Die italienische Musik hat mich immer schon fasziniert. Schon als kleines Kind hörte ich die Klassiker der italienischen Musik wie „O sole mio“. Erst mit meinem Leben in Italien begann ich, mehr oder weniger zwangsläufig durch italienisches Radio und Fernsehen sowie Freunden, andere Lieder zu hören. Das Ganze vertiefte sich mit den Jahren, sodass ich heute sagen kann, Albano und Romina Power, Toto Cutugno, Vasco Rossi und Adriano Celentano – die Standard-Interpreten der italienischen Musik in Deutschland – sind gut, aber es gibt weitaus mehr einzigartige italienische Musiker, die vielen in Deutschland nicht bekannt sind. Ich möchte nachfolgend nicht die populärsten italienischen Lieder vorstellen, die fast jeder kennt, sondern diejenigen, die mir persönlich am besten gefallen.

Roberto Vecchioni bei einem seiner Konzerte
Roberto Vecchioni bei einem seiner Konzerte

Loredana Bertè

Anfangen möchte ich mit Loredana Bertè, einer Powerfrau, die schon sehr in ihrem Leben gelitten hat (unter anderem hat sie ihre Schwester verloren) und die von den Italienern geliebt wird. Ich persönlich mag am liebsten von ihr das Lied „Cosa ti aspetti da me“ (Was erwartest du von mir). Auch schön ist das Lied „Sei bellissima“ (Du bist wunderschön), eine Hommage an die Frau, das in Italien eines der wichtigsten Lieder von ihr ist.

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Riccardo Cocciante

Ein Lied, was ich immer wieder hören kann ohne es über zu haben, ist von Riccardo Cocciante „Cervo a primavera“ (Hirsch im Frühling). Ich liebe dieses italienische Lied, denn es handelt von der Wiedergeburt und dem Willen, weiterzuleben. Ein weiteres schönes Lied von ihm ist „Margherita“.

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Francesco De Gregori

Eigentlich assoziiert man mit Francesco De Gregori die Lieder „Generale“ und „Buonanotte fiorellino“, welche auch sehr schön sind. Das Lied „I muscoli del capitano“ (die Muskeln des Kapitäns) ist weniger bekannt und handelt von der Entscheidung des Kapitäns der Titanic, trotz der Warnung vor dem Eisberg, weiterzufahren. Das Lied basiert auf einen Dialog zwischen dem Kapitän und seinem Assistenten, der den Kapitän vor dem Eisberg, der „weißen Frau“ (donna bianca“) warnt. Letzten Endes war die Natur stärker als der Mensch. Die Titanic sinkt. Der musikalische Höhepunkt kommt erst instrumental zum Schluss. Am Anfang ist die Musik noch gemächlich, alles ist normal und fröhlich auf dem Schiff. Später dann wird sie dann intensiver, vollmundiger und theatralischer, je mehr das Schiff sich dem Eisberg nähert.

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I Nomadi mit Augusto Daolio

Eines meiner Lieblingslieder ist „Voglia d’inverno“ (Sehnsucht nach dem Winter) von I Nomadi, früher noch mit Augusto Daolio (der in diesem Lied noch singt), der leider bereits verstorben ist. Augusto hatte eine einzigartige Stimme, die unter die Haut geht. Von dieser Gruppe gibt es zahlreiche sehr schöne Lieder.

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Ein weiteres Lied dieser Gruppe ist „Il Paese“ (das Dorf), das ich liebe. Es handelt von dem Geburtsort von Augusto Daolio in der Emilia-Romagna. Wenn ich es höre, sehe ich genau wie er die großen Reisfelder vor meinen Augen, die Pappelreihen und die majestätischen Berge am Horizont. Nur mit einem Unterschied: Ich fahre von Mailand aus in den Piemont an Novara und Vercelli vorbei und kehre dann Richtung Monte Rosa ein, wo ich beheimatet bin. Immer wenn ich diese Strecke durch die endlosen Reisfelder fahre, erinnere ich mich an dieses wunderschöne italienische Lied.

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Fabrizio De André

Kommen wir jetzt zu einem Musiker, der für mich persönlich der Meister (Maestro) der italienischen Musik darstellt. Es gibt für mich keinen anderen Sänger in Italien, der auch nur ansatzweise an Fabrizio De André heranreicht. Er ist und wird die Ikone der Musik bleiben. Ich kenne von ihm alle Lieder. Ich gebe zu, es hat am Anfang sehr lange gedauert, bis ich seine Lieder vom Text und Sinn her verstanden habe, denn wenn Fabrizio etwas gut kann, dann ist es, sich in Metaphern gewählt auszudrücken. Ich könnte hier alle Lieder aufführen, aber ich musste mich für eines entscheiden und stelle hier das Lied „Se ti tagliassero a pezzetti“ (Wenn sie dich in Stücke schneiden) vor. Es handelt von der Freiheit, die für Fabrizio immer wichtig war. Es ist sozusagen eine Hommage an die Freiheit. Ebenso schön sind das Lied „La cattiva strada“ (die schlechte Straße), die vom Schicksal handelt, und das Lied „Andrea“, das von einer homosexuellen Liebe handelt.

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Renato Carosone

Ich gebe zu, ich liebe Süditalien, insbesondere Neapel mit seiner Herzlichkeit und Offenheit. Ich erinnere mich gerne an die Straßenkünstler mit ihren Tamburellos, die ins Café kommen, sich auf ihren mitgebrachten Schemel setzen und in die Runde fragen, welches Lied sie wohl spielen sollen. Am liebsten höre ich Maruzzella von Renato Carosone, eines der typischen Liebeslieder aus Neapel, was dort auch sozusagen ins Pflichtprogramm jedes Tamburello-Spielers gehört. Wie oft habe ich es mir gegen ein paar Münzen gewünscht und gehört!

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Paolo Conte

Genua ist eine Stadt, die ich in Italien immer besuche. Wie oft war ich schon in Genua? Ich kann es gar nicht mehr zählen. Wenn ich die letzten Tunnel (galeria) von den piemontesischen Bergen nehme und endlich vor mir Genua auftaucht, ist es ein grandioses Gefühl. Ich liebe diese Stadt einfach, vielleicht, weil sie so ist wie sie ist. Paolo Conte hat Genua ein Lied gewidmet, was genau das ausdrückt, was ich fühle und was ich in Genua sehe.

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Francesco Guccini

Guccini gehört für mich zu einen der großartigsten italienischen Musikern, denn er besitzt eine hohe literarische Qualität. Alle Lieder von ihm sind wie bei Fabrizio De André auch von enormer Wichtigkeit, man denke hier an das Lied „Auschwitz“, an „Cirano“ oder an „Vedi Cara“. Vorstellen möchte ich hier eines der beliebtesten Lieder von Guccini „Il vecchio e il bambino“ (der Alte und das Kind), bei dem der alte Mann dem Kind seine Erinnerungen schildert, wie schön das Grün der Bäume war, die Vögel, die Blumen, die Natur und die Sonne. Zum Schluss sagt das Kind zum Alten, wie schön waren doch seine Märchen, denn das Kind sieht nur graue Fabriken, Beton und Rauch. Guccini macht hier in seinem Lied auf die Umweltverschmutzung und die fortschreitende Zerstörung der Natur aufmerksam.

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Roberto Vecchioni

Eigentlich war Roberto Vecchioni Dozent an der Universität und lehrte Griechisch und Latein, aber er ist auch ein leidenschaftlicher Sänger und Komponist. Seine Lieder sind stets wie bei Guccini und De André von hoher Qualität. Es gibt etliche Lieder, die von Bedeutung sind wie „La Leggenda di Olaf“ (die Legende von Olaf) und „Cappuccio rosso“ (rote Kappe). Eines der beliebtesten italienischen Lieder von Vecchioni ist „Samarcanda“, das vom schlechten Gewissen handelt und welches ich sehr liebe.

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