Italien ist übersät mit großen modernen Metropolen, kleineren historischen Städten mit verwinkelten Gassen, ländlichen Ortschaften und pittoresken Dörfern, die bereits von Weitem einen durch ihre Anordnung der Häuser, ihre Form, ihre Lage in den Bann ziehen. Solche pittoresken Dörfer in Italien möchte hier kurz vorstellen, die mich persönlich auf meinen Reisen fasziniert haben. 

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San Gimignano

San Gimignano mit seinen Türmen
San Gimignano mit seinen Türmen

San Gimignano, das etwa 60 km südwestlich von Florenz liegt, ist eines der pittoresken Dörfer Italiens, das sein mittelalterliches Aussehen weitestgehend bewahrt hat. Charakteristisch ist das historische mittelalterliche Zentrum mit den noch 13 von 70 erhaltenen Türmen, mit dem Palazzo del Popolo (1288-1323) mit seinem 54 m hohen Turm, dem Torre Grossa, und den Fresken aus dem 14. Jahrhundert, dem Palazzo del Podestà (1239-1337) mit seinem 51 m hohen Rognosa-Turm und den Türmen der Familien Salvucci und Ardinghelli.

Interessant und sehenswert ist auch die 1146 geweihte Stiftskirche, die 1456 von Giuliano da Maiano umgebaut wurde. Sie weist heute eine Fassade aus dem 19. Jahrhundert und sienesischen Fresken aus dem 14. Jahrhundert auf. In der Kapelle Santa Fina hat sich der italienische Maler Ghirlandaio mit seinen bemerkenswerten Fresken verewigt. Die Stadt war seit 929 den Bischöfen von Volterra unterstellt, wurde dann nach etlichen Herrschaftswechsel schließlich 1354 der Republik Florenz unterworfen.

San Gimignano lebt heute hauptsächlich vom Tourismus. Die Stadt gilt in Italien als eines der Städte, in denen die Überzahl der Immobilien an ausländische Personen als Feriendomizil verkauft wurden.

Civita di Bagnoregio

Pittoresk liegt Civita di Bagnoregio auf dem gleichnamigen Bergrücken
Pittoresk liegt Civita di Bagnoregio auf dem gleichnamigen Bergrücken

Nur 10 km südlich von Orvieto und 9 km östlich von Bolsena liegt Civita di Bagnoregio, eines der sehenswertesten Ortschaften Italiens. Dieses Dorf liegt pittoresk auf dem Bergrücken Civita, das nur durch eine Brücke zu erreichen ist. Schon allein die Ansicht auf Civita di Bagnoregio ist spektakulär zu jeder Tages- und Nachtzeit. Civita di Bagnoregio liegt im Volsinischen Gebiet an der Grenze zwischen dem früheren Langobardenreich und dem römischen Herzogtum.

Das pittoreske Dorf erlangte im frühen Mittelalter an Bedeutung und auch an Autonomie und wurde Balneum regis genannt, was sich dann später zu Bagnorea abgewandelt hatte. In Bagnoregio und auch in Civita di Bagnoregio gibt es heute unzählige Unterkünfte und Lokale, die gerne von Urlaubern besucht werden. Um nach Civita di Bagnoregio zu kommen, ist ein Ticket erforderlich, das aber nicht teuer ist. Für mobil eingeschränkte Personen verkehrt ein Shuttle. Viele Urlauber haben sich in dem pittoresken Dorf ein Ferienhaus gekauft. Von den Einheimischen hört man oft, dass dieses hübsche Dorf eigentlich den Touristen gehört. Kaum ein Einheimischer wohnt dort noch.

Pietrapertosa

Pietrapertosa mit Aussicht
Pietrapertosa mit Aussicht

Als ich nach Pietrapertosa kam, war ich von dessen Lage beeindruckend, denn dieser pittoreske Ort klebt förmlich am steilen Felsen oder besser gesagt, schlängelt sich diesem hinauf. Das Dorf ist komplett auf den nackten Felsen gebaut, es scheint, als sei es in ihn eingebettet. Pietrapertosa liegt auf einer Höhe von rund 1088 m über dem Meeresspiegel in der Basilikata, in der Provinz Potenza, und hat nur rund 920 Einwohner. 2019 zählte das Dorf zu den 20 schönsten Dörfern Italiens und ist heute weiterhin Teil von I borghi più belli d’Italia.

Bis heute ist Pietrapertosa mit Castelmezzano, dem Nachbarort auf „Kriegsfuß“, denn auch dieser Ort gehört zu den pittoresken Dörfern in Italien und konkurriert mit Pietrapertosa um Touristen, um Titel, Wettbewerbe – eigentlich um alles. Allerdings schloss sich Pietrapertosa mit Castelmezzano zusammen, um die touristische Attraktion „Volo dell’angelo“ (Engelsflug) ins Leben zu rufen, bei der die beiden Dörfer über zwei Stahlseile verbunden sind, auf denen man dann mit rund 120 km/h in einer Höhe von etwa 400 m von einem zum anderen Ort gleiten kann.

Das hübsche Dorf wurde insbesondere durch den Film „Un paese quasi perfetto“ aus dem Jahr 2016 bekannt. Wer sich Pietrapertosa anschauen möchte, benötigt ein wenig Kondition oder sagen wir, sollte Treppen steigen können. Der Ort ist durch viele Treppen, die bergab gehen, gekennzeichnet. Man kommt in der Regel oben an und muss nach unten absteigen. Im Dorf selbst gibt es Kirchen und kleine Läden zu entdecken.

Castelmezzano

Sicht auf Castelmezzano und den Schluchten
Sicht auf Castelmezzano und den Schluchten

Als Nachbarort von Pietrapertosa, das nur rund 10 km entfernt ist, liegt das pittoreske Castelmezzano etwa 750 m über dem Meeresspiegel in den Lukanischen Dolomiten nahe des Naturparks Gallipoli Cognato. Auch Castelmezzano schmiegt sich in den Felsen ein und gehört durch seine gelblich-weißen Häuser und der beeindruckenden geologischen Kulisse sicherlich zu den schönsten Dörfern Italiens. Auch hier sollte man gut zu Fuß sein, wenn man das Dorf besuchen möchte.

Corricella

Sicht auf Corricella und seine Küste
Sicht auf Corricella und seine Küste

Corricella mit seinen bunten Häusern schlängelt sich entlang der Küste der Insel Procida und beeindruckt durch die Anordnung, die Architektur und die farbliche Gestaltung der Häuser. Einst war das Örtchen ein malerisches Fischerdorf, bis Procida und damit auch Corricella von Urlaubern entdeckt wurden. Seitdem gilt der Ort mit seiner schönen Kulisse als pittoresk, sehenswert und als Highlight für Besucher. Procida ist nur per Fähre von von Neapel, Pozzuoli oder Ischia aus erreichbar. Wer diese beeindruckende Sicht auf Corricella genießen möchte, sollte einen Spaziergang zur Kirche Santa Margherita Nuova machen. Unterwegs können zahlreiche herrliche Panoramafotos geschossen werden.

Pitigliano

Das auf einem Tuffsteinrelief liegende Pitigliano
Das auf einem Tuffsteinrelief liegende Pitigliano

Pittoresk auf einem Tuffsteinrelief liegt Pitigliano, etwa 70 km südöstlich von Grosseto, in etwa 313 m über dem Meeresspiegel. Heute bewohnen rund 4.000 Einwohner das einst etruskische Dorf, das später ein römisches Zentrum wurde. Beeindruckend ist das Tuffsteinrelief mit seinen steilen Wänden am Becken des Flusses Fiora, auf dem Pitigliano thront. Im 16. Jahrhundert ging Pitigliano von Piero Strozzi an Cosimo I. de‘ Medici über, wobei der Ort 1608 endgültig dem Großherzogtum Toskana einverleibt wurde. Im 15. Jahrhundert wurde der pittoreske Ort von einer jüdische Kolonie bewohnt, die dort auch eine Synagoge errichteten. Noch heute können im Jüdischen Museum die Synagoge und das antike Ghetto bestaunt werden. Ebenso befindet sich im Ort etruskische Überreste sowie die Wasserfälle Ondini (Cascate dell’Ondini) und das sehenswerte Museum Palazzo Orsini.

Trevi

Aussicht auf Trevi und Umgebung
Aussicht auf Trevi und Umgebung | Bildquelle umbriatourism.it

Nahezu von Urlaubern noch unbekannt schmiegt sich Trevi südöstlich von Perugia in der Region Umbrien den Hügel hinauf. Sehenswert ist das Dorf an sich mit seinen engen mittelalterlichen gepflasterten Gassen und den vielen Durchgängen, aber auch den zahlreichen Kirchen und den Palazzi, unter anderem der Palazzo Lucarini, der auch gleichzeitig Sitz des Museums für zeitgenössische Kunst gegenüber der Kathedrale aus dem 12. und 19. Jahrhundert ist sowie der Villa Fabri dei Boemi aus dem 17. Jahrhundert mit ihrer im Hauptgeschoss befindlichen reichen Freskendekoration aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Sehenswert und gleichzeitig interessant ist eine alte Tradition, die bereits seit vielen Jahrhunderten praktiziert wird. Rund Dreihundert Meter von der Benediktinerabtei von Bovara entfernt steht der älteste Olivenbaum Umbriens. Die Tradition will es, dass am Abend des 27. Januar, dem Vorabend des Festes der Heiligen, die Prozession der Illuminata auf einer seit Jahrhunderten festen Route stattfindet, die eine der ältesten Veranstaltungen in der Region ist. Diese geht auf den Märtyrertod des Heiligen Aemilianus, dem ersten Bischof von Trevi, zurück, der unter Diokletian an einen jungen Olivenbaum gebunden und enthauptet wurde. Seitdem wird dem Heiligen mit einer Prozession am 27. Januar gedacht.

Roccantica

Blick auf Roccantica
Blick auf Roccantica | Bildquelle comunediroccantica.it

In der Region Latium, in der Provinz Rieti befindet sich das das Örtchen Roccantica, das sich sanft einen Hügel hinauf schmiegt. Roccantica hat nur rund 540 Einwohner, liegt etwa 457 m über dem Meeresspiegel, ist aber dafür reich an Treppen, engen Gassen und Unterführungen. Roccantica ist eines der pittoresken Dörfer in Italien, das wegen ihres mittelalterlichen Kerns sehr sehenswert ist, auch wenn das Dorf zugegebenermaßen nicht sehr bekannt ist.

Interessant sind die gotischen Kirchen St. Valentin und St. Katharina, wobei Santa Katarina 1430 von Pietro Coleberti mit Fresken über das Leben der Heiligen Katharina von Alexandria bemalt wurde. Nicht ungeachtet lassen sollten Besucher die große südlich gelegene Doline, die auch Revotano genannt wird und die einen Durchmesser von etwa 250 Metern aufweist. Eine Legende besagt, dass in dieser das frühere Dorf Roccantica versunken sein soll.

Nocera Umbra

Gassen in Nocera Umbra
Gassen in Nocera Umbra | Bildquelle umbriatourism.it

Wer sich Nocera Umbra aus der Luft anschaut, merkt recht schnell, dass ich das Dörfchen wie ein Schneckenhaus auf einem Hügel windet. Durch diese Form wirkt der Ort sehr pittoresk. Tatsächlich hat Nocera Umbra seinen historischen Kern bewahrt, der aus vielen Gassen, hohen historischen Palazzi, Rustici und Brunnen besteht. Aus dem antiken Nuceria Camellaria, die Stadt der Umbrer wurde ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. eine römische Kolonie. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts wurde Nocera Umbra der Bischofssitz, im 10. Jahrhundert zur Grafschaft erhoben und schließlich bis 1439 der Kirche unterstellt.

Heute zählt der Ort rund 5.500 Einwohner und weist einige sehenswerte Kirchen auf, unter denen sich auch die Kirche des Heiligen Franziskus (Chiesa di San Francesco) befindet, die von großer künstlerischer Bedeutung ist, denn sie wurde im 14. Jahrhundert im romanisch-gotischen Stil errichtet. Im Inneren warten Fresken von Matteo da Gualdo, die Pinakothek mit Werken des Alunno und der Schule von Cimabue, Artefakte aus der römischen Epoche sowie Teile eines Grabdenkmals mit griechischer Schrift auf ihre Besucher.

Gravina

Gravina mit Fluss und Schlucht
Gravina mit Fluss und Schlucht

Gravina in Apulien gehört zur Provinz Bari und ist Heimat für rund 43.600 Einwohnern. Sicherlich ist Gravina kein Dorf mehr, aber dennoch möchte ich diesen bezaubernden Ort hier mit nennen, denn er wirkt ähnlich wie Pitigliano durch seine Lage am Rande der gleichnamigen Schlucht sehr pittoresk. Gravina erstreckt sich auf 338 m über dem Meeresspiegel im Premurgiana-Graben (westliche Murgia) und entstand im 5. Jahrhundert vornehmlich als Zufluchtsort für die Bewohner des nahegelegenen Silvium, welches durch die Invasion der Barbaren dem Erdboden gleich gemacht worden war. Kurz darauf wurde es 867 zum Bistum erhoben und mauserte sich im 9. bis 11. Jahrhundert als eines der wichtigsten Zentren Apuliens. Erst später ab dem 15. Jahrhundert soll Gravina unter der aragonischen Herrschaft, den darauffolgenden Spaniern und schließlich den Bourbonen wirtschaftlich zurückgegangen sein.

Sehenswert und sehr interessant sind die enorme Basilica Concattedrale di Santa Maria Assunta, die Unterwelt der Stadt, sprich die unterirdischen Gänge und Säle sowie die pittoresken Reste der alten Stadt.

Triora

Mittelaltergassen in Triora
Mittelaltergassen in Triora

Triora ist schon etwas Besonderes. Als ich das Dorf in der Provinz Imperia in Ligurien besuchte, ankam, durch die Gassen schlenderte und schließlich im Hexenmuseum landete, dachte ich, dass dieses Dorf schon irgendwie eigenartig ist. Tatsächlich liegt Triora auf einem Hügel rund 50 km nördlich von Imperia. Allein schon die Anfahrt schien mir ewig. Einmal angekommen wird man aber belohnt, denn Triora zeigt erst seinen Besuchern sein Geheimnis.

Der gesamte Ort ist so dermaßen verwinkelt und mit Durchgängen versehen, dass es eigentlich schon unheimlich wirkt. So ein wunderschön mittelalterlich erhaltenes Dorf habe ich in Italien selten erlebt. Es gibt einige Kirchen zu entdecken und auch ein Hexenmuseum (das Heimatmuseum), das unbedingt besucht werden sollte. Dieser pittoreske Ort gilt in Italien als das Dorf der Hexerei, da es im Mittelalter zwischen 1587 und 1589 zu massiver Hexenjagd, Folterungen und Verbrennungen gekommen ist. Einige dieser Folterinstrumente sind neben der Geschichte der Hexerei in Triora im Heimatmuseum ausgestellt.