Italien ist ein Land, welches stets im Wandel ist. Tagtäglich nehmen Skandale, Diskussionen und Kontroversen (polemiche) einen großen Raum in den italienischen Tagesblättern und Medien ein. Gesetze werden in Italien mitunter erst nach Jahren, wenn nicht Jahrzehnten verabschiedet, häufig aber auch wegen der zahlreichen Regierungswechsel auch gar nicht. Neapel nimmt in der Sparte der kriminellen Gegebenheiten regelmäßig die Spitzenposition ein, Inter Mailand und Juventus Turin regieren die Sportseiten, die Regierung in Rom die Politiksparte und Klatsch und Tratsch über Promis darf freilich oft auch auf der Titelseite nicht fehlen. Nachfolgend erfahren Sie, was in Italien 2022 aktuell los ist.

Die Skyline von Mailand im Vordergrund, dahinter die Alpen.
Die Skyline von Mailand. Die Stadt in der Lombardei ist Sitz von zahlreiche italienischen Medien.

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  • In Italien werden manchmal auch Entscheidungen getroffen, die von tiefergehendem Interesse von Bürgern und Urlaubern gleichermaßen sind. Hier können Sie wichtige News aus Italien vertieft nachlesen.

25.06.2022: Einfahrt in Roms Zentrum nur mit Gebühr möglich

Ab dem 8. Dezember 2024 wird in Rom, wie aktuell in der Zone C in Mailand, für die Zufahrt in das historische Zentrum und teilweise in die Stadtteile Prati und Trionfale, Testaccio und San Giovanni, Ostiense, Gianicolense, Monteverde bis zur Engelsburg und den Vatikan bezahlen. Am 24.06.2022 wurde die künftige Verschmutzungsgebühr während der Generalversammlung des Verkehrsministeriums im Auditorium Parco della Musica angekündigt. Die Zufahrt erfolgt nur durch Bezahlung dieser Gebühr. Roms Stadtrat erklärt: Wer mit einem privaten umweltschädlichen Fahrzeug einfahren will, wird dafür bezahlen“.  Lediglich elektrische Autos sollen von der Gebühr befreit werden. Wie hoch die Gebühr sein wird, wird aktuell noch geprüft. Auch das Bezahlsystem wird derzeit überlegt. Denkbar wäre ein elektronisches System ähnlich der Mautschranken.

22.06.2022: Streiks bei Ryanair, EasyJet und Volotea am 25.06.

Die Piloten und Flugbegleiter von Ryanair, easyJet und Volotea haben für Samstag, den 25. Juni, einen weiteren Streiktag beschlossen. Gefordert werden bessere Arbeitsbedingungen, insbesondere die Einhaltung von Ruhezeiten und die Zahlung von Überstunden, die bisher – so Medienberichten – nicht vergütet werden.

Betroffen werden insbesondere die Flugstrecken nach und von Italien, Spanien, Frankreich, Belgien und Portugal sein. Es sollen keine Flüge der genannten Billigflieger abheben und landen, wie die Gewerkschaften angeben. Der Streik soll sich über das Wochenende vom 25. zum 26. Juni ziehen.

13.06.2022: Noch kein Mindestlohn in Italien

Aktuell gibt es in 21 Ländern einen gesetzlichen Mindestlohn, wobei Italien, Dänemark, Finnland, Österreich, Schweden und Zypern eine Ausnahme machen. In Diesen Ländern finden derzeit Tarifverhandlungen statt. Deutschland hat vor wenigen Tagen seinen Mindestlohn auf 12 EUR pro Stunde angehoben. In Italien gibt es aktuell noch keinen Mindestlohn. Dieser wird im Moment heftig diskutiert. Der durchschnittliche Stundenlohn liegt im Land bei etwa 9 Euro brutto die Stunde. Diesen Stundenlohn bekommt beispielsweise eine Angestellte, die tariflich in der Schule in der Kantine tätig ist. In ganz Europa gibt es starke Unterschiede. So kann das Monatsgehalt in Bulgarien bei 332 EUR pro Monat liegen, in Luxemburg für die gleiche Arbeit und Stelle bei 2.256 EUR.

Arbeitslosenquote liegt bei 8,6 %

Die Arbeitslosenquote liegt in Italien aktuell bei 8,6 %. Damit ist die Zahl der Erwerbstätigen im ersten Quartal des Jahres gestiegen, wie das Istituto nazionale di statistica bekannt gibt. Aktuell gibt es ISTAT zufolge 120.000 mehr Arbeitnehmer als im vierten Quartal 2021. Das entspricht einem Anstieg von +0,5 %, der wiederum auf den Anstieg der befristet Beschäftigten, den weniger starken Anstieg der Festangestellten und der Selbständigen zurückgeht.

Null Stimmen für Bürgermeister

Auf Ventotene wollte Mario Adinolfi Bürgermeister werden – sein Traum, aber nicht der seiner Mitmenschen. Er erhielt null Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 73,91 %. Sein Gegenkandidat Carmine Caputo wurde von den Einheimischen der Pontinischen Insel zu 55 % gewählt.

Traurig und verbittert teilte Adinolfi mit

„Nichts, in Ventotene hat nicht einmal mein Hund für mich gestimmt. (Ich habe versucht, paramafiöse Formen der Stimmabgabe in kleinen Südstädten zu erzwingen. Ich habe verloren. So funktioniert auch die Demokratie“.

Mario Adinolfi

Arztwahl bald in der Apotheke möglich

Ab 5. Juli kann in der Lombardei der Hausarzt oder der Kinderarzt in der Apotheke gewählt werden. Bisher konnte ein Arztwechsel oder eine Arztsuche für Ansässige nur durch die betriebenen territorialen Wahl- und Widerrufsschaltern der zuständigen ASST (früher ASL) oder aber auch online durchgeführt werden. Ab dem 5. Juli wird der Dienst dank einer Vereinbarung zwischen der Region und Federfarma Lombardia und Assofarm Confservizi Lombardia auch in Apotheken verfügbar sein.

Referendum gescheitert

Das von Matteo Salvini angezettelte Referendum über Justizfragen ist an der niedrigen Wahlbeteiligung der Italiener gescheitert. Insgesamt haben nur 19 Prozent der rund 49 Millionen wahlberechtigten Italiener ihre Stimme abgegeben. Es handelt sich bei dieser Wahl um die niedrigste Wahlbeteiligung seit der Einführung von Volksbefragungen in den 1970er Jahren in Italien. Nun wird im Parlament weiter über die vier im Raum stehenden Justizfragen debattiert.

08.06.2022: Flüge fallen wegen Streik aus

In Norditalien fallen aufgrund von Streikaktionen der Fluglotsen und der Gewerkschaften gegen Billigfluglinien über 100 Flüge aus, insbesondere von Ryanair und easyJet.

Am Flughafen Bergamo-Orio al Serio wurden vierzig Flüge gestrichen, in Mailand Malpensa mindestens 66, in Mailand Linate und Turin etwa 15.

Die nationale Zivilluftfahrtbehörde (Enac) und die Gewerkschaftskomission erklären, dass die Fluglotsen des Enav-Flugkontrollzentrums in Mailand von 7 bis 10 Uhr und von 18 bis 21 Uhr, von 13 bis 17 Uhr für das Flugpersonal von Easyjet, von 10.01 bis 14 Uhr für Volotea und den Fluggesellschaften Ryanair, Malta Air (Tochtergesellschaft von Ryanair) und Crewlink streiken.

easyJet hatte um 15.00 Uhr bereits 122 Flüge (7 % der für den Tag geplanten Flüge) aufgrund der Einschränkungen in London und des Streiks in Italien gestrichen. Ryanair strich 64 Flüge, Wizz Air 36.

Weltweit ist Mailand Malpensa der am stärksten betroffene Flughafen. Hier wurden 66 Flüge gestrichen.

07.06.2022: Eintritt in Corenno Plinio

Das nur 16-Einwohner-Dörfchen Corenno Plinio am Comer See (lago di Como) gilt als eines der schönsten Siedlungen rund um den lombardischen See. Seit heute gilt jedoch eine Eintrittsgebühr von 3 Euro (Normalpreis), 2 Euro (reduzierter Preis) für alle diejenigen, die das mittelalterliche Dorf besichtigen möchten. Das Ticket ist an einem Info-Point erhältlich und dient für den Erhalt der Dorfstruktur.

03.06.2022: Kann in Italien bald nach 20 Beitragsjahren in Rente gegangen werden?

In Italien werden aktuell die Regeln zum Vorruhestand neu diskutiert. Gefordert wird die „Quota 41“, bei der der Vorruhestand unabhängig vom Alter in Anspruch genommen werden kann. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden: 

  • Erfüllung von mindestens 41 Beitragsjahren
  • Zugehörigkeit zu einer der fünf geschützten Personenkategorien (Arbeitslose, Behinderte, Betreuer (Pflege von behinderten Familienangehörigen), Schwerarbeiter, Schwerstarbeiter)
  • mindestens 12 Monate Beitragszahlung aus tatsächlicher Arbeit vor Vollendung des 19. Lebensjahres

Ein weiterer Vorschlag kommt vom Präsidenten des Inps, Pasquale Tridico, der folgende Rentenreform in Italien vorschlägt:

Für den Vorruhestand müssen die Personen

  • mindestens 63 oder 64 Jahre alt sein
  • mindestens 20 Beitragsjahre haben
  • zum Zeitpunkt des Zugangs zur Leistung einen beitragspflichtigen Teil der Rente erworben haben, der mindestens dem 1,2-fachen des Sozialgeldes entspricht

Aktuell sind die Anforderungen für den Vorruhestand aufgrund des Gesetzesdekrets 4/2019 bis 2026 eingefroren. Bisher konnte jedoch vorzeitig aus dem Arbeitsleben auf der Grundlage der gezahlten Beiträge und dem Geschlecht ausgeschieden werden. Danach können Arbeitnehmerinnen mit mindestens 41 Beitragsjahren und 10 Beitragsmonaten und Arbeitnehmer mit mindestens 42 Beitragsjahren und 10 Beitragsmonaten in Rente gehen. Männer mussten also ein Jahr mehr Beiträge zahlen, um früher in Rente gehen zu können.

Auch in diesem Jahr dürfen nur Frauen vorzeitig in Rente gehen, sofern sie Abschläge hinnehmen, eine Möglichkeit, die durch das Maroni-Gesetz eingeführt und mit der Fornero-Reform massenhaft genutzt wurde. Der Vorteil ist, dass früher in Rente gegangen werden kann, allerdings die Rente
direkt proportional zum Vorruhestand gekürzt wird. Je früher der Vorruhestand ist, desto größer ist die Kürzung. Die daraus resultierende Rente ist etwa 25-35 % niedriger als erwartet.

Im Jahr 2022 ist ein Vorruhestand mit 60 oder 61 Jahren für Arbeitnehmerinnen vorgesehen, die bis 2021 35 Beitragsjahre und ein Alter von 58 Jahren erreicht haben, bei selbstständigen Frauen 59 Jahre. In der Regel gehören dazu Frauen mit den Geburtsjahrgängen 1962 und 1963.

31.05.2022: Mehr Züge fahren ans Meer

Ab Sonntag, dem 12. Juni, wird das italienische Eisenbahnverkehrsunternehmen Trenitalia, das gleichzeitig eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Ferrovie dello Stato Italiane ist, den Sommerfahrplan aktivieren. Dieser sieht mehr als 240 Frecce-Züge vor, die touristische Sehenswürdigkeiten sowie kleinere Siedlungen am Meer ansteuern sollen. Es wird mehr Haltstellen geben. Zudem werden 124 Intercity-Tages- und Nachtzüge eingesetzt werden sowie Regionalzüge mit weiteren neuen Verbindungen. Es sollen Tausende Orte per Zug sowie mit Zug und Bus oder Zug und Schiff angesteuert werden können. Um dies zu erreichen, will Trenitalia mit anderen Verkehrsgesellschaften Kooperationen eingehen. Urlauber, die nicht mit dem eigenen Auto anreisen, können sich also über neue Zugverbindungen bis zum Meer und mehr Haltestellen ab 12. Juni 2022 freuen.

Inflation steigt stark an

Das Bruttoinlandsprodukt stieg in den ersten drei Monaten um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 6,2 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2021 an. Wie aus den Statistiken der vierteljährlichen Wirtschaftsrechnungen des ISTAT hervorgeht, stieg die Inflation in Italien von 0,9 Prozent im Monatsvergleich und 6,9 Prozent im Jahresvergleich stark an. Ein Rekord, der seit März 1986 nicht mehr erreicht wurde. Für das Jahr 2022 wird jedoch ein Wachstum von 2,6 Prozent angenommen. .