Anfang Juli 2023 hat der Automobilhersteller Fiat mit Sitz in Turin den neuen Fiat Topolino mit seiner unverwechselbaren Farbe „verde vita“ vorgestellt. Dieser ist zu 100 Prozent elektrisch, kann mit einer haushaltsüblichen Steckdose in rund vier Stunden aufgeladen werden und hat mindestens soviel Charme wie sein Vorgänger, der Topolino aus dem Jahr 1936. Ich habe mich sogleich in das Auto mit seinem Kofferhalter am Heck verliebt und ihn bei Fiat in Turin vorbestellt. November 2023 wird er ausgeliefert.

Historischer Charme für die Stadt

Der Fiat Topolino mit seiner 2,53 m Länge ist kein Auto für lange Strecken und auch kein Auto, wenn man es eilig hat, geschweige denn auf der Autobahn unterwegs sein möchte. Vielmehr ist das Auto für die Stadt gedacht, und zwar für italienische Städte. Sicherlich macht er auch in Deutschland Sinn, vor allem in Großstädten, wo ein kleines wendiges Auto schon eher einen Parkplatz ergattern kann. In Italien sind kleine Autos in der Stadt sehr beliebt. Je kleiner, desto besser, denn die Gassen dort können sehr eng sein, man denke hier an Genua, Neapel oder Palermo oder die mittelalterlichen Städte wie Gubbio, Urbino oder Assisi.

Es gibt zwei Varianten des Topolino

Den Fiat Topolino wird es in zwei Varianten geben: eine geschlossene Variante, sprich mit Tür und eine offene Variante, bei der die Tür nicht vorhanden ist, dafür aber ein maritimes Seil verwendet wird. Dieser Typ ohne Tür wird Fiat Topolino Dolcevita genannt. Die Varianten werden mit satinierten Chromzierleisten (nur für Dolcevita), Radkappen, einem hinteren Gepäckträger, Vintage-Spiegeln, einen Taschenhaken auf der Beifahrerseite, einem Schiebedach, Innenspiegel, Mittel- und Türnetzen, Dachverkleidungen und einem Smartphone-Halter ausgestattet sein.

Die offene Variante Topolino Dolcevita
Die offene Variante Topolino Dolcevita | Bild: fiat.it
Die geschlossene Topolino-Variante
Die geschlossene Topolino-Variante | Bild: fiat.it

Warum hat Fiat einen Taschenhaken eingebaut?

Ganz einfach: In Italien stellt keine Frau ihre Handtasche auf den Boden. Diese ist gewöhnlich stets in ihrer Farbe auf die Kleidung abgestimmt. So besitzt eine italienische Frau in der Regel eine größere Anzahl an Handtaschen, gewöhnlich von Markenherstellern, die sie hütet wie ein rohes Ei. Daher hat Fiat in den Topolino einen Handtaschenhaken eingebaut. Praktisch eben – für die Frau.

Der praktische Taschenhaken
Der praktische Taschenhaken | Bild: fiat.it

Der Preis wird bei 9.890 Euro liegen

Den Topolino wird es bereits ab 9.890 Euro geben. Günstig im Vergleich zu anderen E-Autos anderer Marken. Er kann ab 14 Jahren gefahren werden.

5,4 kWh-Batterie für rund 75 km

Die Reichweite des Fiat Topolino wird vorerst auf einem 8 PS starken Elektromotor in Kombination mit einer 5,4 kWh-Batterie beschränkt sein. Das E-Auto wird bis zu 45 km/h schnell sein und mit einer vollen Ladung etwa 75 km weit kommen. Es kann dann mit einer normalen Haushaltssteckdose in etwa vier Stunden aufgeladen werden. Angesicht der aktuellen hohen Strompreise in Italien wird es hier darauf ankommen, wie viel Strom eine Aufladung zu Hause tatsächlich kosten wird oder ob es nicht sinnvoll ist, außerhalb an einer Säule das Auto aufzuladen, sofern dies möglich ist. Das wird sich zeigen.

Der Fiat Topolino auf der Straße

Angesichts der Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h kamen mir die Zweifel, ob der Topolino nicht für italienische Straßenverhältnisse zu langsam sei. In Italien sind in den Städten 50 km/h erlaubt, gefahren wird jedoch konsequent mehr von 60 km/h bis 80 km/h pro Stunde ist da locker alles drin. Nun stellte ich mir vor, mit dem Topolino bei 45 km/h in der Stadt zu fahren. Hinter mir wird sich eine ellenlange Schlange bilden, das Hupen wird ein Dauerkonzert sein und die Überholenden werden mir genervt Handzeichen geben, so wie es eben in Italien typisch ist. In Italien ist man immer ein Verkehrshindernis. Egal, ob man schneller als erlaubt fährt oder weniger. Man stört immer.

Ich habe überlegt, was ich eigentlich mit dem Auto vorhaben werde. Einkaufen und in die Berge zum Wandern fahren, fiel mir sofort ein. Dafür reicht es. Die Berge habe ich vor der Haustür, zur nächstgrößeren Stadt zum Einkaufen sind es wenige Kilometer. In meine Garage passt das Auto auch. Passt also. Gott sei Dank verirren sich in meine Gegend nur wenige Touristen. Sie ist noch ursprünglich geblieben und demnach quillt sie vor Menschen nicht über.

Grundsätzlich sollte man sich also vor dem Kauf überlegen, was man mit dem Auto machen möchte. Weite Strecken sind ohne permanentes Laden nicht drin. Wer das Auto nur wie ich regional nutzen möchte und keine Autobahn fahren muss, für den ist es sicherlich eine Bereicherung. Wer allerdings lange Fahrten zurücklegen muss, dabei viel Autobahn fährt und grundstzlich kaum Zeit hat, der sollte sich ein anderes Fabrikat aussuchen.

In Italien ist der Topolino beliebt

In Italien ist der Topolino von Fiat sehr beliebt. Schon jetzt erreicht Fiat eine enorme Anzahl an Anfragen bezüglich des Topolino. Der Fiat Topolino spielte in der Geschichte der italienischen Automobilindustrie stets eine große Rolle. Ist er doch die Ikone des italienischen Automobils, die von 1936 bis 1955 von Fiat produziert wurde. Damals galt das Auto als ein Symbol für Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit.

Die Bezeichnung „Topolino“ bedeutet übersetzt „kleine Maus“. Fiat hat sich hier von Walt Disneys Mickey Mouse inspirieren lassen, die damals in Italien sehr beliebt war.

Nachfrage nach günstigen Autos stieg

In den 30er Jahren gab es eine große Nachfrage an kleinen erschwinglichen Autos, die für italienische Familien als kompakt und wirtschaftlich konzipiert sein sollten.

Der Topolino A und C wird gebaut

Der historische Fiat Topolino A von 1936
Der historische Fiat Topolino A von 1936 | Bild: museoauto.com

So begann Fiat den Topolino (Fiat 500 Topolino) nach dem Entwurf des jungen Technikers und Ingenieurs Dante Giocosa zu bauen, zuerst den Topolino A im Jahr 1936, der die erste Generation darstellen sollte, später dann die zweite Generation, der Topolino C im Jahr 1949. Der Unterschied zwischen dem Topolino A und dem Topolino C war, dass die erste Generation mit einem Vierzylindermotor mit 569 cm³ ausgestattet war, der 13 PS leistete und eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h erreichte – für die damalige Zeit eine sehr beeindruckende Leistung. 1948 wurde die Produktion eingestellt und ein Jahr später der Topolino C präsentiert. Dieser hatte eine Motorleistung von 16 PS und wurde auch als Cabriolet und als zweitürige Limousine angeboten.

Trotz der Verbesserungen blieb der Topolino C jedoch in seinem Erfolg hinter dem Fiat Topolino A. Die Produktion des Topolino wurde schließlich 1955 beendet. Heute erfreut sich der historische Topolino, übrigens ein sehr schönes Auto, bei Oldtimer-Fans.

Der neue Topolino 2023 wird allein wegen seines historischen Charmes schon jetzt in Italien sehnlichst erwartet.