Ein Spaziergang zwischen alten, zinnenbewehrten Festungen aus der Renaissance und antiken Wachtürmen, zwischen traditionellen Trulli und beeindruckenden Höhlenwohnungen oder durch pittoreske mittelalterliche Dörfer mit verwinkelten Gassen und tiefen Schluchten zeigt, wie vielfältig Apulien ist. Die Region reicht von der Adriaküste bis in den äußersten Süden des italienischen Stiefels und verbindet jahrtausendealte Geschichte mit außergewöhnlichen Landschaften, besonderen Orten und einer ganz eigenen Architektur. Besonders bekannt ist Apulien als Region der Trulli: Die weiß getünchten Rundhäuser mit ihren kegelförmigen Steindächern prägen vor allem das Landschaftsbild rund um das Valle d’Itria.
Ich liebe Apulien, auch wenn die Region in den vergangenen Jahren immer mehr Besucher anzieht. In bekannten Orten werden die Gassen voller, Souvenirstände nehmen zu und manche kleinen, einst idyllischen Fischerdörfer verlieren dadurch einen Teil ihres ursprünglichen Charms. Ganz allein ist man hier vielerorts nicht mehr. Trotzdem gibt es in Apulien noch zahlreiche Gegenden, in denen Sie dem Touristenandrang entgehen und die Landschaft, die Dörfer und die besondere Atmosphäre der Region in Ruhe entdecken können.
Auf dieser Seite stelle ich Ihnen die Sehenswürdigkeiten Apuliens, außergewöhnliche Orte, die Region der Trulli, besondere Landschaften, historische und außergewöhnliche Bauwerke und einige weniger bekannte Ziele vor. Dazu finden Sie spezielle Karten, mit denen Sie die Lage der Sehenswürdigkeiten besser einschätzen und Ihre Reise durch Apulien gezielter planen können.
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Übersichtskarte Apuliens mit Provinzen und größeren Städten
Administrativ ist Apulien in sechs Verwaltungseinheiten gegliedert: die fünf Provinzen Foggia, Barletta-Andria-Trani, Bari, Taranto und Lecce sowie die Metropolitanstadt Bari. Die Provinz Barletta-Andria-Trani wurde erst 2004 eingerichtet und nahm ihre administrativen Funktionen ab 2009 auf.
Die Hauptstadt Bari ist mit 316.248 Einwohnern (ISTAT, Stand 31. Dezember 2025) die größte Stadt Apuliens und gehört zu den bedeutenden Städten Süditaliens. Mit ihrer Lage an der Adriaküste ist sie zugleich ein wichtiges wirtschaftliches, kulturelles und verkehrstechnisches Zentrum der Region.
Apulien umfasst eine Fläche von rund 19.365,8 Quadratkilometern und hat etwa vier Millionen Einwohner. Damit leben durchschnittlich rund 210 Menschen auf einem Quadratkilometer. Die Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur unterscheidet sich innerhalb der Region allerdings deutlich: Während Bari und die größeren Städte dicht besiedelt sind, gibt es im Landesinneren weitläufige ländliche Gebiete und kleinere Ortschaften.

Apulien in Zahlen und Besonderheiten
Apulien kann auch einige bemerkenswerte geografische, kulturelle und historische Besonderheiten vorweisen. Ich habe eine Übersicht zusammengestellt, die ausgewählte Superlative und Besonderheiten Apuliens zeigt – von den höchsten Bergen über die tiefsten Schluchten bis zu den ältesten Bauwerken. Reisende, die sich in Apulien befinden, können somit gezielt ohne langes Suchen und Recherchieren einen der folgenden Punkte ansteuern.
Superlative und Besonderheiten Apuliens
Der Camping Resort Riva di Ugento an der Küste bei Ugento im Salento gehört zu den größten Campinganlagen Apuliens. Die Anlage erstreckt sich über rund 33 Hektar und verfügt über etwa 1.100 Stellplätze. Damit ist Riva di Ugento nach der derzeit verfügbaren Datenlage der größte Campingplatz Apuliens, wenn die Gesamtfläche der Anlage als Maßstab zugrunde gelegt wird.
Der Cutino d’Umbra im Gargano wird in der regionalen Fachplanung mit einer Fläche von rund 0,81 Hektar als kleinster natürlicher See Apuliens geführt. Die Einstufung ist jedoch nicht völlig eindeutig, da einige Quellen das Gewässer als künstlich angelegt bezeichnen.
Der Lago Pescara bei Biccari liegt auf rund 900 m Höhe und ist laut ISPRA der einzige natürliche Bergsee Apuliens. Der See umfasst etwa 3 Hektar und erreicht eine maximale Tiefe von rund 6 m.
Kathedrale San Cataldo in Tarent gilt als eine der ältesten Kathedralen Apuliens. Eine erste sakrale Anlage an dieser Stelle soll bereits im 5. Jahrhundert bestanden haben; der heutige Bau geht wesentlich auf das 10. Jahrhundert zurück.
Der Trullo Marziolla bei Locorotondo gilt als der älteste dokumentierte Trullo im Valle d’Itria. Die Jahreszahl 1559 ist am Eingang eingemeißelt. Das Gebäude ist ein besonders anschauliches Beispiel für die frühe ländliche Trockensteinarchitektur.
Das MArTA – Museo Archeologico Nazionale di Taranto gehört mit rund 6.000 m² Ausstellungsfläche zu den größten und bedeutendsten archäologischen Museen Apuliens. Seine Sammlung dokumentiert die Geschichte Tarents und der Magna Graecia von der Vorgeschichte bis in die Spätantike.
Bei den mittelalterlichen Burgen Apuliens sind eindeutige Datierungen teilweise schwierig, da viele Anlagen auf älteren Befestigungen errichtet und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert wurden. Das Castello Svevo di Bari besitzt einen normannischen Kern, dessen älteste erhaltene Bauteile in das 11. Jahrhundert zurückreichen. Damit gehört die Anlage zu den frühen mittelalterlichen Befestigungen der Region.
Der Palazzo Ducale in Martina Franca zählt zu den bedeutenden Beispielen für die Verbindung von Renaissance und Barock in Apulien. Der Bau wurde ab 1668 auf den Resten einer älteren Burg errichtet und prägt bis heute das Stadtbild.
Bei den regulären Strandplätzen mit einem Sonnenschirm und zwei Liegen wurden 2026 in der Region Porto Cesareo und Nardò Preise von bis zu 50 Euro pro Tag festgestellt. Im gesamten Salento lag der durchschnittliche Preis 2026 bei 31,75 Euro. Zum Vergleich: 2021 waren es durchschnittlich 25,32 Euro. Damit stiegen die Preise innerhalb von fünf Jahren um rund 25 Prozent.
In aktuellen Verzeichnissen werden in Apulien sogar sehr kurze Wege erfasst. Das TourPuglia-Wegenetz enthält beispielsweise Strecken von nur etwa 0,1 km. Diese kurzen Abschnitte sind eher als lokale Wege oder kurze Verbindungen denn als klassische Wanderungen zu verstehen.
Nach dem aktuellen AllTrails-Verzeichnis ist die Route Molfetta – Calendano – Gravina – Diga – Tufara – Poggiorsini – Cavoni mit rund 152,7 km die längste dort für Apulien erfasste Wanderroute.
In Apulien sind derzeit 323 Wege mit verifizierter Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen erfasst. Ein besonders gut geeigneter Weg ist beispielsweise der Sentiero BA11 in der Provinz Bari. Die Strecke ist etwa 5,6 km lang, weist nur rund 15 Höhenmeter auf und ist durchschnittlich 5,1 m breit. Sie wird vollständig als asphaltierte bzw. betonierte Strecke geführt und ist ausdrücklich als für Menschen mit Behinderungen zugänglich gekennzeichnet. Eine weitere kurze Möglichkeit ist der Sentiero BA0 mit etwa 1,5 km Länge und ohne nennenswerten Höhenunterschied.
Die Tremiti-Inseln gehören zu den bekanntesten Tauchgebieten Apuliens. Besonders bekannt ist die Secca di Punta Secca vor San Domino mit Steilwänden, Höhlen und einer artenreichen Unterwasserwelt.
Celle di San Vito in der Provinz Foggia ist die einwohnerärmste Gemeinde Apuliens. 2026 wurden dort 144 Einwohner genannt. Damit gehört der Ort zu den kleinsten Gemeinden Italiens.
Monteleone di Puglia in den Monti Dauni liegt auf etwa 842 m Höhe und gilt als höchstgelegene Gemeinde Apuliens.
Bari ist die größte Stadt Apuliens und zugleich Hauptstadt der Region. Die Stadt ist das wichtigste urbane Zentrum Apuliens und ein bedeutender Hafen- und Verkehrsknotenpunkt.
Der Ofanto ist mit rund 170 km der längste Fluss, der durch Apulien fließt. Er entspringt in Kampanien und erreicht bei Barletta die Adriaküste.
Die Gravina di Laterza erreicht eine maximale Tiefe von etwa 200 m und erstreckt sich über rund 12 km. Sie gehört zu den eindrucksvollsten Schluchten Apuliens und ist Teil des Naturparks Terra delle Gravine.
Die Vicia giacominiana, eine seltene Wickenart, gehört zu den bemerkenswertesten endemischen Pflanzen Apuliens. Sie wird von der Region als punktuell endemische und sehr seltene Art beschrieben und kommt insbesondere im Gebiet von Santa Maria di Leuca vor.
Der Charakter Apuliens
Apulien ist ein Land der Eroberungen und Herrschaften, der epischen Schlachten und opulenten Höfen, das sich insbesondere durch die Vielzahl an Schlössern, Burgen und Festungen wie ein dichtes Netz durch die Region zieht.
Das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Castel del Monte, die außergewöhnliche Festungsanlage aus der Zeit Friedrichs II., ist eines der bekanntesten Monumente Apuliens.
In einer Vielzahl von Museen sind umfangreiche Sammlungen von Gegenständen der Römer, Griechen, Byzantiner und Messapier, den Einwohnern des südlichen Teils von Japygien, das heißt in der Gegend um die Städte Brindisi, Lecce und Taranto, zu bestaunen.
Alte Bibliotheken offenbaren nicht selten ganze Schatzkammern der Kunst mit ihren reich mit Fresken geschmückten Gewölben und Kreuzgängen. Versteckte Einsiedlereien, einzigartige Krypten, in den Fels gehauene Kapellen, romanische Kathedralen und barocke Kirchen laden zum Verweilen und Innehalten ein. Das regelmäßige Läuten der Glocken erinnert an den tiefen Glauben, der in Apulien bis heute Bestand hat.
Antike Amphitheater und Terrassen, steinerne Sonnenuhren, megalithische Zeugnisse, alte Stadtmauern und archäologische Parks laden Sie ein, bis in die Antike zurückzureisen.
Apulien besitzt jedoch nicht nur oberirdisch eine große Vielfalt an Sehenswürdigkeiten. Auch unter der Erde gibt es viel zu entdecken. Meereshöhlen, Karst-Amphitheater und Höhlenwohnungen warten nur darauf, entdeckt zu werden. Viele von ihnen liegen in außergewöhnlichen Landschaftsräumen, etwa in den Schluchten Apuliens, den mediterranen Canyons mit ihren steilen Felswänden und weiten Ausblicken.
Geographie und Geologie
Am Adriatischen und Ionischen Meer gelegen, erreicht die Küste Apuliens in der Gegend Otranto den östlich gelegensten Punkt Italiens. Dieser ist gerade mal 80 Kilometer von der albanischen Küste entfernt.
Etwa 45 Prozent Apuliens sind als Hügellandschaft vorhanden und etwa 53 Prozent als Ebenen. Als Gebirgslandschaft können etwa 2 Prozent gezählt werden.
Im Vergleich zu vielen anderen Regionen Italiens ist Apulien eine der flachsten Regionen des Landes. Von Norden nach Süden teilen sich die einzelnen Landschaften auf. Dazu zählen die Halbinsel Gargano als bergige Gegend mit seinen Tremiti-Inseln, die vorgelagert sind und die Ebenen Tavoliere delle Puglie, Terra di Bari, die Kalkhocheben Murge sowie die Küstenebene Tarent.
Das Valle d’Itria liegt im zentralen Apulien und erstreckt sich über Teile der Provinzen Bari, Brindisi und Taranto. Südlich schließt sich die Halbinsel Salento an, die den südlichen Teil Apuliens bildet.
Die Grenze zu Kampanien bildet das Gebirge Monti della Daunia, welches eine Höhe zusammen mit dem Monte Cornacchia von 1.152 Meter erreicht.

Grotten, Schluchten und Landschaften
Die tiefe Schlucht Gravina di Puglia nahe Bari wird von zahlreichen Höhlen, Häusern und mit Fresken bemalte Kirchen bevölkert. Kennzeichnend für die gleichnamige Stadt Gravina di Puglia, die sich am Ende der Schlucht erstreckt, ist ein Höhlensystem, das mit dem dichten System der Hypogäen (Hypogäum) in den Stadtvierteln von Bari Piaggio und Fondovico verbunden ist. Viele der unterirdischen Höhlen wurden im Laufe der Jahrhunderte zu Ställen oder Kellern umfunktioniert, doch bewahrt ein Großteil auch zahlreichen Höhlenwohnungen aus längst vergangener Zeiten ähnlich wie in Matera in der Basilikata. Diese waren übereinander liegend erbaut. Eine Außentreppe verband sie miteinander.
Karte der tiefsten Schluchten in Apulien
Apulien besitzt auch eine beeindruckende Schluchtenlandschaft. Besonders im Gebiet der Terra delle Gravine zwischen Bari, Tarent und der Grenze zur Basilikata haben Flüsse und Bäche über Jahrtausende tiefe Einschnitte in den weichen Kalkstein gegraben. Diese sogenannten Gravinen sind teilweise mehrere Kilometer lang und erreichen stellenweise Tiefen von weit über 100 Metern. Zu den eindrucksvollsten Beispielen zählt die Gravina di Laterza, die mit ihren bis zu rund 200 Meter hohen Felswänden als eine der tiefsten und spektakulärsten Schluchten Apuliens gilt. Auch die Gravina di Castellaneta, die Gravina di Ginosa und die Schluchten bei Palagianello beeindrucken durch steile Felswände, Höhlen, natürliche Terrassen und teilweise in den Fels gehauene Kirchen. Viele dieser Schluchten sind zugleich wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere und zeigen, wie eng die Natur- und Kulturgeschichte Apuliens miteinander verbunden sind.

Sehenswürdigkeiten in Apulien
Apulien gehört zu den Regionen Italiens, in denen sich Geschichte und Landschaft besonders unmittelbar in der Architektur widerspiegeln. Über die gesamte Region verteilt finden sich mittelalterliche Burgen, normannische und staufische Festungen, barocke Kirchen, historische Adelspaläste, Wachtürme und archäologische Stätten. Daneben gibt es Bauformen, die so eng mit der Landschaft verbunden sind, dass sie zu einem charakteristischen Bestandteil des regionalen Erscheinungsbildes geworden sind.
Besonders deutlich zeigt sich diese Verbindung bei den traditionellen Trulli, den Masserien und den aus Trockenmauerwerk errichteten Begrenzungen der Felder. Auch die historischen Städte und Dörfer Apuliens besitzen eine große architektonische Vielfalt. Im Valle d’Itria bestimmen weiß gekalkte Häuser und kegelförmige Steindächer das Landschaftsbild, während im Salento kunstvoll verzierte Barockfassaden zu finden sind. An der Küste prägen dagegen Wachtürme, befestigte Höfe und ehemalige Küstenfestungen die Architektur.

Eine Kirche mit dem typischen Trullo-Dach
10 bedeutende Sehenswürdigkeiten für Ihren Urlaub
Nachfolgend stelle ich Ihnen zehn besonders bedeutende und sehenswerte Orte und Bauwerke Apuliens vor, die Sie bei Ihrer Reise durch die Region besuchen können.
Das berühmte achteckige Kastell Friedrichs II. bei Andria gehört zum UNESCO-Welterbe.
Die historischen Trulli mit ihren charakteristischen kegelförmigen Dächern prägen das Ortsbild.
Eine der bedeutendsten romanischen Kirchen Apuliens und ein wichtiger Pilgerort.
Ein weit verzweigtes Höhlensystem mit beeindruckenden Tropfsteinformationen bei Castellana Grotte.
Die Stadt ist besonders für ihre zahlreichen Bauwerke des süditalienischen Barocks und den charakteristischen „Lecce-Stein“ bekannt.
Die auf einem Hügel gelegene historische Altstadt ist für ihre weiß getünchten Häuser und engen Gassen bekannt.
Die auf Felsen über der Adria errichtete Altstadt bietet spektakuläre Ausblicke auf die Küste und das Meer.
Das ehemalige Kloster bei Lecce zählt zu den bedeutenden historischen Sakralanlagen des Salento und verbindet romanische Architektur mit mittelalterlichen Fresken.
Die Küstenstadt im Salento verbindet eine historische Altstadt, eine mächtige Festung und die Kathedrale mit ihrem berühmten Mosaikboden.
Die historische Altstadt liegt auf einer Insel vor der Küste und ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden.
Die Trulli – Apuliens bekannte Sehenswürdigkeit
Mehrere bedeutende Kultur- und Naturstätten der Region gehören zum UNESCO-Welterbe. Zu den bekanntesten zählen die Trulli von Alberobello und Castel del Monte. Auch der traditionelle Trockenmauerbau, der in Apulien seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle spielt, gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
Wer Apulien bereist, entdeckt deshalb nicht nur einzelne Sehenswürdigkeiten. Oft sind ganze Ortsbilder, Landschaften und traditionelle Bauweisen Teil des kulturellen Erbes. Die Verbindung zwischen dem verfügbaren Naturstein, den klimatischen Bedingungen und den historischen Lebensformen macht die Architektur Apuliens besonders charakteristisch.
Trulli in Alberobello und Umgebung
Die Trulli gehören zu den bekanntesten Bauwerken Apuliens und sind insbesondere mit dem Valle d’Itria verbunden. Ihren Ursprung haben sie in einer traditionellen Bauweise, bei der Naturstein ohne Mörtel zu stabilen Mauern und charakteristischen kegelförmigen Dächern aufgeschichtet wurde. Ähnliche Gebäude finden sich auch an anderen Orten Apuliens, doch Alberobello besitzt die bekannteste und geschlossenste Ansammlung dieser Häuser.
Karte der Lage von Trulli in Apulien

Architektonisch unterscheiden sich Trulli deutlich von gewöhnlichen Wohnhäusern. Der Grundriss ist meist rund oder annähernd quadratisch, während das Dach aus einem konischen Steingewölbe besteht. Dieses wird aus mehreren Schichten flacher Kalksteinplatten aufgebaut und verjüngt sich nach oben. Den Abschluss bildet häufig ein sogenanntes pinnacolo, ein dekorativer Steinaufsatz mit unterschiedlichen Formen.
Für die Außenmauern wurden größere Steinblöcke verwendet, während das Dach aus dünneren Kalksteinplatten aufgebaut wurde. Zwischen den äußeren und inneren Dachschichten befindet sich eine Füllung aus kleineren Steinen. Die massive Konstruktion besitzt eine hohe thermische Speicherfähigkeit und trägt dazu bei, die Innenräume im heißen apulischen Sommer vergleichsweise kühl zu halten. Gleichzeitig schützt die kompakte Bauweise vor stärkeren Temperaturschwankungen. Die Dachform ermöglicht zudem die Ableitung des Regenwassers.
Die Raumaufteilung entwickelte sich häufig über mehrere Bauphasen. Ein einzelner Trullo besteht daher nicht zwangsläufig aus nur einem Raum. Mehrere Einheiten konnten miteinander verbunden werden, wodurch größere Wohnhäuser mit mehreren Räumen entstanden. Von außen sind solche Erweiterungen häufig an den unterschiedlichen kegelförmigen Dächern erkennbar.
Die weiß gekalkten Außenwände bilden einen auffälligen Kontrast zu den grauen Steindächern. Das Kalken hatte ursprünglich neben der optischen Wirkung auch praktische und hygienische Funktionen und trug zum Schutz der Oberflächen bei.
Auf zahlreichen Trullidächern finden sich außerdem Symbole wie Kreuze, Herzen, Sterne, Sonnenzeichen oder geometrische Formen. Ihre genaue Bedeutung ist nicht immer eindeutig überliefert. Einige werden mit christlichen Vorstellungen in Verbindung gebracht, andere mit älteren volkstümlichen oder symbolischen Traditionen.
Die größte Konzentration historischer Trulli befindet sich in Alberobello. Besonders die Viertel Rione Monti und Aia Piccola vermitteln noch heute einen Eindruck davon, wie sich eine Siedlung aus dieser besonderen Bauform entwickeln konnte. Die eng stehenden weißen Häuser prägen dort das historische Ortsbild.
Die Trulli von Alberobello wurden 1996 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Ausschlaggebend waren insbesondere die außergewöhnliche Ansammlung der Gebäude und die bis heute erkennbare traditionelle Bauweise.
Trulli sind jedoch nicht auf Alberobello beschränkt. In zahlreichen Orten des Valle d’Itria sowie in Teilen der Provinzen Bari, Brindisi und Tarent stehen weitere Exemplare, teilweise mitten in landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Dort finden sie sich häufig einzeln oder in kleinen Gruppen zwischen Olivenhainen, Trockenmauern und Feldern.
Ursprünglich dienten Trulli nicht ausschließlich als dauerhafte Wohnhäuser. Viele wurden als landwirtschaftliche Gebäude, Lager, Ställe oder einfache Unterkünfte genutzt. Ihre kompakte Bauweise und die Verwendung regional vorhandener Materialien machten sie besonders für die ländlichen Gebiete Apuliens geeignet.
Heute wurden zahlreiche Trulli sorgfältig restauriert. Einige werden weiterhin als Wohnhäuser genutzt, andere dienen als Ferienunterkünfte, kleine Museen oder gastronomische Betriebe. Dadurch ist die traditionelle Bauform nicht nur als historisches Zeugnis erhalten geblieben, sondern teilweise weiterhin Bestandteil des heutigen Alltags.
Architektur und Bauweise der Trulli
Die außergewöhnliche Wirkung eines Trullo entsteht vor allem durch das Zusammenspiel von Wand und Dach. Anders als bei modernen Häusern gehen die senkrechten Außenwände und die darüberliegende Dachkonstruktion optisch und konstruktiv ineinander über. Die kegelförmige Dachform bestimmt dadurch wesentlich das Erscheinungsbild des Gebäudes.
Das Baumaterial stammt überwiegend aus der unmittelbaren Umgebung. Kalkstein ist in Apulien weit verbreitet und wurde über Jahrhunderte für Häuser, Mauern, Wege und landwirtschaftliche Anlagen verwendet. Die Errichtung eines Trullo konnte daher mit regional verfügbarem Material erfolgen.
Die Trockenbauweise erforderte erhebliches handwerkliches Können. Die einzelnen Steine mussten so ausgewählt und positioniert werden, dass sie sich gegenseitig stabilisieren. Besonders beim Aufbau des Daches war eine präzise Anordnung notwendig. Mit zunehmender Höhe wird der Durchmesser des Dachkörpers kleiner, bis der obere Abschluss erreicht ist.
Einige Trulli besitzen zusätzliche Konstruktionen zur Sammlung von Regenwasser. Da das Wasser über die Dachflächen gezielt abgeleitet werden kann, ließ es sich über entsprechende Kanäle und Zisternen auffangen. Die Bauweise war damit eng an die klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen der Region angepasst.
Die Trulli zeigen deshalb beispielhaft, wie sich eine regionale Architektur aus vorhandenen Materialien, klimatischen Bedingungen und den Bedürfnissen der Bevölkerung entwickeln konnte. Ihre charakteristische Form ist das Ergebnis einer Bauweise, die über viele Generationen weitergegeben und verfeinert wurde.
Trulli als Teil der apulischen Kulturlandschaft
Besonders reizvoll sind Trulli außerhalb der dicht bebauten historischen Viertel von Alberobello. In der Landschaft des Valle d’Itria stehen sie häufig zwischen jahrhundertealten Olivenbäumen, Weinbergen, Feldern und Trockenmauern. Dadurch entsteht ein Landschaftsbild, in dem historische Architektur und landwirtschaftlich geprägte Umgebung eng miteinander verbunden sind.
Die Trockenmauern erfüllen dabei eine wichtige Funktion. Sie grenzen Grundstücke voneinander ab, schützen Felder vor Tieren und Wind und wurden teilweise zur Terrassierung des Geländes eingesetzt. Wie bei den Trulli wurde dafür überwiegend lokal vorhandener Naturstein verwendet.
Gemeinsam mit den Trulli, den Masserien und den historischen Wegen bilden diese Elemente ein Kulturlandschaftsbild, das für weite Teile des Valle d’Itria charakteristisch ist. Gerade deshalb lohnt es sich, die Trulli nicht nur als einzelne Sehenswürdigkeiten zu betrachten, sondern als Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen regionalen Bau- und Kulturlandschaft.

Das Hypogäum von Torre Pinta
In der zauberhaften Landschaft des Valle delle Memorie in Otranto, wo der Fluss Idro fließt, am Rande der Stadt Otranto erhebt sich ein im Jahr 1976 entdeckter Taubenturm über einem Komplex von Höhlen und unterirdischen Hohlräumen, dem sogenannten Hypogäum von Torre Pinta.
Dieser Felsenkomplex ist durch archäologische und anthropologische Zeugnisse aus der frühchristlichen Zeit gekennzeichnet. Zum Turm führt ein Gang, der dann den beeindruckenden kreisförmigen Raum am Ende des Eingangskorridors freigibt. Besonders beeindruckend sind die zahlreichen Nischen an dem Wänden, die für die vorchristliche Totenverehrung genutzt wurden. Das ursprüngliche Gewölbe über dem Raum ist nicht mehr erhalten geblieben. Darüber wurde im 17. Jahrhundert ein zylindrischer turmartiger Taubenschlag errichtet.
Trappeto del Duca in Villa Castelli
Das unter dem Namen Trappeto del Duca in Villa Castelli bekannte vollständig in den Felsen gehauene Hypogäum kann über einen Weg erreicht werden, der entlang der Gravina verläuft und sich etwa drei Meter über dessen Grund und rund zehn Meter über Straßenniveau in Vico Caliandro befindet. Von den beiden Eingängen aus hat man einen Blick auf die Schlucht. Ab dem 17. Jahrhundert wurde das Trappeto del Duca, das etwa 300 qm Grundfläche und einen unregelmäßigen t-förmigen Grundriss aufweist, als Ölmühle genutzt. Heute sind noch der historische Mühlstein und Holzpressen erhalten.
Castello Aragonese in Taranto
In Taranto bildet das Schloss Aragonese, das auch Castel Sant’Angelo genannt wird, eine der Hauptattraktionen. Es liegt direkt am Meer und markiert die Grenze zwischen der Altstadt und der Neustadt der ionischen Hauptstadt. Einst wurde die Verteidigungsburg zum Schutz vor Eindringlingen von Ferdinand von Aragon, dem König von Neapel, gegen Ende des 15. Jahrhunderts beim Architekten Francesco di Giorgio Martini aus Siena in Auftrag gegeben. Die gesamte Anlage wurde schließlich auf den Fundamenten eines normannischen Bauwerks errichtet, welches im Kern die Reste einer byzantinischen Festung zum Schutz gegen die Sarazenen aufwies. Sie besitzt niedrige und breite Türme, die zur Verteidigung dienten. Unter den Habsburgern diente das Schloss als Gefängnis. Heute ist es Sitz der Marine.
Castello Svevo Angioino in Manfredonia
Das schwäbische Anjou-Schloss in Manfredonia wurde im 13. Jahrhundert zum Schutz der Stadt errichtet, im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet und beherbergt heute das reichhaltige und sehenswerte Archäologische Nationalmuseum. Es weist einen viereckigen Grundriss auf, besaß ursprünglich fünf Türme und steht für eine besondere geometrische Regelmäßigkeit. Diese ist gleichzeitig kennzeichnend für die schwäbischen Architektur.
Castel del Monte in Andria
Das beeindruckende Castel del Monte von Friedrichs II., dem Stupor Mundi, ist ein Meisterwerk der mittelalterlichen Architektur und bildet gleichzeitig das Wahrzeichen Apuliens. Die Festung mit dem achteckigen Grundriss wurde von der UNESCO 1996 zum Weltkulturerbe erklärt. Sie liegt auf einem sanften Hügel etwa 20 km von Andria entfernt im Nationalpark Alta Murgia. Die genaue ursprüngliche Funktion des Castel del Monte ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die außergewöhnliche achteckige Architektur und ihre präzise geometrische Ausrichtung haben zu unterschiedlichen Interpretationen geführt. Unter anderem wurden eine repräsentative, eine astronomisch orientierte oder eine mit der Jagd verbundene Nutzung diskutiert. Eine dieser Funktionen lässt sich jedoch nicht eindeutig als ursprünglicher Zweck belegen. Klar ist, dass das Castel del Monte sich in seiner Architektur komplett von den anderen Schlössern und Burgen in Apulien unterscheidet. Dekoriert ist die Festung im Inneren mit prächtigen Fabelwesen und reichen Gesimsen aus Korallen-Brekzie.

Außergewöhnliche Schlösser und Bauwerke in Apulien
Apulien ist nicht nur für seine Trulli, weißen Altstädte und mittelalterlichen Burgen bekannt. In verschiedenen Teilen der Region finden sich auch ungewöhnliche Adelspaläste, befestigte Villen und Schlossanlagen, deren Architektur deutlich aus dem üblichen Rahmen fällt. Manche verbinden Wehrarchitektur mit repräsentativen Elementen, andere überraschen durch barocke Verzierungen oder orientalische Einflüsse. Gerade diese Vielfalt macht sie zu besonderen Zielen für alle, die in Apulien nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten entdecken möchten.
Castello di Marchione – Conversano
Das Castello di Marchione liegt etwa sechs Kilometer von Conversano entfernt und gehört zu den ungewöhnlichsten historischen Residenzen im Umland der Stadt. Trotz seines Namens handelt es sich nicht um eine klassische mittelalterliche Burg, sondern um eine befestigte Villa, die eng mit der Familie Acquaviva d’Aragona verbunden ist. Die Anlage diente insbesondere als Jagd- und Sommerresidenz der Grafen von Conversano.
Die Ursprünge des Gebäudes reichen vermutlich bis in das späte 15. oder frühe 16. Jahrhundert zurück. Der ursprüngliche Bau besaß vier runde Türme und war deutlich stärker auf Verteidigung ausgerichtet. Mit der Zeit veränderte sich jedoch die Funktion der Anlage. Aus dem befestigten Gebäude wurde zunehmend eine repräsentative Residenz, in der die adelige Familie die Landschaft genießen und ihren Jagdaktivitäten nachgehen konnte.
Besonders auffällig sind heute die vier verkürzten Ecktürme mit ihren Balustraden. An den Türmen befinden sich kleine Terrassen und Loggien, wodurch die ursprünglich wehrhafte Architektur deutlich aufgelockert wurde. Der Gegensatz zwischen den massiven Mauern und den eleganteren Balkonen und Fensterloggien verleiht dem Castello di Marchione seinen besonderen Charakter.
Auch die Umgebung gehört zum historischen Erscheinungsbild der Anlage. Das Schloss war einst von einem ausgedehnten Waldgebiet umgeben, das als Jagdgebiet der Acquaviva d’Aragona genutzt wurde. Der Name Marchione soll mit dem früheren Begriff „Macchione“ zusammenhängen, der auf einen großen bewaldeten Bereich hinweist.
Für eine Sammlung außergewöhnlicher Bauwerke in Apulien ist das Castello di Marchione besonders interessant, weil hier eine mittelalterlich anmutende Befestigung mit den Formen einer eleganten adeligen Villa verbunden wurde. Das Gebäude vermittelt dadurch eher den Eindruck eines privaten Landschlosses als einer reinen Verteidigungsanlage.
Palazzo Morelli – Locorotondo
Der Palazzo Morelli befindet sich im historischen Zentrum von Locorotondo und ist ein besonders schönes Beispiel für die barocke Wohnarchitektur Apuliens. Das Gebäude wurde 1819 errichtet und später, insbesondere um 1870, nochmals verändert und architektonisch aufgewertet.
Im Gegensatz zu den großen Festungen Apuliens war der Palazzo Morelli nicht in erster Linie auf Verteidigung ausgerichtet. Seine Funktion bestand vielmehr darin, den gesellschaftlichen Rang und den Wohlstand der Eigentümerfamilie sichtbar zu machen. Genau darin liegt auch seine Bedeutung: Das Gebäude zeigt, wie sich die Architektur adeliger und wohlhabender Familien von der mittelalterlichen Festung hin zu repräsentativen Stadtpalästen entwickelte.
Besonders eindrucksvoll ist das reich geschmückte Eingangsportal. Über dem Portal befinden sich das Wappen der Familie Morelli und eine dekorative Maske. Solche Masken und figürlichen Elemente sind typische Gestaltungsmittel barocker Architektur und verleihen der Fassade einen verspielten Charakter.
Auch die Balkone verdienen besondere Aufmerksamkeit. Ihre kunstvoll geschwungenen schmiedeeisernen Geländer gehören zu den auffälligen Details des Gebäudes. Zusammen mit dem reich dekorierten Portal entsteht eine Fassade, die wesentlich filigraner wirkt als die massiven Fassaden der apulischen Burgen.
Hinter dem Eingang befindet sich ein kleiner Innenhof, um den sich die Räume des Gebäudes gruppieren. Die Anordnung der Räume folgt dabei der für historische Herrenhäuser typischen Hierarchie zwischen repräsentativen Bereichen und den weniger öffentlich zugänglichen Teilen des Hauses.
Der Palazzo Morelli ist damit zwar kein Schloss im eigentlichen Sinn, passt aber sehr gut in eine Zusammenstellung außergewöhnlicher Bauwerke Apuliens. Er zeigt eine andere Seite der historischen Architektur der Region: nicht die Wehrhaftigkeit einer Burg, sondern die dekorative und repräsentative Architektur eines wohlhabenden Stadtpalastes.
Castello De Gualtieris – Castrignano de‘ Greci
Das Castello De Gualtieris, auch Palazzo Baronale De Gualtieris genannt, befindet sich im Zentrum von Castrignano de‘ Greci im Salento. Das Gebäude geht auf eine ältere Befestigungsanlage zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. Dadurch entstand eine interessante Verbindung zwischen mittelalterlicher Wehrarchitektur und späterer repräsentativer Schlossarchitektur.
Die Familie Gualtieri ließ den Bau im 16. Jahrhundert auf den Resten einer älteren Festung erweitern. Die Lage war keineswegs zufällig gewählt. In einer Zeit, in der die Küsten Apuliens immer wieder von Angriffen bedroht wurden, waren befestigte Adelssitze wichtige Rückzugsorte. Das Castello De Gualtieris galt dabei als besonders geschützter Ort.
Mit der zunehmenden Veränderung der politischen und militärischen Verhältnisse verlor die reine Verteidigungsfunktion jedoch an Bedeutung. Das Gebäude wurde stärker zu einem repräsentativen Wohnsitz. Besonders deutlich wird diese Entwicklung an den dekorativen Elementen, die im Laufe der Zeit hinzugefügt wurden.
Das Eingangsportal gehört zu den auffälligsten Details des Schlosses. Es ist mit Engeln, Masken und floralen Ornamenten ausgeschmückt und vermittelt bereits von außen einen Eindruck vom repräsentativen Charakter des dahinterliegenden Piano nobile. Die dekorativen Elemente bilden einen starken Kontrast zu den älteren, wehrhaften Teilen der Anlage.
Gerade diese Verbindung macht das Castello De Gualtieris für eine Sammlung außergewöhnlicher Bauwerke interessant. Es ist nicht nur eine ehemalige Festung, sondern ein Gebäude, an dem sich besonders gut nachvollziehen lässt, wie aus einer wehrhaften mittelalterlichen Anlage im Laufe der Zeit ein adeliger Wohn- und Repräsentationssitz wurde.
Castello Dentice di Frasso – San Vito dei Normanni
Das Castello Dentice di Frasso bildet einen wichtigen historischen Mittelpunkt von San Vito dei Normanni. Der älteste und zugleich markanteste Teil der Anlage ist ein quadratischer Turm, dessen Ursprung in das 12. Jahrhundert zurückreicht. Die Errichtung des Turms wird traditionell mit Boemund von Tarent beziehungsweise Boemund dem Normannen in Verbindung gebracht.
Um diesen ursprünglichen Turm entwickelte sich im Laufe der Zeit der heutige Schlosskomplex. Die Lage war strategisch gewählt: Von hier aus konnte ein wichtiger Verkehrsweg zwischen Carovigno, San Vito und Oria kontrolliert werden. Gleichzeitig entstand um die Burg herum der historische Siedlungskern von San Vito dei Normanni.
Der ursprüngliche Turm besitzt noch heute seine mittelalterliche Wirkung. Guelfische Zinnen, schmale Öffnungen und die massiven Mauern vermitteln einen deutlich wehrhaften Eindruck. Besonders interessant ist, dass die ursprüngliche Anlage nicht einfach durch einen neuen Schlossbau ersetzt wurde. Vielmehr wurde der alte Turm in eine später entstandene adelige Residenz integriert.
Um den Turm herum befindet sich ein Innenhof, an den sich der im 16. Jahrhundert errichtete Wohnbereich anschließt. Dieser Teil besitzt elegante rechteckige Fenster, Konsolen und eine repräsentative Steintreppe. Die Treppe führt zu einer verandaartigen Loggia mit Säulen und drei Rundbögen.
Auch die Innenräume spiegeln den Wandel von der Festung zum Adelssitz wider. Im Schloss befinden sich dekorierte Räume, Gemälde, Jagdtrophäen und ein historisches Archiv. Damit ist das Gebäude nicht nur ein Beispiel mittelalterlicher Wehrarchitektur, sondern gleichzeitig eine historische Wohnresidenz.
Das Besondere des Castello Dentice di Frasso liegt somit in der Verbindung mehrerer Zeitschichten: Der mittelalterliche Turm bildet den Kern, während die späteren Wohngebäude und dekorativen Elemente den Charakter eines Adelsschlosses ergänzen.
Castello di Francavilla Fontana
Das Castello di Francavilla Fontana gehört zu den interessantesten Schlossanlagen der Provinz Brindisi, weil seine heutige Erscheinung verschiedene Epochen miteinander verbindet. Die ursprüngliche Anlage war als Verteidigungsbau konzipiert. Spätere Umbauten verliehen dem Gebäude jedoch zunehmend den Charakter eines repräsentativen Adelssitzes.
Besonders auffällig ist der breite Wassergraben, der das Schloss noch heute als ehemalige Festungsanlage erkennen lässt. Die unteren Bereiche besitzen stark geneigte Mauern und Öffnungen, die deutlich an die militärische Funktion des Gebäudes erinnern. Darüber verändert sich das Erscheinungsbild jedoch deutlich.
Die oberen Fassaden sind wesentlich eleganter gestaltet. Fenster mit dekorativen Rahmen, Gesimse und die Wappen der Familie Imperiali lockern die schweren Mauermassen auf. Besonders interessant sind die unterschiedlichen Masken und dekorativen Elemente an den Gebäudeecken, die dem Schloss einen barocken Charakter verleihen.
Ein besonders außergewöhnlicher Bauteil ist die aufwendig gestaltete Loggia an der Ostseite. Die vier Bögen, dekorierten Säulen, Balustraden und floralen Ornamente gehören zu den repräsentativsten Teilen des Schlosses. Hier wird besonders deutlich, wie stark sich die Vorstellungen von einer Festung und einer adeligen Residenz miteinander vermischen.
Auch im Inneren setzt sich diese Verbindung fort. Der Innenhof besitzt einen Portikus mit dorisch-toskanischen Säulen. Gleichzeitig erinnern die ehemaligen Räume für Vorräte, Waffen, Gefangene und andere Funktionen an die ursprüngliche Organisation einer Festung.
Das Castello di Francavilla Fontana ist deshalb besonders interessant, weil man an seiner Architektur den Übergang von der militärischen Festung zum repräsentativen Schloss sehr gut erkennen kann. Schwere Mauern, Wassergraben und Verteidigungselemente treffen hier auf barocke Dekoration und elegante Wohnarchitektur.
Minareto di Fasano – Selva di Fasano
Der Minareto di Fasano ist wahrscheinlich das ungewöhnlichste Gebäude dieser Auswahl. Er liegt in der Selva di Fasano und unterscheidet sich vollkommen von den mittelalterlichen Burgen Apuliens. Bei dem Gebäude handelt es sich um eine herrschaftliche Villa mit starkem Einfluss der maurischen und orientalischen Architektur.
Entstanden ist die Villa auf Initiative von Damaso Bianchi, einem aus Fasano stammenden Künstler und Kulturliebhaber. Bianchi hatte den Orient bereist und war von der dortigen Architektur so beeindruckt, dass er diese Eindrücke in seiner Heimat aufgriff. Die Villa wurde 1912 eingeweiht und sollte zugleich als Sommerresidenz und als Ort des kulturellen Austauschs dienen.
Das auffälligste Element ist der hohe Minarettturm. Mit seinem kleinen Balkon überragt er die umgebende Landschaft deutlich. Von der erhöhten Position bietet sich ein weiter Blick über die Selva di Fasano und das Canale-di-Pirro-Tal bis in Richtung Adriaküste.
Die Architektur ist bewusst exotisch gestaltet. Terrassen, orientalisch anmutende Formen und der hohe Turm bilden einen starken Kontrast zu den traditionellen Trulli, Trockenmauern und Villen der Umgebung. Gerade dieser Gegensatz macht den Minareto so außergewöhnlich.
Die Entstehungsgeschichte macht das Gebäude zusätzlich interessant. Für den Bau sollen Arbeiter und Materialien aus Nordafrika, wahrscheinlich aus Tunesien, herangezogen worden sein. Damaso Bianchi wollte mit der Villa nicht lediglich ein repräsentatives Landhaus schaffen, sondern auch seine Faszination für die orientalische Kultur sichtbar machen.
Der Minareto di Fasano ist deshalb kein Schloss im klassischen Sinn. Für eine Sammlung märchenhafter und außergewöhnlicher Bauwerke in Apulien ist er dennoch besonders wertvoll. Seine orientalische Silhouette wirkt inmitten der apulischen Landschaft überraschend und beinahe wie eine Architektur aus einer anderen Welt.
Castello de‘ Monti – Corigliano d’Otranto
Das Castello de‘ Monti in Corigliano d’Otranto gehört zu den außergewöhnlichsten Schlossanlagen des Salento. Seine Geschichte reicht bis in das Mittelalter zurück, doch das heutige Erscheinungsbild ist vor allem durch die umfassende Umgestaltung im 15. und 16. Jahrhundert sowie durch spätere barocke Veränderungen geprägt.
Die mittelalterliche Anlage wurde an die veränderte Kriegstechnik angepasst, nachdem Schusswaffen die bisherigen Befestigungen zunehmend wirkungslos machten. Deshalb entstand um den älteren Kern eine wesentlich stärkere Renaissancefestung. Die Anlage erhielt vier mächtige Türme, die jeweils einem Heiligen und zugleich einer der vier Kardinaltugenden zugeordnet wurden.
Diese symbolische Gestaltung ist ein bemerkenswertes Detail des Schlosses. Die Türme sind mit den Heiligen Michael, Johannes dem Täufer, Georg und Antonius dem Großen verbunden. Gleichzeitig stehen ihnen die Tugenden Tapferkeit, Gerechtigkeit, Klugheit und Mäßigung gegenüber.
Besonders ungewöhnlich wird das Schloss durch die später hinzugefügte barocke Fassade. In Nischen befinden sich allegorische Figuren, während weitere dekorative Elemente und Büsten die Fassade schmücken. Damit unterscheidet sich das Gebäude deutlich von einer rein funktionalen Festung.
Ein besonders interessantes Detail findet sich am Turm des heiligen Antonius. Dort befinden sich dekorative Hängebögen mit muschelförmigen Elementen und Konsolen, die mit menschlichen Gesichtern gestaltet sind. Solche Einzelheiten verleihen dem ansonsten massiven Festungsbau eine überraschend verspielte Wirkung.
Das Schloss hat im Laufe seiner Geschichte außerdem seine Funktion mehrfach verändert. Im 18. Jahrhundert wurden Teile der Anlage als Mühle und Teigwarenfabrik genutzt. Heute ist das Castello de‘ Monti auch ein kultureller Veranstaltungsort und trägt den Namen „Il Castello Volante“.
Gerade die Mischung aus mittelalterlichem Kern, Renaissancefestung und barocker Dekoration macht das Castello de‘ Monti zu einem besonders interessanten Beispiel für die Entwicklung der Schlossarchitektur in Apulien.
Castello normanno-aragonese – San Nicandro Garganico
Das Castello normanno-aragonese von San Nicandro Garganico befindet sich im historischen Ortskern auf einer strategisch gelegenen Anhöhe. Die Anlage besitzt eine ungewöhnliche Mischung verschiedener Turmformen und lässt dadurch mehrere Phasen ihrer Entstehung erkennen.
Der älteste Kern geht auf einen Beobachtungs- und Wehrturm zurück, der bereits in normannischer Zeit bestanden haben soll. Die Lage ermöglichte die Kontrolle des umliegenden Gebietes und machte den Standort auch für spätere Herrscher interessant. Überliefert ist unter anderem eine Verbindung zu Friedrich II., der das Gebiet des Gargano für Jagdaufenthalte nutzte.
In der aragonesischen Zeit wurde die ursprüngliche Anlage erheblich erweitert. Besonders auffällig sind die beiden runden Türme an der Südseite, während an der Nordseite ältere quadratische Türme erhalten sind. Diese unterschiedlichen Turmformen verleihen dem Schloss sein charakteristisches Erscheinungsbild.
Im 16. Jahrhundert wurde die Anlage erneut verändert. Eine Loggia verband den östlichen Zugang mit einem größeren Palast, während weitere Gebäude unmittelbar an die Schlossmauern angebaut wurden. Dadurch entwickelte sich die ursprüngliche Festung zunehmend zu einem komplexen adeligen Wohnbereich.
Auch spätere Veränderungen haben Spuren hinterlassen. Im Barock wurden weitere Eingriffe vorgenommen, bevor das Gebäude im 20. Jahrhundert erneut umgebaut wurde. Dabei entstand unter anderem ein neuer Zugang an der Ostseite. Die ursprüngliche Zugbrücke verlor dadurch ihre Funktion.
Besonders reizvoll ist das Castello normanno-aragonese deshalb aus architekturgeschichtlicher Sicht: Quadratische normannische Türme, runde aragonesische Türme, spätere Wohngebäude und barocke Veränderungen sind hier auf engem Raum miteinander verbunden. Das Gebäude erzählt damit seine Geschichte nicht nur durch schriftliche Quellen, sondern unmittelbar durch seine unterschiedlichen Bauteile.
Warum diese Bauwerke besonders sind
Die ausgewählten Gebäude zeigen, wie unterschiedlich außergewöhnliche Architektur in Apulien sein kann. Das Castello di Marchione verbindet die Formen einer Festung mit denen einer eleganten Landresidenz, der Palazzo Morelli steht für die dekorative Barockarchitektur der Städte und das Castello De Gualtieris verbindet mittelalterliche Wehrarchitektur mit repräsentativer Gestaltung.
Beim Castello Dentice di Frasso und beim Castello normanno-aragonese lassen sich mehrere Jahrhunderte unmittelbar an der Architektur ablesen. Das Castello di Francavilla Fontana verbindet dagegen besonders eindrucksvoll Festungsarchitektur mit barocker Gestaltung. Das Castello de‘ Monti zeigt ebenfalls diesen Wandel, allerdings mit einer außergewöhnlich reich dekorierten Fassade.
Eine völlig andere Richtung schlägt der Minareto di Fasano ein. Die Villa entstand erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts und greift bewusst orientalische Architekturformen auf. Gerade dieser Kontrast zu den mittelalterlichen und barocken Bauwerken macht ihn zu einem der ungewöhnlichsten Gebäude der Region.
Wer in Apulien nach Bauwerken sucht, die nicht dem klassischen Bild einer italienischen Burg entsprechen, findet deshalb eine überraschend große Vielfalt. Zwischen mittelalterlichen Türmen, barocken Palästen, befestigten Villen und orientalisch beeinflussten Landhäusern entstehen ganz unterschiedliche architektonische Eindrücke.
Außergewöhnliche Dörfer in Apulien
Apulien besitzt zahlreiche Orte, die sich deutlich von den klassischen Urlaubsorten unterscheiden. Manche Dörfer fallen durch ungewöhnliche Fassaden auf, andere liegen spektakulär auf Felsklippen, sind von tiefen Gravinen umgeben oder besitzen eine Architektur, die es in dieser Form kaum an einem anderen Ort der Region gibt. Besonders interessant sind deshalb nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern auch kleinere historische Ortskerne mit einer ganz eigenen Atmosphäre.
Die folgenden Orte wurden nach besonderen Merkmalen ausgewählt. Dazu gehören farbige Häuser, ungewöhnliche Siedlungsformen, Felslandschaften, Keramiktraditionen, außergewöhnliche Naturdenkmäler und historische Bauweisen.
Warum diese Dörfer besonders interessant sind
Die außergewöhnlichen Orte Apuliens unterscheiden sich nicht nur durch ihre Sehenswürdigkeiten. Ihre Besonderheiten sind häufig direkt aus der Landschaft, den verwendeten Baumaterialien oder der Geschichte des jeweiligen Ortes entstanden.
- Casamassima fällt durch die ungewöhnliche blaue Farbgebung des historischen Ortskerns auf.
- Peschici liegt spektakulär auf einer Felsklippe über der Adria.
- Polignano a Mare verbindet historische Häuser mit einer steilen Meeresküste.
- Locorotondo besitzt einen ungewöhnlich ringförmigen historischen Ortskern.
- Grottaglie verbindet Keramikhandwerk mit einer tief eingeschnittenen Gravina.
- Alberobello ist durch seine große zusammenhängende Trulli-Siedlung außergewöhnlich.
- Vieste besitzt mit dem Pizzomunno einen markanten Naturmonolithen direkt am Meer.
- Vico del Gargano überrascht mit seinem verwinkelten und teilweise sehr engen historischen Ortskern.
Casamassima – das blaue Dorf Apuliens
Casamassima bei Bari besitzt mit seinem historischen Ortskern eine Besonderheit, die man in Apulien nicht unbedingt erwartet: Zahlreiche Häuser des alten Ortskerns wurden traditionell mit blauer Farbe versehen. Dadurch entstand das bekannte „Paese Azzurro“, also das „blaue Dorf“. Besonders auffällig ist dieser Charakter in den engen Gassen des historischen Zentrums mit seinen kleinen Häusern, Innenhöfen und Durchgängen.
Die blaue Farbgebung wird mit einer historischen Überlieferung aus dem 17. Jahrhundert in Verbindung gebracht. Nach einer lokalen Überlieferung soll der aus dem Osmanischen Reich stammende Michele Vaaz die Häuser nach einer Pestepidemie blau kalken lassen haben. Die Farbe sollte dabei eine besondere Schutzwirkung entfalten. Unabhängig von der Überlieferung macht gerade die ungewöhnliche Farbgebung Casamassima zu einem der auffälligsten historischen Ortskerne Apuliens.
Interessant ist dabei nicht nur die Farbe selbst. Die Kombination aus schmalen Straßen, kleinen Plätzen, weiß-blauen Fassaden und der für Süditalien typischen einfachen historischen Architektur vermittelt einen deutlich anderen Eindruck als die bekannten weißen Dörfer des Valle d’Itria.
Peschici – ein Dorf auf der Felskante
Peschici liegt im Norden Apuliens auf einer markanten Felsklippe über der Adria. Der historische Ortskern befindet sich unmittelbar oberhalb des Meeres und fällt dadurch bereits aus der Entfernung auf. Die weißen Häuser stehen dicht gedrängt auf dem Felsplateau, während schmale Gassen, Treppen und Durchgänge den Ortskern mit der Küste verbinden.
Die besondere Lage hat die Architektur des Ortes wesentlich geprägt. Viele Gebäude besitzen einfache, helle Fassaden und teilweise gewölbte oder kuppelförmige Dächer. Gleichzeitig entstehen durch die Hanglage zahlreiche Aussichtspunkte über die Adria. Der Ortskern wirkt dadurch nicht wie eine gewöhnliche Küstensiedlung, sondern wie ein historisches Bergdorf, das direkt am Meer endet.
Besonders eindrucksvoll ist der Wechsel zwischen engen Gassen im historischen Zentrum und den offenen Ausblicken auf die Küste. Peschici gehört damit zu den Orten Apuliens, bei denen die Landschaft und die Siedlungsstruktur unmittelbar miteinander verbunden sind.
Polignano a Mare – Häuser über den Felsen des Meeres
Polignano a Mare gehört zu den bekanntesten außergewöhnlichen Orten Apuliens. Der historische Ortskern liegt unmittelbar auf einer hohen Felsformation über der Adriaküste. Viele Häuser stehen direkt an der Abbruchkante, sodass zwischen den Gebäuden immer wieder Ausblicke auf das Meer entstehen.
Unterhalb des historischen Zentrums liegt die berühmte Lama Monachile, eine kleine Bucht zwischen steilen Felswänden. Unter dem Ortskern befindet sich außerdem ein weit verzweigtes System natürlicher Meereshöhlen. Dadurch besteht ein ungewöhnlich enger Zusammenhang zwischen der historischen Bebauung und der geologischen Struktur der Küste.
Charakteristisch sind die hellen Häuser, die engen Gassen und die kleinen Plätze des historischen Zentrums. Hinzu kommen historische Gebäude wie das Arco Marchesale sowie zahlreiche Aussichtspunkte über die Felsküste. Eine weitere Besonderheit ist die Statue des aus Polignano stammenden Sängers Domenico Modugno, die an die internationale Bekanntheit des Ortes erinnert.
Locorotondo – das runde Dorf auf dem Hügel
Locorotondo besitzt bereits durch seine ungewöhnliche Siedlungsform einen besonderen Charakter. Der historische Ortskern wurde ringförmig um die Hügelkuppe angelegt. Von oben betrachtet erinnert die Struktur an einen Kreis, was auch zum Namen des Ortes passt.
Besonders charakteristisch sind die weißen Häuser und die sogenannten Cummerse. Dabei handelt es sich um historische Wohnhäuser mit auffälligen, geneigten Dächern, die aus dünnen Platten des regionalen Kalksteins errichtet wurden. Diese Dachform unterscheidet Locorotondo deutlich von vielen anderen weißen Dörfern Apuliens.
Durch die Lage auf dem Hügel ergeben sich zudem weite Blicke über das Valle d’Itria. Der historische Ortskern verbindet deshalb eine ungewöhnliche Siedlungsform mit einer für die Region typischen weißen Architektur und der charakteristischen Landschaft aus Olivenhainen, Weinbergen und Trulli.
Grottaglie – das Keramikviertel in der Gravina
Grottaglie südlich von Tarent besitzt eine Besonderheit, die weit über die bekannte Keramikproduktion hinausgeht. Das historische Keramikviertel liegt an der Gravina San Giorgio, einer tief eingeschnittenen Landschaftsform, die den Ortskern unmittelbar prägt.
Zahlreiche Werkstätten befinden sich entlang der Schlucht. Teilweise wurden Räume direkt in den Fels gegraben und über Jahrhunderte als Werkstätten, Lager oder Produktionsräume genutzt. Auch historische Brennöfen gehören zur traditionellen Struktur des Viertels.
Dadurch entsteht ein ungewöhnliches Ortsbild: Zwischen den Häusern und Werkstätten befinden sich Felswände, Höhlräume und alte Produktionsstätten. Die farbenfrohe Keramik, die bis heute in Grottaglie hergestellt wird, ergänzt dieses besondere Landschafts- und Architekturensemble.
Grottaglie ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, wie in Apulien ein traditionelles Handwerk unmittelbar mit der natürlichen Topografie verbunden wurde.
Alberobello – ein ganzes Dorf aus Trulli
Alberobello ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel für eine außergewöhnliche Dorfsiedlung in Apulien. Anders als bei einzelnen historischen Bauwerken besteht hier ein großer Teil des Ortsbildes aus den charakteristischen Trulli. Besonders bekannt sind die Viertel Rione Monti und Aia Piccola.
Die runden oder annähernd rechteckigen Gebäude besitzen massive Kalksteinmauern und konische Dächer aus flach übereinandergelegten Steinplatten, den sogenannten Chiancarelle. Auf vielen Dächern befinden sich außerdem dekorative oder symbolische Dachspitzen, die sogenannten Pinnacoli.
Durch die dichte Ansammlung dieser Gebäude entsteht ein Ortsbild, das sich deutlich von den übrigen historischen Städten Apuliens unterscheidet. Besonders ungewöhnlich ist, dass nicht nur einzelne Häuser, sondern ganze Straßenzüge und Viertel von dieser Bauweise geprägt sind. Die Trulli von Alberobello gehören deshalb zum UNESCO-Welterbe.
Vieste – historische Altstadt und der Monolith Pizzomunno
Vieste liegt auf einer felsigen Landzunge am Gargano und besitzt einen historischen Ortskern, der sich teilweise direkt über dem Meer befindet. Enge Gassen, Treppen und helle Häuser bestimmen das Erscheinungsbild der Altstadt.
Besonders ungewöhnlich ist jedoch der große Kalksteinmonolith Pizzomunno am Strand südlich der Stadt. Der markante Felsen ragt weithin sichtbar aus dem Sand und ist zu einem Wahrzeichen von Vieste geworden. Damit besitzt der Ort eine Kombination, die nur wenige Küstenorte aufweisen: eine historische Altstadt auf einem Felsvorsprung und unmittelbar davor einen auffälligen natürlichen Monolithen am Meer.
Der Pizzomunno ist zudem mit einer lokalen Sage verbunden. Dadurch hat der Felsen neben seiner geologischen Besonderheit auch eine kulturelle Bedeutung für den Ort.
Vico del Gargano – enge Gassen und versteckte Winkel
Vico del Gargano liegt im bergigen Hinterland des Gargano und unterscheidet sich damit deutlich von den bekannten Küstenorten der Halbinsel. Der historische Ortskern ist von engen Straßen, kleinen Durchgängen und dicht aneinanderstehenden Häusern geprägt.
Besonders reizvoll ist die kleinteilige Struktur des alten Ortskerns. Statt großer Plätze und breiter Straßen findet man hier zahlreiche schmale Gassen, Treppen und kleine Durchgänge, die sich zwischen den historischen Gebäuden hindurchziehen. Dadurch entsteht ein Ortsbild, das eher an ein mittelalterliches Bergdorf als an einen klassischen apulischen Küstenort erinnert.
Ein bekanntes Beispiel für die ungewöhnlich enge Bebauung ist der sogenannte Vicolo del Bacio. Solche kleinen Gassen machen Vico del Gargano besonders interessant für Besucher, die neben den großen Sehenswürdigkeiten auch die historische Struktur kleinerer Orte kennenlernen möchten.

Landwirtschaft und kulinarische Genüsse in Apulien
In den fruchtbaren Küstenebenen werden Mandeln, Tomaten, Getreide und Oliven angebaut und produziert. Zudem ist Apulien ein sehr wichtiges Anbaugebiet für Rotwein, welcher bekanntermaßen einen sehr vollen Gehalt besitzt. Die bedeutendsten Rebsorten Apuliens sind Sangiovese, Negroamaro und Primitivo. Mehr als 7,5 Millionen Hektoliter werden auf über 100.000 Hektar produziert. Die bekanntesten Regionen für den Weinanbau sind Foggia, Locorotondo, Castel del Monte und Canosa di Puglia.

Die Küche Apuliens
Die Küche Apuliens gilt als bodenständig und stark von den Produkten der Region geprägt. Viele traditionelle Gerichte kommen mit wenigen Zutaten aus. Eine wichtige Grundlage bilden Hartweizen, Olivenöl, Gemüse, Hülsenfrüchte und Kräuter. An der langen Küste spielen außerdem Fisch und Meeresfrüchte eine große Rolle, während im Landesinneren Fleischgerichte und Käse stärker vertreten sind.
Kulinarische Spezialitäten Apuliens auf einen Blick
Hartweizen, Olivenöl, Gemüse, Hülsenfrüchte und Kräuter prägen die traditionelle Küche.
Orecchiette, Focaccia Barese, Panzerotti und Ciceri e tria gehören zu den bekanntesten Spezialitäten.
Burrata, Stracciatella und Canestrato Pugliese sind eng mit der kulinarischen Tradition Apuliens verbunden.
Die ausgedehnten Olivenhaine machen hochwertiges Olivenöl zu einem wichtigen Bestandteil vieler Gerichte.
An der langen Küste stehen unter anderem Polpo, Muscheln, Garnelen und Sardinen auf dem Speiseplan.
Artischocken, Kaktusfeigen und regionales Gemüse gehören ebenfalls zur traditionellen bäuerlichen Küche.
Besonders bekannt sind Pasticciotti aus dem Salento sowie verschiedene traditionelle Festtagsgebäcke.
Küste, fruchtbare Ebenen und das Landesinnere haben jeweils eigene Produkte und kulinarische Traditionen hervorgebracht.
Besonders bekannt ist Apulien für seine Orecchiette, die kleinen, muschelförmigen Nudeln. Traditionell werden sie häufig mit Cime di rapa, einem regional verbreiteten herben Blattgemüse, zubereitet. Ebenfalls typisch sind Focaccia Barese, eine mit Tomaten und Oliven belegte, luftige Focaccia aus Bari, sowie Panzerotti, gefüllte und meist frittierte Teigtaschen.
Bei den Käsen gehören Burrata und Stracciatella zu den bekanntesten Spezialitäten. Die Burrata stammt aus Apulien und wird aus einer äußeren Mozzarellahülle mit einem cremigen Inneren aus Stracciatella und Sahne hergestellt. Wer es wie ich cremiger liebt, sollte also auf die Burrata statt der Mozarella zurückgreifen. Auch Canestrato Pugliese, ein traditioneller Hartkäse aus Schafsmilch, gehört zum kulinarischen Erbe der Region.
Eine besondere Rolle spielt das Olivenöl. Apulien ist eine der bedeutendsten Olivenregionen Italiens und wird von ausgedehnten Olivenhainen geprägt. Viele Gerichte werden sehr schlicht zubereitet und erhalten ihren charakteristischen Geschmack erst durch hochwertiges Olivenöl.
An der Küste gehören Polpo, Muscheln, Garnelen, Sardinen und verschiedene lokale Fischarten zur traditionellen Küche. In Orten wie Bari oder Gallipoli findet man zahlreiche Gerichte, bei denen der Fang des Tages eine zentrale Rolle spielt. Im Salento sind außerdem Gerichte wie Ciceri e tria, eine Kombination aus Kichererbsen und einer besonderen Form von Pasta, typisch.
Auch Süßspeisen haben ihren festen Platz. Dazu gehören beispielsweise Pasticciotti, kleine Mürbeteigtörtchen mit einer cremigen Füllung, die besonders mit dem Salento verbunden sind. In der Weihnachtszeit sind außerdem verschiedene traditionelle Gebäcke verbreitet.
In der bäuerlichen traditionellen Küche spielen auch Kaktusfeigen und Artischocken eine große Rolle. Ich bin mit einer Familie aus Apulien befreundet, die im Inneren des Landes in der Provinz Brindisi lebt. Hier wachsen neben unzähligen Olivenbäumen auch zahlreiche Artischocken und Kaktusfeigen, wobei letztere unter klarem fließenden Wasser mit Handschuhen gebürstet werden, um die kleinen Stacheln loszuwerden. Anschließend dienen sie für Salate, Marmelade oder frisches Obst. Artischocken werden oft eingelegt oder aber mit Nudeln gegessen.
Die kulinarische Vielfalt Apuliens hängt eng mit den unterschiedlichen Landschaften der Region zusammen: Die Küste liefert Fisch und Meeresfrüchte, die fruchtbaren Ebenen bringen Getreide, Gemüse und Oliven hervor, während das hügeligere Landesinnere traditionell stärker von Schafhaltung, Käse und Fleisch geprägt ist.
Wichtiges aus der Geschichte Apuliens
Wer Apulien bereist, muss kein Geschichtsbuch gelesen haben, um die Region zu entdecken. Man muss auch nicht jede Jahreszahl, jeden Herrscher oder jede politische Entwicklung kennen. Ein wenig Hintergrundwissen kann jedoch dabei helfen, Apulien mit anderen Augen zu sehen.
Viele der Bauwerke, die heute auf den ersten Blick einfach nur schön oder beeindruckend wirken, erzählen von ganz unterschiedlichen Epochen und Einflüssen. Burgen und Festungen erinnern an Zeiten, in denen Apulien immer wieder zwischen verschiedenen Herrschern und Reichen lag. Romanische Kathedralen, normannische und staufische Bauwerke, barocke Paläste und die einfachen Trulli sind nicht zufällig entstanden. Sie stehen jeweils für eine bestimmte Zeit, für die Menschen, die damals hier lebten, und für ihre Vorstellungen vom Bauen und Leben.
Wer weiß, warum beispielsweise Friedrich II. in Apulien zahlreiche Burgen errichten ließ, warum die Normannen die Region prägten oder weshalb sich im Salento eine so eigenständige Form des Barocks entwickelte, kann viele Sehenswürdigkeiten besser einordnen. Auch die Lage Apuliens am Adriatischen und Ionischen Meer wird verständlicher, wenn man weiß, welche Bedeutung die Region über Jahrhunderte als Verbindung zwischen dem westlichen und östlichen Mittelmeer hatte.
Dieses Wissen verändert auch den Blick auf weniger spektakuläre Orte. Eine alte Stadtmauer, ein unscheinbarer Wachturm, eine romanische Kirche oder eine Masseria können plötzlich eine Geschichte erzählen, die weit über ihre sichtbare Architektur hinausgeht. Gerade darin liegt ein besonderer Reiz einer Reise durch Apulien: Je mehr man über die Vergangenheit der Region weiß, desto mehr Details fallen auf.
Die folgende Übersicht soll deshalb keine vollständige Geschichte Apuliens erzählen. Sie konzentriert sich auf die wichtigsten historischen Entwicklungen und Epochen, die zum Verständnis der Region beitragen. Ein grundlegendes Wissen reicht oft schon aus, um Bauwerke besser einzuschätzen, historische Zusammenhänge zu erkennen und vor allem den besonderen Charakter Apuliens bewusster zu erleben.
Wichtige historische Eckdaten für Ihren Apulienbesuch
Griechische Kolonien entstehen an der Küste. Tarentum (Taranto) entwickelt sich zu einer bedeutenden griechischen Stadt.
Tarent fällt an Rom. In den folgenden Jahrhunderten wird Apulien zunehmend in das Römische Reich eingebunden.
Nach der Teilung des Römischen Reiches bleibt Apulien Teil der römisch geprägten Welt. Später wird die Region zum Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen Goten, Byzantinern und Langobarden.
Byzantinischer Einfluss prägt große Teile Süditaliens. Ab dem 11. Jahrhundert gewinnen die Normannen zunehmend die Kontrolle über Apulien.
Mit der Gründung des Königreichs Sizilien unter Roger II. wird Apulien Bestandteil eines größeren normannischen Herrschaftsraumes.
Unter Friedrich II. entstehen bedeutende Bauwerke wie Castel del Monte. Apulien wird zu einem wichtigen Teil des staufischen Herrschaftsraumes.
Nach dem Ende der Staufer folgen die Herrschaften der Anjou und später der Aragonesen. Häfen wie Bari, Brindisi und Otranto behalten ihre strategische Bedeutung.
Apulien gehört zum spanisch geprägten Herrschaftsbereich in Süditalien. Städte werden befestigt, Kirchen und Paläste entstehen oder werden im Stil der jeweiligen Epoche umgestaltet.
Nach den napoleonischen Umwälzungen und der bourbonischen Herrschaft wird Apulien 1861 Teil des neu gegründeten Königreichs Italien.
Industrialisierung, Landwirtschaft, Auswanderung und der Ausbau der Hafenstädte verändern die Region. Seit dem späten 20. Jahrhundert gewinnt der Tourismus zunehmend an Bedeutung.
Die Schlacht von Canne
Die Schlacht bei der antiken Stadt Canne (heute Canne della Battaglia (BT)) ist eine der Schlachten, die in der Geschichte Apuliens einen enormen Stellenwert einnimmt. Sie fand am 2. August 216 v. Chr. statt, bei der Hannibal einen vernichtenden Sieg über die Römer und die deren Verbündeten unter der Führung der Konsuln Gaius Terentius Varro und Lucius Aemilius Paulus errang. Bei der Schlacht starben zwischen 20.000 bis 25.000 Römer, etwa 10.000 wurden gefangen genommen.
Canne, in der lateinischen Antike als Cannae, altgriechisch und byzantinisch Κάνναι bezeichnet, war eine antike Stadt in Apulien, die auf einem Hügel am rechten Ufer des Flusses Ofanto gelegen war. Ihre Entfernung zum Meer betrug 9 km. Noch heute können die archäologische Überreste in einem archäologischen Gebiet über die Provinzstraße 142 erreicht werden. Einige Fundstücke sind im Museum von Canne aufbewahrt.
Wichtige Persönlichkeiten Apuliens
Guglièlmo di Puglia – Wilhelm von Apulien
Wilhelm von Apulien war ein Dichter im 11. bis 12. Jahrhundert und gilt als der Verfasser des Hexameter-Gedichts Gesta Roberti Wiscardi, das zahlreiche Zitate aus Vergil beinhaltet. Das Gedicht ist König Roger (Ruggero) gewidmet. Es lobt die kriegerischen Taten von Robert Guiscard (Roberto il Guiscardo) bei der Eroberung Süditaliens.
Ruggero Duca di Puglia – Roger, Herzog von Apulien
Roger, Herzog von Apulien starb 1111, als Sohn von Robert Guiscard und seiner zweiten Frau Sichelgaita. Nach dem Tod seines Vaters Guiscard wurde Roger zum Erben bestimmt und 1085 zum Herzog ernannt. Er wurde wegen seiner Unfähigkeit, den häufigen Aufständen der ihm unterstellten Städte zu widersetzen, von Papst Urban II. im Jahr 1089 in Melfi im Herzogtum Apulien eingesetzt. Sein Onkel Roger, Graf von Sizilien, half ihn gegen Cosenza (1091) und Amalfi (1093) zu agieren, wodurch er zu großen Schenkungen gezwungen war, die sein Herzogtum immer mehr schwächte. Im Jahr 1100 konnte er Amalfi wiedererlangen.
Domenico Cotugno – Wichtiger Anatom
Domenico Cotugno wurde in Ruvo di Puglia im Jahr 1736 geboren und verstarb 1822 in Neapel. Er gilt als Begründer der Antituberkuloseprophylaxe und beschrieb als Erster den Nervus naso-palatinae sowie die Vestibularis und Cochlea des Innenohrs. Cotugno entdeckte die Existenz der Cephalorachidienflüssigkeit und wies experimentell das Vorhandensein von Albumin im Urin nach. In seinem Werk De ischiade nervosa von 1764 beschreibt er meisterhaft die Ischialgie.
Apulien, wie Sie es noch nicht kennen
Kurioses, Natur, Geschichte und besondere Orte in Apulien
Welches Tier ist das seltenste in Apulien?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, da die Seltenheit einer Tierart davon abhängt, ob man nur dauerhaft in Apulien lebende Tiere oder auch seltene Durchzügler und ehemalige Bewohner betrachtet. Besonders außergewöhnlich ist jedoch die Mönchsrobbe (Monachus monachus). Sie gilt als eines der seltensten Säugetiere Europas und war früher auch an der apulischen Küste heimisch. Vor allem die schwer zugänglichen Meereshöhlen des Salento boten der Art geeignete Rückzugsräume.
Die regionale Landschaftsplanung bezeichnet den Abschnitt der salentinischen Küste sogar als das letzte Gebiet mit regionalem Vorkommen der Mönchsrobbe. Heute besitzt Apulien allerdings keine bekannte dauerhaft ansässige Kolonie mehr. Einzelne Tiere können sich im Mittelmeer über große Entfernungen bewegen und gelegentlich auch an der apulischen Küste auftauchen. Die Art ist deshalb für Apulien vor allem ein Beispiel dafür, wie selten und gleichzeitig historisch bedeutend bestimmte Tierarten der Region sind.
Wenn man dagegen nach einer heute tatsächlich in Apulien vorkommenden, besonders seltenen Land- oder Vogelart fragt, kommen andere Arten infrage. In der Gravina di Laterza leben beispielsweise sehr seltene Greifvögel wie der Schmutzgeier, während auch der Lannerfalke und der Wanderfalke zu den bemerkenswerten Vogelarten der Schlucht gehören. Die Gravina ist damit eines der wichtigsten Rückzugsgebiete für seltene Tiere in der Region.
Gibt es auch Trulli außerhalb von Alberobello, die man als Besucher besichtigen kann?
Ja. Trulli sind keineswegs auf Alberobello beschränkt. Das eigentliche Trulli-Gebiet erstreckt sich über einen großen Teil des Valle d’Itria und reicht insbesondere über die Gebiete von Locorotondo, Cisternino, Martina Franca, Fasano und weitere Orte der Murge. In der Landschaft stehen viele Trulli einzeln zwischen Olivenhainen und Weinbergen, während andere zu kleinen Gruppen oder landwirtschaftlichen Höfen zusammengewachsen sind.
Ein besonders interessantes Beispiel befindet sich bei Locorotondo: der Trullo Marziolla. Er gilt als der älteste dokumentierte Trullo im Valle d’Itria und trägt auf seiner Eingangstür die Jahreszahl 1559. Im Inneren sind noch Einrichtungen erhalten, die auf seine frühere landwirtschaftliche Nutzung hinweisen, darunter eine Weinpresse und Vorrichtungen zur Verarbeitung der Trauben. Gerade dadurch vermittelt der Trullo einen wesentlich besseren Eindruck von der ursprünglichen Funktion dieser Gebäude als viele der heute touristisch genutzten Trulli in Alberobello.
Auch in Cisternino und seiner Umgebung können Besucher zahlreiche Trulli sehen. Einige sind restauriert und werden heute als Ferienunterkünfte genutzt, andere sind weiterhin landwirtschaftlich genutzt oder befinden sich in Privatbesitz. Wer Trulli außerhalb von Alberobello kennenlernen möchte, sollte deshalb nicht nur nach einem einzelnen Museum suchen, sondern das gesamte Valle d’Itria betrachten. Dort zeigt sich besonders deutlich, dass die Trulli ursprünglich keine touristische Sehenswürdigkeit, sondern Teil einer bäuerlichen Kulturlandschaft waren.
Welche römischen und griechischen Bauwerke stehen heute noch in Apulien?
Apulien gehört zu den Regionen Italiens, in denen sich die Spuren der griechischen und römischen Antike besonders deutlich überschneiden. Die griechische Vergangenheit ist vor allem in Taranto sichtbar, das als griechische Kolonie Taras gegründet wurde. Besonders bedeutend sind die erhaltenen Reste des dorischen Tempels von Taranto. Der Tempel wird in die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. datiert und gehört damit zu den ältesten monumentalen Tempelbauten der Magna Graecia. Von der ursprünglichen Anlage sind heute vor allem die mächtigen Säulen erhalten.
Ein außergewöhnliches Beispiel römischer Architektur ist das Amphitheater von Lecce auf der Piazza Sant’Oronzo. Es wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. errichtet und war ursprünglich erheblich größer als der heute sichtbare Teil. Nur ungefähr ein Drittel der Anlage liegt heute frei, während weitere Bereiche noch unter dem modernen Stadtgebiet verborgen sind. Das Amphitheater zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung das römische Lupiae einst besaß.
Noch stärker mit der römischen Verkehrsgeschichte verbunden ist Brindisi. Die Stadt bildete den Endpunkt der Via Appia, einer der wichtigsten Straßen des Römischen Reiches. An der Hafenpromenade stehen noch heute die berühmten römischen Säulen von Brindisi. Ursprünglich waren es zwei Säulen, von denen eine 1528 einstürzte. Teile der eingestürzten Säule wurden später für das Monument des Sant’Oronzo in Lecce verwendet. Auch Abschnitte der antiken Via Appia und ihre Meilensteine sind in der Umgebung von Brindisi erhalten.
Sehr umfangreich sind außerdem die Ausgrabungen von Egnazia bei Fasano. Dort können Besucher unter anderem römische Stadtmauern, das Amphitheater, Nekropolen und weitere Überreste der antiken Stadt besichtigen. Egnazia ist besonders interessant, weil sich hier nicht nur die römische Epoche, sondern auch ältere Siedlungsschichten nachvollziehen lassen.
Gibt es einen außergewöhnlichen Brunnen in Apulien?
Ein besonders ungewöhnlicher Brunnen befindet sich in Gallipoli: die Fontana Greca. Der Name führt allerdings etwas in die Irre. Lange Zeit wurde angenommen, dass der Brunnen bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. entstanden sei und damit zu den ältesten Brunnen Italiens gehöre. Die Datierung ist jedoch umstritten; heute wird die sichtbare Anlage überwiegend späteren Bau- und Umbauphasen zugerechnet. Gerade diese widersprüchliche Geschichte macht den Brunnen besonders interessant.
Die Fassade ist etwa fünf Meter hoch und außergewöhnlich reich gestaltet. Sie besteht aus mehreren Feldern mit Karyatiden, Reliefs und mythologischen Darstellungen. Über der Wasseranlage befinden sich drei Reliefs, die traditionell mit den Mythen von Dirke, Salmakis und Biblis verbunden werden. Drei von Putten getragene Becken nehmen das Wasser auf und leiten es in das größere Sammelbecken.
Auch die Geschichte des Standorts ist ungewöhnlich: Der Brunnen wurde mehrfach versetzt und verändert. Die heute sichtbare Anlage ist deshalb kein unverändert erhaltenes antikes Bauwerk, sondern ein Denkmal, an dem sich verschiedene Epochen der Stadtgeschichte überlagern. Er befindet sich an der Piazza Aldo Moro am Zugang zur historischen Altstadt von Gallipoli und kann von außen jederzeit betrachtet werden.
Welche Brücke ist die spektakulärste Brücke in Apulien?
Zu den spektakulärsten Brücken Apuliens gehört zweifellos die Ponte del Ciolo bei Gagliano del Capo im Salento. Die Brücke führt über die schmale, tief eingeschnittene Canale del Ciolo, eine felsige Schlucht, die unmittelbar zur Adriaküste hinunterführt. Von der Brücke fällt der Blick direkt auf die steilen Felswände und das Meer.
Das Besondere ist weniger die Konstruktion der Brücke selbst als ihre Lage. Sie befindet sich mehr als 30 Meter über der kleinen Meeresbucht. Unterhalb der Brücke liegt eine winzige Bucht, die von steilen Felswänden eingeschlossen wird. Die Kombination aus Brücke, Schlucht, Meer und mediterraner Vegetation macht den Ort zu einem der eindrucksvollsten Aussichtspunkte des Salento.
Die Umgebung ist außerdem für Wanderungen, Klettern und Höhlen bekannt. Von der Brücke führen Wege entlang der Küste und in die Schlucht. Wer die Bucht selbst erreichen möchte, muss allerdings eine Treppe mit zahlreichen Stufen hinuntergehen; der Bereich unterhalb der Brücke ist deshalb nicht mit einem normalen Strand vergleichbar.
Welche Grotten kann man in Apulien besichtigen?
Apulien besitzt aufgrund seines ausgedehnten Kalksteingebiets eine außergewöhnlich große Zahl an Höhlen. Zu den bekanntesten öffentlich zugänglichen Höhlensystemen gehören die Grotte di Castellana bei Castellana Grotte. Der unterirdische Komplex erstreckt sich über mehrere Kilometer und besitzt riesige Säle, Tropfsteinformationen, Schächte und enge Gänge. Besonders berühmt ist die Grotta Bianca, deren helles Kalkgestein der Höhle eine außergewöhnliche Erscheinung verleiht.
Eine Besonderheit ist die Grotta del Trullo in Putignano. Sie gehört zu den ungewöhnlichsten Höhlen Apuliens, weil der Zugang durch einen monumentalen Trullo geschützt wird. Im Inneren befinden sich Stalaktiten, Stalagmiten und weitere Kalkformationen. Die Höhle kann im Rahmen geführter Besichtigungen erkundet werden.
An der Küste des Salento ist die Grotta Zinzulusa bei Castro eine der bekanntesten Meereshöhlen. Sie besitzt mehrere unterirdische Bereiche wie den Korridor der Wunder, die Krypta, den Dom und den Cocito-See. Besonders interessant ist die dort vorkommende unterirdische Tierwelt mit an das Höhlenleben angepassten Arten. Die Höhle kann zu Fuß besichtigt werden; außerdem lässt sich die Küstenlandschaft vom Meer aus erkunden.
Weitere bekannte Höhlen liegen bei Santa Maria di Leuca. Zu den eindrucksvollsten gehört die Grotta delle Tre Porte, deren drei große Öffnungen zum Meer zeigen. In diesem Höhlensystem wurden unter anderem Überreste eines Neandertalers sowie fossile Reste ausgestorbener Tiere gefunden.
Welches ist die tiefste Schlucht in Apulien?
Die Gravina di Laterza bei Laterza in der Provinz Taranto gehört zu den tiefsten und eindrucksvollsten Schluchten Apuliens. Sie ist an einzelnen Stellen mehr als 200 Meter tief und erstreckt sich über etwa zwölf Kilometer. Damit besitzt sie Dimensionen, die eher an die großen Canyons Südeuropas als an die sonst eher sanften Landschaften Apuliens erinnern.
Die Gravina entstand durch die langfristige Erosion des Kalkgesteins. Wasser schnitt sich über einen sehr langen Zeitraum in das Gestein ein und schuf steile Felswände, Höhlen, Vorsprünge und Seitenschluchten. An einigen Stellen sind die Wände nahezu senkrecht. Dadurch entstanden gleichzeitig zahlreiche geschützte Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Die Schlucht besitzt auch eine große ökologische Bedeutung. In der Oasi Gravina di Laterza leben seltene Greifvögel wie Schmutzgeier, Lannerfalke und Wanderfalke. Auch der Uhu und weitere Vogelarten nutzen die Felswände zum Brüten. Die Gravina ist deshalb nicht nur ein geologisches, sondern auch ein ornithologisch bedeutendes Gebiet.
Gibt es Überbleibsel aus prähistorischer Zeit, wie Dinosaurier oder Höhlenmalerei, die man besichtigen kann?
Ja. Apulien besitzt außergewöhnliche Zeugnisse aus mehreren Millionen Jahren Erd- und Menschheitsgeschichte. Besonders spektakulär sind die Dinosaurierspuren von Altamura. In der ehemaligen Steinbruchanlage von Pontrelli wurden mehr als 20.000 gut erhaltene Fußabdrücke entdeckt. Sie stammen aus der Kreidezeit und sind ungefähr 70 bis 80 Millionen Jahre alt. Nach Angaben der Stadt Altamura lassen sich die Spuren mehr als 200 Tieren und mindestens fünf verschiedenen Arten zuordnen.
Die Spuren sind deshalb wissenschaftlich besonders interessant, weil sie nicht nur zeigen, dass Dinosaurier in diesem Gebiet lebten. Aus ihrer Form und Anordnung lassen sich auch Rückschlüsse auf Körperhaltung, Fortbewegung, Geschwindigkeit und Verhalten der Tiere ziehen. Damals war Apulien landschaftlich völlig anders als heute: Statt der heutigen Kalksteinlandschaften existierten ausgedehnte, tropisch geprägte Schlammflächen.
Noch viel jünger, aber für die Menschheitsgeschichte mindestens ebenso bedeutend, sind die Höhlenmalereien der Grotta dei Cervi bei Porto Badisco. Die Höhle besitzt einen der bedeutendsten Komplexe neolithischer Felsmalereien Europas. Zu sehen sind unter anderem Hirsche, Menschen, Tiere, geometrische Zeichen und abstrakte beziehungsweise möglicherweise religiöse Darstellungen. Die Malereien stammen aus einem Zeitraum von etwa 6000 bis 1000 v. Chr..
Die Grotta dei Cervi selbst ist allerdings nicht regulär für die Öffentlichkeit geöffnet. Der Zugang wird aus Gründen des Denkmalschutzes stark eingeschränkt, da Feuchtigkeit, Licht und die Anwesenheit vieler Besucher die empfindlichen Malereien gefährden könnten. Damit gehört die Höhle zu den Fällen, bei denen man das außergewöhnliche prähistorische Erbe zwar wissenschaftlich und teilweise im Rahmen kontrollierter Angebote kennenlernen kann, die Originale aber nicht wie eine gewöhnliche Schauhöhle betreten darf.
Auch die Grotta Lamalunga bei Altamura ist prähistorisch von herausragender Bedeutung. Dort wurde der berühmte Mann von Altamura entdeckt, ein außergewöhnlich gut erhaltenes fossiles menschliches Skelett aus dem mittleren bis oberen Pleistozän. Das Alter wird auf ungefähr 250.000 Jahre geschätzt. Die Höhle kann im Rahmen spezieller Führungen und Bildungsangebote thematisch erschlossen werden.
Welcher Fahrradweg führt an spektakuläre Aussichten vorbei?
Für spektakuläre Landschaften eignet sich besonders die Ciclovia Adriatica entlang der apulischen Adriaküste. Der apulische Abschnitt führt unter anderem durch die Küstenlandschaften zwischen Bari, Polignano a Mare und Monopoli. Hier wechseln sich Meerblicke, Felsklippen, Buchten, historische Küstenorte, Olivenhaine und typische Trulli-Landschaften ab. Der regionale Radweg RP02 wird mit etwa 200 Kilometern und rund 500 Höhenmetern angegeben und ist als leicht eingestuft.
Besonders reizvoll ist der Abschnitt bei Polignano a Mare. Dort liegt die Altstadt spektakulär auf den Kalksteinfelsen über der Adria. Weiter südlich folgen Monopoli und die Küstenlandschaften des Valle d’Itria. Dadurch verbindet die Route Natur, Meer und Kulturlandschaft auf relativ kurzer Distanz.
Wer dagegen eine anspruchsvollere Route mit stärkerem Landschaftswechsel sucht, findet im offiziellen Radführer der Region auch die Ciclovia dei Borboni. Sie führt unter anderem in Richtung Castel del Monte und durch die Landschaft der Murge. Die Route wird mit rund 100 Kilometern und etwa 1.000 Höhenmetern angegeben und ist daher deutlich anspruchsvoller als die flachere Adriaküstenroute.
Gibt es eine kuriose Legende einer Prinzessin in Apulien?
Eine besonders schöne Legende ist mit der Grotta della Poesia bei Roca Vecchia im Salento verbunden. Nach der Überlieferung soll eine außergewöhnlich schöne Prinzessin regelmäßig in einer natürlichen Höhle im Meer gebadet haben. Das Gerücht über ihre Schönheit verbreitete sich so weit, dass Dichter aus verschiedenen Teilen Süditaliens zu der Höhle kamen, um sie zu sehen und Verse über sie zu schreiben.
Aus dieser Erzählung soll sich der Name Grotta della Poesia – Höhle der Poesie entwickelt haben. Historisch handelt es sich allerdings um eine Legende und nicht um eine belegte Geschichte einer tatsächlich identifizierbaren Prinzessin. Der Ort selbst besitzt dagegen eine reale archäologische Bedeutung: Rund um Roca Vecchia wurden Spuren messapischer Besiedlung, Befestigungen, Kultstätten und Anlagen aus verschiedenen Epochen entdeckt.
Gerade diese Verbindung von Legende und Archäologie macht den Ort interessant. Die Erzählung von der Prinzessin erklärt den poetischen Namen, während die tatsächlichen archäologischen Funde zeigen, dass die Höhle und ihre Umgebung bereits lange vor der Entstehung der heutigen Sage eine besondere Bedeutung besaßen.
Welche Familie Apuliens war die grausamste in Apulien?
Eine historisch seriöse Antwort im Sinne der „grausamsten Familie“ gibt es nicht. Solche Bezeichnungen stammen meist aus späteren Erzählungen, lokalen Überlieferungen oder aus der Darstellung politischer Gegner und lassen sich deshalb nicht objektiv als Rangfolge historischer Familien verwenden.
Eine der mächtigsten und zugleich in zahlreiche Machtkämpfe verwickelten Adelsfamilien Apuliens waren die Orsini del Balzo. Ihr Einfluss konzentrierte sich unter anderem auf das Fürstentum Tarent, Lecce und große Teile des südlichen Apuliens. Raimondo Orsini del Balzo gelang es Ende des 14. Jahrhunderts, seine Besitzungen erheblich zu erweitern und schließlich das Fürstentum Tarent zu erlangen. Die Familie spielte damit eine zentrale Rolle in den politischen Konflikten des Königreichs Neapel.
Besonders turbulent war die Geschichte von Giovanni Antonio Orsini del Balzo, dem letzten großen Fürsten von Tarent aus dieser Linie. Er stellte sich im 15. Jahrhundert mehrfach gegen die neapolitanische Krone und führte als mächtiger Baron einen eigenen politischen Machtblock. Nach einer langen Auseinandersetzung mit König Ferdinand I. von Neapel wurde er 1463 in Altamura unter bis heute nicht vollständig geklärten Umständen getötet. Treccani berichtet, dass er vermutlich durch von König Ferdinand beauftragte Mörder ums Leben kam.
Die Orsini del Balzo waren jedoch nicht ausschließlich durch Gewalt geprägt. Raimondo Orsini del Balzo förderte beispielsweise Kunst und Kultur und gründete die Basilika Santa Caterina d’Alessandria in Galatina. Die Familie ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, wie sich im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Apulien politische Macht, Krieg, Kunstförderung und religiöse Stiftungen miteinander verbanden.
Gibt es Taranteln in Apulien?
Ja. In Apulien lebt tatsächlich die Lycosa tarantula, die wissenschaftlich als Tarantel bezeichnet wird und zur Familie der Wolfsspinnen gehört. Die Art ist unter anderem aus Apulien bekannt und hat eine besondere Bedeutung für die Kulturgeschichte der Region. Der Name „Tarantel“ ist eng mit Taranto und dem historischen Phänomen des Tarantismus verbunden.
Die Tiere leben überwiegend am Boden und bauen beziehungsweise nutzen Wohnröhren im Erdreich. Trotz ihres eindrucksvollen Namens und ihrer Größe sind sie für Menschen normalerweise nicht mit den Gefahren verbunden, die man aus manchen tropischen Spinnenfilmen kennt. Ein Biss kann schmerzhaft sein, doch die Art gilt nicht als tödlich gefährlich für gesunde Menschen.
Der historische Zusammenhang mit dem Tarantismus ist besonders interessant. Über Jahrhunderte wurde in Apulien geglaubt, dass der Biss einer Tarantel schwere körperliche und seelische Symptome hervorrufen könne. Daraus entwickelte sich eine spezielle Musik- und Tanztradition, die heute unter dem Begriff Pizzica bekannt ist. Wissenschaftlich lässt sich die historische Vorstellung einer „Vergiftung“ durch den Spinnenbiss allerdings nicht in der damaligen Form bestätigen.
Welche Schlangen leben in Apulien?
Apulien besitzt eine überraschend vielfältige Schlangenfauna. Zu den bemerkenswertesten Arten gehört die Vierstreifennatter (Elaphe quatuorlineata), eine große, ungiftige Schlange, die vor allem in geeigneten Busch-, Wald- und Kulturlandschaften vorkommt. Ebenfalls interessant ist die Leopardnatter (Zamenis situla), die durch ihre auffällige Zeichnung leicht zu erkennen ist. Beide Arten werden auch aus den natürlichen Gebieten des Salento gemeldet.
Daneben kommen verschiedene weitere ungiftige Nattern vor, darunter die Äskulapnatter, die Hufeisennatter und die Schlingnatter. In den wärmeren und trockeneren Landschaften können außerdem die Montpelliernatter und weitere mediterrane Arten vorkommen.
Die wichtigste Giftschlange Apuliens ist die Europäische Hornotter beziehungsweise Aspisviper je nach regionalem Vorkommen; Schlangenbestände sind jedoch lokal sehr unterschiedlich. Für Besucher ist vor allem wichtig, Schlangen nicht anzufassen oder zu verfolgen. Die meisten Begegnungen enden damit, dass das Tier möglichst schnell flüchtet. In der freien Natur sollte man beim Wandern insbesondere in warmen Monaten nicht blind in Felsspalten oder dichtes Gebüsch greifen.
Welcher Wanderweg ist auch für Menschen mit Behinderungen machbar?
In Apulien gibt es inzwischen eine Reihe von Wegen, deren Begehbarkeit für Menschen mit Behinderungen ausdrücklich erfasst wird. Eine aktuelle regionale Wegedatenbank unterscheidet dabei zwischen normalen Wanderwegen und Routen, deren Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen überprüft wurde. Dadurch lässt sich wesentlich besser erkennen, welche Wege tatsächlich für Personen mit eingeschränkter Mobilität infrage kommen.
Ein Beispiel in der Provinz Brindisi ist der Sentiero BR337. Der Weg ist rund 19,1 Kilometer lang und wird in der Datenbank als für Menschen mit Behinderungen zugänglich geführt. Die Route verläuft überwiegend auf befestigten Straßen beziehungsweise auf einem sogenannten Tratturo und unterscheidet sich damit deutlich von schwierigen Naturpfaden mit großen Steinen, Stufen oder starken Steigungen.
Daneben sind in der Provinz Brindisi zahlreiche kürzere Wege als zugänglich gekennzeichnet, beispielsweise BR338, BR339 und BR341. Einige dieser Strecken sind nur wenige Kilometer lang und können daher für Besucher interessant sein, die keinen langen Tagesausflug unternehmen können. Die Kennzeichnung „zugänglich“ sollte allerdings nicht automatisch mit „für jeden Rollstuhl ohne fremde Hilfe geeignet“ gleichgesetzt werden. Körperliche Voraussetzungen, Rollstuhltyp, Steigungen, Untergrund und aktuelle Wegverhältnisse können entscheidend sein.
Gibt es einen besonderen Karneval in Apulien?
Ja. Der Carnevale di Putignano gehört zu den bekanntesten Karnevalsveranstaltungen Italiens und besitzt eine außergewöhnlich lange Tradition. Der Ursprung wird traditionell mit dem Jahr 1394 verbunden. Damals wurden die Reliquien des heiligen Stephanus von Monopoli in das weiter im Landesinneren gelegene Putignano gebracht, um sie vor den Angriffen von der Küste zu schützen. Nach der Überlieferung schlossen sich Bauern dem religiösen Zug an und begannen zu singen und satirische Verse zu improvisieren.
Besonders ungewöhnlich ist, dass der Karneval bereits am 26. Dezember mit der sogenannten Festa delle Propaggini beginnt. Dialektdichter und Gruppen treten dabei in bäuerlicher Kleidung auf und kommentieren das vergangene Jahr mit gereimter Satire. Damit wird der Karneval nicht erst kurz vor dem Faschingsdienstag eröffnet, sondern besitzt eine ungewöhnlich lange Vorbereitungs- und Veranstaltungszeit.
Das Wahrzeichen des Putignano-Karnevals ist die Figur Farinella. Die heutige Darstellung verbindet Elemente von Harlekin und Joker: ein mehrfarbiges Kostüm, ein dreizipfliger Hut und die Farben Rot und Blau der Stadt. Der Name stammt von der traditionellen Speise „farinella“, einem fein gemahlenen Mehl aus gerösteten Kichererbsen und Gerste.
Den Höhepunkt bilden die riesigen Wagen aus Pappmaché. Sie werden über Monate von spezialisierten Künstlern und Handwerkern hergestellt und greifen häufig aktuelle gesellschaftliche oder politische Themen auf. Dadurch ist der Karneval von Putignano nicht nur ein Volksfest, sondern auch eine Form öffentlicher Satire und ein wichtiges Beispiel für das traditionelle Kunsthandwerk Apuliens.