In Italien gibt es unzählige Arten von Pilze (funghi). Wie auch in Deutschland sind viele Pilzarten ungenießbar bis giftig oder aber auch sehr schmackhaft.

Pilze findet man gewöhnlich überall, in Wäldern, an Wegesrändern, auf Feldern und Wiesen und an Baumstämmen und Mauern. Hier eine kleine Auswahl an Pilzen in Italien. Ich habe sie alle selbst gefunden und fotografiert.

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Fliegenpilz (Amanita muscaria) im Valle Gressoney
 
Samtige Tramete (Trametes pubescens) bei Piedicavallo
Getropfter Ritterling (Tricholoma pessundatum) oder Hallimasch (Armillaria ostoyae) bei Piedicavallo
 
Schmetterlings-Tramete in Brauntönen (Trametes versicolor) auf Baumstumpf
Samtige Tramete (Trametes pubescens) auf Baumstamm
 
Bovist (Bovista) Richtung Rifugio Rivetti
 
Allgemeiner Hallimasch (Armillaria mellea) im Biellese
 
Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor) an Baumstamm
Trameten auf einen Baumstamm
Drei Trametenarten auf einem Baumstamm im Biellese: oben rechts ist eine Zonen-Tramete zu sehen, oben links eine Buckel-Tramete und unten eine Schmetterlings-Tramete
Strohblasser Ritterling im Val Sesia
Hier habe ich den Strohblassen Ritterling (Tricholoma album) im Valle Sesia gefunden. Sein Geruch ist sehr unangenehm. Er ist kein Speisepilz, denn er hat einen bitteren Geschmack. Sein Wirt ist vor allem die Eiche. So findet man den Pilz in Italien in Laub- und Mischwäldern.
Langstielige Ahorn-Holzkeule in Rosazza
Hier habe ich das Glück gehabt, eine schwarze Langstielige Ahorn-Holzkeule (Xylaria longipes) zu fotografieren. Diesen Schlauchpilz habe ich in Rosazza auf einen unterirdisch vergrabenen Baumstamm gefunden. Er lebt von toten Ästen und Baumstämmen und ist somit saprobiontisch. Man findet ihn vornehmlich an Eiche, Buchen, Ebereschen und Ahornbäumen.
Judasohren am abgestorbenen Holz im Val Sesia
Auf diesem Bild sieht man Judasohren (Auricularia auricula-judae), die sich vom abgestorbenen Holz ernähren. Das Foto habe ich im September 2023 im Val Sesia gemacht.
Judasohren mit Sicht auf den Fruchtkörper
Hier sieht man die Judasohren noch einmal aus einem Blickwinkel von oben, so dass man die Form der Fruchkörper gut erkennen kann.
Judasohren von unten
Judasohren von unten. Gut erkennbar ist die Struktur des fleischig erscheinenden Fruchtkörpers.
Steinpilz im Val Sesia
Hier hatte ich mich gefreut, dieses schöne Exemplar eines Gemeinen Steinpilzes (Boletus edilus) im Val Sesia zu finden. Verwechselt werden kann er mit dem Flockenstiegeligen Hexen-Röhrling (der Stamm ist orangebraun), der jedoch im gekochten Zustand ebenso als ein guter Speisepilz gilt. Der Stamm des Steinpilzes ist weiß.

Pilze in Italien: Seltene Arten, Besonderheiten und Wissenswertes

Pilze in den Bergen und besonderen Lebensräumen Italiens

Welche Pilze wachsen in einer Höhe ab 1500 Meter in Italien?

Ab etwa 1500 Metern verändert sich die Pilzwelt Italiens deutlich. Die Artenzusammensetzung hängt stark davon ab, ob man sich in den Alpen, im Apennin oder auf einem Vulkan wie dem Ätna befindet. Entscheidend sind außerdem Baumart, Boden, Feuchtigkeit, Exposition und die Dauer der Schneebedeckung. Die Höhenangabe von 1500 Metern ist deshalb keine feste Grenze, ab der plötzlich nur noch bestimmte Pilze vorkommen.

In den alpinen Nadelwäldern können beispielsweise der Steinpilz (Boletus edulis) und der Kiefernsteinpilz (Boletus pinophilus) vorkommen. Letzterer ist besonders eng mit Nadelwäldern verbunden. In Fichten- und Tannenwäldern finden sich außerdem verschiedene Arten der Gattungen Amanita, Russula, Cortinarius und Lactarius.

Auch der Echte Pfifferling (Cantharellus cibarius) kann in höheren Lagen wachsen. In alpinen und subalpinen Bereichen kommen darüber hinaus Arten vor, die an kühle Bergwälder, Zwergsträucher oder alpine Wiesen angepasst sind. Beobachtungen aus Berggebieten zeigen beispielsweise Funde von Leccinum vulpinum, verschiedenen Amanita-Arten, Boletus calopus und Macrolepiota-Arten in Höhen um 1500 Meter.

Interessant ist, dass sich die Pilzsaison in dieser Höhe gegenüber tieferen Lagen verschiebt. Nach der Schneeschmelze beginnt die Fruchtkörperbildung später, kann bei ausreichend Feuchtigkeit aber bis weit in den Spätsommer oder Herbst reichen. In den Alpen können deshalb im August und September noch Pilze erscheinen, während die Hauptsaison in tieferen Regionen bereits weitgehend vorbei ist.

Welche Pilze sind in Italien endemisch?

Unter den italienischen Pilzen gibt es nur relativ wenige Arten, deren natürliches Verbreitungsgebiet tatsächlich auf Italien oder einen sehr kleinen Teil des Landes beschränkt ist. Besonders interessant ist deshalb der Sizilianische Austernseitling (Pleurotus nebrodensis), der in der Fachliteratur als seltene endemische Pilzart Siziliens und Europas beschrieben wird.

Pleurotus nebrodensis ist vor allem aus den Madonie-Bergen im Norden Siziliens bekannt. Er wächst in einem sehr speziellen Lebensraum und ist eng mit bestimmten krautigen Pflanzen beziehungsweise deren Wurzelbereichen verbunden. Die Art unterscheidet sich damit auch ökologisch von dem gewöhnlichen Austernseitling (Pleurotus ostreatus), der an Holz verschiedener Laubbäume wächst.

Die Seltenheit dieser Art macht sie aus naturschutzfachlicher Sicht besonders interessant. Bei der Frage nach endemischen Pilzen muss allerdings zwischen einer wirklich endemischen Art und einer Art mit lediglich sehr kleinem bekannten Verbreitungsgebiet unterschieden werden. Neue Funde können das bekannte Areal einer Pilzart jederzeit erweitern.

Welche Pilze gehen mit Bäumen eine Symbiose ein?

Sehr viele Waldpilze leben in einer engen Symbiose mit Bäumen. Diese Verbindung wird als Mykorrhiza bezeichnet. Dabei verbindet sich das Pilzgeflecht mit den Feinwurzeln des Baumes. Der Pilz kann dem Baum unter anderem bei der Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen helfen, während er vom Baum energiereiche organische Stoffe erhält.

Zu den bekannten Mykorrhizapilzen gehören die Steinpilze (Boletus und verwandte Arten), Pfifferlinge (Cantharellus), viele Täublinge (Russula), Milchlinge (Lactarius) und zahlreiche Arten der Gattung Amanita. Auch verschiedene Trüffelarten bilden unterirdische Mykorrhizen mit Bäumen.

Dabei gibt es häufig bestimmte Vorlieben. Der Steinpilz kann beispielsweise mit Eichen, Buchen, Kastanien, Fichten und weiteren Baumarten verbunden sein. Der Pfifferling kommt ebenfalls mit verschiedenen Laub- und Nadelbäumen in Verbindung. Die Beziehung ist daher meist nicht auf einen einzigen Baum beschränkt.

Für den Wald ist diese Symbiose von großer Bedeutung. Das eigentliche Pilzgeflecht kann sich weit über den Bereich hinaus erstrecken, den man anhand der sichtbaren Fruchtkörper vermuten würde. Der Pilz ist deshalb nicht der kleine „Pilz im Boden“, sondern Teil eines wesentlich größeren unterirdischen Systems.

Welche Baumpilzarten sind in Italien häufig?

An Bäumen und Totholz Italiens wachsen zahlreiche Pilze, die Holz abbauen oder als Parasiten geschwächte Bäume besiedeln. Besonders auffällig sind die sogenannten Porlinge, deren Fruchtkörper häufig wie Konsolen oder kleine Regale am Stamm wachsen.

Zu den bekannten Arten gehört der Zunderschwamm (Fomes fomentarius), der vor allem an älteren Laubbäumen vorkommt und das Holz zersetzt. Ebenfalls häufig ist die Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), deren fächerförmige, unterschiedlich gefärbte Fruchtkörper meist auf abgestorbenem Laubholz erscheinen.

Auch der Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) ist in Italien verbreitet. Seine auffälligen gelb-orangen Fruchtkörper können an verschiedenen Laubbäumen erscheinen. Weitere wichtige Holzpilze sind Arten der Gattungen Ganoderma, Pleurotus und Armillaria.

Baumpilze sind ökologisch keineswegs grundsätzlich schädlich. Viele von ihnen erfüllen eine wichtige Funktion beim Abbau von Holz. Ohne holzzersetzende Pilze würden Nährstoffe wesentlich langsamer in den Stoffkreislauf des Waldes zurückgeführt. Bei lebenden Bäumen können bestimmte Arten allerdings Krankheiten oder Holzfäule verursachen.

Verbreitung und ungewöhnliche Pilze

Welche Pilze sind in Italien nicht vertreten?

Eine vollständige Liste der Pilze, die in Italien nicht vorkommen, gibt es nicht. Das wäre bei der enormen Artenzahl des Pilzreiches auch kaum sinnvoll. Außerdem wird das bekannte Verbreitungsgebiet vieler Pilzarten laufend durch neue Funde erweitert.

Sicher ist jedoch, dass zahlreiche Pilzarten, die an tropische Regenwälder, arktische Regionen oder andere sehr spezielle Lebensräume gebunden sind, in der freien Natur Italiens nicht vorkommen. Italien besitzt zwar vom Alpenraum bis zum Mittelmeer eine enorme klimatische Bandbreite, erreicht aber nicht die Bedingungen eines tropischen Regenwaldes oder einer arktischen Tundra.

Hinzu kommt, dass einzelne exotische Pilze durch den Menschen eingeschleppt oder in Gewächshäusern und Kulturanlagen gezüchtet werden können. Ihr Auftreten in Italien bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sie Bestandteil der natürlichen italienischen Pilzflora sind.

Die Aussage „diesen Pilz gibt es in Italien nicht“ sollte daher immer mit Vorsicht verwendet werden. Bei Pilzen kann zwischen natürlichem Vorkommen, eingeschleppten Populationen, Kulturen und einzelnen Zufallsfunden unterschieden werden.

Gibt es in Italien sonderbare Pilze?

Ja. Italien besitzt eine große Zahl ungewöhnlich aussehender Pilze. Dazu gehören beispielsweise der Tintenfischpilz (Clathrus archeri), der zunächst wie ein weißliches Ei erscheint und später mehrere rote, tentakelartige Arme entwickelt.

Noch ungewöhnlicher wirkt der Tintenfischpilz durch seinen Geruch. Wie andere Arten aus der Familie der Stinkmorchelverwandten lockt er mit einem unangenehmen Geruch Insekten an. Diese tragen die Sporen anschließend weiter. Der Pilz nutzt damit Tiere zur Verbreitung seiner Sporen.

Auch der Fliegenpilz (Amanita muscaria) ist ungewöhnlich. Sein leuchtend roter Hut mit weißen Velumresten gehört zu den bekanntesten Pilzformen Europas. Weniger bekannt ist dagegen der Gitterling beziehungsweise Rote Gitterling (Clathrus ruber), dessen Fruchtkörper im geöffneten Zustand wie ein rotes Gitter aussieht.

Daneben gibt es Pilze, die wie kleine Korallen, Keulen, Sterne oder winzige Schalen aussehen. Die Vielfalt der Formen ist einer der Gründe, weshalb die italienische Pilzflora weit über die bekannten Steinpilze und Pfifferlinge hinausgeht.

Welcher Pilz erscheint nur für einen Tag und verschwindet wieder?

Ein besonders gutes Beispiel ist der Schopftintling (Coprinus comatus). Sein Fruchtkörper kann innerhalb kurzer Zeit aus dem Boden erscheinen und sich anschließend sehr schnell verändern. Bei ausgewachsenen Exemplaren lösen sich die Lamellen durch einen Prozess der Selbstverdauung auf und verwandeln sich in eine schwarze, tintenartige Flüssigkeit.

Unter günstigen Bedingungen kann der sichtbare Fruchtkörper dadurch tatsächlich innerhalb von ungefähr einem Tag weitgehend verschwunden sein. Ein morgens noch auffälliger weißer Pilz kann am folgenden Tag bereits stark zerfallen oder nur noch als dunkle, tropfende Masse vorhanden sein.

Diese schnelle Zersetzung ist keine Krankheit des Pilzes, sondern Teil seiner Fortpflanzungsstrategie. Die schwarzen Sporen werden mit der zerfließenden Masse freigesetzt und können anschließend vom Wind oder anderen Einflüssen verbreitet werden.

Der Schopftintling gehört zu den wenigen Tintlingen, die jung als essbar gelten. Aufgrund der sehr schnellen Veränderung muss er jedoch unmittelbar nach dem Sammeln verarbeitet werden. Bei selbst gesammelten Pilzen sollte die Artbestimmung immer durch einen qualifizierten Mykologen abgesichert werden.

Gibt es in Italien Schleimpilze?

Ja. Schleimpilze kommen auch in Italien vor. Trotz ihres Namens gehören sie jedoch nicht zu den eigentlichen Pilzen. Sie bilden eine eigene Gruppe sehr ungewöhnlicher Organismen und können einen Teil ihres Lebens als bewegliche, schleimartige Masse verbringen.

Ein bekanntes Beispiel ist Physarum polycephalum. Dieser Schleimpilz beziehungsweise Plasmodialschleimpilz kann sich als ausgedehnte, gelbliche oder weißliche Masse über feuchte Oberflächen bewegen und dabei Nahrung aufnehmen.

Besonders interessant ist, dass Schleimpilze keine klassischen Pilzfruchtkörper wie Steinpilze oder Täublinge bilden. Viele Arten verbringen einen Teil ihres Lebens als einzellige oder vielkernige Lebensform und bilden erst später Sporenstrukturen.

In feuchten Wäldern, auf morschem Holz, Laub und anderem organischen Material können zahlreiche Schleimpilzarten gefunden werden. Gerade nach feuchtem Wetter sind sie häufig leichter zu entdecken.

Essbare und giftige Pilze

Welche Lamellenpilze sind in Italien essbar?

In Italien gibt es zahlreiche essbare Lamellenpilze. Zu den bekannten Arten gehören der Kaiserling beziehungsweise Kaiserpilz (Amanita caesarea), der Parasol (Macrolepiota procera), der Wiesenchampignon (Agaricus campestris) und der Austernseitling (Pleurotus ostreatus).

Auch verschiedene Milchlinge, Täublinge und andere Lamellenpilze werden traditionell gegessen. Bei diesen Gruppen ist die Bestimmung allerdings teilweise wesentlich schwieriger als bei einigen bekannten Speisepilzen. Nicht jeder Pilz, der einem essbaren Vertreter ähnlich sieht, ist ebenfalls zum Verzehr geeignet.

Besonders problematisch ist die Gattung Amanita. Sie enthält sowohl ausgezeichnete Speisepilze wie Amanita caesarea als auch tödlich giftige Arten. Eine Verwechslung mit Amanita phalloides kann lebensgefährlich sein.

Für die Praxis gilt deshalb: Die hier genannten Arten sind Beispiele und keine Bestimmungshilfe für einen gefundenen Pilz. Das italienische Gesundheitsministerium empfiehlt, selbst gesammelte Pilze vor dem Verzehr durch einen Mykologen des zuständigen Ispettorato Micologico kontrollieren zu lassen. Dieser Service wird von den zuständigen ASL angeboten.

Welches ist der giftigste Pilz in Italien?

Zu den gefährlichsten Pilzen Italiens gehört der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Er enthält Amatoxine, die vor allem die Leber schwer schädigen können. Die besondere Gefahr besteht darin, dass die ersten Beschwerden teilweise erst mehrere Stunden nach dem Verzehr auftreten.

Besonders tückisch ist die Ähnlichkeit mit essbaren Pilzen. Amanita phalloides kann je nach Erscheinungsform grünlich, olivfarben, gelblich oder sogar nahezu weiß erscheinen. Außerdem kann ein sehr junges Exemplar noch von der Hülle umgeben sein und dadurch völlig anders aussehen als ein ausgewachsener Pilz.

Die Giftstoffe werden durch normales Kochen nicht zuverlässig zerstört. Das italienische Gesundheitsministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass gefährliche Pilzgifte nicht durch einfache häusliche Verfahren wie Kochen oder Entfernen der Huthaut unschädlich gemacht werden.

Eine sichere Bestimmung anhand einer einzelnen Ähnlichkeit oder eines Fotos ist deshalb nicht ausreichend. Bei Verdacht auf eine Vergiftung muss unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Für gesammelte Pilze steht in Italien der kostenlose Kontrollservice der Ispettorati Micologici zur Verfügung.

Pilze, Geschichten und Kultur

Gibt es eine italienische Legende, die von einem Pilz handelt?

Eine besonders schöne italienische Pilzlegende ist mit dem heiligen Vitus beziehungsweise San Vito verbunden. Nach einer volkstümlichen Überlieferung reitet der Heilige zu einer bestimmten Nacht durch die Wälder und streut dabei Pilze aus.

In verschiedenen Überlieferungen wird der 15. Juni genannt, teilweise auch der 7. September. Interessant ist, dass beide Zeitpunkte unter geeigneten Wetterbedingungen tatsächlich in Perioden fallen können, in denen Pilze erscheinen. Die Legende verbindet damit ein Naturphänomen, das für die Menschen früher überraschend wirken musste: Pilze scheinen manchmal innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden zu wachsen.

Solche Vorstellungen erklären auch, warum Pilze in der europäischen Volkskultur häufig mit Magie, Feen, Heiligen oder übernatürlichen Kräften verbunden wurden. Ihre unterirdische Lebensweise und das scheinbar plötzliche Erscheinen ihrer Fruchtkörper machten sie zu besonders geheimnisvollen Organismen.

Gibt es ein italienisches Wappen, auf dem ein Pilz abgebildet ist?

Ein offizielles Staatswappen Italiens mit einem Pilz gibt es nicht. Auch im Wappen der Italienischen Republik spielt ein Pilz keine Rolle. Das Wappen zeigt unter anderem den Stern Italiens, ein Zahnrad und Zweige von Olivenbaum und Eiche.

Auch bei den italienischen Regionen ist der Pilz kein verbreitetes heraldisches Motiv. Pilze besitzen allerdings in verschiedenen Orten eine große kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung. Besonders bekannt ist beispielsweise Borgotaro in der Emilia-Romagna wegen seines Steinpilzes und des dortigen Pilzmuseums.

Interessant ist außerdem, dass es lokale Vereinigungen, Veranstaltungen und Ortsidentitäten gibt, die Pilze als Symbol verwenden. Ein Pilz kann deshalb auf Logos, Veranstaltungsplakaten oder touristischen Darstellungen erscheinen, ohne Bestandteil eines offiziell verliehenen Gemeindewappens zu sein.

Für eine Website würde ich deshalb nicht behaupten, dass Italien ein offizielles Wappen mit einem Pilz besitzt. Treffender ist die Aussage, dass der Pilz in mehreren italienischen Regionen ein starkes kulturelles und wirtschaftliches Symbol ist.

Pilze sammeln in Italien

Kann man in Italien überall in den Wäldern Pilze suchen?

Nein. Die Pilzsuche ist in Italien grundsätzlich möglich, aber nicht überall automatisch erlaubt. Die Sammlung wild wachsender Pilze wird auf Grundlage des italienischen Rahmengesetzes von den Regionen und autonomen Provinzen geregelt. Dadurch unterscheiden sich die konkreten Vorschriften von Gebiet zu Gebiet.

In vielen Regionen benötigt man eine Genehmigung beziehungsweise einen entsprechenden Zahlungstitel für die Sammlung. Zusätzlich können Gemeinden, Parks, Naturschutzgebiete oder Grundstückseigentümer weitere Einschränkungen festlegen.

Auch die Art der Sammlung ist geregelt. Bundesweit wichtige Grundregeln betreffen beispielsweise das Verbot von Rechen oder anderen Werkzeugen, die den Waldboden und das Pilzmyzel beschädigen können. Die Pilze sollen grundsätzlich vollständig entnommen werden, damit eine sichere Bestimmung möglich bleibt.

Wer in Italien Pilze sammeln möchte, sollte deshalb immer die Vorschriften der konkreten Region und des konkreten Gebietes prüfen. Besonders wichtig ist dies bei Wanderungen, die über eine Regionsgrenze führen, etwa rund um den Gardasee.

Wo darf man in Italien keine Pilze suchen?

Pilze dürfen insbesondere dort nicht gesammelt werden, wo dies durch die jeweilige Schutzgebietsregelung, regionale Vorschrift oder eine örtliche Anordnung verboten ist. Besonders streng können die Regeln in Naturreservaten, besonders geschützten Bereichen und wissenschaftlich wertvollen Gebieten sein.

Auch Privatgrundstücke können Einschränkungen unterliegen. In der Lombardei ist die Sammlung beispielsweise auf bestimmten Flächen wie den unmittelbaren Bereichen von Wohngebäuden, jungen Aufforstungen und bestimmten geschützten Gebieten eingeschränkt oder verboten. In regionalen Parks können zusätzlich eigene Regelungen gelten.

In Trentino ist die Situation wiederum anders geregelt: Dort ist die Sammlung grundsätzlich möglich, außer sie ist ausdrücklich durch Schilder oder entsprechende Vorschriften untersagt. Gemeinden, die Provinz oder private Grundeigentümer können dort Verbote festlegen.

Gerade deshalb sollte man niemals davon ausgehen, dass ein frei zugänglicher Wald automatisch zum Pilzesammeln freigegeben ist. Ein Wanderweg oder öffentlich zugänglicher Wald bedeutet nicht zwangsläufig, dass dort auch Pilze gesammelt werden dürfen.

Gibt es ein Limit, wie viele Pilze man pro Person sammeln darf?

Ja. Nach dem italienischen Rahmengesetz beträgt die grundlegende Höchstmenge drei Kilogramm wild wachsender oberirdischer Pilze pro Person und Tag. Die Regionen können jedoch eigene Regelungen treffen und den Umfang oder die Bedingungen verändern.

Ein gutes Beispiel für die regionalen Unterschiede ist Trentino. Dort liegt die zulässige Menge bei zwei Kilogramm pro Person und Tag. Eine Besonderheit besteht darin, dass ein einzelner Pilz, der selbst mehr als zwei Kilogramm wiegt, die Grenze überschreiten darf.

In Piemonte gilt dagegen grundsätzlich ein tägliches und individuelles Limit von drei Kilogramm. Dort bestehen zusätzlich besondere Regeln für bestimmte Arten und für bestimmte Personengruppen beziehungsweise Grundstückseigentümer.

Auch am Gardasee muss deshalb genau unterschieden werden, in welchem Teil des Sees gesammelt wird. Der See liegt in mehreren Verwaltungsgebieten, für die unterschiedliche Vorschriften gelten können.

Jahreszeiten und regionale Pilzwelten

Wann ist die beste Pilzzeit in Italien?

Eine einzige „beste Pilzzeit“ gibt es in Italien nicht. Die Hauptsaison liegt in vielen Regionen im Spätsommer und Herbst, wenn warme Böden und ausreichende Niederschläge zusammentreffen. In den Alpen verschiebt sich die Saison häufig nach hinten, während in wärmeren Mittelmeerregionen bestimmte Arten bereits früher erscheinen können.

Im Frühjahr gehören Morcheln (Morchella) zu den interessantesten Pilzen. Im Sommer können unter geeigneten Bedingungen beispielsweise Sommersteinpilze (Boletus reticulatus), Pfifferlinge und verschiedene andere Arten erscheinen. Der Herbst ist für Steinpilze, Täublinge, Milchlinge, verschiedene Röhrlinge und zahlreiche weitere Waldpilze besonders wichtig.

Entscheidend ist allerdings nicht allein der Monat. Pilze reagieren stark auf Niederschläge und Temperatur. Nach längeren trockenen Perioden kann ein Wald trotz idealer Jahreszeit nahezu pilzleer wirken. Nach ergiebigen Regenfällen kann sich die Situation dagegen innerhalb weniger Tage deutlich verändern.

Für Bergregionen gilt zusätzlich: Je höher der Standort liegt, desto stärker verschiebt sich die Saison. Deshalb können Pilze im September in 1500 Metern Höhe gerade erst erscheinen, während die gleiche Art in tieferen Lagen bereits wieder verschwunden ist.

Welche Pilze wachsen rund um den Gardasee?

Die Umgebung des Gardasees besitzt eine ungewöhnlich vielfältige Pilzflora, weil hier unterschiedliche Lebensräume unmittelbar nebeneinander liegen. In den tieferen, wärmeren Bereichen wachsen mediterran beeinflusste Laubwälder, während an den Berghängen Buchen-, Kastanien- und Nadelwälder vorkommen.

Zu den bekannten Arten der Gardaseeregion gehören der Steinpilz (Boletus edulis), der Echte Pfifferling (Cantharellus cibarius), der Reizker (Lactarius deliciosus), der Schopftintling (Coprinus comatus), verschiedene Täublinge und Milchlinge sowie zahlreiche Porlinge und andere holzbewohnende Pilze.

In geeigneten Laubwäldern können außerdem der Kaiserling (Amanita caesarea) und verschiedene Röhrlinge vorkommen. In höheren Lagen verändert sich die Artenzusammensetzung und es treten zunehmend Pilze auf, die mit Buchen, Fichten und anderen Bergbaumarten verbunden sind.

Besonders interessant ist die Lage des Gardasees zwischen Alpenraum und mediterran beeinflusster Landschaft. Dadurch können in relativ kurzer Entfernung Pilzgemeinschaften vorkommen, die unterschiedliche klimatische Ansprüche besitzen. Für die konkrete Sammlung müssen allerdings die Vorschriften der jeweiligen Region und des jeweiligen Schutzgebietes beachtet werden.

Gibt es einen Unterschied im Pilzbestand zwischen den Abruzzen und dem Piemont?

Ja. Die Unterschiede sind vor allem auf Klima, Höhenlage, Böden und die jeweiligen Waldgesellschaften zurückzuführen. Das Piemont besitzt große Bereiche der Alpen sowie ausgedehnte Hügel- und Waldlandschaften. Dort spielen unter anderem Buchen-, Kastanien-, Eichen-, Fichten- und Tannenwälder eine wichtige Rolle.

Die Abruzzen besitzen dagegen große Gebirgslandschaften des Apennins. Besonders die höheren Bereiche des Gran Sasso, der Monti della Laga und der Majella weisen andere klimatische Bedingungen auf als die Alpen des Piemont. In den Abruzzen spielen unter anderem Buchenwälder eine große Rolle, während in tieferen und wärmeren Lagen mediterrane Einflüsse stärker werden.

Dadurch unterscheiden sich auch die Mykorrhizapartner der Pilze. Ein Pilz, der eng mit Fichten verbunden ist, besitzt beispielsweise in einem reinen Buchenwald wesentlich schlechtere Voraussetzungen. Umgekehrt können Arten, die bestimmte Laubbäume bevorzugen, in entsprechenden Buchen-, Eichen- oder Kastanienwäldern besonders häufig sein.

Es wäre deshalb falsch zu sagen, dass das Piemont grundsätzlich „mehr Pilze“ besitzt als die Abruzzen oder umgekehrt. Beide Regionen sind ausgesprochen pilzreich, besitzen aber teilweise unterschiedliche Artengemeinschaften. Auch innerhalb derselben Region können sich die Pilzbestände von einem Tal zum nächsten erheblich unterscheiden.

Pilze in Geschichte und italienischer Kultur

Gibt es eine kuriose wahre Gegebenheit in Italien, die von einem Pilz handelt?

Eine der bekanntesten historischen Geschichten über einen Pilz betrifft den römischen Kaiser Claudius. Nach einer seit der Antike überlieferten Darstellung soll Claudius im Jahr 54 n. Chr. durch ein Pilzgericht vergiftet worden sein. Seine Frau Agrippina habe dabei eine Rolle gespielt, um die Thronfolge zugunsten ihres Sohnes Nero zu beeinflussen.

Die Geschichte ist allerdings nicht als zweifelsfrei bewiesener Mordfall anzusehen. Antike Autoren berichten über eine Vergiftung, doch die genauen Umstände sind nicht sicher geklärt. Gerade deshalb ist die Geschichte ein gutes Beispiel dafür, wie eng Pilze schon in der römischen Welt mit kulinarischem Genuss und gleichzeitig mit der Angst vor Vergiftungen verbunden waren.

Besonders interessant ist, dass die Römer bestimmte Pilze ausgesprochen schätzten. Der Kaiser soll ein großer Liebhaber von Pilzgerichten gewesen sein. Die Geschichte vom Tod des Claudius zeigt damit eine paradoxe Seite der antiken Pilzkultur: Der Pilz galt gleichzeitig als Delikatesse und als mögliches Gift.

Seit wann werden Pilze in Italien gegessen?

Pilze werden in Italien beziehungsweise auf der italienischen Halbinsel bereits seit der Antike gegessen. Archäologische und schriftliche Quellen zeigen, dass sowohl die Griechen als auch die Römer verschiedene Pilze und trüffelartige Organismen kannten und als Nahrungsmittel schätzten.

Die Römer unterschieden bereits verschiedene Pilzarten beziehungsweise Pilzgruppen und verwendeten sie in der Küche. Besonders geschätzt wurden Arten, die heute mit Amanita caesarea in Verbindung gebracht werden. Auch Trüffel waren bekannt, wobei die antiken Autoren unter dem Begriff „Trüffel“ teilweise unterschiedliche unterirdische Pilze zusammenfassten.

Plinius der Ältere beschrieb Trüffel in seiner Naturalis Historia und bezeichnete sie als außergewöhnliche Gewächse der Erde. Auch der römische Koch Apicius überlieferte Rezepte und Zubereitungen, in denen Pilze beziehungsweise Trüffel verwendet wurden.

Die Pilznutzung ist allerdings noch älter als die römische Zeit. Hinweise aus dem Mittelmeerraum zeigen, dass Pilze bereits vor der römischen Epoche bekannt und teilweise für Ernährung oder kultische Zwecke genutzt wurden. Die Geschichte der Pilze in Italien reicht deshalb weit über die heute bekannte Tradition des Steinpilzsammelns hinaus.

Warum erscheinen manche Pilze in Italien plötzlich über Nacht?

Pilze wachsen nicht tatsächlich aus dem Nichts. Der größte Teil des Pilzes befindet sich als Myzel bereits im Boden, im Holz oder in anderem organischem Material. Sichtbar wird nur der Fruchtkörper, den wir umgangssprachlich als „Pilz“ bezeichnen.

Wenn Temperatur und Feuchtigkeit plötzlich günstig sind, kann das vorhandene Myzel innerhalb kurzer Zeit Fruchtkörper entwickeln. Besonders nach ergiebigen Regenfällen kann dadurch der Eindruck entstehen, dass ein Wald innerhalb weniger Tage voller Pilze ist.

Bei manchen Arten geht die Entwicklung anschließend ebenso schnell weiter. Der Schopftintling kann beispielsweise nach kurzer Zeit seine Lamellen auflösen und den Fruchtkörper in eine schwarze, sporenhaltige Masse verwandeln.

Das scheinbar plötzliche Auftauchen von Pilzen hat deshalb eine einfache biologische Erklärung: Das eigentliche Pilzorganismus war bereits vorhanden, sichtbar wird lediglich sein kurzlebiger Fortpflanzungskörper.