Alpeggio am Monte Rosa

Italien hat nicht nur Sonne, Strand, Berge und Meer zu bieten, sondern auch eine Vielzahl an Bauernhöfen und Viehzuchtbetrieben. Es gibt weniger Massentierhaltung, dafür mehr kleinere, lokale Betriebe, die ausgesuchte Spezialitäten produzieren. Diese verkaufen sie dann in Supermärkten und kleinen, örtlichen Alimentari. Die Bauern sind oftmals nicht abhängig von der Anzahl der Tiere, sondern vielmehr von der umgebenden Ökologie und das Wetter.

Lokale Viehzucht und Produktion

Glückliche Esel auf einem Eselhof im Piemont

Die lokale Viehzucht bestimmt die Region. Dies bedeutet, dass im Alpenraum mehr Steinböcke und Hirsche auf dem Tisch landen als in Umbrien und der Toskana, wo das Wildschwein sehr beliebt und heimisch ist. Auf Sizilien und Sardinien dominieren hingegen Ziegen- und Schafprodukte, in der Emilia-Romagna und Lombardei findet man auch so manche Schweinehaltung vor. Im Piemont herrscht in der Pianura saisonal die Froschjagd. Früher gab es auch noch die Singvogeljagd, aber die ist nun fast ausgestorben. Heute werden vielmehr Fasane zur Strecke gebracht, die ganz mutig und unerschrocken häufig am Wegesrand zwischen Reisfeldern entlang spazieren.

Utensilien zum Froschfang im Piemont

 

Arbeit auf dem Bauernhof in Italien

Käfige zum Vogelfang im Piemont

Huhn auf dem Bauernhof in Italien

 

Diverse Traktoren zum Reisanbau

 

Arbeit auf dem Reisfeld

 

Milchkannen und Käsezubehör

 

Schafwanderung im Novarese

Kuhgeschirr im Piemont

 

Weidende Kühe im Gran Paradiso

 
 

Hufeisen für Pferde in einer Cascina

Alter Karren für den Reisanbau

 

Auch Tauben und Kaninchen kommen oft auf den Tisch. In der Basilikata dominiert die Schweine- und Kuhhaltung.

Fütterung von Kühen in der Basilikata

Hier kommt es in der kalten Jahreszeit um den Januar herum zur Produktion der Sanguinacci, den Blutwürsten, die dann heiß gegessen werden. Diese sind zu empfehlen und auch nur in der kalten Jahreszeit käuflich zu erwerben. Hühner und Entenzucht kommt in jeder Region vor, wobei Hühner ganzjährig gekauft werden können, Enten hingegen muss man eher suchen. Sie kommen kurz vor Weihnachten in den Handel und in die Marcellerie (Fleischereien), sind aber auch ab und an frisch in großen Supermärkten zu finden.

Eselfütterung in Italien

Interessant ist die Schneckenzucht in Ligurien, Apulien und den Marken. Schneckenhalter legen extra schöne Salatbeete an, um dann ihre Lieblinge fett zu füttern, sofern das bei Schnecken überhaupt möglich ist. Aber sie gedeihen hervorragend und können dann ab ein bestimmtes Alter in der Küche verwendet werden. Genießen sollte man sie stets frisch und nicht aus dem Kühlregal. Ich habe sie in den Marken mit einer Kräutersoße gegessen, in Ligurien mariniert mit Tomatensoße und Oliven. Beides war sehr lecker. Die Büffelzucht ist in Apulien dominierend, wobei hieraus dann die bekannte Büffel-Mozzarella entsteht.

Es ist ein sagenhafter Unterschied zwischen einer Mozzarella, die hierzulande verkauft wird und einer Mozzarella, die in Italien verkauft wird. Ich rate jedem Italien-Urlauber dazu, sich eine frische Mozzarella zu kaufen und sie vor Ort mit sehr gutem Olivenöl, Basilikum, Salz und ein wenig Pfeffer zu verspeisen. Wer mag, kann sie auch mit Tomaten essen.

Esel und Pferde werden in Italien einerseits als Lasten- und Nutztiere gehalten, andererseits aber auch zur Fleischproduktion, insbesondere auf Sardinien, aber auch in den restlichen Regionen Italiens. Aus ihnen werden überwiegend Salumi gemacht, sprich harte Würste, die dann als Tagliere (Aufschnitt diverser Sorten) neben Rinder- und Schweinewürsten enden.

Eine Tagliere gibt es entweder als reiner Wurstaufschnitt, als reiner Käseaufschnitt oder aber auch gemischt als Käse- und Wurstaufschnitt üblich zur Mittagszeit. Zu empfehlen ist eine gemischte Tagliere in der Alpenregion und eine reine Käseplatte in den Langhe und Roero, die dann mit verschiedenen Traubenarten gegessen wird.

Agriturismo und Bauernhöfe in Italien

Traktor im Landwirtschaftsbetrieb

Der Agriturismo nimmt in Italien zu. Zumeist handelt es sich um kleine Betriebe, die mit der Zimmervermietung ihr Nebeneinkommen verdienen. Für Agroturismus gibt es in Italien finanzielle Förderungsmöglichkeiten, weshalb immer mehr kleine Viehzuchtbetriebe darauf zurückgreifen. Deshalb kann es sein, dass bestimmte Angebote weit ab von den Vorstellungen eines Streicheltiererlebnisses sind. Vielmehr ist es in Italien häufig so, dass man inmitten des Betriebes wohnt. Da kann es dann frühmorgens um 4 Uhr mit dem Melken losgehen, das einen dann durch das Rattern der Melkanlage oder das Muhen der Kühe aus dem Schlaf reist.

Melkanlage für Kühe

Andererseits kann man auch sehr idyllisch wohnen, wo aber der Hahn auch in aller Frühe sein Bestes gibt, um einen noch vor 6 Uhr zu wecken. Fakt ist, dass man auf einem Bauernhof in Italien die Viehzucht mit allen positiven und negativen Aspekten miterleben kann. Dies kann eine wunderbare Bereicherung sein.

Wer mit dem Gedanken spielt, in Italien auf einem Bauernhof seinen Urlaub zu verbringen, der sollte mit Geräuschen vor 6 Uhr in der Früh und mit Gerüchen jenseits einer alpinen Blumenwiese kein Problem haben.

Bauernhof-Empfehlungen

Ziegenüberfall im Val Vogna

Ich habe auf etlichen Bauernhöfen bereits meinen Urlaub verbracht. Ich kann nichts Negatives erwähnen. Es ist aber immer eine persönliche Einstellungssache. Wer den Luxus sucht, ist sicherlich in Italien auf einem Bauernhof falsch. Oftmals wird Selbstverpflegung angeboten, aber es gibt auch Angebote mit Frühstück. Diese sind jedoch etwas schwieriger zu finden, da die Hofbesitzer in der Regel selten dann Zeit haben, wenn der Urlauber aufzustehen pflegt.

 
Appartamento Le Spighe D’oroStrada Provinciale Gioia del Colle Torre Spagnola, 75100 Matera: Sehr freundliche Gastgeber und bemüht, alles so angenehm wie möglich zu machen. Die Unterkunft liegt inmitten eines kleineren Landwirtschaftsbetriebes mit Kuhhaltung. Sie ist aber allein durch die große Terrasse ein Traum. Hier ist Selbstversorgung gefragt, allerdings bekommt man bei der Ankunft ein Willkommensgetränk sowie frische, gemolkene Kuhmilch zum Frühstück, die absolut probiert werden sollte.
 
 
Azienda Agrituristica Risveglio NaturaleLocalita‘ Valletti, 99, 19028 Varese Ligure (SP): Francesca und Emanuele sind einzigartig. Die beiden muss man mitsamt ihrer Esel und Hühner inmitten der Ligurischen Berge erlebt haben. Der kleine Bauernhof ist recht schwierig zu finden. Es geht durch ein langes Waldstück, was mit einem tiefliegenden Auto nicht möglich ist! Dort kann man sich bestens – wenn gewollt auch mit Massageanwendungen – erholen und auch exquisit essen. Unbedingt ausprobieren!