Die Stille der Abruzzen ist etwas, das man nicht auf den ersten Blick versteht. Sie liegt in den kleinen Bergdörfern, in einsamen Tälern, auf den Hochflächen der Majella und in den Landschaften abseits der bekannten Reiseziele. Gleichzeitig reicht die Region bis an die Adriaküste. Genau diese Verbindung aus Bergen, Natur und Meer macht die Abruzzen für mich zu einer ganz besonderen Region Italiens.

Die Abruzzen (Abruzzo, Abruzzi) sind eine Region in Italien mit einer Fläche von 10 831,84 km², die von den Nachbarregionen Marken, Latium und Molise umschlossen wird. Dabei ist ein Drittel der Region ein Küstenstreifen entlang der Adria.

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Karte der Abruzzen

Die folgende Karte zeigt die Abruzzen im Überblick und macht es leichter, sich in der Region zu orientieren. Man erkennt darauf, wo die einzelnen Provinzen liegen und wie sich die Region von der Adriaküste bis weit in die Gebirgslandschaft des Apennins erstreckt. Auch für die Reiseplanung ist die Karte hilfreich, denn viele Orte und Sehenswürdigkeiten liegen deutlich weiter auseinander, als man auf den ersten Blick vermuten würde. So lässt sich besser einschätzen, welche Ziele miteinander verbunden werden können und in welchem Teil der Abruzzen sich ein bestimmter Ort befindet.

Geographie und Lage der Abruzzen

Die Abruzzen werden häufig Süditalien zugerechnet, obwohl die Region geografisch gesehen in Mittelitalien liegt. Der Grund dafür liegt vor allem in den historischen Verbindungen zu den südlichen Regionen Italiens. Bis ins 19. Jahrhundert gab es einen intensiven kulturellen und wirtschaftlichen Austausch mit den Gebieten weiter südlich.

Zwei Drittel der Abruzzen sind von Gebirgen geprägt

Die Landschaft der Abruzzen wird vor allem durch ihre Berge geprägt. Rund 65 Prozent der Region bestehen aus Gebirgslandschaften, weitere 34 Prozent aus Hügelland. Nur etwa ein Prozent der Fläche ist ebenes Tiefland. In den höchsten Gebieten erreichen die Berge Höhen von fast 3.000 Metern.

Gleichzeitig haben die Abruzzen auch eine rund 131 Kilometer lange Adriaküste. Zwischen dem Gebirge und dem Meer liegen zahlreiche Hügel und Täler, während die Küstenlandschaft überwiegend von Sandstränden geprägt ist. Diese ungewöhnliche Verbindung von hohen Bergen, sanften Hügellandschaften und der Adria macht die Region landschaftlich besonders abwechslungsreich.

Abwechslungsreiche Naturlandschaften

Die unterschiedlichen Landschaftsräume spiegeln sich auch in der Natur der Abruzzen wider. Große Teile der Region stehen unter Naturschutz. Mehrere Nationalparks und zahlreiche weitere Schutzgebiete bewahren die ursprünglichen Berg-, Wald- und Tallandschaften.

Besonders auffällig ist, wie nah unterschiedliche Landschaften hier beieinanderliegen: Von der Adriaküste gelangt man vergleichsweise schnell in die Hügellandschaften und weiter in die teilweise hoch gelegenen Gebirgsregionen. Genau diese Vielfalt macht die Abruzzen für Naturliebhaber und Reisende interessant, die nicht nur die Küste, sondern auch die weniger bekannten Landschaften im Landesinneren entdecken möchten.

Monte Velino im Nebel, Pixabay Valter Cirillo
Monte Velino im Nebel

„Das Schicksal der Menschen in der Region, die seit etwa acht Jahrhunderten Abruzzen heißt, wurde hauptsächlich von den Bergen bestimmt.“ So beschrieb der große abruzzesische Schriftsteller Ignazio Silone sein Land. Mehr als ein Drittel ihres Territoriums steht unter dem Schutz von Naturparks, Oasen und Naturschutzgebieten, prähistorischen Höhlen und Flüssen, die vom Apenninkamm zum Meer fließen. Die Region bietet überraschende Ausflugsmöglichkeiten inmitten grüner Gebiete, in denen Bären und Gämsen leben, eine reiche Flora und die strengsten Felsentäler des Apennins. Genau deshalb faszinieren mich die Abruzzen immer wieder!

Geschichtlich interessante Städte und Dörfer in den Abruzzen

Die Abruzzen sind reich an kleinen Städten und Dörfern, die sich oft malerisch in die Landschaft einfügen. Viele von ihnen haben ihren mittelalterlichen Ortskern bewahrt und wirken dadurch bis heute sehr ursprünglich. Zwischen engen Gassen, alten Häusern, Kirchen und kleinen Plätzen lässt sich an vielen Orten noch etwas von der Geschichte und dem früheren Leben der Region entdecken.

Zu den bekannten und geschichtlich interessanten Städten und Orten gehören unter anderem L’Aquila, Sulmona, Teramo, Chieti, Castelli, Atessa, Atri, Avezzano, Bomba, Casalbordino, Cermignano, Fossacesia, Lanciano, Montedorisio, Ortona, Scanno, Vasto und Guardiagrele. Jeder dieser Orte hat seinen eigenen Charakter und bietet unterschiedliche Einblicke in die Geschichte und Landschaft der Abruzzen.

Auch kleinere Gemeinden wie Penne, Salle und Pescocostanzo sind einen Besuch wert. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weniger bekannte Orte, die abseits der großen Touristenströme liegen. Gerade diese kleinen Dörfer mit ihren wenigen Einwohnern können besonders reizvoll sein, da sie vielfach ihren ursprünglichen Charakter und den typischen Charme der Abruzzen bewahrt haben.

Panoramablick über die Abruzzen, PIxabay Doriano Ricchiuti
Panoramablick über die Abruzzen

Popoli und seine dreieckige Burg

Über die im Majella-Nationalpark und in der Provinz Pescara gelegene Kleinstadt Popoli thront das Castello Ducale Cantelmo an den Hängen des Monte Morrone, eine Burgruine aus dem 11. Jahrhundert. Die Burg wurde zur Abwehr und zur Bewachung gebaut, um in erster Linie die Schluchten rund um Popoli vor Eindringlingen und Fremden und die Abteikirche San Clemente a Casauria aus dem Jahr 871 zu bewachen. Sie weist einen dreieckigen Grundriss auf. Tidolfo, der Bischof von Valva ließ die Anlage im Zeitraum von 1000–1015 errichten, sie wurde jedoch Ende des 15. Jahrhunderts von den Feudalherren Cantelmos von 1269 bis zum Ende des 17. Jahrhunderts umgebaut. Heute kann die Burganlage besichtigt werden.

Popoli bietet noch weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung wie die Taverna Ducale aus dem 14. Jahrhundert und die Kirchen San Francesco (15. Jh. ) und SS Trinitá von 1562.

Das Dorf Ofena mit seiner Kirche San Pietro in Criptys

Das nur rund 500-Seelen-Dorf liegt in der Provinz L’Aquila angrenzend zum Nationalpark Gran Sasso e Monti della Laga. Neben den engen mittelalterlichen Gassen mit zahlreichen Treppen schmücken den Ort auch einige sehenswerte Kirchen. Darunter befindet sich die Kirche San Pietro in Criptys aus dem 1196 mit herrlichen farblichen Fresken von 1400.

Das Kirchenschmuckstück, was früher isoliert stand, wird wegen seiner unterirdischen Gänge Kryptis genannt. Heute findet sich die kleine einschiffige Kirche südlich des Dorfzentrums an der Straße, die zum Kapuzinerkloster führt.

Die Kirche San Pietro weist eine Besonderheit auf: Sie ist auf zwei Ebene angeordnet, wobei eine aus unterirdischen Gängen und Räumen besteht und die andere oberhalb das Kirchenschiff mit Apsis beherbergt. Die Vorhalle, die von Silvestro da Ofena geschaffen wurde, besteht aus zwei romanischen Sprossenfenstern aus dem 13. Jahrhundert sowie einem Mosaikfußboden mit geometrischen schwarz-weißen Formen.

Flüsse, Seen, Grotten und Meer

Wasser spielt in den Abruzzen eine wichtige Rolle. Zahlreiche Flüsse durchziehen die Region und verbinden die unterschiedlichen Landschaftsräume miteinander. Zusammen mit den vielen Seen bilden sie wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Gleichzeitig prägen Flüsse, Schluchten und Seen das Landschaftsbild der Abruzzen und schaffen an vielen Stellen besonders reizvolle Naturgebiete.

Die wichtigsten Flüsse der Abruzzen

Zu den wichtigsten Flüssen der Abruzzen gehören:

  • Aterno-Pescara – etwa 135 km lang
  • Sangro – etwa 117 km lang
  • Tronto – etwa 115 km lang
  • Tordino – etwa 59 km lang
  • Salto – etwa 55 km lang
  • Vomano – etwa 75 km lang
  • Liri – etwa 40 km lang
  • Tirino – etwa 25 km lang

Bedeutende Seen der Abruzzen

Neben den Flüssen gibt es in den Abruzzen zahlreiche größere und kleinere Seen. Einige liegen inmitten von Berglandschaften oder Naturparks und sind dadurch nicht nur landschaftlich interessant, sondern auch wichtige Rückzugsgebiete für die heimische Tier- und Pflanzenwelt.

  • Lago di Campotosto
  • Lago di Scanno
  • Lago di Bomba
  • Lago Sant’Angelo
  • Lago di Barrea
  • Lago Vetoio
  • Lago di Penne
  • Lago Sinizzo
  • Lago Pio
  • Lago di San Domenico
  • Lago di Provvidenza
  • Lago Vivo
  • Lago della Montagna Spaccata

Die Adriaküste der Abruzzen

Im Osten grenzen die Abruzzen an die Adria. Die rund 131 Kilometer lange Küste bietet eine abwechslungsreiche Mischung aus Badeorten, Sandstränden und ruhigeren Küstenabschnitten. Besonders in den Sommermonaten zieht es viele Besucher ans Meer, während das Hinterland bereits wenige Kilometer von der Küste entfernt einen völlig anderen Charakter bekommt.

Die Abruzzen gelten zugleich als eine Region, in der sich abseits der bekannten Urlaubsorte noch zahlreiche ruhigere Landschaften entdecken lassen. Dazu gehören auch Schluchten, Felsformationen und Höhlen, die teilweise tief in die Berglandschaft hineinführen.

Faszinierende Grotten und Höhlen in den Abruzzen

Die Abruzzen gehören zu den Regionen Italiens, in denen sich die unterirdische Landschaft besonders eindrucksvoll entdecken lässt. Vor allem die kalkreichen Gebirgsmassive der Apenninen haben über sehr lange Zeiträume Höhlen, Felsspalten und unterirdische Hohlräume entstehen lassen. Wasser dringt in den Kalkstein ein, löst das Gestein langsam auf und formt dabei ein weit verzweigtes System aus Gängen, Kammern und natürlichen Felsräumen.

Viele dieser Grotten sind nicht nur geologisch interessant. Einige wurden bereits in vorgeschichtlicher Zeit genutzt, andere dienten Einsiedlern als Rückzugsort oder wurden später sogar in religiöse Anlagen einbezogen. Gerade diese Verbindung von Natur, Geschichte und Religion macht die Höhlen der Abruzzen so außergewöhnlich.

Zu den bekanntesten Höhlen gehören die Grotte di Pietrasecca bei Carsoli, die Grotta del Colle bei Rapino und verschiedene natürliche Felsräume an der Majella. Besonders bemerkenswert sind außerdem Höhlen, in denen sich Spuren menschlicher Nutzung erhalten haben.

Grotte di Pietrasecca bei Carsoli

Die Grotte di Pietrasecca liegen bei Carsoli in der Provinz L’Aquila und gehören zu den interessanten Karsterscheinungen der Abruzzen. Das Gebiet ist durch Kalkgestein geprägt, in dem Wasser über Jahrtausende unterirdische Hohlräume geschaffen hat. Dadurch entstand eine Landschaft, in der sich die sichtbare Bergwelt und die verborgene Welt unter der Erde unmittelbar ergänzen.

Die Grotten sind deshalb auch ein gutes Beispiel dafür, dass die Landschaft der Abruzzen nicht nur aus Bergen, Schluchten und Wäldern besteht. Ein Teil ihrer besonderen Geologie liegt buchstäblich unter der Oberfläche.

Grotta del Colle bei Rapino

Auch die Grotta del Colle bei Rapino gehört zu den Höhlen, die mit der geologischen und historischen Landschaft der Majella verbunden sind. Rund um Rapino treffen Gebirgslandschaften, Felsformationen und alte Siedlungsräume aufeinander. Die Höhle ergänzt damit das Bild einer Region, in der der Mensch seit Jahrtausenden mit einer teilweise sehr ursprünglichen Natur verbunden ist.

Grotta Sant’Angelo bei Lama dei Peligni

Eine besondere Stellung nimmt die Grotta Sant’Angelo bei Lama dei Peligni ein. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie natürliche Felsräume früher nicht nur als geologische Besonderheiten wahrgenommen wurden. Höhlen und Felsnischen konnten Schutz bieten und wurden teilweise auch für religiöse Zwecke genutzt.

Solche Orte sind für die Abruzzen besonders charakteristisch. Die abgeschiedenen Täler und schwer zugänglichen Felslandschaften der Majella boten über Jahrhunderte ideale Bedingungen für ein zurückgezogenes Leben. Deshalb findet man in dieser Gegend neben natürlichen Höhlen auch zahlreiche Einsiedeleien und in den Fels integrierte Sakralbauten.

Höhlen als Orte der Einsamkeit und des Glaubens

Besonders faszinierend finde ich an den Höhlen der Abruzzen die Verbindung zwischen Natur und menschlicher Geschichte. Manche Felsräume wirken auf den ersten Blick vollkommen natürlich und abgelegen. Dennoch wurden sie über Jahrhunderte von Menschen aufgesucht und teilweise in religiöse Anlagen einbezogen.

Ein außergewöhnliches Beispiel ist die Grotta di Sant’Angelo bei Palombaro. Dort befindet sich eine ehemalige Felskirche in einer natürlichen Höhle der Majella. Die Höhle wurde dabei nicht einfach nur als Schutzraum genutzt, sondern Bestandteil der religiösen Anlage. Noch heute lassen sich bauliche Spuren erkennen, die zeigen, wie eng Naturraum und menschliche Nutzung miteinander verbunden waren.

Auch beim Eremo di Santo Spirito a Majella spielt eine Höhle eine besondere Rolle. Unterhalb der Einsiedelei befindet sich ein natürlicher Felsraum, der mit dem frühen Leben der Eremiten verbunden wird. Der Ort vermittelt dadurch sehr anschaulich, warum die abgelegenen Felslandschaften der Majella für Einsiedler eine besondere Bedeutung hatten.

Höhlen, Grotten und prähistorische Spuren

Die Geschichte der Höhlen in den Abruzzen reicht noch wesentlich weiter zurück. Einige natürliche Höhlen wurden bereits in vorgeschichtlicher Zeit aufgesucht. Sie boten Schutz, waren als Aufenthaltsorte geeignet und konnten durch ihre abgeschiedene Lage besondere Bedeutung für frühe Siedlungsgemeinschaften besitzen.

Damit sind die Grotten der Abruzzen nicht nur Ausflugsziele für Naturliebhaber. Sie sind gleichzeitig Fenster in die Erdgeschichte und in die Geschichte der menschlichen Besiedlung der Region. Wer sich für die Landschaft der Abruzzen interessiert, entdeckt unterhalb der bekannten Berggipfel deshalb eine zweite, weitgehend verborgene Welt.

Weitere bekannte Grotten und Höhlen der Abruzzen sind unter anderem:

  • Grotte di Pietrasecca bei Carsoli
  • Grotta del Colle bei Rapino
  • Grotta Sant’Angelo bei Lama dei Peligni
  • Grotta di Sant’Angelo bei Palombaro
  • Grotte di Luppa
  • Grotten und Felsräume im Gebiet der Majella

Gerade die Kombination aus natürlichen Höhlen, Karstlandschaften, Schluchten und historischen Einsiedeleien macht die unterirdische Welt der Abruzzen zu einem besonders vielseitigen Bestandteil der Region.

Berge, Berghütten und Pässe in den Abruzzen

Die Abruzzen gehören zu den gebirgigsten Regionen Italiens. Große Teile des Landesinneren werden von den Abruzzen-Apenninen geprägt, darunter der Gran Sasso, die Monti della Laga und das Velino-Sirente-Massiv. Hinzu kommen zahlreiche Bergpässe, Hochflächen und Wanderwege, die teilweise bis in die hochalpine Landschaft führen.

Gerade für Wanderer sind die Berghütten interessant. Sie liegen häufig weit oberhalb der nächsten Ortschaft und dienen als Ausgangspunkt für Bergtouren oder als Übernachtungsmöglichkeit bei längeren Wanderungen. Der Schwierigkeitsgrad der Wege ist allerdings sehr unterschiedlich: Einige Hütten lassen sich auf gut ausgebauten Bergwegen erreichen, andere erfordern Trittsicherheit und Erfahrung im alpinen Gelände.

Die wichtigsten Bergpässe

Die Bergpässe der Abruzzen verbinden verschiedene Täler und Landschaftsräume miteinander. Einige sind mit dem Auto erreichbar und bieten schöne Aussichtspunkte, andere liegen an Wanderwegen und spielen vor allem für Bergsteiger und Wanderer eine Rolle.

Zu den bekannten Pässen und Übergängen gehören:

  • Passo delle Capannelle – wichtiger Übergang zwischen dem Gebiet von L’Aquila und den Monti della Laga
  • Sella di Corno – historischer Übergang im Gebiet zwischen L’Aquila und der Grenze zu Latium
  • Bocca di Forlì – Passübergang im Apennin zwischen den Landschaftsräumen der Abruzzen und Latiums
  • Passo Godi – auf etwa 1.630 Metern Höhe zwischen dem Gebiet von Scanno und dem oberen Sangro-Tal
  • Valico della Forchetta – Bergübergang im Bereich der östlichen Abruzzen
  • Passo di Forca Caruso – Pass im zentralen Apennin zwischen dem Fuciner Becken und dem Gebiet von Sulmona

Alpine Berghütten

Eine Besonderheit der Abruzzen sind die hoch gelegenen Rifugi, die als Stützpunkte für Wanderer und Bergsteiger dienen. Drei besonders interessante Beispiele liegen in unterschiedlichen Gebirgslandschaften der Region.

Rifugio Carlo Franchetti – Gran Sasso

Das Rifugio Carlo Franchetti befindet sich auf 2.433 Metern Höhe im Gran-Sasso-Massiv oberhalb von Pietracamela und Prati di Tivo. Die Hütte liegt im Vallone delle Cornacchie zwischen Corno Grande und Corno Piccolo und damit bereits mitten in einer beeindruckenden Hochgebirgslandschaft.

Der einfachere sommerliche Zugang führt von der Piana del Laghetto beziehungsweise von der Bergstation der Madonnina zur Hütte. Der Weg ist mit E eingestuft und dauert etwa 2,5 Stunden bei rund 780 Höhenmetern. Von Campo Imperatore ist der Zugang mit EE anspruchsvoller und dauert etwa drei Stunden bei rund 570 Höhenmetern.

Damit ist das Franchetti zwar kein Ziel, das man ohne Wanderung erreicht, der normale sommerliche Zustieg ist aber deutlich einfacher als manche hochalpinen Touren in der Umgebung. Bei Schnee, Eis oder ungünstigem Wetter verändern sich die Bedingungen erheblich.

Rifugio Vincenzo Sebastiani – Velino-Sirente

Das Rifugio Vincenzo Sebastiani liegt auf 2.102 Metern Höhe am Colletto di Pezza im Gemeindegebiet von Rocca di Mezzo. Es befindet sich unterhalb des Costone und bietet einen guten Ausgangspunkt für Touren im Velino-Sirente-Gebiet. Von hier führen unter anderem Wege in Richtung Monte Velino, Punta Trento und Punta Trieste.

Die Hütte kann von verschiedenen Seiten erreicht werden. Der Zugang von den Piani di Pezza gilt als anspruchsvoller, aber landschaftlich besonders reizvoll. Auch im Winter wird die Hütte für Skitouren und Schneeschuhwanderungen genutzt.

Rifugio Duca degli Abruzzi – Campo Imperatore

Das Rifugio Duca degli Abruzzi liegt auf rund 2.388 Metern Höhe am Monte-Portella-Grat oberhalb von Campo Imperatore im Gran-Sasso-Massiv. Die Lage ist besonders interessant, weil die Hütte einen weiten Blick über die Hochfläche von Campo Imperatore und die umliegenden Berge ermöglicht.

Von Campo Imperatore aus ist die Hütte vergleichsweise leicht zu erreichen. Der Fußweg dauert ungefähr 40 Minuten und führt über einen gut begehbaren Bergweg. Campo Imperatore selbst ist über die Seilbahn mit dem Tal verbunden. Wer dagegen von Prati di Tivo kommt, muss mit einer deutlich längeren Bergwanderung von ungefähr vier Stunden rechnen.

Bedeutende Bergmassive

Die Gebirgswelt der Abruzzen besteht aus mehreren unterschiedlichen Massiven. Sie unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Höhe, sondern auch in Landschaft, Gestein und Charakter der Wanderwege.

  • Gran Sasso d’Italia – das höchste Gebirgsmassiv der Abruzzen mit der höchsten Erhebung des Apennins
  • Monti della Laga – ausgedehntes Berggebiet im Norden der Region mit zahlreichen Wäldern, Bächen und Wasserfällen
  • Velino-Sirente – markantes Bergmassiv in der Provinz L’Aquila mit dem Monte Velino und zahlreichen Hochgebirgswanderwegen
  • Majella-Massiv – weitläufiges Gebirgsmassiv im Osten der Abruzzen mit tiefen Tälern, Hochflächen und einer außergewöhnlich vielfältigen Pflanzenwelt
  • Monti Sibillini – Gebirgszug im Norden der Abruzzen, dessen größter Teil allerdings bereits in den angrenzenden Regionen Marken und Umbrien liegt

Gerade die Kombination aus hohen Gipfeln, einsamen Tälern, Bergpässen und abgelegenen Berghütten macht die Abruzzen für Wanderer interessant. Dabei sollte man die Höhenlage nicht unterschätzen: Auch Wege, die auf der Karte relativ kurz erscheinen, können durch große Höhenunterschiede, steiniges Gelände oder wechselnde Wetterbedingungen deutlich anspruchsvoller sein als ein gewöhnlicher Spaziergang.

Naturreservate und Botanische Gärten

Die Abruzzen sind für ihre abwechslungsreichen Naturlandschaften bekannt. Neben den großen Nationalparks gibt es in der Region zahlreiche kleinere Naturreservate, die ganz unterschiedliche Lebensräume schützen. Dazu gehören hohe Bergregionen, tiefe Schluchten, Wälder, Seen, Flussquellen und sogar Küstenlandschaften. Einige Schutzgebiete sind nur wenige Hektar groß, während andere sich über mehrere tausend Hektar erstrecken.

Gerade diese Vielfalt macht die Naturreservate interessant. Wer die Abruzzen bereist, findet hier nicht nur bekannte Berglandschaften, sondern auch weniger bekannte Naturgebiete, die sich für Wanderungen, Naturbeobachtungen und ruhige Ausflüge eignen. Je nach Schutzgebiet unterscheiden sich auch die Möglichkeiten für Besucher. Bei einigen Reservaten führen gut ausgebaute Wege durch die Landschaft, während andere eher für erfahrene Wanderer interessant sind.

Naturreservate der Abruzzen

Zu den Naturreservaten der Abruzzen gehören unter anderem die folgenden Schutzgebiete:

Zompo lo Schioppo bei Morino

Das Naturreservat Zompo lo Schioppo liegt bei Morino in der Provinz L’Aquila. Besonders bekannt ist es für den Wasserfall Cascata di Zompo lo Schioppo, der aus einer Karstquelle gespeist wird und über eine hohe Felswand in das Tal stürzt. Das Gebiet ist von Wäldern, Felswänden und Bergbächen geprägt und eignet sich für Wanderungen in einer weitgehend natürlichen Umgebung.

Pineta di Santa Filomena

Die Pineta di Santa Filomena liegt im Küstenraum bei Pescara. Im Vergleich zu den großen Bergreservaten handelt es sich um ein sehr kleines Schutzgebiet. Geschützt wird hier ein bedeutender Kiefernwald im dicht besiedelten Küstenbereich, der als grüner Rückzugsraum eine besondere Bedeutung besitzt.

Valle dell’Orfento I und II

Die beiden Schutzgebiete Valle dell’Orfento I und Valle dell’Orfento II liegen im Majella-Gebiet. Das Tal des Orfento ist durch tiefe Schluchten, bewaldete Hänge und einen Gebirgsfluss geprägt. Die Landschaft gehört zu den eindrucksvolleren Bereichen der Majella und bietet zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen.

Lago di Campotosto

Das Naturreservat Lago di Campotosto schützt die Umgebung des großen Bergsees in den Monti della Laga. Der See liegt auf rund 1.300 Metern Höhe und ist von Bergen und weitläufigen Landschaften umgeben. Besonders interessant ist das Gebiet für Vogelbeobachtungen, Wanderungen und Ausblicke auf die umliegenden Bergmassive.

Pantaniello

Das kleine Naturreservat Pantaniello liegt im Gebiet des Nationalparks Abruzzen, Latium und Molise. Es schützt einen hoch gelegenen Feuchtbereich und gehört damit zu den besonderen Lebensräumen der Bergregion. Die Landschaft unterscheidet sich deutlich von den trockenen Fels- und Weideflächen der umliegenden Berge.

Quarto Santa Chiara

Die Riserva Naturale Quarto Santa Chiara liegt im Majella-Gebiet. Wälder und Berglandschaften bestimmen das Schutzgebiet, das zu den naturnahen Bereichen der östlichen Majella gehört. Die Umgebung ist vor allem für Wanderer interessant, die die weniger stark erschlossenen Bergregionen kennenlernen möchten.

Fara San Martino-Palombaro

Das großflächige Schutzgebiet Fara San Martino-Palombaro befindet sich an der Majella und umfasst eine abwechslungsreiche Berglandschaft. Tiefe Täler, Felswände und ausgedehnte Waldgebiete prägen das Gebiet. Besonders bekannt ist die Umgebung von Fara San Martino als Ausgangspunkt für Wanderungen in die Majella.

Feudo Ugni

Feudo Ugni liegt ebenfalls an der Majella und schützt eine weitgehend ursprüngliche Berg- und Waldlandschaft. Das Gebiet gehört zu den größeren staatlichen Naturreservaten der Region und ist Teil des ökologisch besonders wertvollen Majella-Gebiets.

Lama Bianca di Sant’Eufemia a Maiella

Das Naturreservat Lama Bianca liegt bei Sant’Eufemia a Maiella am Westhang der Majella. Unterschiedliche Höhenstufen sorgen für eine abwechslungsreiche Vegetation. Wälder, Bergwiesen und höher gelegene Felsbereiche wechseln sich ab und machen das Gebiet für Naturbeobachtungen interessant.

Monte Rotondo

Die Riserva Naturale Monte Rotondo liegt zwischen den großen Gebirgsräumen von Gran Sasso, Monti della Laga und Majella. Das Schutzgebiet umfasst eine weitläufige Berglandschaft mit Wäldern und höheren Lagen und bildet einen wichtigen Teil des zusammenhängenden Naturraums der zentralen Abruzzen.

Monte Velino

Das Naturreservat Monte Velino liegt im Velino-Sirente-Gebiet und umfasst rund 3.550 Hektar. Der Monte Velino gehört zu den höchsten Bergen der Abruzzen. Die Landschaft reicht von bewaldeten Bereichen bis zu hoch gelegenen Bergregionen und ist vor allem für anspruchsvollere Bergwanderungen interessant.

Piana Grande della Majelletta

Die Piana Grande della Majelletta liegt in den höheren Bereichen der Majella. Charakteristisch sind offene Bergflächen, alpine Wiesen und die typische Vegetation der Hochlagen. Besonders im Frühjahr und Sommer lässt sich hier die Pflanzenwelt der Majella gut beobachten.

Colle di Licco

Das kleine staatliche Naturreservat Colle di Licco liegt in der Provinz L’Aquila. Es gehört zu den älteren Schutzgebieten der Abruzzen und bewahrt einen naturnahen Lebensraum im zentralen Apennin.

Feudo Intramonti

Feudo Intramonti befindet sich im Gebiet des Nationalparks Abruzzen, Latium und Molise. Das Reservat umfasst vor allem Berg- und Waldlandschaften und bildet zusammen mit weiteren Schutzgebieten einen größeren zusammenhängenden Naturraum.

Abetina di Rosello

Die Abetina di Rosello in der Provinz Chieti schützt einen bedeutenden Weißtannenbestand. Der Wald gehört zu den besonderen Waldlandschaften der Abruzzen und bietet mit seinen alten Bäumen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Bosco di Don Venanzio

Das Bosco di Don Venanzio liegt in der Nähe der Adriaküste und bewahrt einen selten gewordenen Auwald. Die Nähe zu Flüssen und Feuchtgebieten macht das Gebiet ökologisch besonders interessant und unterscheidet es deutlich von den Bergreservaten der Region.

Calanchi di Atri

Die Calanchi di Atri gehören zu den ungewöhnlichsten Landschaften der Abruzzen. Durch die Erosion von Ton- und Lehmböden entstanden schmale Grate und tiefe Rinnen, die der Landschaft ein fast zerklüftetes Aussehen verleihen. Das Gebiet liegt bei Atri und ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Abruzzen nicht ausschließlich von Bergen geprägt werden.

Cascate del Verde

Die Cascate del Verde liegen bei Borrello in der Provinz Chieti. Mittelpunkt des Schutzgebietes ist der Rio Verde, der über mehrere Kaskaden durch eine bewaldete Landschaft abfällt. Die Wasserfälle gehören zu den eindrucksvolleren Wasserlandschaften der Region.

Castel Cerreto

Die Riserva Naturale Castel Cerreto liegt in der Provinz Teramo und schützt einen Wald- und Hügellandschaftsraum. Das Gebiet ist ein Beispiel für die kleineren Naturreservate im nördlichen Teil der Abruzzen.

Gole del Sagittario

Die Gole del Sagittario gehören zu den bekanntesten Naturlandschaften der Abruzzen. Der Fluss Sagittario hat sich hier tief in das Kalkgestein eingeschnitten und eine eindrucksvolle Schlucht zwischen steilen Felswänden geschaffen. Das Reservat liegt bei Anversa degli Abruzzi und Villalago und bietet Wanderwege sowie zahlreiche Aussichtspunkte.

Gole di San Venanzio

Die Gole di San Venanzio liegen bei Raiano und werden vom Fluss Aterno durchquert. Die enge Schlucht wird von hohen Kalksteinwänden begrenzt. Besonders interessant ist die Verbindung aus Felslandschaft, Flusslauf und historischen Spuren entlang der Schlucht.

Grotte di Pietrasecca

Die Grotte di Pietrasecca bei Carsoli gehören zu den geologisch interessanten Schutzgebieten der Abruzzen. Hier stehen unterirdische Karsterscheinungen im Mittelpunkt. Die Höhlen zeigen, wie Wasser über lange Zeiträume das Kalkgestein verändert und unterirdische Hohlräume geschaffen hat.

Lago di Penne

Das Naturreservat Lago di Penne liegt rund um einen künstlichen See bei Penne. Das Feuchtgebiet ist insbesondere für die Vogelwelt von Bedeutung. Der See und seine Uferbereiche bieten gute Möglichkeiten für Naturbeobachtungen und machen das Reservat auch für Besucher interessant, die nicht ausschließlich in den Bergen wandern möchten.

Lago di Serranella

Das Schutzgebiet Lago di Serranella liegt an einem wichtigen Feuchtlebensraum im Einzugsgebiet des Sangro. Der See und die umliegenden Feuchtflächen sind insbesondere für Wasservögel interessant. Das Gebiet ist daher auch für Vogelbeobachter von Bedeutung.

Lecceta di Torino di Sangro

Die Lecceta di Torino di Sangro schützt einen seltenen immergrünen Eichenwald in der Nähe der Adriaküste. Die Steineiche, italienisch leccio, prägt den Wald. Zusammen mit der Nähe zum Meer entsteht hier eine Landschaft, die sich deutlich von den hoch gelegenen Reservaten der Abruzzen unterscheidet.

Monte Genzana e Alto Gizio

Das Naturreservat Monte Genzana e Alto Gizio liegt bei Pettorano sul Gizio und umfasst rund 3.160 Hektar. Das Gebiet verbindet verschiedene Höhenstufen vom Tal bis in die Bergregionen. Wälder, Bergwiesen und felsige Hochlagen bilden einen abwechslungsreichen Lebensraum.

Monte Salviano

Das Naturreservat Monte Salviano liegt unmittelbar bei Avezzano. Der Berg erhebt sich am Rand der Fuciner Ebene und bildet einen grünen Kontrast zur dicht besiedelten Umgebung. Durch seine Lage ist das Reservat vergleichsweise leicht erreichbar und eignet sich auch für kürzere Ausflüge.

Pineta Dannunziana

Die Pineta Dannunziana liegt mitten im Stadtgebiet von Pescara. Der Kiefernwald ist ein wichtiger innerstädtischer Naturraum und zeigt, wie wertvoll größere Grünflächen auch in stark bebauten Küstengebieten sein können.

Punta Aderci

Die Riserva Naturale Punta Aderci liegt nördlich von Vasto direkt an der Adriaküste. Felsküste, Strände, mediterrane Vegetation und landwirtschaftlich geprägte Landschaften treffen hier auf engem Raum zusammen. Die Küstenlandschaft gehört zu den bekanntesten Naturzielen der Provinz Chieti.

Sorgenti del Fiume Pescara

Bei Popoli entspringt der Fluss Pescara aus zahlreichen Karstquellen. Das Naturreservat Sorgenti del Fiume Pescara schützt diese wasserreiche Landschaft mit Quellen, kleinen Wasserläufen und Feuchtbereichen. Das klare Wasser und die üppige Vegetation machen das Gebiet besonders reizvoll.

Grotte di Luppa

Die Grotte di Luppa liegen bei Sante Marie in der Provinz L’Aquila. Das Schutzgebiet ist vor allem wegen seiner Karstlandschaft und der unterirdischen Höhlensysteme interessant. Die Umgebung zeigt deutlich die geologischen Besonderheiten des zentralen Apennins.

Bosco di Sant’Antonio

Der Bosco di Sant’Antonio bei Pescocostanzo ist ein traditionsreicher Bergwald in den Abruzzen. Alte Buchen prägen das Landschaftsbild und bilden besonders im Herbst eine eindrucksvolle Kulisse. Das Gebiet ist auch für Spaziergänge und Wanderungen interessant.

Gole del Salinello

Die Gole del Salinello liegen im nördlichen Teil der Abruzzen zwischen den Monti Gemelli. Der Fluss Salinello hat hier eine enge Schlucht in das Kalkgestein eingeschnitten. Felswände, Wald und Wasser begleiten die Wanderwege durch das Tal.

Majella Orientale

Die Majella Orientale umfasst naturnahe Landschaften an der Ostseite des Majella-Massivs. Die Region ist durch steile Berghänge, tiefe Täler und ausgedehnte Waldflächen geprägt. Durch die Höhenunterschiede finden sich hier verschiedene Vegetationsstufen auf engem Raum.

Valle del Foro

Das Valle del Foro liegt im westlichen Bereich der Provinz Chieti und folgt dem Lauf des Flusses Foro. Das Tal verbindet bewaldete und landwirtschaftlich geprägte Landschaften und bildet einen wichtigen Naturraum zwischen Küste und Majella.

Valle dell’Orta

Das Valle dell’Orta gehört zur Landschaft der Majella. Der Fluss Orta hat sich tief in das Gebirge eingeschnitten und bildet Schluchten und felsige Talabschnitte. Das Gebiet ist besonders für Wanderer interessant, die die wildere Seite der Majella kennenlernen möchten.

Voltigno e Valle d’Angri

Das Gebiet Voltigno e Valle d’Angri liegt im Bereich des Gran Sasso und verbindet offene Hochflächen mit bewaldeten Tälern. Die Landschaft ist besonders abwechslungsreich und wird von Bergwiesen, Wäldern und den umliegenden Gipfeln geprägt.

Botanische Gärten der Abruzzen

Neben den Naturreservaten gibt es in den Abruzzen mehrere botanische Gärten. Sie haben eine wichtige Aufgabe bei der Darstellung, Erforschung und Erhaltung der regionalen Pflanzenwelt. Besonders interessant sind die Unterschiede zwischen den Gärten: Einige konzentrieren sich auf die Flora der Majella, andere auf die Pflanzenwelt des Hochgebirges oder auf die mediterrane Vegetation der Adriaküste. Ein Besuch lohnt sich meines Erachtens immer!

Giardino Botanico Gole del Sagittario – Anversa degli Abruzzi

Der Giardino Botanico Gole del Sagittario liegt im Naturreservat der Gole del Sagittario. Im Mittelpunkt steht die Pflanzenwelt der umliegenden Kalklandschaft und des Sagittario-Tals. Der Garten eignet sich besonders gut, um die typische Vegetation der Region kennenzulernen, ohne dafür lange Bergwanderungen unternehmen zu müssen.

Orto botanico dell’Università dell’Aquila – L’Aquila

Der botanische Garten der Universität L’Aquila liegt im Bereich von Collemaggio. Er besitzt unter anderem einen Garten der Pfingstrosen, einen Safrangarten und einen Bereich, der an die historische Transhumanz in den Abruzzen erinnert. Damit verbindet der Garten botanische Themen mit der Kultur- und Landschaftsgeschichte der Region.

Giardino botanico Michele Tenore – Lama dei Peligni

Der Giardino botanico Michele Tenore liegt auf etwa 650 Metern Höhe im Majella-Nationalpark. Auf rund 9.000 Quadratmetern werden mehr als 500 Pflanzenarten gezeigt. Ein Schwerpunkt liegt auf endemischen Pflanzen des Zentralapennins und der Majella. Zu den Besonderheiten gehört die Centaurea tenoreana, der Fiordaliso della Maiella, der als Symbol des Gartens gilt.

Villa dei Ligustri – Loreto Aprutino

Die Villa dei Ligustri in Loreto Aprutino verbindet Gartenlandschaft und botanische Sammlung. Der Standort im Hügelland der Provinz Pescara macht ihn interessant als Ergänzung zu den hoch gelegenen botanischen Gärten der Abruzzen.

Orto botanico della Riserva Lago di Penne – Penne

Der botanische Garten am Lago di Penne ergänzt das dortige Naturreservat. Im Mittelpunkt steht die Pflanzenwelt der Hügellandschaft und der Feuchtgebiete rund um den See. Dadurch lässt sich der Besuch des Schutzgebietes mit einem Einblick in die regionale Flora verbinden.

Giardino botanico e arboreto appenninico – Pescasseroli

In Pescasseroli befindet sich ein botanischer Garten mit Arboretum im Gebiet des Nationalparks Abruzzen, Latium und Molise. Gezeigt werden typische Pflanzen und Gehölze der Apenninenlandschaft. Der Standort ist besonders interessant, weil sich hier die Pflanzenwelt des Nationalparks auf relativ engem Raum kennenlernen lässt.

Giardino botanico Mediterraneo – San Salvo

Der Giardino Botanico Mediterraneo in San Salvo liegt unmittelbar im Küstenraum und ist mit einem wertvollen Dünen- und Feuchtgebiet verbunden. Auf rund acht Hektar werden typische Lebensräume der sandigen Adriaküste dargestellt. Dazu gehören Dünenvegetation, Feuchtbereiche und mediterrane Gehölze. Das Gebiet bietet außerdem Lebensraum für Vögel, Amphibien und weitere Tiere.

Giardino botanico Daniela Brescia – Sant’Eufemia a Maiella

Der Giardino botanico Daniela Brescia liegt im Majella-Gebiet und beschäftigt sich mit der typischen Pflanzenwelt der Bergregion. Durch seine Lage eignet er sich besonders dazu, die verschiedenen Vegetationsstufen der Majella kennenzulernen.

Giardino botanico Loreto Grande – Villavallelonga

Der Giardino botanico Loreto Grande wurde 1984 gegründet und liegt im Ortsbereich von Villavallelonga im Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise. Auf kleinem Raum werden typische Pflanzen der Abruzzen gezeigt, darunter Ahorn, Buche und Schwarzerlen-Hainbuche. Der Garten ist gleichzeitig als kleiner Ausstellungs- und Lernort zur Natur und Geschichte des Vallelonga gestaltet.

Giardino botanico alpino di Campo Imperatore – Campo Imperatore

Der Giardino botanico alpino di Campo Imperatore befindet sich auf etwa 2.117 Metern Höhe im Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga. Damit gehört er zu den höchst gelegenen botanischen Gärten Europas. Auf rund 3.500 Quadratmetern werden mehr als 300 Pflanzenarten der alpinen und montanen Flora gezeigt. Besonders interessant sind die Pflanzen, die sich an die kurzen Sommer, starken Temperaturunterschiede und rauen Bedingungen der Hochgebirgslandschaft angepasst haben.

Die botanischen Gärten ergänzen die Naturreservate der Abruzzen auf besondere Weise. Während die Reservate vor allem den natürlichen Lebensraum schützen, machen die Gärten die Pflanzenwelt für Besucher leichter zugänglich. Besonders spannend ist deshalb der Vergleich zwischen den verschiedenen Höhenlagen: Von der mediterranen Vegetation an der Adriaküste über die Wälder und Bergwiesen bis hin zur alpinen Pflanzenwelt von Campo Imperatore verändert sich das Erscheinungsbild der Flora deutlich.

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Hinweis

Öffnungszeiten, Zugangsbedingungen und Führungsangebote können sich je nach Naturreservat und botanischem Garten unterscheiden. Gerade bei kleineren Einrichtungen lohnt es sich daher, vor einem Besuch die aktuellen Informationen der jeweiligen Gemeinde, des Parks oder der zuständigen Einrichtung zu prüfen.

Sehenswürdigkeiten in den Abruzzen

In den Abruzzen gibt es auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Wie in Italien üblich, kann man fast überall Sehenswürdigkeiten finden. Da die Aufnahme der Sehenswürdigkeiten auf der Webseite direkt zu umfangreich wäre, habe ich mich für eine PDF-Datei entschieden, die Sie oben in der Linkbox finden können. In dieser sind der überwiegende Teil der Sehenswürdigkeiten in den Abruzzen erfasst. Für den Abruzzen Urlaub kann diese Datei vielleicht eine kleine Hilfe darstellen, da diese alle sehenswerten Kirchen, Burgen, Schlösser, sonstige religiöse Gebäude, Plätze, Straßen und Häuser enthält.

Da besondere Landschaften, Seen, Grotten, Berge und Naturreservate auf dieser Seite bereits in eigenen Abschnitten ausführlicher vorgestellt werden, möchte ich hier fünf besonders interessante Sehenswürdigkeiten kurz hervorheben.

Santa Maria di Collemaggio in L’Aquila

Die Basilika Santa Maria di Collemaggio gehört zu den bekanntesten historischen Bauwerken der Abruzzen. Sie befindet sich in L’Aquila und ist vor allem durch ihre markante Fassade mit der geometrischen Gestaltung aus hellem und rosafarbenem Stein geprägt. Die Basilika ist eng mit der Geschichte der Stadt und mit Papst Coelestin V. verbunden.

Gerade die Verbindung aus romanisch-gotischer Architektur, religiöser Geschichte und der wechselvollen Geschichte L’Aquilas macht Santa Maria di Collemaggio zu einer Sehenswürdigkeit, die sich bei einem Besuch der Stadt besonders lohnt.

Abbazia di San Clemente a Casauria

Die Abbazia di San Clemente a Casauria liegt im Tal des Pescara und zählt zu den bedeutenden historischen Sakralbauten der Abruzzen. Die ehemalige Benediktinerabtei beeindruckt vor allem durch ihre romanische Architektur und die aufwendig gestalteten Steinreliefs an der Fassade und am Eingangsbereich.

Die Abtei ist zugleich ein Beispiel dafür, wie eng die religiöse, politische und kulturelle Entwicklung der Abruzzen im Mittelalter miteinander verbunden war. Wer sich für die Geschichte der Region interessiert, findet hier einen besonders anschaulichen Ort.

Abbazia San Giovanni in Venere

Die Abbazia San Giovanni in Venere befindet sich bei Fossacesia oberhalb der Adriaküste. Ihre Lage macht sie zu einer besonderen Sehenswürdigkeit, denn von der Abtei eröffnet sich ein weiter Blick über die Küstenlandschaft.

Das historische Kloster gehört zu den bekanntesten Sakralbauten der Provinz Chieti. Besonders interessant ist die Verbindung zwischen der romanischen Architektur, der Geschichte der Abtei und ihrer Lage unmittelbar über der Adriaküste.

Alba Fucens

Alba Fucens ist eine bedeutende archäologische Fundstätte im Gebiet des ehemaligen Fuciner Sees. Die antike Stadt wurde von den Römern ausgebaut und vermittelt heute einen Eindruck von der historischen Bedeutung dieses Teils der Abruzzen.

Zwischen den erhaltenen Mauerresten, Straßen und weiteren archäologischen Strukturen lässt sich die frühere Stadtanlage noch nachvollziehen. Alba Fucens ist deshalb besonders interessant für Besucher, die die römische Geschichte der Abruzzen nicht nur in Museen, sondern direkt an einem historischen Ort entdecken möchten.

Der Guerriero di Capestrano

Eine der außergewöhnlichsten historischen Hinterlassenschaften der Abruzzen ist der Guerriero di Capestrano. Die berühmte Steinfigur stammt aus vorchristlicher Zeit und wurde in Capestrano entdeckt. Sie gehört zu den wichtigsten archäologischen Zeugnissen der vorrömischen Bevölkerung des heutigen Abruzzenraums.

Die überlebensgroße Darstellung eines bewaffneten Kriegers ist nicht nur wegen ihres Alters bemerkenswert. Auch die ungewöhnliche Gestaltung und die noch immer nicht in allen Einzelheiten geklärte Bedeutung machen den Guerriero di Capestrano zu einem besonders interessanten Zeugnis der frühen Geschichte der Region.

Diese fünf Beispiele zeigen bereits, wie unterschiedlich die Sehenswürdigkeiten der Abruzzen sein können. Von mittelalterlichen Abteien und Kirchen über eine antike Stadt bis hin zu einer außergewöhnlichen vorrömischen Statue reicht die historische Bandbreite der Region. Weitere Sehenswürdigkeiten finden Sie in den thematisch gegliederten Abschnitten dieser Seite, insbesondere bei den Burgen und historischen Bauwerken, den Grotten und Höhlen sowie den Natur- und Landschaftsgebieten.

Die wichtigsten Kirchen

Es wurden im Laufe der Geschichte eine Vielzahl an Kirchen erbaut, da eine Christianisierung stattfand. Zu den Kirchen zählen unter anderem die Basilika von Collemaggio, die Abteikirche San Clemente a Casauria oder die Basilika San Giovanni in Venere. Mehr Kirchen sind in der Datei „Abruzzen Sehenswürdigkeiten“ zu finden.

15 ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten der Abruzzen

Abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten der Abruzzen gibt es zahlreiche Orte, die durch eine ganz besondere Eigenart auffallen. Manche überraschen durch ungewöhnlich geformte alte Bäume, andere durch in Felsen gebaute Einsiedeleien, jahrhundertealte Fresken, außergewöhnliche Ortsbilder oder eindrucksvolle Panoramen. In der folgenden Auswahl stelle ich Ihnen 15 besondere von mir besuchte Ziele vor, bei denen jeweils ein ganz bestimmtes Merkmal im Mittelpunkt steht.

1. Bosco di Sant’Antonio – Bäume wie riesige Kandelaber

Bei Cansano und Pescocostanzo liegt der Bosco di Sant’Antonio, eine alte Waldlandschaft am Südrand der Majella. Besonders sehenswert sind die alten Buchen und Ahorne, deren Stämme und Äste teilweise bizarr verzweigt und stark gewunden wachsen. Einige Bäume erinnern mit ihren vielen nach oben strebenden Ästen an riesige Kandelaber. Die ungewöhnlichen Formen sind unter anderem auf die frühere Nutzung und Pflege der Bäume zurückzuführen.

Besonderheit: bizarre alte Bäume und ungewöhnliche Wuchsformen

2. Bosco della Difesa bei Pescasseroli – bizarre Buchen

Im Bosco della Difesa bei Pescasseroli wachsen jahrhundertealte Buchen mit ungewöhnlichen, teilweise stark verzweigten Formen. Die charakteristischen „Kandelaber-Buchen“ entstanden durch eine historische Form der Nutzung und des Rückschnitts. Dadurch entwickelten einige Bäume mehrere kräftige Seitenäste und außergewöhnliche Kronen, die heute selbst zu einer Sehenswürdigkeit geworden sind.

Besonderheit: jahrhundertealte Bäume mit ungewöhnlichen Formen

3. Der große Ahorn von Monte Tranquillo

Im Nationalpark Abruzzen, Lazio und Molise stehen zahlreiche alte und monumentale Bäume. Zu ihnen gehört der große Ahorn von Monte Tranquillo. Solche alten Baumriesen sind nicht nur botanisch interessant, sondern prägen auch die historische Kulturlandschaft der Abruzzen. Ihr Alter und ihre außergewöhnliche Größe machen sie zu lebenden Naturdenkmälern.

Besonderheit: monumentaler Baum und Naturdenkmal

4. San Bartolomeo in Legio – eine Kirche unter einem Felsdach

Die Einsiedelei San Bartolomeo in Legio bei Roccamorice gehört zu den ungewöhnlichsten Sakralbauten der Majella. Die kleine Kirche wurde unter einem mächtigen natürlichen Felsüberhang errichtet und scheint dadurch unmittelbar mit dem Berg verbunden zu sein. Der Zugang führt über einen in den Fels gehauenen Weg. Auch die abgeschiedene Lage vermittelt einen guten Eindruck von der ursprünglichen Lebensweise der Eremiten.

Besonderheit: Einsiedelei unter einem natürlichen Felsüberhang

5. Grotta di Sant’Angelo bei Palombaro – eine Kirche in einer Höhle

Bei Palombaro liegt die Grotta di Sant’Angelo in einer abgeschiedenen Felslandschaft der Majella. Die ehemalige Felskirche nutzt eine natürliche Höhle als Schutz und liegt auf etwa 800 Metern Höhe. Von der historischen Anlage sind unter anderem Mauerreste, eine Apsis und Teile des ursprünglichen Bodens erhalten. Der Ort zeigt eindrucksvoll, wie eng religiöse Architektur und die natürlichen Felsformationen der Majella miteinander verbunden sein können.

Besonderheit: ehemalige Felskirche in einer natürlichen Höhle

6. San Liberatore a Maiella – Felsgräber am Fluss Alento

In der Umgebung der Abtei San Liberatore a Maiella bei Serramonacesca befinden sich drei ungewöhnliche, direkt in den Fels gehauene Gräber. Sie liegen an einer etwa 20 Meter langen Felswand und gehören zu den sogenannten Arkosolgräbern. Über ihre genaue Entstehungsgeschichte ist nur wenig bekannt. Gerade diese Verbindung aus archäologischer Besonderheit, Felslandschaft und mittelalterlicher Sakralgeschichte macht den Ort interessant.

Besonderheit: historische Gräber, die direkt in den Fels gearbeitet wurden

7. Eremo di Sant’Onofrio dell’Orfento – eine fast verschwundene Einsiedelei

Tief im Orfento-Tal bei Caramanico Terme befinden sich die Überreste des Eremo di Sant’Onofrio dell’Orfento. Die Einsiedelei wurde direkt an eine Felswand gebaut. Heute sind nur noch Teile der ursprünglichen Anlage erhalten. Gerade der teilweise verfallene Zustand vermittelt einen ganz anderen Eindruck als restaurierte historische Bauwerke und lässt die abgeschiedene Lebensweise der früheren Eremiten erahnen.

Besonderheit: Ruinen einer direkt an den Felsen gebauten Einsiedelei

8. Eremo della Madonna di Coccia – eine Einsiedelei am Berg

Bei Campo di Giove liegt die Eremitage Madonna di Coccia auf rund 1.480 Metern Höhe. Das kleine Gebäude wurde unmittelbar an einen Felsen gesetzt und passt sich dadurch auffallend stark an den steilen Berghang an. Die abgeschiedene Lage und die einfache Architektur machen die Einsiedelei zu einem weiteren Beispiel für die ungewöhnlichen Rückzugsorte, die über Jahrhunderte in der Majella entstanden.

Besonderheit: ungewöhnliche Lage und an den Felsen angepasste Architektur

9. Oricola – unscheinbare Kirchen mit alten Fresken

Das kleine Bergdorf Oricola überrascht mit einer kunsthistorischen Besonderheit. In der Chiesa di Santa Restituta d’Africa sind Fresken aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Auch die Chiesa di San Salvatore besitzt historische Fresken und Stuckarbeiten. Von außen wirken die Kirchen vergleichsweise schlicht, während sich im Inneren kunsthistorisch interessante Zeugnisse aus verschiedenen Jahrhunderten befinden.

Besonderheit: historische Fresken in kleinen, eher unscheinbaren Kirchen

10. Rocca di Botte – Fresken in der Chiesa di Santa Maria della Febbre

In Rocca di Botte befindet sich die Chiesa di Santa Maria della Febbre. Die Kirche bewahrt wertvolle Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Auch ihre Geschichte ist ungewöhnlich: Der Name der Kirche wird mit früheren Epidemien in Verbindung gebracht, und das Gebäude diente zeitweise als Hospital. Damit verbindet der kleine Sakralbau Kunstgeschichte und die Geschichte des Dorfes auf besondere Weise.

Besonderheit: Fresken aus dem 15. Jahrhundert und ungewöhnliche Geschichte der Kirche

11. Vittorito – eine Kirche über einem antiken Heiligtum

In Vittorito steht die Kirche San Michele Arcangelo an einem geschichtsträchtigen Ort. Unter beziehungsweise in der Umgebung des heutigen Sakralbaus befinden sich Spuren älterer Kultstätten. Möglicherweise geht die Geschichte des Ortes bis zu einem italischen Heiligtum aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. zurück. Im Bereich der Kirche wurden außerdem römische Fragmente und mittelalterliche Zeugnisse gefunden.

Besonderheit: Verbindung von antiker Kultstätte, römischen Spuren und mittelalterlicher Kirche

12. Santa Maria di Ronzano – Fresken aus dem Jahr 1181

Bei Castel Castagna befindet sich die romanische Kirche Santa Maria di Ronzano. Besonders bemerkenswert sind die erhaltenen Fresken aus dem Jahr 1181. Die Kirche gehört zu den bedeutenden romanischen Sakralbauten der Provinz Teramo und zeigt eindrucksvoll, wie viel mittelalterliche Kunst auch abseits der großen Städte erhalten geblieben ist.

Besonderheit: außergewöhnliche mittelalterliche Fresken aus dem 12. Jahrhundert

13. Castel del Monte – ein Dorf als Bilderbuch

Castel del Monte ist nicht nur wegen seiner Lage im Gran-Sasso-Gebiet interessant. Im historischen Ortskern finden sich zahlreiche Wandmalereien und künstlerisch gestaltete Fassaden. Sie erzählen von der früheren Lebensweise der Bewohner, von der Transhumanz, alten Handwerken und regionalen Traditionen. Dadurch wird der Rundgang durch das Dorf zu einer Art begehbarem Bilderbuch.

Besonderheit: Wandmalereien und Kunstwerke im historischen Ortskern

14. Castel Castagna – ein außergewöhnliches Bergpanorama

Castel Castagna liegt in einer Landschaft, von der aus sich weite Ausblicke über mehrere Gebirgszüge der Abruzzen öffnen. Je nach Standort reicht der Blick unter anderem zum Gran Sasso, zu den Monti della Laga und in Richtung Majella. Zusammen mit der romanischen Kirche Santa Maria di Ronzano ergibt sich hier eine ungewöhnliche Verbindung aus Bergpanorama und mittelalterlicher Architektur.

Besonderheit: weitreichender Blick auf mehrere Gebirgslandschaften

15. Fiabosco bei Sant’Eufemia a Maiella – ein Märchenwald

Eine ungewöhnliche Sehenswürdigkeit befindet sich bei Sant’Eufemia a Maiella. Im sogenannten Fiabosco wurden zahlreiche aus Stein geschaffene Figuren in einen Wald integriert. Zwischen den Bäumen begegnen Besuchern unter anderem Fabelwesen und Sagengestalten wie Drachen, Nymphen, Hexen und Werwölfen. Dadurch entsteht ein ungewöhnlicher Rundgang, bei dem Natur und moderne Kunst miteinander verbunden werden.

Besonderheit: Kunstwerke und Fabelwesen in einem Wald

Besondere Orte auf einen Blick

Die Auswahl zeigt, wie vielfältig die weniger gewöhnlichen Sehenswürdigkeiten der Abruzzen sind. Neben historischen Bergdörfern und Kirchen gehören auch monumentale Bäume, Felsgräber, Einsiedeleien, außergewöhnliche Landschaften und ungewöhnliche Kunstprojekte dazu.

Natur
Bosco di Sant’Antonio
Bosco della Difesa
Großer Ahorn von Monte Tranquillo
Fels und Einsiedeleien
San Bartolomeo in Legio
Grotta di Sant’Angelo
Sant’Onofrio dell’Orfento
Kirchen und Fresken
Oricola
Rocca di Botte
Santa Maria di Ronzano
Ungewöhnliche Ortsbilder
Castel del Monte
Castel Castagna
Fiabosco

Ungewöhnliche und auffällige Fassaden in den Abruzzen

Wer durch die historischen Orte der Abruzzen geht, entdeckt neben den bekannten Kirchen, Burgen und Palazzi auch einige Fassaden, die durch ihre ungewöhnliche Gestaltung, kräftige Farben oder besondere Materialien auffallen. Manche sind mit farbiger Majolika geschmückt, andere besitzen eine ungewöhnliche architektonische Gestaltung. Einige wirken gerade deshalb interessant, weil sie von der üblichen Fassadengestaltung historischer Gebäude abweichen. Auf meinen Reisen durch die Abruzzen habe ich folgende ungewöhnliche Fassaden entdeckt:

Santa Maria delle Grazie in Collarmele – eine glänzende Majolikafassade

Eine der außergewöhnlichsten Fassaden findet sich bei der Kirche Santa Maria delle Grazie in Collarmele. Der obere Bereich der Fassade ist mit zahlreichen farbigen Majolikafliesen gestaltet. Die glänzende Oberfläche reflektiert bei Sonnenschein das Licht und lässt die Fassade regelrecht leuchten.

Besonders interessant sind die unterschiedlichen Formen und Farben der Keramik sowie die floralen und figürlichen Motive. Die Gestaltung steht zugleich mit der langen Tradition der Keramikherstellung in den Abruzzen in Verbindung. Damit gehört diese Fassade zu den Beispielen, bei denen nicht nur die Architektur, sondern auch das verwendete Material selbst zum Blickfang wird.

San Nicola in Atri – farbige Majolika rund um das Fenster

Auch die Kirche San Nicola in Atri besitzt ein ungewöhnliches Detail an ihrer Fassade. Das Rundfenster wird von farbigen Majolikatellern eingefasst. Die unterschiedlichen Farben setzen einen deutlichen Akzent auf der ansonsten eher zurückhaltenden Fassade.

Die Keramikelemente sind zugleich ein Hinweis auf die besondere Bedeutung der Keramiktradition in Atri. Gerade solche Details machen historische Gebäude interessant, denn sie sind leicht zu übersehen, wenn man eine Fassade nur aus einiger Entfernung betrachtet.

Palazzo Ardinghelli in L’Aquila – Balkone auf unterschiedlichen Höhen

Eine ganz andere Form der ungewöhnlichen Fassadengestaltung zeigt der Palazzo Ardinghelli in L’Aquila. Auffällig ist die Anordnung der Balkone, die sich nicht alle auf derselben Höhe befinden. Dadurch entsteht eine asymmetrische Wirkung, die sich deutlich von der streng regelmäßigen Gestaltung vieler historischer Palazzi unterscheidet.

Gerade diese ungewöhnliche Anordnung macht den Palazzo interessant. Die Fassade wirkt dadurch weniger statisch und besitzt eine eigene architektonische Dynamik.

Palazzo Fasoli in Chieti – eine farblich auffällige Fassade

In Chieti fällt der Palazzo Fasoli durch seine kräftige Farbgestaltung auf. Die Fassade ist in einem pompejanisch anmutenden Rot gehalten. Hinzu kommen dekorative Elemente an den Balkonen, die der Fassade einen deutlich verspielteren Charakter verleihen.

Damit unterscheidet sich der Palazzo von vielen historischen Gebäuden, bei denen Naturstein oder zurückhaltende Farbtöne dominieren. Besonders im historischen Stadtbild von Chieti ist die farbliche Gestaltung deshalb ein interessantes Detail.

Palazzetto Imperato in Pescara – farbige Majoliken und mediterrane Motive

Ein besonders dekoratives Beispiel findet sich in Pescara mit dem Palazzetto Imperato. Das Gebäude gehört zur Architektur des Liberty-Stils und besitzt an der oberen Fassade farbige Majoliken mit mediterranen Motiven. Darunter befinden sich Darstellungen von Früchten wie Orangen.

Zusammen mit dem polygonalen Erker, den Fenstern und den floralen Ornamenten entsteht eine deutlich lebhaftere Fassade als bei vielen klassischen Palazzi. Hier wird Farbe nicht nur als dezente Ergänzung eingesetzt, sondern als bewusstes Gestaltungselement.

Santa Margherita dei Gesuiti in L’Aquila – eine unvollendete Fassade

Eine Besonderheit ganz anderer Art besitzt die Kirche Santa Margherita dei Gesuiti in L’Aquila. Ihre Fassade blieb unvollendet. Statt einer vollständig ausgeführten dekorativen Außenfassade ist heute weitgehend das ursprüngliche Mauerwerk sichtbar, während der untere Bereich mit Stein verkleidet wurde.

Gerade dieser unvollendete Zustand macht das Gebäude ungewöhnlich. Die Fassade zeigt nicht nur, wie ein historisches Bauwerk geplant und gestaltet wurde, sondern erinnert zugleich daran, dass viele Gebäude im Laufe ihrer Geschichte verändert, beschädigt oder nie vollständig fertiggestellt wurden.

Diese Beispiele zeigen, dass außergewöhnliche Fassaden in den Abruzzen nicht unbedingt durch besonders viel Schmuck auffallen müssen. Manchmal sind es glänzende Majolikafliesen, kräftige Farben, ungewöhnliche Balkone, mediterrane Motive oder sogar eine bewusst sichtbare Unvollständigkeit, die ein Gebäude unverwechselbar machen. Wer durch die historischen Städte und kleineren Orte der Region geht, sollte deshalb auch auf solche Details achten.

Die fesselnde Geschichte der Abruzzen

Geschichtlich gesehen hat Abruzzen viel zu bieten. Ob Höhlen der Prähistorie, Ausgrabungen der römischen und vorrömischen Zeit, Kirchen der Romanik und Renaissance-Städtchen, Burgen, Schlösser, Bergdörfer bis sehr moderne Städte.

In der Eisenzeit waren gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand der Wissenschaft die Bevölkerung der Mitteladriatischen Kultur, eine vorrömische Gesellschaft, die Bewohner der Abruzzen. Im Altertum waren Samniten die Bevölkerungsschicht der Region. Ein Zeitzeuge der vorrömischen Zeit ist die Statue „Guerrieri di Capestrano“.

Die Abruzzen gehörten im Frühmittelalter zum Herzogtum des Spoleto, welches langobardisch war. Unter den Staufern in Sizilien wurde es anschließend von Neapel verwaltet, nachdem es geteilt wurde. So wurde es 1861 zum Königreich Italien hinzugezählt. Klar definierte Grenzen für die Region gab es nicht. Provinz Campobasso wurde ausgegliedert und umgeformt zur Molise-Region.

Köstlichkeiten der Abruzzischen Küche

Die abruzzesischen Suppen haben einen gewissen Bekanntheitsgrad und sind unter der Bevölkerung und den Touristen sehr beliebt. Zumeist bestehen diese aus Meeresfrüchten, die mit Hüsenfrüchte verfeinert werden. Das Besondere an allen angebotenen Gerichten ist die Frische der Zutaten, da diese meist sogar aus eigenem Anbau stammen. Peperoni, Safran und Trüffel werden gern als Gewürze zur Verfeinerung in die Suppe gegeben, da diese einen unverwechelbaren Geschmack in das Gericht bringen.

Abruzzische Spezialitäten sind unter anderem das Sugo (bestehend aus Bauchspeck, Pecorino, Tomaten und Peperoncino) sowie gegrillte Arrosticini (Lammspieße).

Wer Nudeln zu seinem Gericht bestellt, bekommt zumeist hausgemachte und traditionell hergestellt Frischware. Ein bekanntes regionales Nudelgericht ist „Maccheroni alle Chitarra“. Ebenso zu den Spezialitäten gehörend sind bestimmte Wurstwaren, welche ebenfalls gern gegessen werden. Zu den bekannten Wurtswaren gehört die „Ventricina“.

Feste und Feierlichkeiten gehören zum Leben dazu

Die Region Abruzzen feiert sehr gern und vor allem zu kulinarischen Themen – eine „sagra“. Egal zu welcher Zeit man sie besucht, man wird mit Sicherheit eines der Feste erleben dürfen. Immer mit einem überwältigenden Feuerwerk untermalt und jeder Menge guter Laune. Da die religiöse Kultur weit verbreitet ist, finden sich immer wieder neue Anlässe. Zum 16. Januar eines jeden Jahres werden in Fara Filiorum „Farchie“ entzündet. Hierbei werden Schilfrohrbündel verbrannt, welche einen herrlichen Anblick ergeben. Die Osterprozession in Sulmona, das Schlangenfest in Cocullo sind ebenfalls nennenswert. Der Schutzpatron San Zopito wird in Loreto Aprutino mit kunstvoll geschmückten Ochsen gefeiert. Wer ein richtiges mittelalterliches Spektakulum erleben möchte, der sollte nach Popoli reisen. Hier beweisen sich die Abruzzen im Armbrustschießen und im Bogenschießen. Dabei wird zumeist eine ergreifende Liebesgeschichte erzählt.

Meine Fotos aus den Abruzzen

Liebe Leserin, lieber Leser, diesen kleinen Reiseführer über die Abruzzen habe ich mit viel Leidenschaft selbst erstellt, und hoffe, er hat Ihnen gefallen. Ich habe viele Eindrücke direkt vor Ort gesammelt und konnte viele schöne bis zum Teil kuriose Momente auf meinen Fotografien festhalten. Ich hatte häufig auch die Gelegenheit, mich mit Einheimischen tiefgründiger austauschen zu können, die mir dadurch den einen oder anderen Tipp gegeben haben. Wenn Sie Lust haben, schreiben Sie mir. Ich freue mich über jede Zuschrift. Es grüßt Sie herzlich aus dem schönen Italien, Sandra

Knautia calycina – eine seltene Knautien-Art der Majella

Auf einer trockenen, grasreichen Wiese im Majella-Gebirge habe ich diese auffallend kräftig pink gefärbte Blume fotografiert. Der einzelne Blütenkopf sitzt auf einem langen, schlanken Stängel und hebt sich deutlich von der umgebenden Wiesenvegetation ab. Nach dem Erscheinungsbild und dem Standort könnte es sich um Knautia calycina, eine in den Abruzzen vorkommende und in Italien endemische Knautien-Art, handeln. Die Art ist unter anderem aus trockenen Weideflächen der Majella bekannt. Gerade die intensive purpurrosa Färbung macht diese Pflanze besonders auffällig. Da auf meinem Foto jedoch die Blätter und weitere wichtige Bestimmungsmerkmale nur eingeschränkt zu erkennen sind, ist die Artbestimmung nicht mit letzter Sicherheit möglich. Die Aufnahme zeigt aber sehr schön, wie vielfältig und ungewöhnlich die Pflanzenwelt der Majella sein kann.

Vermutlich Knautia calycina – eine auffällig pink blühende Knautien-Art auf einer trockenen Wiese der Majella in den Abruzzen
Vermutlich Knautia calycina – eine auffällig pink blühende Knautien-Art auf einer trockenen Wiese der Majella in den Abruzzen

Die Einsiedelei Santo Spirito a Maiella

Die Einsiedelei Santo Spirito a Maiella gehört zu den eindrucksvollsten historischen Einsiedeleien im Majella-Gebirge. Abseits größerer Ortschaften liegt sie in einer abgeschiedenen Felslandschaft bei Roccamorice und vermittelt bis heute einen Eindruck von der ursprünglichen Einsamkeit, in der hier einst Eremiten lebten. Besonders eng ist der Ort mit Pietro da Morrone, dem späteren Papst Coelestin V., verbunden, der sich im 13. Jahrhundert mehrfach in der Einsiedelei aufhielt. Die Verbindung von Fels, Natur und schlichter Sakralarchitektur macht Santo Spirito a Maiella zu einem besonderen Ort innerhalb der zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten der Majella. Ich habe diesen Ort im September 2024 besucht und war von der Abgeschiedenheit und Ruhe dieses Ortes überwältigt. Nachfolgend finden Sie einige meiner Fotos zu diesem Ort.

Felsüberhang mit der Einsiedelei Santo Spirito a Maiella
Felsüberhang mit der Einsiedelei Santo Spirito a Maiella

Felsbogen und Durchgang zur Einsiedelei Santo Spirito a Maiella
Felsbogen und Durchgang zur Einsiedelei Santo Spirito a Maiella

Die Einsiedelei Santo Spirito a Maiella in der Felslandschaft der Majella
Die Einsiedelei Santo Spirito a Maiella in der Felslandschaft der Majella

Felswand der Einsiedelei Santo Spirito a Maiella
Felswand der Einsiedelei Santo Spirito a Maiella

Die Einsiedelei San Bartolomeo in Legio

Die Einsiedelei San Bartolomeo in Legio gehört zu den außergewöhnlichsten Einsiedeleien der Majella. Sie liegt bei Roccamorice in einer abgelegenen Felslandschaft des Vallone di San Bartolomeo und wurde direkt in einen etwa 50 Meter langen Felsvorsprung eingebaut. Schon der Zugang macht deutlich, wie abgeschieden dieser Ort ursprünglich war: Der letzte Abschnitt des Weges führt zu den in den Fels gehauenen Treppen, über die die kleine Felsenkirche erreicht wird.

Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück. Erste Einsiedler sollen sich bereits im 6. Jahrhundert in diesem Bereich niedergelassen haben. Eine besondere Bedeutung erhielt San Bartolomeo in Legio jedoch im 13. Jahrhundert durch Pietro da Morrone, den späteren Papst Coelestin V. Er nutzte die Einsiedelei über längere Zeit als Rückzugsort für Gebet und Meditation. Der Nationalpark Majella zählt San Bartolomeo zu den Einsiedeleien, die eng mit der eremitischen Tradition Pietro da Morrones und der Entstehung der späteren Celestiner verbunden sind.

Besonders beeindruckend ist die Verbindung zwischen Bauwerk und Landschaft. Die kleine Kapelle liegt unmittelbar unter dem Felsüberhang und scheint dadurch fast mit dem Berg zu verschmelzen. Teile der Anlage sind aus dem vorhandenen Fels herausgearbeitet, während schmale Treppen und Wege den Zugang zu den verschiedenen Bereichen ermöglichen. Gerade diese ungewöhnliche Architektur macht San Bartolomeo in Legio zu einem der eindrucksvollsten Beispiele für die Felseneremiten der Majella. Ich bin sehr froh, diesen Ort im September 2024 besucht zu haben. Der Weg dorthin war nicht allzu mühsam. Er war überwiegend flach mit leichten Steigerungen. Außergewöhnlich schön war die Aussicht auf dem Weg zur Einsiedelei. Ich habe zahlreiche Fotos gemacht, von denen ich einige hier präsentieren möchte. Unterhalb der Einsiedelei verläuft der Torrente Capo La Vena, und in der Nähe befindet sich die Sorgente del Catenaccio.

Eingang zur Einsiedelei San Bartolomeo in Legio
Eingang zur Einsiedelei San Bartolomeo in Legio

In den Fels gehauene Treppe bei San Bartolomeo in Legio
In den Fels gehauene Treppe bei San Bartolomeo in Legio

Hügellandschaft auf dem Weg zur Einsiedelei San Bartolomeo in Legio
Hügellandschaft auf dem Weg zur Einsiedelei San Bartolomeo in Legio

Schmaler Wanderweg zur Einsiedelei San Bartolomeo in Legio
Schmaler Wanderweg zur Einsiedelei San Bartolomeo in Legio

Wanderweg mit Ziegen auf dem Weg zur Einsiedelei San Bartolomeo in Legio
Wanderweg mit Ziegen auf dem Weg zur Einsiedelei San Bartolomeo in Legio

Wissenswertes und Kurioses aus den Abruzzen

Kurioses, historische Bauwerke und besondere Orte in den Abruzzen

In welchem Ort in den Abruzzen gibt es ein Märchenschloss, welches man besichtigen kann?

Ein besonders märchenhaft gelegenes Schloss befindet sich in Roccascalegna in der Provinz Chieti. Das Castello di Roccascalegna steht nicht mitten im Ort, sondern spektakulär auf einem schmalen, steil aufragenden Felsgrat über dem Dorf. Dadurch wirkt die Festung wie ein mittelalterliches Märchenschloss, das über dem Tal schwebt. Die Burg beherrscht den Blick über das Dorf, das Valle del Rio Secco und das weiterführende Sangro-Tal.

Die Ursprünge der Anlage reichen wahrscheinlich bis in die Zeit der Langobarden zurück. Eine erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem 12. Jahrhundert; vermutlich entstand an dieser strategisch wichtigen Stelle bereits mehrere Jahrhunderte zuvor eine Befestigung. Die Burg wurde im Laufe der Zeit erweitert und verändert, sodass heute verschiedene Bauphasen erkennbar sind. Besonders eindrucksvoll sind der Zugang über den Felsen, die Wehrmauern und der Blick über die umliegenden Berge.

Das Castello di Roccascalegna gehört heute zu den bekannten Sehenswürdigkeiten der Abruzzen und kann besichtigt werden. Gerade die Verbindung aus mittelalterlichem Dorf, steilem Felsen und Burganlage macht den Ort zu einem der ungewöhnlichsten historischen Ziele der Region. Die regionale Tourismusbehörde bezeichnet die Burg ausdrücklich als ein Schloss, wie man es aus Märchen kennt.

Welches ist die älteste Kirche in den Abruzzen?

Eine eindeutige Antwort hängt davon ab, ob man nach dem ältesten erhaltenen Kirchenbau oder nach dem ältesten nachweisbaren christlichen Kultort fragt. Besonders bedeutend ist in diesem Zusammenhang die Chiesa di San Pietro ad Alba Fucens bei Massa d’Albe in der Provinz L’Aquila. Dort gibt es bereits aus der Mitte des 6. Jahrhunderts n. Chr. Hinweise auf eine christliche Nutzung.

Das Besondere ist, dass die heutige Kirche auf den Resten eines wesentlich älteren römischen Tempels errichtet wurde. Der Tempel war dem Apollo geweiht und entstand bereits im 3. Jahrhundert v. Chr.. In der frühchristlichen Zeit wurde dieser Tempel in eine Kirche umgewandelt. Von dieser ersten christlichen Phase sind allerdings nur wenige Spuren erhalten. Der heutige Kirchenbau erhielt seine charakteristische dreischiffige Gestalt vor allem durch Umbauten im 12. Jahrhundert.

San Pietro ad Alba Fucens ist deshalb besonders interessant, weil hier mehrere Epochen unmittelbar übereinanderliegen: ein vorchristlicher beziehungsweise römischer Tempel, die frühchristliche Nutzung und die mittelalterliche Kirche. Die römischen Mauern und Säulen sind teilweise direkt in den späteren Kirchenbau integriert. Die Kirche kann besichtigt werden, wobei für die Innenbesichtigung eine vorherige Kontaktaufnahme empfohlen wird.

Welche Kirchen weisen noch heute Fresken aus byzantinischer oder frühchristlicher Zeit auf?

In den Abruzzen gibt es mehrere Kirchen mit sehr starkem byzantinischem beziehungsweise byzantinisch-benediktinischem Einfluss. Dabei sollte man allerdings zwischen tatsächlich frühchristlichen Fresken und mittelalterlichen Fresken unterscheiden, die sich stilistisch und ikonografisch an der byzantinischen Tradition orientieren. Wirklich erhaltene Fresken aus der frühchristlichen Spätantike sind in den Abruzzen ausgesprochen selten.

Besonders bedeutend ist die Chiesa di San Pietro ad Oratorium bei Capestrano. In der Apsis befindet sich ein großartiger Freskenzyklus vom Beginn des 12. Jahrhunderts. Dargestellt sind Christus als Herrscher zwischen den Evangelistensymbolen sowie die 24 Ältesten der Apokalypse. Der Stil gehört zur sogenannten byzantinisch-benediktinischen Tradition, die im mittelalterlichen Abruzzen eine wichtige Rolle spielte. Die Kirche geht in ihren Ursprüngen wahrscheinlich bis in die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts zurück.

Ein zweites herausragendes Beispiel ist Santa Maria ad Cryptas in Fossa. Die ältesten erhaltenen Fresken stammen aus dem 13. Jahrhundert und wurden von Künstlern der byzantinisch-kassinesischen Tradition geschaffen. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen aus der Genesis, die Darstellungen der Passion Christi und die Figuren in der Apsis. Der Zyklus zeigt, wie stark die Kunst des mittelalterlichen Abruzzens noch von byzantinischen Bildtraditionen geprägt war.

Weitere bedeutende mittelalterliche Freskenzyklen finden sich im Oratorio di San Pellegrino in Bominaco sowie in Santa Maria di Ronzano. In Bominaco sind die Wände fast vollständig mit Szenen aus dem Evangelium, einer Deesis und einem außergewöhnlichen mittelalterlichen Kalender geschmückt. Santa Maria di Ronzano besitzt einen besonders alten Apsiszyklus aus dem Jahr 1181 mit Christus in der Mandorla, Engeln, Heiligen und Szenen aus dem Leben Jesu.

Wenn Sie speziell nach frühchristlicher Kunst suchen, ist wiederum San Pietro ad Alba Fucens interessant: Dort sind zwar keine großen frühchristlichen Fresken erhalten, aber es gibt archäologische Spuren der christlichen Nutzung aus dem 6. Jahrhundert.

Gibt es Höhlenkirchen in den Abruzzen?

Ja. Die Abruzzen gehören sogar zu den Regionen Italiens mit einer besonders eindrucksvollen Tradition von Felsenklöstern, Höhlenkirchen und in den Fels gearbeiteten Einsiedeleien. Besonders zahlreich sind sie in der Maiella, im Gebiet des Gran Sasso und in den Tälern rund um L’Aquila und Sulmona.

Ein außergewöhnliches Beispiel ist die Grotta di Sant’Angelo bei Palombaro in der Provinz Chieti. In einer großen natürlichen Felsnische befinden sich die Überreste einer mittelalterlichen Felskirche, die wahrscheinlich im 11. oder 12. Jahrhundert entstand. Die natürliche Höhle wurde dabei nicht nur als Schutzraum genutzt, sondern in die religiöse Architektur einbezogen. Noch heute sind Mauerreste, eine Apsis und in den Fels geschlagene Wasserbecken erkennbar.

Auch die Grotta di Sant’Angelo bei Pescocostanzo ist außergewöhnlich. Dort wurde eine kleine Kirche direkt am Fuß einer Felswand beziehungsweise innerhalb eines natürlichen Felsraumes angelegt. Das mittelalterliche Eremitenheiligtum wird bereits im 11. beziehungsweise 12. Jahrhundert greifbar und wurde nach einer umfassenden Restaurierung wieder als historisches Zeugnis zugänglich gemacht.

Besonders spektakulär ist außerdem der Eremo di San Venanzio bei Raiano. Die Kirche klebt förmlich an einem Felsvorsprung über der Gola di San Venanzio. Von der Kirche führt eine in den Felsen geschlagene sogenannte heilige Treppe zu einer kleinen Höhle, die mit dem Leben des heiligen Venanzio verbunden wird. Die Verbindung von Kirche, Felswand, Höhle und Schlucht macht diesen Ort zu einem der ungewöhnlichsten religiösen Bauwerke der Abruzzen.

Welche Einsiedelei kann man in den Abruzzen besichtigen?

Eine der bekanntesten und am eindrucksvollsten erhaltenen Einsiedeleien ist der Eremo di Santo Spirito a Majella bei Roccamorice. Die Anlage liegt abgeschieden in einem engen Tal der Maiella und wurde über Jahrhunderte von Einsiedlern und Mönchen genutzt. Besonders eng ist der Ort mit Pietro da Morrone verbunden, dem späteren Papst Celestino V.

Bereits im 11. Jahrhundert lebten hier Einsiedler. Im Jahr 1246 kam Pietro da Morrone an den Ort und begann mit der Erneuerung der Anlage. Heute besteht der Komplex aus Kirche, Sakristei, ehemaligen Mönchszellen, Refektorium, Bibliothek, Kapellen und weiteren Räumen. Besonders interessant ist die unterhalb der Kirche gelegene Höhle, in der die frühen Eremiten gelebt haben sollen.

Daneben gibt es weitere außergewöhnliche Einsiedeleien. Der Eremo di San Bartolomeo di Legio liegt in einer Felsspalte über dem Valle Giumentina und ist über einen Wanderweg erreichbar. Der Eremo di San Giovanni all’Orfento ist noch abgeschiedener: Teile der Anlage wurden unmittelbar in den Fels gearbeitet, und der Zugang führt teilweise über einen sehr schmalen, in die Felswand geschlagenen Weg. Für diesen Eremitenort ist allerdings eine Registrierung beziehungsweise Genehmigung über das Besucherzentrum erforderlich, und der Zugang ist nur für erfahrene Wanderer geeignet.

Gibt es heute noch bestehende Bauwerke aus römischer oder griechischer Zeit in den Abruzzen?

Aus der römischen Zeit sind in den Abruzzen zahlreiche Bauwerke und archäologische Anlagen erhalten. Besonders eindrucksvoll ist Alba Fucens bei Massa d’Albe. Die römische Stadt wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. gegründet und besitzt noch heute Reste von Stadtmauern, Straßen, Forum, Basilika, Thermen, Heiligtümern und einem Amphitheater. Die archäologische Stätte ist öffentlich zugänglich.

Auch Amiternum bei L’Aquila vermittelt einen sehr guten Eindruck von einer römischen Stadt. Besonders sichtbar ist das im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtete Amphitheater mit Teilen der Cavea, dem äußeren Umgang und dem monumentalen Zugang zur Arena. Außerdem sind das römische Theater, eine Domus mit Mosaiken und ein Abschnitt der Via Caecilia erhalten.

Interessant ist auch San Pietro ad Alba Fucens: Die heutige mittelalterliche Kirche steht auf den erhaltenen Mauern eines römischen Apollo-Tempels aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Dadurch kann man an einem einzigen Gebäude nachvollziehen, wie sich ein antiker Tempel über die frühchristliche Nutzung bis zur mittelalterlichen Kirche weiterentwickelte.

Bei griechischen Bauwerken muss dagegen unterschieden werden: Die Abruzzen gehörten nicht zum Kerngebiet der griechischen Kolonisation wie beispielsweise Teile Süditaliens oder Siziliens. Deshalb sind hier keine vergleichbaren vollständig erhaltenen griechischen Tempel zu erwarten. Vor allem die italischen, samnitischen und später römischen Kulturen prägten die antike Architektur der Region.

An welchem See in den Abruzzen ist Camping möglich?

Besonders gut lässt sich Camping am Lago di Barrea mit einem Aufenthalt in der Natur verbinden. Der See liegt im Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise und ist von Bergwäldern und mehreren historischen Orten umgeben. In unmittelbarer Umgebung gibt es mehrere Campingplätze, sodass der See auch für einen längeren Aufenthalt geeignet ist.

Der Camping La Genziana in Barrea liegt auf etwa 1.100 Metern Höhe und bietet Stellplätze für Zelte, Wohnmobile und Wohnwagen mit Blick auf das Tal des Lago di Barrea. Auch vom Campingplatz Wolf in Civitella Alfedena ist der See in kurzer Zeit zu Fuß erreichbar.

Eine weitere interessante Möglichkeit bietet der Lago di Scanno. Der Campingplatz I Lupi befindet sich unmittelbar am Seeufer in der Gemeinde Villalago und verfügt über zahlreiche Stellplätze sowie eine eigene Uferzone. Auch am Lago di Campotosto gibt es Möglichkeiten für Camper und Naturliebhaber; dieser große künstliche See liegt am Rand des Nationalparks Gran Sasso e Monti della Laga.

Gibt es einen Zoo in den Abruzzen?

Ja. In den Abruzzen gibt es den Zoo d’Abruzzo in Rocca San Giovanni in der Provinz Chieti. Der zoologische Park liegt nahe der Costa dei Trabocchi und besitzt eine offizielle zoologische Lizenz. Er zeigt sowohl einheimische als auch exotische Tierarten und verfolgt nach eigenen Angaben einen Schwerpunkt auf Umweltbildung und Biodiversität.

Zu den gehaltenen Tieren gehören unter anderem Löwen, Giraffen, Elefanten, Nashörner, Alligatoren, Lemuren und verschiedene Vogelarten. Der Zoo ist als Fußweg durch verschiedene Themenbereiche angelegt. Nach den aktuellen Angaben des Zoos leben dort rund 250 Tiere aus etwa 50 Arten; die Website nennt an anderer Stelle eine Zahl von über 300 Tieren, sodass sich die genaue Zahl im Laufe der Erweiterung verändern kann.

Der Zoo befindet sich in Contrada Scalzino in Rocca San Giovanni, nur wenige Minuten von der Autobahnausfahrt Lanciano entfernt. Damit lässt er sich auch gut mit einem Aufenthalt an der Costa dei Trabocchi verbinden.

Welche seltene Pflanze kann man in den Abruzzen finden?

Die Abruzzen besitzen eine außergewöhnlich artenreiche Pflanzenwelt. Eine besonders interessante Rarität ist die Pinguicula vallis-regiae, die sogenannte Pinguicula von Villetta Barrea. Es handelt sich um eine kleine fleischfressende Pflanze, die im Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise endemisch ist und somit nur in diesem begrenzten Gebiet vorkommt.

Die Pflanze ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sie ihre Nährstoffe nicht ausschließlich über den Boden gewinnt. Ihre Blätter besitzen klebrige Oberflächen, mit denen kleine Insekten gefangen werden können. Zusammen mit der sehr begrenzten Verbreitung macht dies die Pflanze zu einer botanischen Besonderheit der Abruzzen.

Eine weitere botanische Besonderheit ist die Iris marsica, eine endemische Schwertlilie des Nationalparks. Auch der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus) ist außergewöhnlich selten. Er wächst in feuchten Waldgebieten und blüht vor allem im Mai und Juni. Wer solche seltenen Pflanzen entdeckt, sollte sie keinesfalls pflücken oder ausgraben, da gerade bei kleinen Populationen bereits einzelne Eingriffe problematisch sein können.

Welches ist der längste Wanderweg in den Abruzzen?

Eine Besonderheit ist, dass sich die Antwort je nach Definition unterscheidet. Der Sentiero Italia CAI führt auf seiner landesweiten Route durch die Abruzzen. Der regionale Abschnitt umfasst nach Angaben des CAI mehr als 260 Kilometer und 17 Etappen; eine aktuelle touristische Darstellung nennt rund 300 Kilometer beziehungsweise 18 Etappen. Die unterschiedlichen Angaben hängen mit der jeweiligen Routenführung und Zählweise zusammen.

Wenn Sie dagegen einen langen Fernwanderweg betrachten möchten, dessen Verlauf in Abruzzo besonders stark ausgeprägt ist, ist auch der Cammino della Pace interessant. Von L’Aquila führt er über Abruzzen, Molise und Apulien bis nach Monte Sant’Angelo. Der abruzzesische Abschnitt umfasst rund 272 Kilometer und 19 Etappen; die Gesamtroute ist deutlich länger.

Eine weitere rein auf die Geschichte und Spiritualität der Abruzzen ausgerichtete Möglichkeit ist der Cammino Grande di Celestino. Seine längste Variante verbindet L’Aquila mit Ortona und umfasst rund 225 Kilometer. Damit gehört auch dieser Weg zu den großen mehrtägigen Wanderungen der Region.

Welcher Wanderweg ist auch für Kinder machbar?

Für Familien eignet sich beispielsweise der Sentiero F2 in der Val Fondillo im Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise. Der Weg folgt dem Tal des Torrente Fondillo und führt durch Buchenwälder und offene Lichtungen bis zu einer Quelle. Das Gebiet verbindet Naturerlebnis und leichte Wanderung, ohne dass dafür eine anspruchsvolle Bergtour notwendig ist.

Der Nationalpark stuft diesen Weg als leicht ein und beschreibt ihn ausdrücklich als für Familien mit kleinen Kindern geeignet. Bei jüngeren Kindern wird allerdings eine Trage beziehungsweise eine Kinderkraxe empfohlen, da es sich trotz der geringen Schwierigkeit um einen natürlichen Bergweg handelt und nicht um einen durchgehend ebenen Spazierweg.

Auch die Camosciara bei Pescasseroli bietet kurze, familienfreundliche Wege. Eine vom Nationalpark beschriebene Route ist etwa vier Kilometer lang und weist nur moderate Höhenunterschiede auf. Ein Teil der Strecke ist sogar mit Kinderwagen begehbar; der Abschnitt zu den Wasserfällen ist dagegen schwieriger.

Gibt es in den Abruzzen Buchten mit Stränden?

Ja. Besonders im südlichen Küstenabschnitt der Abruzzen wechseln sich Sandstrände, Kiesbuchten, Felsufer, kleine Meeresbuchten und steile Klippen ab. Besonders bekannt ist die Costa dei Trabocchi zwischen Ortona und Vasto in der Provinz Chieti.

Anders als an den langen, flachen Sandstränden im Norden der Region besitzt die Costa dei Trabocchi stellenweise eine deutlich zerklüftetere Küste. Zu den bekannten Buchten und Strandabschnitten gehören unter anderem Punta dell’Acquabella, Trave, Casarza, Cungarelle, San Nicola, Canale und Vignola. Viele dieser Stellen liegen unterhalb von Klippen oder sind von natürlicher Vegetation umgeben.

Besonders reizvoll ist auch die Umgebung von Rocca San Giovanni und Fossacesia, wo kleine Buchten zwischen felsigen Abschnitten und Kiesstränden liegen. Bei Le Morge in Torino di Sangro wechselt die Küste zwischen steinigeren Bereichen und sandigeren kleinen Buchten. Die Punta-Aderci-Naturreserve bei Vasto verbindet einen natürlichen Küstenabschnitt mit einem Sandstrand und einem markanten Vorgebirge.

Gibt es eine Geisterstadt in den Abruzzen?

Ja. In den Abruzzen gibt es sogar mehrere aufgegebene oder weitgehend verlassene Siedlungen, die heute als Geisterdörfer beziehungsweise „ghost villages“ bezeichnet werden. Ein besonders interessantes Gebiet befindet sich in der Gemeinde Rocca Santa Maria in der Provinz Teramo.

Dort liegen die aufgegebenen Dörfer Serra, Martese und Tavolero. Die Siedlungen wurden im Laufe der Zeit aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen verlassen. Heute sind sie vor allem für Besucher interessant, die sich für sogenannte „Abandonment“-Orte interessieren und die Verbindung von verlassenen Gebäuden und überwuchernder Natur erleben möchten. Die regionale Tourismusbehörde führt diese drei Orte ausdrücklich als „ghost villages“ auf.

Ein weiteres bekanntes Beispiel ist Roccacaramanico in der Maiella. Das Dorf wurde weitgehend aufgegeben und wird in touristischen Informationen als verlassenes Dorf beschrieben. Seine Lage in den Bergen macht den Ort besonders eindrucksvoll: Die alten Häuser und Wege liegen in einer Landschaft, die von Wäldern und Hochflächen geprägt ist. Heute ist Roccacaramanico vor allem ein Ziel für Wanderer und Besucher, die sich für historische Siedlungsstrukturen interessieren.

Auch Aielli in der Marsica wurde nach dem Erdbeben von 1915 und der anschließenden Abwanderung zeitweise als eine Art Geisterdorf wahrgenommen. Im Gegensatz zu den vollständig oder weitgehend verlassenen Siedlungen wurde Aielli jedoch erfolgreich wiederbelebt. Das Projekt „Borgo Universo“ verwandelte den Ort mit großflächiger Street-Art und astronomischen Angeboten in ein modernes Kulturziel.