerinnen in der Emilia-Romagna

Ich habe mir gedacht, warum die Emilia-Romagna nicht einmal künstlerisch anders vorstellen. Warum nicht Frauen in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellen? Die Kunstgeschichte der Emilia-Romagna ist keineswegs ausschließlich eine Geschichte großer männlicher Maler. Besonders Bologna entwickelte bereits in der Renaissance und im Barock eine bemerkenswerte Tradition von Künstlerinnen.

Einige dieser Frauen arbeiteten erfolgreich an Höfen und für bedeutende Auftraggeber, andere führten Werkstätten oder unterrichteten selbst. Ihre Werke befinden sich heute unter anderem in Museen und Kirchen der Region. Nachfolgend habe ich eine kleine Auswahl an Künstlerinnen getroffen und Ihnen diese kurz mit ihren wichtigsten Werken und den Begegnungsorten vorgestellt.

Lavinia Fontana – Bologna, 1552–1614

Lavinia Fontana gehört zu den bedeutendsten Malerinnen des späten 16. Jahrhunderts. Sie stammte aus einer Künstlerfamilie und wurde in Bologna ausgebildet. Besonders bekannt wurde sie als Porträtmalerin, fertigte aber auch religiöse und mythologische Gemälde.

Ein besonders interessantes Werk ist das Familienporträt der Gozzadini von 1584, das heute in der Pinacoteca Nazionale di Bologna zu sehen ist. Das Gemälde zeigt mehrere Mitglieder der Familie und gilt als eines ihrer bekanntesten Werke.

Auch das Ritratto di gentildonna con bambina aus den 1590er Jahren ist mit Lavinia Fontana verbunden. Ihre Werke zeigen, dass eine Frau im Bologna dieser Zeit durchaus eine professionelle Künstlerkarriere aufbauen konnte.

Elisabetta Sirani – Bologna, 1638–1665

Elisabetta Sirani wurde nur 27 Jahre alt und gehört dennoch zu den wichtigsten Künstlerinnen des barocken Bologna. Sie war Tochter des Malers Giovanni Andrea Sirani und entwickelte bereits zu Lebzeiten einen eigenen Ruf als Malerin.

Sie malte religiöse Szenen, Porträts und mythologische Themen. Besonders bemerkenswert ist, dass sie nicht nur selbst als Künstlerin arbeitete, sondern auch Schülerinnen ausbildete.

In Bologna erinnern verschiedene Werke an ihr Schaffen. Die Pinacoteca Nazionale bewahrt unter anderem ihre Sibyllen und weitere Arbeiten. In der Kirche San Girolamo della Certosa befindet sich außerdem ihr monumentales Battesimo di Cristo.

Ginevra Cantofoli – Bologna, 1618–1672

Ginevra Cantofoli war eine Malerin aus Bologna und Schülerin beziehungsweise Mitarbeiterin im Umfeld von Elisabetta Sirani. Lange stand sie deutlich stärker im Schatten ihrer berühmteren Zeitgenossin.

Ihre Werke zeigen, wie groß die Zahl weiblicher Künstlerinnen im Bologna des 17. Jahrhunderts tatsächlich war. In Bologna sind ihr unter anderem religiöse Darstellungen und Altargemälde zugeordnet.

Barbara Longhi – Ravenna, 1552–1638

Barbara Longhi stammte aus Ravenna und arbeitete überwiegend in ihrer Heimatstadt. Sie war Tochter des Malers Luca Longhi und entwickelte einen persönlichen Stil, der vor allem durch religiöse Bilder geprägt wurde.

Ihre Werke sind heute besonders interessant, weil sie einen Einblick in die Kunstproduktion Ravennas jenseits der großen spätantiken Mosaiken geben.

Properzia de’ Rossi – eine Bildhauerin aus Bologna

Auch in der Bildhauerei finden sich in Bologna ungewöhnliche weibliche Biografien. Properzia de’ Rossi war eine Bildhauerin des frühen 16. Jahrhunderts und gehört zu den wenigen Frauen, die in der Renaissance als professionelle Bildhauerinnen bekannt wurden.

Ihre Geschichte zeigt, dass die künstlerische Tradition Bolognas nicht nur aus Malerei bestand. Sie arbeitete unter anderem an Reliefs und Skulpturen und wurde bereits von Zeitgenossen als außergewöhnliche Künstlerin wahrgenommen.

Die ungewöhnlichen Seiten der Emilia-Romagna

Die Emilia-Romagna hat weit mehr zu bieten als Bologna, Parma, Ravenna und die Strände der Adriaküste. Zwischen Apennin, Poebene und Adriatischem Meer finden sich außergewöhnliche Naturphänomene, uralte Klöster, seltene Tiere und Pflanzen sowie Orte mit überraschender Geschichte. Einige dieser Fragen führen zu Seiten der Region, die selbst viele Italienreisende nicht kennen.

Natur, Berge und besondere Landschaften

Welcher ist einer der höchsten Wasserfälle der Emilia-Romagna?

Zu den höchsten eindeutig dokumentierten Wasserfällen der Emilia-Romagna gehört die Cascata dell’Acquacheta im Nationalpark Foreste Casentinesi in der Provinz Forlì-Cesena. Die regionale Geologiebehörde gibt für den großen Wasserfall einen Höhenunterschied von rund 70 Metern an.

Die Acquacheta ist allerdings nicht einfach ein senkrechter Wasserfall. Das Wasser stürzt und gleitet über eine breite Folge von Sandsteinbänken und verteilt sich dabei auf mehrere Abschnitte. Dadurch entsteht das charakteristische, gestufte Erscheinungsbild. Der Wasserfall liegt in einer tief eingeschnittenen Landschaft des Apennins und ist nur zu Fuß erreichbar.

Berühmt wurde die Acquacheta auch durch Dante Alighieri. Im 16. Gesang des Inferno vergleicht Dante das Geräusch des herabstürzenden Wassers mit dem des mythologischen Flusses Phlegethon. Die Cascata dell’Acquacheta verbindet damit Naturgeschichte und Literaturgeschichte auf ungewöhnliche Weise.

Interessant ist außerdem, dass die heutige Form des Wasserfalls möglicherweise nicht ausschließlich ein Naturprodukt ist. Nach Angaben der Parkverwaltung wurde der Bach vermutlich bereits vor dem Jahr 1000 durch Benediktinermönche umgeleitet, um die Ebene der Romiti trockenzulegen.

Welches ist das älteste Kloster der Emilia-Romagna?

Eine der ältesten und historisch bedeutendsten Klostergründungen der Emilia-Romagna ist die Abtei San Colombano in Bobbio in der Provinz Piacenza. Das erste Kloster wurde 614 von dem irischen Mönch Columban gegründet.

Bobbio entwickelte sich im frühen Mittelalter zu einem bedeutenden geistigen und kulturellen Zentrum. Das Kloster besaß ein berühmtes Scriptorium und eine bedeutende Bibliothek. Im Jahr 982 soll der Katalog des Skriptoriums mehr als 700 Codices umfasst haben. Damit war Bobbio nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein Ort der Wissensbewahrung.

Das heutige Erscheinungsbild der Abtei ist allerdings wesentlich jünger als ihre Gründung. Die Klosteranlage wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. Die heutige Basilika entstand im Wesentlichen zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert. In der Krypta ist jedoch ein mittelalterliches Mosaik aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erhalten.

Die Bezeichnung „ältestes Kloster“ sollte deshalb etwas vorsichtig verwendet werden: Pomposa bei Codigoro besitzt beispielsweise ebenfalls sehr frühe Ursprünge, die bis ins frühe Mittelalter zurückreichen. Für eine klar datierbare Klostergründung ist Bobbio mit dem Jahr 614 jedoch eine besonders wichtige Referenz.

Wo kann man in der Emilia-Romagna frühchristliche und byzantinisch geprägte Mosaiken bewundern?

Die wichtigste Antwort lautet Ravenna. Kaum ein anderer Ort in der Emilia-Romagna besitzt eine vergleichbare Konzentration frühchristlicher und byzantinisch geprägter Kunst. Die UNESCO-Welterbestätte umfasst acht Monumente aus dem 5. und 6. Jahrhundert.

Besonders eindrucksvoll ist die Basilica di San Vitale. Die Kirche entstand in der Zeit der byzantinischen Herrschaft und besitzt weltberühmte Mosaiken im Presbyterium. Zu sehen sind unter anderem Kaiser Justinian und Kaiserin Theodora mit ihrem Hofstaat. Die Darstellung ist nicht einfach religiöse Kunst: Sie vermittelt zugleich ein Bild der politischen Ordnung des oströmisch-byzantinischen Reiches.

Ebenfalls außergewöhnlich ist die Basilica di Sant’Apollinare in Classe. In der Apsis steht der heilige Apollinaris inmitten einer symbolisch dargestellten Landschaft. Die Mosaiken verbinden christliche Bildsprache mit der künstlerischen Tradition der Spätantike und des byzantinischen Ravenna.

Weitere bedeutende Bauwerke sind Sant’Apollinare Nuovo, das Mausoleum der Galla Placidia, das Neonische Baptisterium und das Baptisterium der Arianer. Wer sich für frühchristliche Kunst interessiert, findet in Ravenna deshalb nicht nur eine einzelne Kirche, sondern ein außergewöhnliches Ensemble aus Architektur, Mosaik und Geschichte.

Welche seltenen und bemerkenswerten Insekten gibt es in der Emilia-Romagna?

Bei dieser Frage muss zwischen endemisch für die Emilia-Romagna und endemisch für Italien oder den Apennin unterschieden werden. Eine ganze Reihe bemerkenswerter Insektenarten kommt in der Region vor, doch nicht jede davon ist ausschließlich auf die Emilia-Romagna beschränkt.

Ein besonders interessantes Beispiel ist Cicindela majalis, die Mai-Sandlaufkäferart. Sie gilt als endemisch für die italienische Halbinsel. Die Emilia-Romagna bildet gleichzeitig die nördliche Grenze ihres Verbreitungsgebietes.

Ein weiteres Beispiel ist Acanthocinus xanthonereus, ein auffällig gezeichneter Bockkäfer. Er ist endemisch im italienischen Apennin und kommt von der Emilia-Romagna bis nach Kalabrien sowie auf Sizilien vor. Die Population der Emilia-Romagna gilt als besonders bedeutend innerhalb des Apennins.

Hinzu kommen seltene und geschützte Waldinsekten wie der Juchtenkäfer (Osmoderma eremita) und der Alpenbock (Rosalia alpina). Beide sind keine regionalen Endemiten, gehören aber zu den besonders schützenswerten Insekten der Apenninlandschaften.

Die Emilia-Romagna ist deshalb für Entomologen interessant, weil hier unterschiedliche Lebensräume aufeinandertreffen: Feuchtgebiete des Po-Deltas, Küstenlandschaften, Wälder, Buchenwälder und die höher gelegenen Bereiche des Apennins.

Gibt es in der Emilia-Romagna wild lebende Flamingos?

Ja. Besonders bekannt sind die Rosaflamingos im Po-Delta und in den Feuchtgebieten rund um Comacchio. Ein besonders guter Beobachtungsort ist die Salina di Comacchio.

Die Flamingos halten sich dort vor allem wegen der weitläufigen flachen Wasserflächen und des reichhaltigen Nahrungsangebotes auf. Die Salinen und Lagunen bieten ihnen geeignete Lebensbedingungen und gehören zu den wichtigen Feuchtgebieten der nördlichen Adria.

Die Tiere sind nicht nur gelegentliche Ausnahmegäste. Rosaflamingos sind inzwischen ein charakteristischer Bestandteil der Vogelwelt des Po-Deltas. Bei geführten Rundgängen durch die Saline von Comacchio können Besucher neben Flamingos auch Stelzenläufer, Säbelschnäbler, Seeschwalben und weitere Wasservögel beobachten.

Besonders eindrucksvoll ist die Beobachtung in den frühen Morgenstunden, wenn größere Flamingogruppen in den flachen Wasserflächen stehen. Die Entfernung zu den Tieren sollte dabei unbedingt eingehalten werden, da es sich um einen geschützten Naturraum handelt.

Welche besonders giftigen Pflanzen kommen in der Emilia-Romagna vor?

Einen wissenschaftlich eindeutig bestimmbaren „giftigsten“ Vertreter gibt es nicht, weil die Giftigkeit von Pflanzenteil, Wirkstoff, aufgenommener Menge und Aufnahmeweg abhängt. In der Emilia-Romagna kommen jedoch mehrere stark giftige Pflanzenarten vor, darunter die Europäische Eibe (Taxus baccata) und verschiedene Aconitum-Arten.

Die Eibe wird in der Emilia-Romagna sowohl als wild vorkommende Art als auch als Zierpflanze gefunden. Ihre Giftigkeit beruht vor allem auf verschiedenen Inhaltsstoffen, darunter Taxine. Besonders gefährlich sind Nadeln und Samen.

Das rote, fleischige Fruchtmäntelchen der Eibe wirkt auf den ersten Blick wie eine Beere. Der Samen im Inneren ist jedoch giftig. Gerade deshalb sollte man die roten Früchte nicht mit essbaren Beeren verwechseln.

Auch der Eisenhut (Aconitum) gehört zu den stark giftigen Pflanzen Europas. Verschiedene Eisenhut-Arten enthalten hochgiftige Alkaloide und kommen auch in den Gebirgsregionen der Emilia-Romagna vor.

Wichtig: Wild wachsende Pflanzen sollten grundsätzlich nicht gesammelt oder probiert werden. Gerade bei giftigen Pflanzen kann die Verwechslung mit einer ähnlichen Art gefährliche Folgen haben.

Freizeit, besondere Erlebnisse und ungewöhnliche Ausflüge

Welcher große Freizeitpark liegt in der Emilia-Romagna?

Der bekannteste große Freizeitpark der Region ist Mirabilandia bei Ravenna. Mit rund 850.000 Quadratmetern Fläche wird er vom Betreiber als der größte Freizeitpark Italiens bezeichnet.

Der Park verbindet klassische Fahrgeschäfte mit großen Achterbahnen, Wasserattraktionen und thematisierten Bereichen. Zu den bekannten Attraktionen gehören unter anderem iSpeed und Katun. Hinzu kommen Shows und saisonale Veranstaltungen.

Direkt zum Park gehört außerdem der Wasserpark Mirabeach. Dadurch kann ein Besuch von Mirabilandia stärker als bei einem klassischen Freizeitpark mit einem ganzen Tagesausflug verbunden werden.

Die Bezeichnung „größter Freizeitpark Italiens“ bezieht sich auf die Flächenangabe des Betreibers. „Spektakulär“ ist dagegen eine subjektive Einschätzung und hängt von den persönlichen Interessen der Besucher ab.

Gibt es in der Emilia-Romagna eine echte Geisterstadt?

Ja. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist Castiglioncello bei Castel del Rio im Apennin der Provinz Bologna. Der Ort wird von der regionalen Tourismusbehörde ausdrücklich als „borgo fantasma“, also Geisterdorf, bezeichnet.

Castiglioncello besitzt eine Geschichte von mehr als 1.200 Jahren. Seine Lage an der alten Via Montanara war einst strategisch wichtig, weil diese Route die Verbindung zwischen Toskana und Emilia-Romagna bildete.

Die Entvölkerung hatte mehrere Ursachen. Überfälle, Brände und andere Unglücksfälle trugen zur Aufgabe des Ortes bei. Entscheidend war schließlich die Veränderung der Verkehrswege: In den 1960er-Jahren wurde die neue Straße gebaut, die das Dorf umging. Gleichzeitig fehlte eine direkte Brücke über den Santerno.

Heute liegen die Mauerreste teilweise zwischen Bäumen und Sträuchern. Gerade dieser langsame Übergang von Architektur zu Natur macht Castiglioncello zu einem außergewöhnlichen Ort für Menschen, die sich für verlassene Dörfer und die Geschichte des Apennins interessieren.

Kann man in der Emilia-Romagna heute noch Gold finden?

Vereinzelt in sehr kleinen Mengen. Auch in der Emilia-Romagna können in Flusssedimenten vereinzelt Goldflitter vorkommen. Von einem großen Goldvorkommen oder einem italienischen „Goldrausch“ kann allerdings keine Rede sein.

Gold kann durch Verwitterung aus Gesteinen freigesetzt und anschließend durch Flüsse transportiert werden. Bei Hochwasser werden die Sedimente neu verteilt. Dadurch können sich an bestimmten Stellen kleine Mengen Gold in Flusskiesen und Sanden anreichern.

Berichte über Goldsucher in der Emilia-Romagna zeigen, dass dort tatsächlich kleine Goldflitter gefunden werden können. Die vorhandenen Hinweise erlauben jedoch keine Aussage über wirtschaftlich bedeutende Goldvorkommen.

Für Urlauber ist Goldwaschen daher eher ein geologisches Erlebnis als eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Selbst wenn man kleine Flitter findet, handelt es sich normalerweise um winzige Mengen.

In welcher Höhle der Emilia-Romagna gibt es besonders interessante Kristalle und Mineralbildungen?

Eine besonders interessante Höhle ist die Grotta Novella im Gebiet der Gessi Bolognesi bei San Lazzaro di Savena. Sie besitzt einen Bereich, der sogar Pozzo dei Cristalli, also „Kristall-Schacht“, genannt wird.

Der Name kommt nicht von ungefähr: Dort finden sich lange, nadelförmige Gipskristalle, die zwischen den Ablagerungen auftreten. Die Höhle besitzt außerdem außergewöhnliche kalkhaltige Sinterbildungen und farbige Ablagerungen, die durch Eisen- und Manganoxide rot, orange oder dunkel erscheinen können.

Die Grotta Novella ist allerdings keine reguläre Besucherhöhle. Sie ist für den normalen Höhlentourismus nicht öffentlich zugänglich, sodass die empfindlichen unterirdischen Formationen geschützt werden können.

Wer als Besucher Mineralbildungen und die Gipslandschaft erleben möchte, kann stattdessen die Grotta della Spipola oder die Grotte di Onferno besuchen, sofern Führungen angeboten werden. Die Gipslandschaften der Emilia-Romagna gehören seit 2023 zum UNESCO-Welterbe „Karst und Höhlen in den Evaporiten des nördlichen Apennins“.

Adria, Küste und Meeresleben

Welche Muscheln und anderen Mollusken findet man an der Küste der Emilia-Romagna?

Die flache Adriaküste der Emilia-Romagna ist reich an Muscheln und anderen Weichtieren. Zu den wirtschaftlich und ökologisch bedeutenden Arten gehören unter anderem die Venusmuschel Chamelea gallina und die Philippinische Teppichmuschel Ruditapes philippinarum.

Daneben kommen entlang der Küste und in den angrenzenden Lagunen verschiedene weitere Muschelarten und Schnecken vor. Besonders charakteristisch sind auch die Miesmuscheln Mytilus galloprovincialis. Diese Art wird in der Emilia-Romagna außerdem in Muschelkulturen gezüchtet.

Interessant ist der Unterschied zwischen dem offenen Adriatischen Meer und den Lagunen des Po-Deltas. In den flachen Übergangsgewässern von Comacchio leben zahlreiche Mollusken unter Bedingungen, die sich von denen direkt an den Sandstränden unterscheiden.

Wenn Sie am Strand leere Muschelschalen finden, sollten Sie diese trotzdem nicht in großen Mengen sammeln. In geschützten Naturgebieten können besondere Regeln gelten, und bei lebenden Muscheln gelten ohnehin gesetzliche Bestimmungen.

Gibt es Seeigel und Quallen an der Adriaküste der Emilia-Romagna?

Ja, beide kommen in der Adria vor. Seeigel leben unter anderem an felsigen, steinigen oder künstlichen Strukturen unter Wasser. Vor Rimini wurden beispielsweise bei Tauchgängen Seeigel zusammen mit Muscheln, Austern, Krabben und weiteren Meerestieren beobachtet.

Bei Quallen ist die Situation für Badegäste sichtbarer. In den Küstengewässern der Emilia-Romagna werden verschiedene Quallenarten beobachtet. Dazu gehören beispielsweise die Spiegelei- oder Lungenqualle (Cotylorhiza tuberculata) und die Ohrenqualle (Aurelia aurita). Je nach Jahreszeit und Witterungsbedingungen können weitere Arten auftreten.

Nicht jede Qualle ist gleich stark nesselnd. Einige Arten können bei Kontakt deutlich unangenehme Hautreaktionen auslösen, andere sind für den Menschen wesentlich weniger problematisch. Das Auftreten hängt außerdem stark von Wassertemperatur, Strömungen und Jahreszeit ab.

Die regionale Umweltbehörde ARPAE veröffentlicht Informationen über die Meeresbedingungen und das Auftreten von Quallen in den Küstengewässern. Wer im Sommer baden möchte, sollte aktuelle Hinweise vor Ort beachten und Quallen grundsätzlich nicht berühren.

Besondere Erlebnisse und ungewöhnliche Verkehrsmittel

Kann man in der Emilia-Romagna mit einem Heißluftballon fliegen?

Ja. In der Emilia-Romagna gibt es mehrere Möglichkeiten für Heißluftballonfahrten. Besonders interessant ist die Gegend um Carpineti im Apennin der Provinz Reggio Emilia.

Von oben lassen sich dort Burgen, mittelalterliche Dörfer und die Landschaft des Reggianer Apennins betrachten. Laut der regionalen Tourismusorganisation sind Fahrten in Carpineti ganzjährig möglich, wobei die Durchführung selbstverständlich von Wetter und Windbedingungen abhängt.

Eine weitere Möglichkeit gibt es im Raum Rimini. Dort können Ballonfahrten über die Landschaft des Valmarecchia organisiert werden. Besonders reizvoll ist eine Fahrt bei Sonnenaufgang, wenn die Hügel und Burgen der Romagna im ersten Licht erscheinen.

Die Flughöhe kann dabei mehrere hundert Meter erreichen. Heißluftballonfahrten gehören damit zu den ungewöhnlichsten Möglichkeiten, die Emilia-Romagna aus einer völlig anderen Perspektive kennenzulernen.

Gibt es in der Emilia-Romagna noch historische Zugfahrten mit Dampflokomotiven?

Ja, gelegentlich im Rahmen von Sonderveranstaltungen. Es handelt sich nicht um einen regulären Linienverkehr. Historische Züge werden in der Emilia-Romagna beziehungsweise auf Strecken mit Bezug zur Region immer wieder als besondere touristische Sonderfahrten eingesetzt.

Ein bekanntes Beispiel war der historische Zug von Rimini über Cesena, Forlì und Faenza nach Marradi. Bei solchen Sonderfahrten wurden historische Wagen der Baureihen „Centoporte“ und „Corbellini“ von einer Dampflokomotive gezogen.

Auch die historische Porrettana-Bahn zwischen Bologna und Pistoia steht regelmäßig im Mittelpunkt eisenbahngeschichtlicher Veranstaltungen. Die Strecke war einst eine bedeutende Verbindung über den Apennin.

Wichtig ist jedoch die zeitliche Einschränkung: Eine Dampflokomotive fährt hier nicht täglich nach einem festen Fahrplan. Solche Fahrten werden als historische Sonderveranstaltungen angeboten. Wer selbst mitfahren möchte, sollte deshalb vor der Reise den aktuellen Veranstaltungskalender von Fondazione FS beziehungsweise den regionalen Anbietern prüfen.

Gibt es in der Emilia-Romagna natürliche heiße Quellen?

Ja. Die Emilia-Romagna besitzt zahlreiche natürliche Thermalwasservorkommen. Die geologischen Bedingungen des Apennins ermöglichen es, dass Niederschlagswasser tief in den Untergrund eindringt, sich erwärmt und entlang geologischer Störungen wieder aufsteigen kann.

Besonders bekannt ist Bagno di Romagna in der Provinz Forlì-Cesena. Dort erreichen die natürlichen Thermalwässer Temperaturen von bis zu etwa 45 °C und gehören damit zu den heißeren Thermalwässern der Emilia-Romagna.

Weitere Thermalorte befinden sich beispielsweise in Porretta Terme, Castrocaro, Riolo Terme und Salsomaggiore. Dabei unterscheiden sich die Wässer erheblich in ihrer mineralischen Zusammensetzung.

Interessant ist, dass „Thermalwasser“ in der Emilia-Romagna nicht automatisch bedeutet, dass das Wasser sehr heiß aus dem Boden tritt. Viele regionale Thermalwässer besitzen vor allem eine besondere Mineralisierung und werden deshalb für therapeutische Anwendungen genutzt.

Hochgebirge und Apennin

Welcher Bergsee liegt am höchsten in der Emilia-Romagna?

Der Lago Scaffaiolo im Apennin bei Fanano liegt auf etwa 1.775 Metern Höhe und gilt als der höchstgelegene natürliche Bergsee der Emilia-Romagna.

Der kleine See liegt unmittelbar am Apenninenkamm unterhalb des Monte Cupolino. Seine Lage ist ungewöhnlich, weil er in einer hoch gelegenen tektonisch geprägten Senke liegt und nur ein relativ kleines Einzugsgebiet besitzt. Gespeist wird er vor allem durch Niederschläge und die Schneeschmelze.

Der Lago Scaffaiolo ist kein typischer Alpensee mit großen Tiefen. Er ist relativ klein und kann im Sommer deutlich weniger Wasser führen als in niederschlagsreichen Jahreszeiten. Gerade seine exponierte Lage macht ihn jedoch zu einem der charakteristischsten Bergseen des nördlichen Apennins.

Direkt am See steht das Rifugio Duca degli Abruzzi. Dadurch lässt sich der Lago Scaffaiolo gut mit einer Wanderung auf dem Apenninenkamm verbinden.

Welche bewirtschaftete Berghütte liegt in der Emilia-Romagna am höchsten?

Das Rifugio Duca degli Abruzzi al Lago Scaffaiolo bei Fanano liegt auf 1.794 Metern Höhe und gilt als eine der höchstgelegenen bewirtschafteten CAI-Hütten der Emilia-Romagna.

Die Hütte befindet sich nur wenige Meter vom Lago Scaffaiolo entfernt, direkt am Apenninenkamm zwischen Emilia-Romagna und Toskana. Sie ist eine wichtige Etappe der Alta Via dei Parchi und der GEA.

Die heutige Hütte ist nicht mehr das ursprüngliche Gebäude. Die Geschichte des Rifugio reicht jedoch bis ins Jahr 1878 zurück. Das Gebäude wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach zerstört, wieder aufgebaut und verändert. Die heutige Konstruktion entstand Anfang des 21. Jahrhunderts.

Das Rifugio verfügt über Schlafplätze und einen gastronomischen Betrieb. Es wird im Sommer regelmäßig bewirtschaftet und außerhalb der Sommersaison vor allem an Wochenenden geöffnet. Die konkreten Öffnungszeiten können sich je nach Wetter, Saison und Betriebsführung ändern.

Besonders interessant: Nur wenige Meter unterhalb der Hütte liegt der Lago Scaffaiolo. Damit befinden sich der höchstgelegene Bergsee und die höchstgelegene bewirtschaftete Hütte der Emilia-Romagna praktisch am selben Ort.