Die aktuell hohe Inflation von 11,8 % (Oktober 2022) minimiert die Gehälter der Italiener drastisch und wirft sie 36 Jahre in das Jahr 1986 zurück, als die Inflationsrate bei 8 % lag. Im Vergleich zum letzten Jahr können sie sich also fast 12 % weniger Waren leisten.

Obst- und Gemüsestand in Apulien: Gemüse und Obst wird durch die Inflation ebenso teurer
Gemüse und Obst wird durch die Inflation teurer

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Höhe der Inflationsrate in Italien

Die nachfolgende Tabelle gibt die aktuelle Inflationsrate in Italien seit Mai 2021 bis heute an.

Monat / JahrInflation
November 202211,8 %
Oktober 202211,8 %
September 20228,9 %
August 20228,4 %
Juli 20227,9 %
Juni 20228,0 %
Mai 20226,8 %
April 20226,0 %
März 20226,5 %
Februar 20225,7 %
Januar 20224,8 %
Dezember 20213,9 %
November 20213,7 %
Oktober 20212,9 %
September 20212,5 %
August 20212,0 %
Juli 20211,9 %
Juni 20211,3 %
Mai 20211,3 %
Quelle der Daten: ISTAT

Lebensmittelpreise schießen in die Höhe

In Italien liegen die Preise für viele Lebensmittel deutlich höher als in Deutschland. Durch die hohe Inflation steigen sie nun noch mehr an, sodass Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch für viele ein teures Gut werden. Den Daten von Assoutenti zufolge konnten zweistellige Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln wie Saatöl verzeichnet werden. Diese stiegen im Juni 2022 um 68,6 % gegenüber dem Vorjahr an, Butter um 27,7 %, Mehl um 20,5 %, Teigwaren um 18,3 %, Geflügel um 15,1 %, Reis um 13,7 %, Speiseeis um 13,4 %), Fruchtsäfte um 9,4 % und Mineralwasser um 8,3 % an. Insgesamt müssen italienische Familien im Jahr 2022 etwa 681 Euro mehr für Lebensmittel einplanen, weshalb die Einkäufe in Discountern um etwa 10 % im Vergleich zum Vorjahr zugenommen haben.

Grundgehälter gehen zurück

Hinzu kommt das geringe Grundgehalt, das im Jahr 2021 um 2,7 % zurückging. In Italien gibt es noch keinen Mindestlohn, weshalb niedrige Stundenlöhne an der Tagesordnung sind.

Ein noch deutlicherer Rückgang ist im Bereich Hotellerie und Tourismus zu spüren. Hier schrumpften die Gehälter um 3,7 Prozent. Experten führen den Rückgang auf die Corona-Pandemie zurück.

Hohe Inflation lässt Lehrer verarmen

Die hohe Inflation in Italien lässt ausgebildete Lehrer verarmen. Das Gehalt eines Gymnasiallehrers sowie eines Mittelschullehrers liegt in Italien zu Beginn seiner Laufbahn bei rund 1.350 Euro netto. Kindergärtnerinnen erhalten rund 1.250 Euro und Grundschullehrerinnen beginnen ihre Laufbahn mit rund 1.262 Euro.

In Italien führt die Inflation zu einer noch nie dagewesenen Verarmung von anderthalb Millionen Lehrern und Ausbildern, wie Anief, die nationale Vereinigung der Lehrer und Ausbilder (l’Associazione nazionale insegnanti e formatori), kritisiert.

Auch Rentner sind von der hohen Inflation betroffen

Auch Rentner sind von der hohen Inflationsrate von 8 % betroffen. Allerdings könnten die Bezüge ab Januar 2023 steigen, denn in Italien erfolgt die Neubewertung der Rentenhöhe der Inflationsrate des Vorjahres. dadurch könnten die Pensionen und Renten erheblich nach oben angepasst werden, denn die Inflation wird in Italien für das Jahr 2022 mit 8 % beziffert. So könnte die Anpassung der Beträge im Jahr 2023 erhebliche Änderungen erfahren, da die Inflation 2022 auf 8 % angestiegen ist.

Strompreise sind in Italien auf Rekordhoch

Die hohe Stromrechnung ist eine weitere große Sorge der Italiener, denn die Gaspreise für die Stromerzeugung sind um 87,5 % im Juni 2022 gestiegen.

Der Verband Altroconsumo mahnt, Haushaltsgeräte richtig zu nutzen, um Strom zu sparen. Zudem sollten Italiener sehr energieintensive Backöfen meiden, beispielsweise größere Modelle mit einer Breite von 90 cm, da für ihre Beheizung 150 % mehr Energie verbraucht wird als für 60-cm-Modelle.

Geschirrspüler und Waschmaschinen hingegen sollten erst bei voller Beladung betrieben werden und dann auch nur mit der Öko-Waschfunktion.

Die Klimaanlage, sofern vorhanden, sollte auf eine Temperatur von nicht mehr als 6 Grad über oder unter der Außentemperatur eingestellt werden.

Zudem sollten sich Italiener für LEDs statt Glühbirnen entscheiden und wenn möglich, eine Energiegemeinschaft in Wohnanlagen gründen. Die Gemeinschaft kann dann Fotovoltaikanlagen auf dem Dach der Wohnanlage installieren lassen. Immerhin ermöglicht diese Lösung die Rückerstattung von 50 % der Implementierungskosten in Italien.

Benzin selbst tanken ist um 9 % günstiger

In Italien gibt es die Möglichkeit, Benzin selbst wie in Deutschland zu tanken oder aber auf den Service (Servizio) zurückzugreifen, der dann das Auto betankt und oft auch die Scheiben reinigt. Bisher unterschieden sich beide Möglichkeiten lediglich um wenige Centbeträge, nun aber durch die Inflation und die hohen Spritpreise macht sich der kleine Unterschied ganz groß im Geldbeutel bemerkbar.

Benzin ist aktuell in Italien (Juli 2022) um 25,3 % teurer als im Vorjahr, Diesel um 32,3 % und Methan um 38,2 %. Viele Italiener, genau genommen 46 %, nutzen bereits das Fahrrad oder aber die öffentlichen Verkehrsmittel, um Geld zu sparen.

47 % der Italiener sind bei der Wahl der Tankstelle aufmerksamer und fast jeder dritte Autofahrer änderte seinen Fahrstil.

Der Verband Altroconsumo empfiehlt angesichts der Inflation und den hohen Spritpreisen Autofahrern, sich beim Tanken für die Selbstbedienung zu entscheiden. Diese sei rund 9 % günstiger als der Service. Grundsätzlich ist das Tanken auf der Autobahn teurer als auf dem Land und sollte daher vermieden werden. Zudem sollten Autofahrer darauf achten, ihren Luftfilter regelmäßig zu wechseln oder zu reinigen, denn ein verstopfter Filter kann den Kraftstoffverbrauch um bis zu 10 Prozent erhöhen.

Die Inflationsrate von 1980 bis 2027

Die nachfolgende Tabelle zeigt die jährliche Inflation von 1980 bis zur prognostizierten Inflationsrate im Jahr 2027.

JahrInflation Italien
198021,80 %
198119,51 %
198216,46 %
198314,70 %
198410,74 %
19858,97 %
19865,82 %
19874,72 %
19885,09 %
19896,25 %
19906,40 %
19916,22 %
19925,00 %
19934,50 %
19944,16 %
19955,39 %
19963,98 %
19971,85 %
19982,03 %
19991,65 %
20002,58 %
20012,32 %
20022,61 %
20032,81 %
20042,26 %
20052,21 %
20062,23 %
20072,03 %
20083,49 %
20090,77 %
20101,62 %
20112,94 %
20123,32 %
20131,25 %
20140,23 %
20150,11 %
2016-0,05 %
20171,33 %
20181,24 %
20190,63 %
2020-0,15 %
20211,94 %
20225,30 %
20232,50 %
20242,10 %
20252,00 %
20262,00 %
20272,00 %
Quelle der Daten: statista