Das Leben zum Preis von einem Espresso ändern, ist in Italien mit einem 1-Euro-Haus möglich. In aktuell 57 Gemeinden werden tatsächlich für einen Euro Häuser verkauft. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Käufer italienischer Staatsbürger oder Ausländer ist. Für den Kaufpreis dieser günstigen Bleibe benötigt man also keinen Kredit. Doch lohnt sich der Kauf überhaupt? Was steckt hinter dem Projekt?

Wie kam zu dieser Idee?

Vittorio Sgarbi war der erste Bürgermeister, der in Italien zum allerersten Mal ein Haus für einen Euro anbot. Als der sindaco (Bürgermeister) aus Salemi in seiner Stadt in der Provinz Trapani zum symbolischen Preis von nur einem Euro gleich mehrere Häuser anbot, ging ein Aufschrei durch die italienische Nation. Man verstand es als Provokation und nicht als Ansiedelungsprojekt.

Heute 14 Jahre später zogen eine Vielzahl von Kommunen nach. So können nicht nur auf Sizilien Häuser zum Schnäppchenpreis, sondern auch in Apulien, in Kalabrien, Molise, Piemont, Aostatal, Marken und selbst in der Toskana erworben werden. Es wurde angesichts des Immobilienprojekts eine eigene Webseite kreiert.

Welche Häuser werden für 1 Euro verkauft?

In den überwiegenden Fällen handelt es sich um zu renovierenden Immobilien, die meist einsturzgefährdet sind oder bereits Ruinen darstellen. Sie befinden sich in der Regel in kleinen, entvölkerten, aber bezaubernden Dörfern, oft inmitten der Natur. Zum Teil sind sie auch nur über schmale Pfade fußläufig zu erreichen oder stehen an schwieriger zu erreichenden Stellen. Mit schwieriger zu erreichenden Stellen sind schwer zugängliche Gegenden, 50 Kilometer auf einer unbefestigten Straße von jeglicher Zivilisation entfernt und ohne Internetzugang gemeint.

Karte mit Angabe des Ortes der 1-Euro-Häuser in Italien
Karte mit Angabe des Ortes der 1-Euro-Häuser in Italien

Wo werden 1-Euro-Häuser verkauft?

Aktuell werden in nahezu allen Regionen Immobilien zum Preis von einer Tageszeitung verkauft. Die nachfolgende Tabelle gibt die Gemeinden in Italien an, die sich an dem Projekt 1-Euro-Haus angeschlossen haben.

Gemeinden FestlandGemeinden Inseln
Casoli (Abruzzen)
Lecce nei Marsi (Abruzzen)
Penne (Abruzzen)
Pratola Peligna (Abruzzen)
Santo Stefano di Sassanio (Abruzzen)
Oyace (Aostatal)
Candela (Apulien)
Biccari (Apulien)
Caprarica di Lecce (Apulien)
Tarent (Apulien)
Laurenzana (Basilikata)
Acerenza (Basilikata)
Ripacandida (Basilikata)
Maenza (Latium)
Patrica (Latium)
Santi Cosma und Damiano (Latium)
Pignone (Ligurien)
Triora (Ligurien)
Mailand (Lombardei)
Cantiano (Marken)
Castropignano (Molise)
Albugnano (Piemont)
Borgomezzavalle (Piemont)
Carrega Ligure (Piemont)
Zungoli (Kampanien)
Albidona (Kalabrien)
Belcastro (Kalabrien)
Cinquefrondi (Kalabrien)
Maida (Kalabrien)
Rose (Kalabrien)
Altavilla Salentina (Kampanien)
Bisaccia (Kampanien)
Pietramelara (Kampanien)
Teora (Kampanien)
Fabbriche di Vergemoli (Toskana)
Montieri (Toskana)
Sardinien

Ollolai
Romana
Montresta
Nulvi

Sizilien

Augusta
Bivona
Calatafimi Segesta
Caltagirone
Cammarata
Canicattì
Castel di Lucio
Castiglione di Sicilia
Gangi
Grotta
Itala
Leonfronte
Mussomeli
Pettineo
Piazza Armerina
Racalmuto
Regalbuto
Salemi
Sambuca di Sicilia
San Cataldo
San Pieto Patti
Saponara
Serradifalco
Termini Imerese
Troina

Auf was sollte unbedingt geachtet werden?

Der symbolische 1 Euro reicht nicht aus, um die in die Jahre gekommene Ruine zu renovieren. Neben den typischen Kaufnebenkosten wie Notar und den verschiedenen Steuerarten sind die Käufer verpflichtet, innerhalb einer angegebenen Frist, zumeist ein Jahr nach dem Kauf, mit den Sanierungsarbeiten zu beginnen, ein Projekt für die Renovierung und Aufwertung der Immobilie vorzulegen und eine Bürgschaft abzuschließen. Diese beläuft sich gewöhnlich zwischen 1.000 und 5.000 Euro und verfällt nach einem Jahr.

In vielen Fällen sind die Sanierungen an bestimmte Vorgaben geknüpft, vergleichbar mit unserem Denkmalschutz. Moderne Technologien können oft nicht verbaut werden und alte Materialien sind aufwendig zu besorgen und kosten. Daher wird aus dem 1-Euro-Haus schnell ein kostspieliges Unterfangen. Italienische Experten geben Kosten in Höhe von mindestens 1.600 bis 1.700 Euro pro Quadratmeter an.

Hinzu kommt, dass viele der Gemeinden ein Zuzug verlangen. Die zu renovierende Immobilie muss von dem Käufer bezogen werden. Eine Nutzung als Ferienhaus kommt für den überwiegenden Teil der Gemeinden nicht in Frage.

Zu beachten ist, dass jede Gemeinde die Regeln selbst festlegt. Diese sollten unbedingt vor dem Kauf tiefgründig studiert werden, um nicht eine Enttäuschung zu erleben.

Gibt es einen Zuschuss für die Renovierungen?

Für Personen, die sich ein 1-Euro-Haus kaufen, bietet die italienische Regierung den 110% Superbonus als Subvention an. Dieser gibt den Käufern die Möglichkeit, 110% der getätigten Investitionen zurückzuerhalten. Die Subvention wird voraussichtlich Mitte des Jahres 2022 verfügbar sein.

Zudem gibt es für den Kauf und die Sanierung von 1-Euro-Häusern weitere bauliche, steuerliche und energetische Vergünstigungen. Um diese in Anspruch zu nehmen, ist es ratsam, sich an einen italienischen Wirtschaftsprüfer mit Erfahrung in diesem Bereich zu wenden.

Wie kann man als Ausländer ein 1-Euro-Haus in Italien kaufen?

Wer nicht in Italien dauerhaft wohnt oder nicht die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, kann ebenso an das Projekt teilnehmen.

Um ein Haus für 1 Euro in Italien kaufen zu können, benötigen Ausländer eine italienische Steuernummer. Diese wird von der Agenzia delle Entrate ausgestellt. Sie kann über die konsularischen Vertretungen auch im Ausland, sprich auch in Deutschland, beantragt werden. Dazu muss ein Antragsformular ausgefüllt und mit einer Kopie des Personalausweises oder Reisepasses dem Konsulat vorgelegt werden.

Mit dieser Steuernummer weist man sich in Italien gegenüber den italienischen Behörden und öffentlichen Einrichtungen aus. Erst mit dieser Steuernummer kann ein Immobilienkauf vollzogen werden.

Die Steuernummer wird auf eine kleine Plastikkarte zusammen mit dem Namen gedruckt und an den Besitzer verschickt. In der Regel wird die Steuernummer sofort ausgestellt.