Archiv für Neuigkeiten aus Italien

Sardinien erleidet schweres Unwetter

Sardinien ist derzeit Opfer eines Jahrtausendhochwassers. Schuld daran ist das Tiefdruckgebiet Cleopatra, welches über der italienischen Insel tobt. Sturm und
Wassermassen zerstören das Hab und Gut der Inselbewohner und machen auch vor deren Leben nicht halt.
Einige höher gelegene Dörfer sind von der Außenwelt abgeschlossen. Bereits mehr als zehn Tote in den Städten Olbia und Torpe wurden gemeldet. Wassermassen zerstörten Brücken und begruben Menschen in ihren Autos und Häusern. Flüsse gingen über die Ufer und ließen das Land in einer einzigen großen Flut versinken. Infrastruktur und Energieversorgung brachen zusammen. Polizei und Rettungskräfte begeben sich selbst in Gefahr, um zu helfen, wo es noch geht. Helfer sind rund um die Uhr im Einsatz.
In Olbia wurden 93 Liter Regen auf den Quadratmeter in zwölf Stunden gemessen. Dies ist ein Vielfaches vom Normal.
Der Prämier Enrico Letta wurde bereits vom Chef des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli, über das katastrophale Ausmaßes auf der Insel informiert.
Nachdem der Zyklon vorüber gezogen war, konnte das gesamte Ausmaß der Katastrophe trotzdem noch nicht ganz überblickt werden. Viele Menschen sind nun obdachlos und verzweifelt, auch die Sorge um die Angehörigen lässt nicht nach. Die Regierung rief den Ausnahmezustand aus. Eine 20 Millionen Euro Soforthilfe wurde zugesagt.
Das Tiefdruckgebiet Cleopatra wird auch in den nächsten Tagen über dem Mittelmeerraum bleiben und sich regenerieren. Somit kann für die Insel Sardinien noch keine Entwarnung ausgesprochen werden, so die Meteorologen.

Haftstrafe für Silvio Berlusconi

Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi hat für sexuelle Handlungen mit einer Minderjährigen bezahlt und damit sein Regierungsamt missbraucht, weil er damit diese Affäre vertuschen wollte.

Während vor dem Mailänder Justizpalast in Rom die Freunde und Gegner Berlusconis lautstark und emotional aufgeheizt mit Worten, wie „Lump, Betrüger“ und „Kommunistenpack“ um sich werfen, ist sonst eigentlich nichts zu sehen. Klar – bei einer Verhandlung vor so einem Gericht, mit einem derart prominenten Angeklagten und einer Anklage, wie man es von einem ehemaligen Premier eigentlich nicht erwarten sollte, tummeln sich nicht nur Gegner und Befürworter, sondern auch die Medien.

Und auch im Gericht selbst fehlen derzeit die Hauptakteure, denn Berlusconi selbst befindet sich zu Hause und ärgert sich darüber, dass er mit dieser Angelegenheit wohl von der politischen Bühne gehoben werden wird. Auch die Hauptanklägerin Ilda Bocassini hat sich etwas Urlaub gegönnt und es ihrem Chef, Edmundo Bruti Liberati, überlassen, klar zu machen, dass es nicht sie ist, die gegen Silvio Berlusconi steht, sondern die Staatsanwaltschaft an sich. Und auch die drei Richterinnen sind vorübergehend in ihrem Beratungszimmer befindlich, um sich mit einem Konvolut von Papieren zu beschäftigen, das sie von den Anwälten des Angeklagten übergeben bekommen haben.

Da geht es um die Geschichte der Ruby, die während eines Abendessens in der Villa Berlusconis mit anderen jungen Frauen saß, und die wegen ihrer angeblich schmerzlichen Situation vom Ex-Premier mehrere Tausend Euro für eine neue Zukunft bekam, damit sie sich nicht weiter als Prostituierte verdingen muss.

Nach der Beratung der drei Richterinnen stellt sich die Situation so dar: Zig befragte Zeugen und etwa vierhundert Seiten von Protokollen von abgehörten Telefongesprächen belasten den 76-jährigen Milliardär. Die 2010 noch minderjährige marokkanische Nachtclubtänzerin wurde von Berlusconi für Sex bezahlt. Auch half er ihr, als sie wegen Diebstahlsverdacht verhaftet wurde. Die Begründung für die Übergabe von Karima el-Mahroug, wie Ruby mit bürgerlichem Namen heißt, die an eine Abgeordnete stattfinden sollte, war eher obskur. Berlusconi befand sich derzeit auf einem Staatsbesuch in Frankreich. Er erklärte dem Kabinettschef des Mailänder Polizeipräsidenten, dass das Mädchen die Enkelin des damaligen ägyptischen Präsidenten, Husni Mubarak sei, und begründete seine Handlung mit der Befürchtung, dass dies zu einer diplomatischen Affäre führen könne.

Die Abgeordnete, Minetti, welcher das Mädchen übergeben werden sollte, war zuerst Berlusconis persönliche Zahnpflegerin und später seine Geliebte. Und es dauerte nicht lange, bis diese Frau in Berlusconis Partei im lombardischen Regionalparlament saß. Auch half sie bei der Organisation der so genannten „Bunga Bunga“ Abende. In späteren Aussagen erklärte der Ex-Premier, dass er wirklich glaubte, dass Ruby Mubaraks Enkelin sei.Das Gericht befand jedoch anders. Es geht davon aus, dass Berlusconi befürchten musste, dass das Mädchen im Gewahrsam über seine Erlebnisse der „Bunga Bunga“ Abende erzählen könne. Auch habe Berlusconi sein Regierungsamt missbraucht, weil er es zuließ, dass Ruby ohne Papiere im Land war und schon wegen mehrerer Diebstahlsdelikte bekannt war.

So steht also Silvio Berlusconi wegen der Förderung der Prostitution Minderjähriger und dem Amtsmissbrauch vor Gericht. Das Urteil des Gerichts lautet: Sieben Jahre Gefängnis und das Verbot, jemals wieder ein öffentliches Amt inne zu haben.

Nun braucht in Italien niemand ins Gefängnis, der über 70 Jahre alt ist. Und das die Anwälte Berlusconis in Berufung gehen, steht außer Frage. Und so bleibt der Schuldspruch ohne weitere Konsequenzen für den Angeklagten, bis auch die zwei nächsten Instanzen entschieden haben.

In dritter Instanz ist im Herbst dieses Jahres aber ein anderes Urteil zu erwarten. Hier geht es um den Steuerbetrug, den Berlusconi mit seiner Firma Mediaset beging. Wenn das Kassationsgericht den Urteilen der Vorinstanzen entspricht, darf Berlusconi keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden, und der politische Ausschluss erfolgt. Auch, wenn man es nicht glauben möchte, schmerzt Berlusconi die Schande, dass seine angeblich ruhmreiche Karriere ein unrühmliches Ende nimmt, und ein erzwungener Abgang sein Schicksal sein wird. Natürlich hätte sein politisches Ende zur Folge, dass er macht- und schutzlos den Nachstellungen der Justiz gegenüber stünde. Also behauptet er weiterhin, dass er absolut unschuldig sei und hofft auf die Möglichkeit freigesprochen zu werden.Der Vorwurf, die Richterinnen würden ihn verfolgen und er habe auch weiterhin vor, aus Italien ein wahrhaft freies und gerechtes Land zu machen, klingt sicher in Aller Ohren wie eine weitere Farce aus seinen früheren Tagen. Beweis für seine Unaufrichtigkeit ist, dass er schon jetzt den Sozialdemokraten Enrico Letta unter Druck setzt. Ohne Berlusconis Partei „Volk der Freiheit“ wäre die Koalition dem Ende geweiht und Premier Letta hätte keine Mehrheit mehr. Am liebsten würde er auch weiterhin seine juristischen Tricks anwenden, um seinem politischen Ende zu entgehen.

Noch hat Berlusconi einen Sitz in der zweiten Kammer des Parlaments. Und diese müsste im Falle des politischen Lizenz-Entzuges durch das Kassationsgericht bestimmt werden. Linke Senatoren hätten dann die Möglichkeit Berlusconi zu retten. Diese drohen jetzt schon, dass sie sonst alles platzen lassen würden und auf Neuwahlen setzen.

Was jedoch derzeit noch im Vordergrund steht, ist das brisante Urteil wegen der Affäre mit Ruby. Denn auch in Italien ist der Umgang mit minderjährigen Prostituierten kein Kavaliersdelikt und geht hart über die Grenzen des italienischen Geschmacks. Damit ist er auch bei seinen weiblichen Wählern unten durch, und seine Wahlchancen tendieren nach null. Somit schlagen dann seine Drohungen nach Neuwahlen ins Leere und Enrico Letta hat eine echte Chance sein Land politisch zu stabilisieren.

Bersani soll in Italien Regierung bilden

Pier Luigi BersaniNach dem politischen Patt in Italien, wo keine der Parteien die absolute Mehrheit im Senat erzielt hatte, hat nun Staatspräsident Giorgio Napolitano festgelegt, dass Pier Luigi Bersani mit seinem Mitte-Links-Bündnis PD eine Regierung bilden soll.

Die Problematik hierbei besteht jedoch darin, dass Bersani keine absolute Mehrheit im Senat besitzt. Mit Berlusconi wollte Bersani von Anfang an keine Koalition eingehen, muss nun aber darüber ernsthaft überlegen, denn der Dritte im Bunde, Beppe Grillo, verweigert jegliche Bündnisbildung mit Bersani und Berlusconi. Demzufolge bleibt Bersani nichts weiter übrig, als sich mit dem Gedanken anzufreunden, mit Berlusconi eine Koalition einzugehen.

Sofern Grillo mit seiner Bewegung “5 Sterne” weiterhin fest an seinem Grundgedanken, kein Bündnis einzugehen, festhält, so wird es wohl darauf hinauslaufen, dass eine Regierung in Italien zustande kommt, die in ihrer absoluten Mehrheit aus Bersani und Berlusconi besteht.

Regierungsbildung wird in Italien von Napolitano entschieden

Nationalflagge Rom, ItalienItaliens Staatspräsident Giorgio Napolitano will heute, den 22. März 2013, über die Regierungsbildung in Italien entscheiden. Nach den Parlamentswahlen vor gut drei Wochen kam es zu einem politischen Patt, bei dem keiner der Parteien eine absolute Mehrheit erreichen konnte. Eine Koalition zwischen den Parteien zu bilden, war ebenso bis heute nicht möglich. Bersani mit seinem Mitte-Links-Bündnis lehnt eine Koalition mit Berlusconis Partei ab. Berlusconi wiederum würde eine Koalition mit Bersani eingehen. Die Bewegung 5 Sterne von Beppe Grillo erreichte überraschender Weise einen starken dritten Rang, mit dem er mit einer der beiden großen Parteien eine absolute Mehrheit bilden könnte, wenn da nicht seine vehement ablehnende Haltung im Wege stehen würde. Grillo kann sich ein Bündnis mit Bersani und auch nicht mit Berlusconi vorstellen. Er spekuliert auf Neuwahlen, bei dem er auf eine absolute Mehrheit seiner Bewegung hofft.
Um diesem nun ein Ende zu setzen, will Napolitano heute bei der Regierungsbildung Italiens entscheiden.

Ergebnisse der Parlamentswahlen in Italien

Neuer Papst in Italien gewählt

In Italien wurde ein neuer Papst Mitte März 2013 gewählt, nachdem der bis dato amtierende Papst Benedikt XVI (mit bürgerlichen Namen Joseph Aloisius Ratzinger) aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegte. Der neu gewählte Papst ist zum erstes Mal kein Europäer, sondern ein Argentinier: Jorge Mario Bergoglio. Bergoglio ist nach neuesten Umfragen bei den Gläubigen aber auch bei den Nicht-Gläubigen sehr beliebt. Ist es doch seine Volksnähe und seine Bescheidenheit, was die Gläubigen an ihm lieben. Doch auch die Tatsache, dass er eigentlich italienisches Blut hat, lässt den Beliebtheitsgrad steigen, vor allem in Italien.

Bergoglio, jetzt als Franziskus und Oberhaupt der katholischen Kirche bekannt, stammt ursprünglich aus Portacomaro, einem charmanten Dorf in der Region Piemont unweit von Asti. Sein Vater arbeite in der Ortschaft für die Eisenbahn, bis er 1929 mit den Großeltern nach Argentinien auswanderte. Die Großeltern unterhielten bis vor der Auswanderung einen Lebensmittelladen. Franziskus beherrscht fünf Fremdsprachen: Spanisch, Italienisch, Deutsch, Englisch und Französisch.
Das letzte Mal, als Bergoglio in das Heimatdorf seiner Familie reiste, war im Jahre 2005.

Wahlen in Italien 2013 – Hintergründe

Heute und morgen, den 24. und 25. Februar 2013, finden in Italien die Parlamentswahlen statt. Nicht nur Italien ist auf das Ergebnis gespannt, sondern auch ganz Europa. Denn mit einer Wiederwahl Berlusconis könnte auch Europa massiv in die Schuldenkrise gestürzt werden. Nicht Griechenland könnte die Einheit Europas zersplittern, sondern Berlusconi – der Mann, der ohnehin die deutsche Politik mit Angela Merkel öffentlich anzweifelt.

Nationalflagge Rom, Italien

Silvio Berlusconi, der 1994 zum ersten Mal in das Parlament einzog, bisher in seiner 13-jährigen Amtszeit viel versprach, jedoch kaum etwas in die Realität umsetzte, das Land in massive Schulden stürzte, arbeitspolitisch nahezu unfähig ist, könnte in den Parlamentswahlen 2013 erneut zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Woran liegt das?

Es liegt zweifelsfrei vorrangig an seiner gesamten Erscheinung, an seinen medienwirksamen (Show-)Auftritten, an seinen Versprechungen und an den Italienern selbst.
In Italien ist durch die Ära Berlusconi die Bildung mitsamt der Kultur vernachlässigt worden. Stattdessen wurde die Frau als das Sinnbild der Erotik, der sexuellen Begierde in den Vordergrund gestellt, die in seinen Fernsehkanälen nichts weiter darzustellen zu sein scheint wie ein Gebrauchsgegenstand des Mannes. Fast nackte Frauen tänzeln in seinen Shows auf der Bühne, ein kurzes Röckchen hier, ein halbnackter Busen dort, von weiblicher Intelligenz ist kaum noch etwas zu spüren.

Video: Berlusconi´s Frauen

Silvio Berlusconi hält derzeit mit seinem Medienunternehmen „Mediaset“ etwa 20 Prozent der nationalen Kanäle. Europaweit hält er zudem drei Kanäle: 1986 führte er in Frankreich den Sender „La Cinq“ ein, 1987 bis 1992 wurde der Sender „Tele 5“ in Deutschland ausgestrahlt und 1989 begann der Sender „Telecinco“ seine Ausstrahlungen in Spanien.
Durch sein Medienunternehmen unterhält Berlusconi das milanesische Unternehmen „Publitalia 80“, eine Werbefirma, die ihm die passenden Werbeauftritte organisiert. Somit konnte sich Berlusconi bis heute stets medienwirksam präsentieren.
Aufgrund seines sexistischen Trends, den er in Italien vorgegeben hat, wurden die Bildung und Kultur vernachlässigt.  Zwar rief Mariastella Gelmini, Ministerin für Bildung, Hochschule und Forschung in den Jahren 2008 bis 2011 und weniger zufällig Anhängerin Berlusconi´s Partei „Popolo della Liberta“ (PdL), zu einigen Maßnahmen auf, jedoch gab es ebenso massiven Widerstand von Gewerkschaften, Eltern und Lehrkräften gegen den geplanten Abbau von Lehrkräften. Befürwortet wurde indes unter anderem eine Einführung der Schuluniform.
Im Jahre 2008 wurde von der Ministerin ein Sparpaket beschlossen, bei dem rund 8 Milliarden Euro weniger für die Bildung ausgegeben werden sollte. Zudem sollten 90.000 Lehrer entlassen werden und ein Verbot ausgeteilt werden, das den Universitäten Italiens verbieten sollte, mehr als ein Fünftel des bereits pensionierten Personals wieder neu zu ersetzen.
Auch die Struktur der Schulen sollte sich in Italien ändern, so sollte nur noch ein Lehrer eine Grundschulklasse leiten. Das Tragen von Schuluniformen sollte wieder zum Alltag gehören. Zucht und Ordnung müsse her, um Italien bildungspolitisch zu fördern. Irgendwie war aber das Gegenteil der Fall, wenn man sich die Ergebnisse der Pisa-Studien seit dem Jahre 2000 regelmäßig zu Gemüte zieht. Denn hier liegt Italien neben Mexiko, Portugal und Griechenland stets am Tabellenende der OECD-Staaten.
Ganz hart sollte es jedoch die Kinder von Zuwanderern treffen, denn diese sollten, wenn sie nicht der italienischen Sprache mächtig sind, aussortiert und in einer Sonderklasse unterrichtet werden. Für die Lega Nord ist dies eine „positive Diskriminierung“, für die Opposition und den Gewerkschaften hingegen die Rückkehr der südafrikanischen „Apartheid“.

Neben den Bildungseinrichtungen bekamen auch die öffentlichen kulturellen Institutionen die Ära Berlusconi zu spüren. Im Budgetgesetz 2011 wurde der Fondo Unico per lo Spettacolo (FUS), also der Kulturhaushalt, um satte 40 Prozent gekürzt. Somit flossen 288 Millionen Euro weniger in die Kassen der kulturellen Einrichtungen, wie beispielsweise in denen der Opern. Italienische Experten, wie Musikdirektor und Intendant der Mailänder Scala, Stephane Lissner, teilte mit, dass durch die massiven finanziellen Einschnitte der Großteil der Opern schließen müsse. Italiens Erbe, die Opern, jahrhundertelang berühmt und geliebt, müssen gegen kitschige, niveaulose Bühnenshows mit halbnackten Showgirls weichen. Ist dies wirklich das wahre Italien?

Mit der Regierung Montis, die bei Berlusconi so unbeliebt ist, wie Angela Merkel als Geschäftspartner, hatte der Ex-Ministerpräsident noch nie viel am Hut. So plant er auch bei einer Wiederwahl alle bisher aufgestellten Sparmaßnahmen Montis schlichtweg abzuschaffen. Allem voran die eingeführte Immobiliensteuer. Ist sie doch ein Störfaktor, der unbeliebt macht. Gerade im Süden des Landes, der überwiegend von mafiosen Strukturen dominiert wird und wo diese hauptsächlich im Baugewerbe und Drogenhandel agieren, ist eine Immobiliensteuer nicht gern gesehen. Und genau hier liegt Berlusconi´s Ass im Ärmel.

Die Bevölkerung Siziliens, die durch Korruption, illegalen Strukturen und Industriemangel vom restlichen Italien quasi abgeschnitten ist und wo die Bildung auf ein Minimum geschrumpft ist, hat Hoffnung in Berlusconi´s Verprechen. Steuererleichterungen und vor allem: neue Arbeitsplätze. Denn Sizilien hat neben Kampanien mit Neapel die höchste Arbeitslosenquote, vor allem bei Jugendlichen. Hier spürt man deutlich das Nord-Süd Gefälle, bei dem der Norden industrialisiert ist, eine niedrigere Jungendarbeitslosigkeit aufweist als der Süden. Hier ist jeder zweite Jugendliche arbeitslos. Frust und Wut macht sich bei diesem Klientel bemerkbar. Kein Wunder also, dass eine Vielzahl der jungen Bevölkerung auswandern will. Italien verliert somit zunehmend an qualifiziertem Fachpersonal, was sich wiederum in der Wirtschaft und der Bildung niederschlägt. Eine Rettung ist nicht in Sicht, könnte aber durch den eher unscheinbaren Pierluigi Bersani erfolgen. Er ist der Vorstand und Ministerpräsidentskandidat 2013 der sozialdemokratisch orientierten Partei „Partito Democratico“ (PD). Bersani scheint das Gegenteil von Berlusconi zu sein. Eher ruhig, traditionell verbunden, pragmatisch und nicht machtergreifend, alles das, was Berlusconi mit Sicherheit nicht ist und nicht sein will, denn Berlusconi liebt seine Auftritte, genießt es im Mittelpunkt  zu stehen, wobei er  mit der Tradition mit seinen sexistischen Shows nicht viel am Hut zu haben scheint und Macht, ist die Nahrung seines Egos.
Arbeitslosenquote in Italien 2013
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Mit Bersani könnte es Italien aus der Schuldenkrise schaffen. Zwar nicht sofort, aber allmählich Stück für Stück. Zu lange hatte Italien unter Berlusconi finanziell gelitten. Die Schuldenuhr tickte unaufhörlich weiter bis zu einem Stand von derzeit 2,0 Billionen Euro. Es ist somit faktisch klar, dass in der kurzen Regierungszeit von Monti, dieser nur innerhalb eines Jahres nicht die gesamte defizitäre Wirtschaft Italiens umwandeln konnte. Zu kurz war die Zeit der Rettung, zu lang die zerstörerische Regierungszeit Berlusconis.

Staatsverschuldung von Italien 2013
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Was jetzt Italien retten könnte, ist ein ausgeklügelter Sparplan, der die Schulden des Landes allmählich abbaut. Arbeitsplätze müssen geschaffen werden, die Bildung und die Kultur aufrecht erhalten werden, um weiterhin touristisch interessant zu bleiben. Italien lebt neben seinen Exporten von Wein, Reis, Käse und Öl vornehmlich vom Tourismus.
Vor allem im Süden, wo die Verzweiflung groß ist, wird auf die Worte des Ex-Ministerpräsidenten gehört. Zu viel „Annehmlichkeiten“ werden versprochen. Zu viel Hoffnung wird geschürt. Zu viel Armut existiert hier. Nur ist es doch paradox, dass gerade hier, wo die meiste, wenn auch inoffiziell gekaufte, Anhängerschaft lebt und wo er von einer angeblichen Liebe zu der Stadt spricht ( Napoli é “un atto d’amore nei confronti di una città e di una regione che ci sono sempre vicine”), es Berlusconi nicht auf die Reihe bringt, wenigstens eines seiner jahrzentelangen Versprechen einzulösen: Endlich das Mülldisaster von Neapel zu beseitigen.

Karneval in Venedig 2013

Karneval VenedigDer Karneval in Venedig (Carnevale Di Venezia) findet im Jahr 2013 vom 26. Januar bis zum 12. Februar statt. Das diesjährige Motto lautet: Vivi i colori – Live in colour. Eröffnet wird das Spektakel mit dem Engelsflug (Il Volo dell´Angelo), bei dem ein prominenter Gast vom Campanile gesichert an einem Stahlseil auf dem Markusplatz (Piazza San Marco) herabschwebt. Diese Rolle übernimmt dieses Jahr Marta Finotto. Jedes Jahr wird ein Prominenter für den Engelsflug ausgewählt.

Seit dem Jahr 2001 wurde der Engelsflug von folgenden Personen ausgetragen:

2001 – Katiuscia Triberti (Artista del Circo Triberti)
2002 – Antonella Elia (Attrice e showgirl)
2003 – Frida Scarpa (Schermitrice)
2004 – Carlotta Mantovan (Miss Veneto 2001)
2005 – Carolina Marconi (Modella e attrice)
2006 – Manuela Levorato (Velocista)
2007 – Federica Pellegrini (Nuotatrice)
2008 – Coolio (Cantante)
2009 – Margherita Maccapani Missoni (Attrice)
2010 – Bianca Brandolini d’Adda (Modella)
2011 – Silvia Bianchini (Maria dell’anno 2010)
2012 – Giulia Selero (Maria dell’anno 2011)
2013 – Marta Finotto (Maria dell’anno 2012)

Historisch gesehen war der Karneval in Venedig neben dem in Rom oder Florenz Karneval Venedig 2013eines der größten Spektakel in Italien. Es wurden Tierkämpfe und Herkulesspiele ausgetragen und es gab eine Vielzahl an Masken und Feuerwerken. Im Spätmittelalter wurde der Karneval immer prunkvoller. Der Grund lag hierbei bei den italienischen Fürstenhöfen. Ursprünglich wurde der Kaneval erstmals im Jahre 1094 erwähnt. Später zu Lebzeiten von Giacomo Casanova zwischen 1725 und 1798 erlangte der Karneval zu seinem glanzvollen Höhepunkt. Im Jahre 1797 wurde Venedig von Napoleon Bonaparte eingenommen und an Österreich angegliedert. Der Karneval verlor seinen Glanz. Versuche, den Karneval in einer österreichischen Form weiterleben zu lassen, scheiterten, da die Venezianer diese stets boykottierten. Der Karneval wurde dann einer Legende nach von Napoleon verboten. Erst als Venedig am 18. Oktober 1866 wieder in Italien eingegliedert wurde, versuchte man den venezianischen Karneval wieder aufleben zu lassen. Dies gelang jedoch schleppend. Erst im Jahre 1976 wurde der Karneval nachhaltig von Frederico Fellini durch seinen Film Casanova (Il Casanova di Federico Fellini) wiederbelebt.

Parlamentswahlen 2013 in Italien

Am 24. und 25. Februar 2013 finden in Italien die vorgezogenen Parlamentswahlen statt, nachdem Ministerpräsident Mario Monti, der bis dato parteilos war, zurückgetreten ist. Ursprünglich sollten die Parlamentswahlen zur 17. Legislaturperiode der beiden Parlamentskammern im April 2013 stattfinden, wurden jedoch aufgrund des Rücktritts von Monti vorgezogen. Danach hatte der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano das Parlament am 22. Dezember 2012 aufgelöst und die Neuwahlen terminlich festgelegt.

Folgende Gruppierungen können bisher für das Abgeordnetenhaus prognostiziert werden:

Koalition  Spitzenkandidat  Orientierung Beteiligung
Italia. Bene Comune Pier Luigi BersaniPier Luigi Bersani  Mitte-Links Partito Democratico, Sinistra Ecologia Libertà, Partito Socialista Italiano, Centro Democratico, Südtiroler Volkspartei, PATT, Südtiroler Grünen
Mitte-Rechts Silvio BerlusconiSilvio Berlusconi  Mitte-Rechts Popolo della Libertà, Lega Nord, La Destra, Fratelli d’Italia – Centrodestra Nazionale, Grande Sud, Lista Lavoro e Libertà, Alleanza di Centro
Agenda Monti per l’Italia Mario MontiMario Monti Zentristisch Unione di Centro, Futuro e Libertà, Italia Futura, Partito Liberale Italiano
Rivoluzione Civile Antonio IngroiaAntonio Ingroia  Links-Liberal Italia dei Valori, Federazione dei Verdi, Federazione della Sinistra, Movimento Arancione
MoVimento 5 Stelle Beppe GrilloBeppe Grillo  Populistisch MoVimento 5 Stelle
 Altri partiti  Altri partitiFrecce tricolori - Festa della Repubblica Libertär, Konservativ, Rechtsextrem, Radikal-Liberal, Trotzkritisch Fermare il Declino (libertär), Io Amo L’Italia (konservativ), Partito Pirata Italiano (Piratenpartei), Forza Nuova (rechtsextrem), Radicali Italiani, unter der Bezeichnung Amnistia Giustizia e Libertà (radikal-liberal), Partito Comunista dei Lavoratori (trotzkistisch)

Vorläufiger Stand vom 06.02.2013 (demos.it)

Koalition 04. – 06. Feb 22. – 28. Jan 17. – 22. Jan
Italia. Bene Comune 34,1 36,4 38,1
Mitte-Rechts 28,6 26,6 25,8
A. Monti per l’Italia 16,0 17,7 16,2
Rivoluzione Civile 4,0 4,2 4,5
MoVimento 5 Stelle 16,0 12,9 13,0
Altri partiti 1,3 2,2 2,4

 

Parlamentswahlen in Italien: Italien zittert

Am 24. und 25. Februar 2013 finden in Italien die Parlamentswahlen statt. Bisher liegt die Demokratische Partei (PD) unter Führung von Pier Luigi Bersani vor Silvio Berlusconi´s Partei “Popolo della Liberta”, doch in den letzten Tagen hat die Mitte-Rechts-Koalition deutlich aufgeholt. Zudem haben etwa ein Drittel der Italiener noch nicht gewählt.

Piemont

Mario Monti sowie Beppe Grillo kämpfen derzeit um den dritten Rang. Zwischen Berlusconi und Bersani wird der erste und der zweite Platz ausgetragen. Dabei hat Bersani mit seiner Demokratischen Partei den Sieg im Abgeordnetenhaus fast sicher, denn die größte Partei Italiens erhält durch das italienische Wahlsystem quasi automatisch 54 Prozent der Sitze.

Im Senat sieht es anders aus. Hier sind die Sitze politisch gleichwertig. Hier entscheiden die Wahlergebnisse der einzelnen Regionen. Und hier ist Silvio Berlusconi vor allem in den Regionen und Provinzen Lombardei, Veneto, Sizilien, Kampanien und Neapel am stärksten vertreten.

Sollte die Partei von Bersani im Abgeordnetenhaus die Mehrheit erhalten, aber nicht im Senat, so muss diese mit Mario Monti über eine Koalition verhandeln, da für Bersani schon jetzt klar ist, dass er nicht mit Berlusconi verhandeln und schon gar keine Koalition eingehen möchte. Wenn dem so sei, so würde Mario Monti weiterhin politisch einflussreich bleiben.

Sollte die Koalition mit Monti nicht zur absoluten Mehrheit führen, so würden Neuwahlen anstehen – zum ersten Mal in der italienischen Geschichte. Dann würde die Politik Italiens für Wochen aussetzen, was zur Folge hätte, dass auf dem Aktienmarkt italienische Anleihen arg anziehen. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich die Refinanzierungskosten für den italienischen Staat drastisch erhöhen. Und dies würde sich deutlich negativ auf die Wirtschaft Italiens auswirken.

Berlusconi lobt Politik von Mussolini

Heute zum internationalen Holocaust-Gedenktag hielt der Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi in Mailand am Rande einer Veranstaltung eine Rede, bei der er die Politik des Diktators Benito Mussolini (Regierungszeit 1922 – 1943) lobte. Zwar hätte der faschistische Mussolini mit dem Erlass der Rassengesetze, die vornehmlich auf Juden abzielten, den “schlimmsten Fehler” begonnen, wie Berlusconi sagte, jedoch hätte er auch “in vielen anderen Bereichen gute Dinge” getan.
Zugleich mahnte Berlusconi, dass Italien “nicht dieselbe Verantwortung wie Deutschland” für die Judenverfolgung zu tragen hat.

Mit seinen Äußerungen erntete der EX-Premier reichlich Kritik, auch vom Europaabgeordneten der italienischen Demokratischen Partei, Debora Serracchiani. Dieser sagte, dass es “schlicht widerlich” sei, “dass Berlusconi sich gerade an dem Gedenktag daran macht, das Handeln des Diktators zu rehabilitieren, der Italien in den Zweiten Weltkrieg geführt hat”. Dies ist “eine sehr schwere moralische und politische Verantwortung”, die Berlusconi zu tragen hat.

Mario Monti, Italiens derzeitiger Regierungschef, hingegen mahnte, dass “diese Feuer, die hin und wieder ausbrechen, nicht mehr zu Tragödien führen, welche die Menschheit nicht mehr erleben darf”. Denn bisher ist auch in Italien hin und wieder noch immer eine Ausgrenzung spürbar.

Video: Il giorno della memoria