Die Basilikata mit ihrer Hauptstadt Potenza gehört zu den weniger bekannten Regionen Süditaliens. Sie liegt zwischen Apulien, Kampanien und Kalabrien und gliedert sich in die beiden Provinzen Matera und Potenza. International bekannt ist die Region vor allem für die Sassi von Matera, ihre außergewöhnliche Höhlenarchitektur und ihre jahrtausendealte Geschichte.

Wer die Basilikata bereist, entdeckt jedoch weit mehr als die bekannten Sehenswürdigkeiten. Die Region ist geprägt von abgelegenen Bergdörfern, ungewöhnlichen Landschaften, archäologischen Zeugnissen der Magna Graecia, mittelalterlichen Orten sowie einer bemerkenswerten literarischen und filmischen Kultur. Gleichzeitig fällt die teilweise sehr dünne Infrastruktur auf, die wesentlich zum besonderen Charakter vieler abgelegener Orte beiträgt.

Auf dieser Seite möchte ich deshalb nicht einfach die üblichen „Top 10 Sehenswürdigkeiten“ der Basilikata vorstellen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die kulturelle Vielfalt der Region und die Frage, was sich hinter den bekannten Orten und Bauwerken verbirgt. Dabei geht es um Schriftsteller und ihre Heimatorte, Filme, die in der Basilikata entstanden sind, griechische und römische Spuren, mittelalterliche Machtzentren, verlassene Dörfer, traditionelle Lebensformen und Orte, deren Bedeutung sich erst erschließt, wenn man ihre Geschichte kennt.

Ich habe die Basilikata über mehrere Wochen intensiv bereist und dabei nicht nur die bekannten Städte und Sehenswürdigkeiten besucht, sondern auch zahlreiche kleinere und abgelegene Orte kennengelernt. Gerade dort wurde mir deutlich, wie vielfältig und lebendig die Kultur dieser Region ist – und wie viel davon abseits der bekannten touristischen Ziele zu entdecken ist.

Weitere Informationen zur Basilikata und Italien

Höhlenwohnungen in Matera
Die Höhlenwohnungen in Matera, die ich auf meiner Basilikatareise 2018 besucht habe

Das finden Sie auf meiner Seite

Die Basilikata auf einen Blick

Hauptstadt
Potenza
Provinzen
Matera und Potenza
Gemeinden
131
Landschaft
Berge, Hügel, Küsten und Schluchten
Küsten
Ionisches und Tyrrhenisches Meer
Bekannt für
Matera, Sassi, Bergdörfer und Magna Graecia

Geografie und Karte der Basilikata

Die Basilikata liegt im Süden Italiens und grenzt an Apulien, Kampanien und Kalabrien. Die Region besitzt zwei sehr unterschiedliche Küstenabschnitte: einen kleinen Abschnitt am Tyrrhenischen Meer bei Maratea und die längere ionische Küste im Osten.

Im Landesinneren dominieren Berge und Hügel. Gerade diese Topografie erklärt einen Teil der Besonderheiten der Region: Viele Orte liegen hoch über den Tälern, Straßen führen über kurvenreiche Bergstrecken und manche Gemeinden sind bis heute vergleichsweise abgelegen.

Die Basilikata wurde zwischen 1932 und 1947 offiziell als Lucania bezeichnet. Der historische Begriff Lucania reicht allerdings weit über die heutige Region hinaus und bezeichnete in der Antike ein wesentlich größeres Gebiet.

Provinzen und Gemeinden der Basilikata

Die Basilikata besteht aus zwei Provinzen: Matera und Potenza. Zusammen gehören ihnen 131 Gemeinden an.

Provinz Matera

31 Gemeinden. Besonders bekannt für Matera, die Sassi, die ionische Küste, Metaponto, Policoro, Craco und Aliano.

Provinz Potenza

100 Gemeinden. Besonders geprägt durch Berglandschaften, Melfi, Venosa, Maratea, Pietrapertosa, Castelmezzano und den Pollino.

Die Küste der Basilikata – Meer und antike Geschichte

Die Basilikata besitzt nur relativ kurze Küstenabschnitte, doch gerade die ionische Küste ist kulturell besonders interessant.

Zwischen Strand, modernen Ferienorten und landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen archäologische Zeugnisse der Magna Graecia. Metaponto und Policoro zeigen, dass diese Küste bereits in der Antike ein wichtiger Kultur- und Handelsraum war.

Die heutige Küste sollte deshalb nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Badeurlaub betrachtet werden. Wer genauer hinsieht, findet hier eine Verbindung zwischen Meer, Archäologie, griechischer Antike und moderner Küstenentwicklung.

Natur und Landschaften der Basilikata

Die Natur gehört zu den größten Stärken der Basilikata. Gleichzeitig ist sie einer der Gründe, weshalb viele Orte so abgelegen wirken.

Pollino

Große Berglandschaft an der Grenze zu Kalabrien mit ausgedehnten Wäldern und Hochgebirgslandschaften.

Dolomiti Lucane

Markante Felsformationen und die spektakulär gelegenen Orte Pietrapertosa und Castelmezzano.

Calanchi

Erosionslandschaften mit ungewöhnlichen Formen, besonders eindrucksvoll rund um Aliano und Montalbano Jonico.

Vulture

Vulkanisch geprägte Landschaft im Norden der Basilikata mit Weinbau, Seen und historischen Orten.

Orte, Menschen und ihre Geschichten

Die folgenden Orte habe ich bewusst nicht einfach nach der Anzahl ihrer Sehenswürdigkeiten zusammengestellt. Entscheidend für mich ist ihre kulturelle Bedeutung: Was erzählt dieser Ort über die Geschichte, Menschen und Identität der Basilikata?

Matera
Höhlenwohnungen und soziale Geschichte
Melfi
Normannen, Staufer und Friedrich II.
Aliano
Carlo Levi und die Lucania
Craco
Verlassenes Dorf und Landschaftsgeschichte
Maratea
Cristo Redentore und Nachkriegsgeschichte
Venosa
Horaz und römische Vergangenheit
Valsinni
Isabella Morra und Literatur
Tursi
Albino Pierro und Dialektliteratur
Montemurro
Leonardo Sinisgalli und die Casa delle Muse
Pietrapertosa
Bergdorf und Filmgeschichte
Metaponto
Magna Graecia und Tempel
Policoro
Herakleia und griechische Geschichte

Die Geschichten hinter den Orten der Basilikata

Matera – die Sassi und das Leben in den Höhlenwohnungen

Matera ist kulturell weit mehr als eine schöne historische Stadt. Die Sassi erzählen von einer jahrhundertelangen Wohn- und Sozialgeschichte. Menschen lebten in Höhlenwohnungen, die teilweise direkt in den Fels geschlagen wurden.

Die Lebensbedingungen waren bis weit ins 20. Jahrhundert hinein schwierig. Matera wurde zeitweise zum Symbol für Armut und Rückständigkeit. Die Bewohner der Sassi wurden schließlich umgesiedelt. Erst später setzte eine Neubewertung des historischen Stadtkerns ein.

Seit 1993 gehören die Sassi und die Felsenkirchen zum UNESCO-Welterbe. 2019 war Matera Europäische Kulturhauptstadt.

Wer Matera besucht, sollte deshalb nicht nur die Aussicht genießen. Es sind insbesondere die Geschichten der Menschen, die Matera zu dem machten, was es heute ist. 

Matera lässt sich gut an einem Tag zu Fuß erkunden. Allerdings mus sich dazu sagen, dass viele Treppen zu steigen sind. Für mich persönlich war es kein Problem, wer aber mobil eingeschränkt ist oder mit kleinen Kindern unterwegs ist, der kann auch auf ein Ape-Taxi umsteigen. Dieses bringt Sie dann an einen bestimmten erreichbaren Punkt.

Melfi – Macht, Normannen und Staufer

Melfi gehört zu den Orten, an denen sich die politische Geschichte Süditaliens besonders deutlich nachvollziehen lässt. Das Castello di Melfi war ein bedeutendes Machtzentrum der Normannen und später der Staufer.

Besonders eng ist Melfi mit Friedrich II. verbunden. In der Burg wurden die sogenannten Konstitutionen von Melfi erlassen, ein bedeutendes Gesetzeswerk für das Königreich Sizilien.

Melfi sollte deshalb nicht nur wegen seiner Burg besucht werden. Der Ort steht beispielhaft für die politische Bedeutung der Basilikata im mittelalterlichen Süditalien.

Aliano – Carlo Levi und die Welt der Lucania

Aliano ist untrennbar mit dem Schriftsteller, Maler und Arzt Carlo Levi verbunden. Levi wurde 1935 vom faschistischen Regime nach Aliano verbannt. Die Erfahrungen während seines Aufenthalts bildeten später die Grundlage für sein bekanntes Werk Christo si è fermato a Eboli (Christus kam nur bis Eboli) – ein Buch, welches ich jedem Literaturinteressierten ans Herz legen möchte. Ich habe es gelesen und war von den sachlichen detaillierten Schilderungen der Lebensweise der lokalen Bevölkerung beeindruckt.

Heute kann die Casa di confino besichtigt werden. Außerdem gibt es eine Pinacoteca Carlo Levi, ein Museum der bäuerlichen Kultur und weitere Einrichtungen, die sich mit seinem Leben und seinem Werk beschäftigen. Zudem kann man das Grab des Schriftstellers besuchen.

Aliano ist damit ein besonders gutes Beispiel dafür, wie Literatur einen Ort dauerhaft prägen kann.

Craco – ein Dorf, das aufgegeben werden musste

Craco gehört zu den ungewöhnlichsten Orten der Basilikata. Das historische Dorf liegt auf einem Höhenrücken und wirkt heute wie eine Momentaufnahme einer vergangenen Siedlung.

Zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren führten wiederholte Erdrutsche zu schweren Schäden. 1963 wurde ein Teil der Bevölkerung evakuiert. Später wurde die historische Altstadt endgültig aufgegeben.

Craco ist deshalb nicht einfach ein „Geisterdorf“. Es erzählt von den Schwierigkeiten, unter denen Menschen in instabilen Landschaften lebten, von Abwanderung und von der Aufgabe eines historischen Ortskerns.

Maratea – die Geschichte des Cristo Redentore

Die Christusstatue von Maratea entstand nicht als jahrhundertealtes religiöses Denkmal, sondern erst in den 1950er- und 1960er-Jahren. Der Unternehmer und Mäzen Stefano Rivetti di Val Cervo gab die Statue beim Florentiner Bildhauer Bruno Innocenti in Auftrag.

1957 begann die Planung. 1964 wurde die Statue auf dem Monte San Biagio aus einer Mischung aus weißem Zement und weißen Marmorsplittern gegossen. 1965 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Rivetti finanzierte das gesamte Projekt und schenkte die Statue anschließend der Stadt Maratea. Sie wurde dadurch zu einem Wahrzeichen der Stadt und der gesamten Region.

Gerade die Entstehungsgeschichte macht die Statue kulturell interessant: Sie steht für den Versuch, Maratea in der Nachkriegszeit wirtschaftlich und touristisch neu zu positionieren.

Metaponto und Herakleia – die griechische Vergangenheit der Basilikata

An der heutigen ionischen Küste sieht man zunächst vor allem Strände und mehr oder weniger moderne Küstenorte. Unter dieser Landschaft liegt jedoch eine jahrtausendealte Geschichte.

Metaponto und Herakleia gehörten zu den bedeutenden griechischen Städten der antiken Magna Graecia. Metaponto lag westlich des heutigen Küstenortes Metaponto, während sich Herakleia im Gebiet des heutigen Policoro befand.

Von Metaponto sind unter anderem die Überreste mehrerer griechischer Tempel erhalten. Besonders bekannt sind die Tavole Palatine, die zu einem antiken Hera-Heiligtum gehörten. Auch Nekropolen und weitere archäologische Funde zeugen von der Bedeutung der Stadt.

Das antike Herakleia lag dagegen im heutigen Gebiet von Policoro. Archäologische Ausgrabungen haben dort unter anderem Wohnbereiche, Heiligtümer, Straßen, Nekropolen und zahlreiche Funde aus der griechischen und späteren römischen Zeit ans Licht gebracht. Zahlreiche dieser Funde sind heute im Museo Archeologico Nazionale della Siritide in Policoro zu sehen.

Gerade dieser Gegensatz ist bemerkenswert: Wo heute Urlauber am ionischen Meer ihren Urlaub verbringen, befanden sich einst bedeutende griechische Städte mit Tempeln, Heiligtümern, Wohnvierteln und Nekropolen. Die heutige Landschaft lässt diese antike Vergangenheit teilweise nur noch erahnen – an den archäologischen Stätten wird sie jedoch wieder sichtbar.

Venosa – Horaz, Rom und die Erinnerung an die Antike

Venosa war in der Antike als Venusia bekannt und ist der Geburtsort des Dichters Quinto Orazio Flacco – Horaz.

Die sogenannte Casa di Orazio wird traditionell mit dem Dichter verbunden. Archäologische Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass die erhaltenen Bauteile zu einer römischen Patrizierhaus-Thermenanlage aus späterer Zeit gehören. Gerade diese Verbindung zwischen lokaler Überlieferung und archäologischer Forschung macht den Ort interessant.

Venosa besitzt darüber hinaus bedeutende römische und mittelalterliche Zeugnisse sowie das Castello Aragonese.

Tricarico – mittelalterliche Stadt und Rocco Scotellaro

Tricarico besitzt einen der interessantesten historischen Ortskerne der Basilikata. Die Stadt zeigt arabische, normannische und mittelalterliche Einflüsse.

Gleichzeitig ist Tricarico mit dem Dichter und Politiker Rocco Scotellaro verbunden. Scotellaro beschäftigte sich intensiv mit dem Leben der Landbevölkerung und den sozialen Problemen des Mezzogiorno.

Damit besitzt Tricarico eine kulturelle Ebene, die über seine Architektur hinausgeht: Der Ort steht auch für die literarische Auseinandersetzung mit dem Leben der ländlichen Bevölkerung Süditaliens.

Pietrapertosa und Castelmezzano – Bergdörfer und Filmgeschichte

Pietrapertosa und Castelmezzano gehören zu den ungewöhnlichsten Bergdörfern der Basilikata. Ihre Lage in den Dolomiti Lucane macht sie bereits landschaftlich außergewöhnlich.

Eine zusätzliche kulturelle Bedeutung erhielten die beiden Orte durch den Film „Un paese quasi perfetto“ von Massimo Gaudioso aus dem Jahr 2016. Gedreht wurde in Pietrapertosa und Castelmezzano; das fiktive Dorf im Film heißt Pietramezzana – eine Verbindung der beiden Ortsnamen.

Im Mittelpunkt steht ein abgelegenes Dorf, dessen wirtschaftliche Grundlage nach der Schließung einer Mine verloren gegangen ist. Die Bewohner versuchen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und einen Arzt dazu zu bewegen, im Ort zu bleiben. Im Film wird schließlich die Idee entwickelt, die alte Bergbauinfrastruktur touristisch zu nutzen.

Der Film ist deshalb für diese Seite besonders interessant: Er erzählt auf humorvolle Weise von Abwanderung, fehlenden Arbeitsplätzen und der schwierigen Zukunft kleiner Berggemeinden.

Literatur, Schriftsteller und literarische Erinnerungsorte

Die Basilikata besitzt eine erstaunlich vielfältige literarische Tradition. Einige Schriftsteller wurden hier geboren, andere waren mit der Region durch Verbannung, Reisen oder ihre Werke verbunden. An mehreren Orten gibt es heute Museen, Literaturparks oder Gedenkstätten.

Quinto Orazio Flacco – Horaz

Venosa – römischer Dichter, geboren in der antiken Stadt Venusia.

Horaz gehört zu den berühmtesten Dichtern der römischen Antike. Er wurde 65 v. Chr. in Venusia, dem heutigen Venosa, geboren. Seine Verbindung zur Basilikata ist deshalb vor allem eine biografische: Die Region war seine Geburtsheimat, auch wenn sein späteres Leben und seine literarische Tätigkeit vor allem mit Rom und der Sabina verbunden waren.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Oden, die Epoden, die Satiren und die Episteln. In den Gedichten geht es unter anderem um Liebe, Freundschaft, Wein, Vergänglichkeit, Lebensgenuss, Moral und das richtige Maß im Leben. Die berühmte Vorstellung des carpe diem ist eng mit seiner Dichtung verbunden.

Wer in Venosa unterwegs ist, begegnet deshalb nicht einem Dichter, der über die Basilikata geschrieben hätte, sondern einem Schriftsteller, dessen Geburt in der antiken Stadt Venusia einen direkten literaturgeschichtlichen Bezug des heutigen Ortes zur römischen Welt herstellt.

Isabella Morra

Valsinni – Renaissance-Dichterin zwischen Liebesdichtung, Einsamkeit und persönlichem Schicksal.

Isabella Morra wurde um 1520 im damaligen Favale, dem heutigen Valsinni, geboren und verbrachte dort einen großen Teil ihres kurzen Lebens. Ihre Verbindung zur Basilikata ist deshalb besonders unmittelbar: Die Landschaft und die abgeschiedene Lebenswelt von Valsinni bilden den biografischen Hintergrund ihrer Dichtung.

Von Isabella Morra sind nur zehn Sonette und drei Kanzonen überliefert. Ihre Gedichte sind keine Reiseberichte über die Basilikata und auch keine Beschreibungen der Region im heutigen touristischen Sinn. Vielmehr verarbeitet sie darin ihre persönliche Situation: Einsamkeit, Sehnsucht, unerfüllte Liebe, Leid und das Gefühl, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein.

Besonders bekannt ist ihre Beziehung zu dem Dichter Diego Sandoval de Castro. Als ihre Brüder von dieser Beziehung erfuhren, wurden Isabella Morra und Diego Sandoval de Castro 1546 getötet. Ihre Gedichte werden deshalb häufig im Zusammenhang mit ihrer tragischen Lebensgeschichte gelesen.

In Valsinni verbindet sich damit Literatur unmittelbar mit Landschaft und Geschichte. Der heutige Ort erinnert nicht nur an eine Renaissance-Dichterin, sondern an eine Frau, deren sehr persönliche Gedichte eng mit dem abgeschiedenen Leben in der damaligen Basilikata verbunden sind.

Rocco Scotellaro

Tricarico – Dichter, Schriftsteller und Bürgermeister der bäuerlichen Welt des Mezzogiorno.

Bei Rocco Scotellaro ist die Verbindung zur Basilikata besonders eng. Er wurde 1923 in Tricarico geboren und war dort von 1946 bis 1950 Bürgermeister. Seine eigene Herkunft und seine politische Tätigkeit flossen unmittelbar in sein literarisches Werk ein.

Scotellaro schrieb nicht einfach über eine abstrakte „süditalienische Welt“. Er beschäftigte sich mit den Lebensbedingungen der Landbevölkerung, mit Armut, sozialer Benachteiligung und den Hoffnungen der Bauern auf gesellschaftliche Veränderung. Besonders bekannt sind die nach seinem frühen Tod veröffentlichten Werke Contadini del Sud, eine Untersuchung über das Leben süditalienischer Bauern, sowie der unvollendete autobiografische Roman L’uva puttanella.

Auch seine Gedichtsammlung È fatto giorno ist eng mit dieser sozialen Wirklichkeit verbunden. Scotellaro verbindet darin persönliche Erfahrungen mit der Lebenswelt des ländlichen Süditaliens.

Tricarico ist deshalb nicht nur sein Geburtsort. Die Stadt, ihre bäuerliche Gesellschaft und die sozialen Verhältnisse der Basilikata gehören zu dem Lebensumfeld, aus dem seine Literatur entstanden ist.

Leonardo Sinisgalli

Montemurro – „Poeta-Ingegnere“ zwischen Mathematik, Technik, Erinnerung und Literatur.

Leonardo Sinisgalli wurde 1908 in Montemurro geboren. Seine Verbindung zur Basilikata ist vor allem durch seine Herkunft und die Erinnerungen an seine Kindheit geprägt. Anders als bei Carlo Levi oder Rocco Scotellaro schrieb er jedoch kein zentrales Werk über die Basilikata als gesellschaftliches Thema.

Sinisgalli war Ingenieur und zugleich Dichter, Schriftsteller und Kulturvermittler. Zu seinen Gedichtbänden gehören unter anderem Poesie, Campi Elisi, Vidi le Muse und La vigna vecchia. Daneben beschäftigte er sich intensiv mit Mathematik und Naturwissenschaften. In Furor mathematicus verband er beispielsweise mathematische und wissenschaftliche Gedanken mit literarischer Reflexion.

Besonders interessant ist deshalb die Verbindung zwischen Technik und Poesie. Sinisgalli gehörte zu denjenigen Intellektuellen, die keinen Gegensatz zwischen wissenschaftlichem Denken und Kunst sahen. Seine Erinnerungen an die Kindheit und seine süditalienische Herkunft bilden dabei einen wichtigen persönlichen Hintergrund.

In Montemurro lässt sich diese ungewöhnliche Verbindung heute besonders gut nachvollziehen. Die Casa delle Muse erinnert an einen Schriftsteller, der aus einem kleinen lucanischen Ort stammte und später eine bemerkenswerte Verbindung zwischen Ingenieurwesen, Wissenschaft und Literatur entwickelte.

Albino Pierro

Tursi – Dichter der Erinnerung, der Heimat und des alten Dialekts von Tursi.

Bei Albino Pierro ist der Bezug zur Basilikata besonders tief. Er wurde 1916 in Tursi geboren und entwickelte gerade aus dem lokalen Dialekt seiner Heimat eine eigenständige poetische Sprache. Damit wurde Tursi selbst zu einem wichtigen Bestandteil seiner Literatur.

Pierro schrieb zunächst auf Italienisch. Ab den frühen 1960er-Jahren wandte er sich jedoch verstärkt dem Tursitano zu. In Werken wie ‚A terra d’u ricorde, Metaponto, I ’nnammurète und Nd’u piccicarelle di Turse stehen Erinnerung, Kindheit, Heimat, Verlust und die Welt seines Herkunftsortes im Mittelpunkt.

Dabei geht es nicht nur um folkloristische Beschreibungen eines lucanischen Dorfes. Pierro verwendet den Dialekt als eigenständige poetische Sprache. Tursi erscheint als Erinnerungsraum, in dem persönliche Erfahrungen, Kindheit, Tod, Liebe und die verschwundene bäuerliche Lebenswelt miteinander verbunden werden.

Gerade deshalb ist Tursi für Literaturinteressierte interessant: Man kann hier den Ort kennenlernen, dessen Sprache, Landschaft und Erinnerungswelt zu einem wesentlichen Bestandteil von Pierros Dichtung wurden.

Carlo Levi

Aliano – Schriftsteller, Maler und Arzt, dessen wichtigstes Werk aus dem Leben in der Lucania entstand.

Carlo Levi wurde nicht in der Basilikata geboren. Er stammte aus Turin und kam 1935 als politischer Gefangener des faschistischen Regimes nach Süditalien. Nach einem Aufenthalt in Grassano wurde er nach Aliano verbannt, wo er einen Teil seiner Konfinierung verbrachte.

Gerade diese Erfahrung machte die Basilikata zu einem zentralen Thema seines bekanntesten Buches Christo si è fermato a Eboli. Das 1945 veröffentlichte Werk ist weder ein klassischer Roman noch ein einfacher Reisebericht. Levi verbindet persönliche Erinnerungen mit Beobachtungen über die Menschen, die bäuerliche Gesellschaft, Armut, Krankheit, Religion, Bräuche und die Landschaft der Lucania.

Das Buch spielt damit tatsächlich in der Basilikata – insbesondere in der von Levi als „Gagliano“ bezeichneten Gemeinde Aliano. Die Region ist nicht bloß Kulisse, sondern bildet den eigentlichen Gegenstand seiner Auseinandersetzung mit dem ländlichen Süditalien.

Levi schrieb später weitere Bücher über Reisen und Erfahrungen in anderen Teilen Italiens, darunter Le parole sono pietre über Sizilien und Tutto il miele è finito über Sardinien. Der entscheidende literarische Bezug zur Basilikata bleibt jedoch Christo si è fermato a Eboli.

Aliano ist deshalb einer der wichtigsten literarischen Orte der Basilikata: Hier lässt sich nachvollziehen, wie aus einem erzwungenen Aufenthalt ein Werk entstand, das die Wahrnehmung der Lucania in Italien und darüber hinaus nachhaltig geprägt hat.

Die Basilikata im Film

„Un paese quasi perfetto“ – Pietrapertosa und Castelmezzano

Der Film von Massimo Gaudioso aus dem Jahr 2016 spielt im fiktiven Dorf Pietramezzana und wurde in Pietrapertosa und Castelmezzano gedreht.

Das Dorf lebt von einer ehemaligen Mine. Nachdem diese geschlossen wurde, fehlen Arbeitsplätze und wirtschaftliche Perspektiven. Die Bewohner hoffen auf eine neue Fabrik und versuchen deshalb, einen Arzt dazu zu bewegen, in ihrem Dorf zu bleiben.

Der Film verbindet Humor mit Themen, die für viele abgelegene Orte Süditaliens relevant sind: Abwanderung, wirtschaftliche Schwierigkeiten, fehlende Arbeitsplätze und die Suche nach neuen Einnahmequellen.

Besonders interessant ist die Verbindung zur alten Bergbauinfrastruktur und zum heutigen Tourismus zwischen Pietrapertosa und Castelmezzano.

„Cristo si è fermato a Eboli“ – Aliano, Craco und Guardia Perticara

Francesco Rosis Film aus dem Jahr 1979 basiert auf dem gleichnamigen Werk von Carlo Levi. Gedreht wurde fast vollständig in der Basilikata, unter anderem in Aliano, Craco und Guardia Perticara.

Der Film erzählt von Carlo Levis Verbannung nach Aliano und vom Leben der ländlichen Bevölkerung im Süditalien der faschistischen Zeit.

Besonders spannend ist die Verbindung zwischen Literatur und Landschaft: Craco, Aliano und andere Orte wurden nicht zufällig ausgewählt, sondern konnten die im Werk beschriebene abgeschiedene Welt der Lucania glaubwürdig darstellen.

Weitere Filmkulissen

Auch Pietrapertosa wurde für weitere Filmproduktionen genutzt, darunter „Moschettieri del re – La penultima missione“ von Giovanni Veronesi.

Die ungewöhnliche Topografie der Dolomiti Lucane macht die Orte für Filmproduktionen besonders interessant.

Wandern durch die Basilikata

Die Basilikata lässt sich nicht nur mit dem Auto entdecken. Gerade zwischen den Bergen, kleinen Dörfern und historischen Orten gibt es viele Möglichkeiten, die Region auch zu Fuß kennenzulernen. Ich habe deshalb drei Wanderkarten erstellt, die sich gut in einen normalen Urlaub integrieren lassen. Die ausgewählten Routen sind nicht besonders lang und vom Schwierigkeitsgrad her eher moderat, sodass Sie dafür keine erfahrene Wanderin oder ein erfahrener Wanderer sein müssen. Gleichzeitig verbinden sie mehrere interessante Sehenswürdigkeiten miteinander und machen es möglich, Kultur und Bewegung miteinander zu verbinden.

Wer etwas länger wandern möchte, findet allerdings auch abseits der Städte reizvolle Wege. Vor allem im Inneren der Basilikata führen Wanderwege durch eine sehr ursprüngliche Landschaft mit Bergen, Wäldern, Schluchten und abgelegenen Dörfern. Dort begegnet Ihnen eine ganz andere Seite der Region als in Matera, Melfi oder Policoro. Einige dieser Touren sind deutlich anspruchsvoller und benötigen mehr Zeit und eine entsprechende Vorbereitung. Die drei von mir ausgewählten Karten richten sich dagegen bewusst an Urlauber, die während einer Reise einen überschaubaren Spaziergang oder eine leichte Wanderung unternehmen und dabei gleichzeitig einige besondere Orte der Basilikata kennenlernen möchten.

Matera – Rundgang durch die Sassi

Matera zu Fuß entdecken: Der etwa 2,5 km lange Rundgang verbindet das Sasso Barisano mit Madonna delle Virtù und San Nicola dei Greci sowie dem Sasso Caveoso mit San Pietro Caveoso und weiteren Felsenkirchen. Rechnen Sie ohne längere Besichtigungen mit etwa 1 bis 1,5 Stunden. Der Rundgang ist grundsätzlich leicht bis mittel, allerdings gibt es zahlreiche Treppen, enge Gassen und teilweise deutliche Steigungen. Die Stadt Matera empfiehlt ausdrücklich, die Sassi zu Fuß zu erkunden.

Melfi – historischer Rundgang

Melfi zu Fuß entdecken: Der kurze Rundgang durch die Altstadt ist etwa 2 bis 3 km lang und verbindet das Castello di Melfi, die Kathedrale Santa Maria Assunta und die mittelalterliche Porta Venosina. Für die Strecke sollten Sie ungefähr 1 bis 1,5 Stunden einplanen, wenn Sie die Sehenswürdigkeiten nur von außen betrachten. Die Schwierigkeit würde ich als mittel einstufen, da Melfis historischer Ortskern am Hang liegt und einige Wege ansteigen. Die Porta Venosina gehört zur mittelalterlichen Stadtbefestigung, die den historischen Ortskern umschließt.

Policoro – vom Castello zur antiken Herakleia

Policoro und Herakleia zu Fuß entdecken: Der Rundgang vom Castello Baronale über die Giardini Murati zum Parco Archeologico Siris-Herakleia und zum Museo della Siritide ist etwa 3 bis 4 km lang. Planen Sie dafür ungefähr 1 bis 1,5 Stunden reine Gehzeit ein; mit einem Besuch des archäologischen Parks und des Museums sollten Sie entsprechend mehr Zeit einplanen. Die Strecke ist überwiegend leicht, da Policoro vergleichsweise flach liegt. Besonders interessant ist die Verbindung aus historischem Ortskern, Parklandschaft und den archäologischen Überresten der antiken Stadt Herakleia. Genau diese Verbindung wurde auch vom Museo della Siritide als kulturhistorischer Spaziergang angeboten.

Rundgang durch Schlösser und Burgen der Basilikata

Die Schlösser und Burgen der Basilikata erzählen viel über die wechselvolle Geschichte der Region. Normannen, Staufer, Anjou und andere Herrscher hinterließen ihre Spuren, die heute noch in zahlreichen Festungen und befestigten Orten zu sehen sind. Besonders interessant finde ich, dass sich die Bauwerke nicht auf die bekannten Städte beschränken, sondern über die gesamte Basilikata verteilt sind.

Ich habe deshalb eine Karte erstellt, auf der einige der wichtigsten und außergewöhnlichsten Schlösser und Burgen der Region eingezeichnet sind. Von den großen Festungen in Melfi und Lagopesole über die Burgen von Venosa, Miglionico und Valsinni bis zu kleineren Befestigungsanlagen zeigt die Karte, wie eng die Geschichte der Basilikata mit ihren Burgen verbunden ist. Sie eignet sich deshalb als Übersicht wie auch als Anregung, während eines Urlaubs gezielt einige dieser historischen Orte aufzusuchen.

Die andere Basilikata – was man als Tourist nicht sieht

Während meiner Reisen durch die Basilikata habe ich immer wieder Dinge erlebt, die sich mir zunächst nicht erklären ließen. Ich war viele Wochen in der Region unterwegs, bin durch kleine Bergdörfer gefahren und habe auch abgelegene Küstenabschnitte besucht. Dabei fiel mir auf, wie wenig Infrastruktur es in manchen Gegenden gibt. An teilweise wunderschönen Stränden findet man kaum Restaurants oder andere touristische Angebote. Manche Orte wirken verlassen, Gebäude stehen leer und selbst größere Einrichtungen machen nicht selten einen wenig gepflegten Eindruck.

Irgendwann habe ich Einheimische gefragt, warum beispielsweise an manchen Stränden niemand ein Restaurant eröffnet. Die Antwort, die ich bekam, lautete sinngemäß: „Wegen des Pizzo.“ Mir wurde erklärt, dass sich ein Unternehmer gut überlegen müsse, ob er dort einen Betrieb eröffnen wolle, wenn er anschließend mit Forderungen der organisierten Kriminalität rechnen müsse. Ich kann diese Gespräche natürlich nicht als Beweis für einzelne Fälle nehmen. Es waren Aussagen von Menschen, mit denen ich vor Ort gesprochen habe. Sie haben mir aber eine andere Perspektive auf die scheinbar fehlende touristische Entwicklung vermittelt.

Erst später habe ich mich intensiver damit beschäftigt, wie stark die organisierte Kriminalität in der Basilikata tatsächlich dokumentiert ist. Die von der italienischen Direzione Investigativa Antimafia (DIA) ausgewertete Situation für 2024 zeichnet dabei ein deutlich differenzierteres Bild. Die Basilikata wird demnach auch deshalb als interessant für kriminelle Gruppen beschrieben, weil hier wirtschaftlich relevante Bereiche wie Landwirtschaft, Energie, Industrie, öffentliche Aufträge und Tourismus zusammentreffen. Dabei werden zwei größere Gebiete besonders betrachtet: das Hinterland der Provinz Potenza und die ionische Küste der Provinz Matera.

Im Raum Potenza nennt der Bericht unter anderem die Gruppe Martorano-Stefanutti und deren Verbindungen zur kalabrischen `’ndrangheta. Für Melfi wird die Gruppe Di Muro-Delli Gatti genannt. Die DIA-Berichterstattung verweist außerdem auf Aktivitäten beziehungsweise Verbindungen weiterer Gruppen. Auffällig ist dabei, dass es nicht nur um klassische Kriminalität wie Drogenhandel oder Erpressung geht. Genannt werden auch öffentliche Aufträge und wirtschaftliche Bereiche wie Transport, Abfall, Bauwesen und Schulverpflegung.

An der ionischen Küste des Materano sieht die Situation wiederum anders aus. Dort beschreibt der Bericht die Küstenregion als Bereich, in dem lokale Gruppen sowie Verbindungen zu kriminellen Strukturen aus dem Raum Taranto und Kalabrien eine Rolle spielen. Für Policoro wird die Gruppe Scarcia genannt, für Scanzano Jonico die Gruppe Schettino-Porcelli. Die DIA führt für 2024 mehrere bedeutende Ermittlungsmaßnahmen gegen die Gruppe Scarcia auf, darunter Festnahmen wegen Drogenhandels, Gewalt und Erpressung.

Diese Informationen haben meine eigenen Reiseerfahrungen im Nachhinein in einem anderen Licht erscheinen lassen. Ich möchte allerdings nicht behaupten, dass jede verlassene Gaststätte, jede schlechte Straße, jedes leer stehende Gebäude oder jedes fehlende touristische Angebot etwas mit der Mafia zu tun hat. Dafür gibt es keine Grundlage. Die Basilikata hat auch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Abwanderung, einer geringen Bevölkerungsdichte, wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Tatsache, dass viele kleinere Orte sehr abgelegen liegen.

Auch die Müllproblematik wurde mir während meiner Reise von Einheimischen angesprochen. Mir wurde erzählt, dass die Abfallwirtschaft teilweise von kriminellen Interessen beeinflusst werde und dass Bürgermeister und Gemeinden sich dagegen nur schwer behaupten könnten. Auch hier möchte ich zwischen dem unterscheiden, was mir vor Ort erzählt wurde, und dem, was sich tatsächlich belegen lässt. Die DIA nennt für 2024 jedenfalls ausdrücklich Unternehmen aus dem Bereich der Abfallwirtschaft, gegen die Anti-Mafia-Maßnahmen ergriffen wurden, und berichtet außerdem über Ermittlungen wegen illegalen Abfallhandels.

Ähnlich verhält es sich mit den Windkraftanlagen. Auf meinen Fahrten durch die Basilikata sind mir die zahlreichen Anlagen immer wieder aufgefallen. Später stieß ich auf dokumentierte Fälle, in denen Windkraftanlagen Gegenstand von Ermittlungen und Beschlagnahmungen waren. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Windkraft in der Basilikata insgesamt von der Mafia kontrolliert wird. Vielmehr zeigt es, dass erneuerbare Energien zu den wirtschaftlichen Bereichen gehören, in denen es auch Untersuchungen wegen möglicher krimineller Einflussnahme gegeben hat.

Für mich ist genau dieser Unterschied wichtig. Als Tourist sieht man die Mafia nicht. Man sieht keine eindeutigen Zeichen, an denen man erkennen könnte, wer Einfluss besitzt oder warum ein Geschäft nicht eröffnet wird. Man sieht aber die Folgen einer teilweise schwachen wirtschaftlichen Entwicklung, spricht mit Einheimischen und hört Geschichten über Pizzo, Müll, wirtschaftlichen Druck oder den Einfluss bestimmter Gruppen. Manche dieser Erzählungen lassen sich später mit Ermittlungen und Berichten abgleichen, andere bleiben persönliche Erfahrungen und Aussagen, die ich nicht selbst überprüfen kann.

Vielleicht ist es gerade dieser unsichtbare Teil, der die Basilikata für mich so schwer greifbar macht. Die Region ist landschaftlich außergewöhnlich, kulturell reich und vielerorts beeindruckend ursprünglich. Gleichzeitig gibt es Orte, an denen man sich fragt, warum aus den vorhandenen Möglichkeiten so wenig gemacht wird. Warum gibt es an einem wunderschönen Strand kein Restaurant? Warum stehen Gebäude jahrelang leer? Warum wirkt eine Landschaft wirtschaftlich teilweise so wenig genutzt, während gleichzeitig riesige Windkraftanlagen entstehen?

Ich habe darauf keine einfache Antwort gefunden. Aber genau diese Fragen gehören für mich zu einer ehrlichen Beschreibung der Basilikata. Die Region besteht nicht nur aus Matera, schönen Bergdörfern, Stränden und historischen Bauwerken. Es gibt auch eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Seite, die man als Urlauber zunächst kaum wahrnimmt. Man sieht die Mafia nicht – aber manchmal bekommt man das Gefühl, dass bestimmte Dinge eine Geschichte haben, die weit über das hinausgeht, was man als Besucher auf den ersten Blick erkennen kann.

Geschichte der Basilikata für den Urlaub

Ich möchte Sie hier nicht mit einer langen Geschichtsstunde aufhalten. Trotzdem gehört die Geschichte für mich unbedingt zum Verständnis der Basilikata. Viele Orte, Burgen und Schlösser, die man heute besucht, lassen sich erst richtig einordnen, wenn man weiß, welche Völker, Kulturen und Herrscher diese Region geprägt haben.

Warum findet man griechische Tempel an der ionischen Küste? Warum sehen manche Bergdörfer so wehrhaft aus? Weshalb gibt es in Orten wie Matera Felsenkirchen und Höhlenwohnungen, während in Melfi die Geschichte der Normannen und Staufer allgegenwärtig ist? Und warum unterscheiden sich Sprache und Traditionen zwischen den einzelnen Teilen der Basilikata teilweise so deutlich?

Ich habe deshalb die wichtigsten historischen Stationen kurz zusammengefasst. So können Sie während Ihrer Reise manche Orte, Bauwerke und Landschaften besser einordnen, ohne sich durch eine ausführliche Geschichtsdarstellung arbeiten zu müssen.

Die Geschichte der Basilikata auf einen Blick

Antike Kulturen: Bereits lange vor der römischen Zeit lebten verschiedene italische Bevölkerungsgruppen in der Region. Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten griechische Siedler an der ionischen Küste bedeutende Städte der Magna Graecia, darunter Metapont und Herakleia bei Policoro. Ihre Spuren sind heute noch in Tempeln, Heiligtümern und archäologischen Fundstätten sichtbar.

Römische Zeit: Im 3. Jahrhundert v. Chr. geriet die Region zunehmend unter römischen Einfluss. Städte wie Venusia, das heutige Venosa, wurden zu wichtigen römischen Zentren. Straßen wie die Via Appia und weitere römische Verkehrswege verbanden die Region mit anderen Teilen Süditaliens.

Frühes Mittelalter: Nach dem Ende des Weströmischen Reiches wechselten die Machtverhältnisse mehrfach. Byzantinische und arabische Einflüsse hinterließen ebenso Spuren wie die Tradition der griechisch-basilianischen Mönche. Besonders im Süden der Basilikata entstanden Höhlenkirchen und religiöse Gemeinschaften, deren kulturelle Spuren teilweise bis heute sichtbar sind.

Normannen und Staufer: Im 11. und 12. Jahrhundert wurde die Basilikata Teil des von den Normannen geprägten süditalienischen Machtbereichs. Später gewann sie unter den Staufern erneut an Bedeutung. Besonders Melfi erinnert an diese Epoche: Friedrich II. ließ dort die berühmten Konstitutionen von Melfi erarbeiten.

Anjou und Aragon: Nach dem Ende der staufischen Herrschaft kam das Königreich Neapel unter die Herrschaft der Anjou und später der Aragonier. Burgen und befestigte Orte in der Basilikata zeugen noch heute von der strategischen Bedeutung dieser Zeit. Im 15. und 16. Jahrhundert kamen außerdem albanische Siedler in verschiedene Orte der Region und hinterließen eigene sprachliche und kulturelle Traditionen.

19. Jahrhundert: Die Basilikata gehörte zum Königreich beider Sizilien und wurde 1861 Teil des neu gegründeten Königreichs Italien. Die Einigung Italiens veränderte die politischen und wirtschaftlichen Strukturen, löste aber nicht die Probleme der armen und überwiegend ländlich geprägten Bevölkerung.

20. Jahrhundert: Armut, Landflucht und Abwanderung prägten große Teile der Region. Besonders bekannt wurde die soziale Situation der Bevölkerung durch Carlo Levi, der während seiner Verbannung in Aliano lebte und später in Christo si è fermato a Eboli über die Lebenswelt der Lucania schrieb.

Heute: Die Geschichte ist in der Basilikata noch ungewöhnlich sichtbar. Griechische Tempel, römische Ruinen, normannische und staufische Burgen, mittelalterliche Ortskerne, Höhlenkirchen und die Sassi von Matera liegen teilweise nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Viele kulturelle Besonderheiten der Region – von den Dialekten bis zu den Siedlungsformen – lassen sich auf diese wechselvolle Geschichte zurückführen.

Meine Fotos aus der Basilikata

Ich habe die Basilikata erstmals 2018 besucht und dort mehrere Wochen verbracht. In dieser Zeit sind sehr viele Fotos entstanden, von denen ich einige auf dieser Seite zeigen möchte. Ich habe die Aufnahmen bewusst nicht nachbearbeitet, damit sie einen möglichst unverfälschten Eindruck von der Basilikata vermitteln und die Landschaften, Orte und Farben so zeigen, wie ich sie vor Ort erlebt habe.

Ansicht von Craco
Ansicht von Craco
Grotten der Gravina in der Nähe von Matera
Grotten der Gravina in der Nähe von Matera
Die Schlucht von Matera mit den Sassi, die auf den Felsen thronen
Die Schlucht von Matera mit den Sassi, die auf den Felsen thronen
Eine typische leicht hügelige, karge Landschaft der Basilikata
Eine typische leicht hügelige, karge Landschaft der Basilikata
Ein gemaltes Bild von Carlo Levi in Aliano
Ein gemaltes Bild von Carlo Levi in Aliano
Im Vordergrund die Sassi, im Hintergrund die Neustadt von Matera
Im Vordergrund die Sassi, im Hintergrund die Neustadt von Matera
Die zerklüftete Landschaft bei Aliano
Die zerklüftete Landschaft bei Aliano
Das Grab von Carlo Levi in Aliano
Das Grab von Carlo Levi in Aliano

Wissenswertes und Kurioses zur Basilikata

Verlassene Orte und Geschichte

Welche Geisterstädte gibt es in der Basilikata?

Die bekannteste Geisterstadt der Basilikata ist Craco in der Provinz Matera. Der mittelalterliche Ort wurde wegen zunehmender geologischer Probleme und Erdrutsche schrittweise aufgegeben. Ab den 1960er-Jahren wurden die Bewohner umgesiedelt, während die historische Altstadt als Ruinenort erhalten blieb. Heute gehört Craco zu den eindrucksvollsten verlassenen Orten Süditaliens und wurde mehrfach als Filmkulisse genutzt.

Weniger bekannt ist Campomaggiore Vecchio in der Provinz Potenza. Der alte Ort wurde als geplante Siedlung angelegt und besitzt deshalb eine ungewöhnliche, regelmäßig angelegte Struktur. Eine schwere Hangbewegung zerstörte den Ort 1885 weitgehend. Campomaggiore wurde anschließend an anderer Stelle neu aufgebaut, während die Ruinen des ursprünglichen Ortes erhalten blieben.

Hinzu kommt Alianello Vecchio, ein aufgegebener Ortsteil von Aliano. Nach dem Erdbeben von 1980 wurde die Bevölkerung in den neueren Ortsteil Alianello Nuovo umgesiedelt. Die drei Orte stehen damit für unterschiedliche Ursachen der Aufgabe: geologische Instabilität, einen zerstörerischen Erdrutsch und ein schweres Erdbeben.

Welche grausame Legende über einen Herzog wird sich in der Basilikata erzählt?

Eine der ungewöhnlichsten und zugleich grausamsten Überlieferungen der Basilikata stammt aus Oliveto Lucano in der Provinz Matera. Dort ranken sich mehrere Legenden um den ehemaligen Palazzo Ducale De Lerma, von dem heute nur noch Teile der alten Bastionen erhalten sind. Der Palazzo gehörte ab 1715 der Familie De Lerma; als letzter Feudalherr wird Gerolamo De Lerma, Herzog von Castelmezzano, genannt.

Besonders makaber ist die Erzählung von einer zweiten Zisterne im Schloss. Neben einer Zisterne, die der Wasserversorgung gedient haben soll, soll es eine weitere gegeben haben, die nach der Überlieferung zur Bestrafung von Menschen benutzt wurde, die gegen die Gesetze des Herzogs verstießen. Sie sollen lebend in die sogenannte „A scurz neura“ geworfen worden sein, die mit Schlangen und anderen Tieren gefüllt gewesen sein soll.

Eine weitere Legende erzählt von der sogenannten „ersten Nacht“. Demnach soll der Herzog für sich das Recht beansprucht haben, die erste Nacht mit den Bräuten seiner Untertanen zu verbringen. Die Frau des Herzogs habe anschließend kontrolliert, ob die junge Frau noch Jungfrau war. War dies nach der Überlieferung nicht der Fall, soll die junge Frau in die Zisterne geworfen worden sein.

Noch düsterer ist die Geschichte einer jungen Frau, die in einer Höhle eingemauert worden sein soll. Der Überlieferung zufolge soll es sich um eine Tochter des Herzogs gehandelt haben, die sich in einen jungen Mann aus einfachen Verhältnissen verliebt hatte. Ihr Vater soll diese Beziehung nicht akzeptiert und seine Tochter deshalb in einer Höhle bei Vico San Nicola einmauern lassen haben.

Besonders ungewöhnlich wird die Geschichte durch eine weitere Erzählung: In den 1930er- oder 1940er-Jahren soll ein junger Mann aus Oliveto Lucano von einer jungen Frau geträumt haben, die ihn aufforderte, sie aus einer Höhle zu befreien. Daraufhin soll die Höhle untersucht und eine zugemauerte Stelle geöffnet worden sein. Der Überlieferung zufolge fand man dort einen Sarg mit dem Leichnam einer jungen Frau, die aufwendig gekleidet gewesen sein soll. Die Geschichte wird traditionell mit der Tochter des Herzogs in Verbindung gebracht.

Auch der Bereich unterhalb des ehemaligen Schlosses trägt in der Überlieferung eine düstere Geschichte. Der sogenannte „Orto della Corte“ soll früher der Ort gewesen sein, an dem Gefangene des Herzogs vor Gericht gestellt und anschließend enthauptet wurden.

Wichtig: Bei diesen Geschichten handelt es sich um überlieferte Legenden und mündliche Traditionen aus Oliveto Lucano. Die Region Basilikata hat sie als Teil des immateriellen Kulturerbes dokumentiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede einzelne Episode historisch nachgewiesen ist. Gerade die Geschichten über die Zisterne, die eingemauerte junge Frau und die Hinrichtungen werden in den Quellen als überlieferte Erzählungen, Erinnerungen und lokale Überlieferungen behandelt.

Gerade diese Mischung aus den heute noch sichtbaren Resten des Palazzo Ducale und den über Generationen weitergegebenen Geschichten macht den Ort so ungewöhnlich. Wer Oliveto Lucano besucht, findet hier deshalb nicht nur einen ehemaligen Feudalbesitz, sondern auch ein Stück der dunkleren Erinnerungskultur der Basilikata.

Wandern, Natur und Pflanzen

Welches ist der längste offizielle Wanderweg der Basilikata?

Als längsten offiziell beworbenen Fernwanderweg, der die Basilikata von einer Küste zur anderen durchquert, kann man den Basilicata Coast to Coast bezeichnen. Die Strecke ist rund 167 Kilometer lang und führt von Maratea am Tyrrhenischen Meer bis nach Nova Siri am Ionischen Meer.

Der Weg führt durch das Landesinnere der Basilikata und verbindet insgesamt 13 Orte. Dazu gehören unter anderem Maratea, Trecchina, Lauria, Latronico, Episcopia, Fardella, Chiaromonte, Senise, Noepoli, San Giorgio Lucano, Valsinni, Rotondella und Nova Siri.

Interessant ist die Verbindung zum Film Basilicata Coast to Coast von Rocco Papaleo aus dem Jahr 2010. Der heutige Wanderweg wurde von der Idee einer Durchquerung der Basilikata inspiriert, ist aber nicht einfach mit der Filmroute gleichzusetzen.

Welche endemischen Pflanzen gibt es in der Basilikata?

Die Basilikata besitzt eine ungewöhnlich vielfältige Pflanzenwelt. Verantwortlich dafür sind unter anderem die starken Höhenunterschiede zwischen Küste, Hügelland und den lucanischen Apenninen.

In floristischen Untersuchungen werden zahlreiche endemische oder regional begrenzte Pflanzenformen beschrieben. Dazu gehören beispielsweise Vertreter der Gattungen Digitalis, Centaurea, Festuca, Linaria, Ranunculus und Pulmonaria.

Besonders die höheren Gebirgslagen rund um den Monte Sirino und im Pollino-Gebiet besitzen eine artenreiche Bergflora. Dabei sollte man allerdings zwischen tatsächlich nur in der Basilikata vorkommenden Arten und solchen unterscheiden, die ein größeres Verbreitungsgebiet im südlichen Apennin besitzen.

Können in der Basilikata Schildkröten beobachtet werden?

Ja. An der Küste der Basilikata kommt die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) vor. Besonders interessant ist die ionische Küste, die von den Tieren auch zur Eiablage genutzt wird.

Die Tiere kommen meist nachts an den Strand, um ihre Eier abzulegen. Die Nester sind im Sand häufig kaum zu erkennen. Deshalb sollte man bei einem möglichen Nest ausreichend Abstand halten und weder die Tiere noch den Bereich um das Nest betreten.

Die Meeresschildkröten sind damit ein bemerkenswertes Beispiel für die natürliche Bedeutung der teilweise wenig bebauten Küsten der Basilikata.

Familie und Barrierefreiheit

Gibt es einen Freizeitpark für Kinder in der Basilikata?

Einen großen klassischen Freizeitpark mit zahlreichen Achterbahnen und Fahrgeschäften gibt es in der Basilikata nicht. Dafür gibt es mehrere Abenteuer- und Outdoorparks, die besonders für Familien interessant sind.

Im Pollino Outdoor Park in San Costantino Albanese gibt es Kletter- und Abenteuerparcours verschiedener Schwierigkeitsstufen. Mehrere Parcours sind speziell für Kinder ausgelegt. Auch in Albano di Lucania gibt es einen Natur- und Abenteuerpark mit verschiedenen Parcours, Seilbahnen und weiteren Aktivitäten.

Ist die Basilikata für Menschen mit Gehbehinderungen erschlossen?

Die Basilikata ist nicht flächendeckend barrierefrei. Das liegt teilweise an der historischen und geografischen Struktur der Region. Viele Orte liegen an steilen Hängen und besitzen Treppen, enge Gassen, unregelmäßige Pflasterungen oder große Höhenunterschiede.

Besonders anspruchsvoll können historische Orte wie Matera, Craco oder die Bergdörfer der Dolomiti Lucane sein. Auch bei Wanderwegen und Naturparks sollte vorab geprüft werden, ob der jeweilige Weg tatsächlich mit Rollstuhl oder Rollator nutzbar ist.

Gleichzeitig gibt es zunehmend barrierefreie Angebote. An der Küste wurden beispielsweise zugängliche Strandbereiche eingerichtet. In Maratea gibt es mit „Una Spiaggia per Tutti“ ein Projekt, das Menschen mit Behinderungen den Zugang zum Meer erleichtern soll.

Anreise und Infrastruktur

Gibt es eine Eisenbahnverbindung in der Basilikata?

Ja, allerdings ist das Eisenbahnnetz vergleichsweise dünn. Eine wichtige Verbindung besteht über die Ferrovie Appulo Lucane (FAL). Sie verbindet unter anderem Bari, Altamura, Matera und Potenza.

Matera besitzt dabei eine besondere Situation: Die Stadt ist nicht an das klassische italienische Staatsbahnnetz angeschlossen. Die FAL-Verbindung bietet jedoch eine direkte Bahnverbindung in Richtung Bari und damit nach Apulien.

Für eine Rundreise durch die gesamte Basilikata bleibt das Auto deshalb wesentlich flexibler. Gerade kleinere Bergdörfer und abgelegene Landschaften sind mit Bahn und Bus teilweise nur umständlich erreichbar.

Höhlen, Grotten und ungewöhnliche Orte

Welches ist die älteste Höhlenkirche in der Basilikata?

Eine eindeutig belegte „älteste Höhlenkirche der Basilikata“ lässt sich nicht ohne Weiteres bestimmen. Bei den zahlreichen Felsanlagen muss zwischen dem Alter der Höhle, ihrer Nutzung als Kultstätte und dem Alter der erhaltenen Fresken unterschieden werden.

Eine der bedeutendsten frühen Felskirchen ist die Cripta del Peccato Originale bei Matera. Ihre berühmten Wandmalereien werden in das 9. Jahrhundert datiert. Wegen ihrer außergewöhnlichen frühmittelalterlichen Fresken wird sie häufig als „Sixtinische Kapelle der Felskirchen“ bezeichnet.

Gibt es Grotten in der Basilikata, die man besuchen kann?

Ja. Eine besonders ungewöhnliche Naturhöhle ist die Grotta delle Meraviglie bei Maratea. Sie besitzt Stalaktiten, Stalagmiten und weitere typische Kalkformationen.

Die Höhle wurde 1929 bei Arbeiten an der Straße entdeckt. Der touristisch erschlossene Bereich ist mit ungefähr 90 Metern relativ kurz. Die Besichtigung erfolgt geführt und sollte vorab geplant werden.

Daneben gibt es in der Basilikata zahlreiche künstliche Höhlen und Felskirchen. Diese gehören allerdings zur Kultur- und Religionsgeschichte der Region und sind nicht mit einer klassischen Naturhöhle gleichzusetzen.

Welches ist das bizarrste Gebäude in der Basilikata?

Ein objektiv „bizarrstes“ Gebäude gibt es natürlich nicht. Besonders ungewöhnlich ist jedoch das Castello di Lagopesole bei Avigliano.

Die Anlage wurde unter Friedrich II. zu einer kaiserlichen Residenz ausgebaut. Auffällig ist die Kombination aus stark befestigter Burg, repräsentativem Wohnbereich und großer Kapelle.

Gerade diese Verbindung macht Lagopesole interessanter als ein Gebäude, das lediglich durch seine äußere Form ungewöhnlich aussieht.

Meer, Strände und Unterwasserwelt

Gibt es in der Basilikata Rettungsschwimmer an den Stränden?

Ja, aber nicht an jedem Strand. An bewirtschafteten und entsprechend organisierten Strandabschnitten gelten während der Badesaison Vorgaben für den Rettungsdienst. Bei freien und abgelegenen Stränden kann dagegen kein Rettungsschwimmer vor Ort sein.

Gerade an der Basilikata-Küste sollte deshalb zwischen einem bewirtschafteten Strandbad und einem freien Strand unterschieden werden. Wer an einem wenig erschlossenen Küstenabschnitt badet, sollte auf die örtliche Beschilderung achten und nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Rettungsdienst vorhanden ist.

Kann man in der Basilikata am Strand Muscheln finden?

Ja. Besonders an der ionischen Küste können Sie an geeigneten Strandabschnitten Muschelschalen und andere angeschwemmte Reste von Meerestieren finden.

Wie viele Schalen am Strand liegen, hängt stark von Wellengang, Wind, Jahreszeit und der Reinigung des jeweiligen Strandes ab. Nach stärkerem Wellengang können deutlich mehr Muscheln angeschwemmt werden.

Gerade die langen Sandstrände zwischen Metaponto, Pisticci, Policoro und Nova Siri eignen sich für ausgedehnte Strandspaziergänge. Gleichzeitig sollte auf mögliche Meeresschildkröten-Nester geachtet werden.

Welche Bucht ist für Taucher und Schnorchler in der Basilikata optimal?

Für Taucher und Schnorchler ist vor allem die Küste von Maratea interessant. Sie unterscheidet sich deutlich von den langen Sandstränden der ionischen Küste. Hier wechseln sich Felsen, kleine Buchten, Klippen und felsige Meeresböden ab.

Besonders interessant sind die Küstenbereiche bei Acquafredda, Cersuta und Marina di Maratea. Bei ruhiger See können die felsigen Abschnitte gute Bedingungen zum Schnorcheln bieten.

Eine einzelne Bucht als „beste“ zu bezeichnen, wäre allerdings zu pauschal. Für Taucher ist außerdem der Bereich vor Santo Janni interessant, da dort archäologische Unterwasserfunde und ein antikes Schiffswrack bekannt sind.

Welche Schlösser sind in der Basilikata außergewöhnlich?

Die Basilikata besitzt zahlreiche Burgen und befestigte Anlagen. Besonders interessant sind diejenigen, bei denen sich Architektur und Geschichte unmittelbar miteinander verbinden.

Castello di Melfi: Die Burg wurde von den Normannen errichtet und später unter anderem von Friedrich II. erweitert. Hier wurden die berühmten Konstitutionen von Melfi erarbeitet.

Castello di Lagopesole: Die Anlage wurde unter Friedrich II. zu einer kaiserlichen Residenz ausgebaut. Die Verbindung von Festung, Wohnbereich und großer Kapelle macht sie besonders ungewöhnlich.

Castello Pirro del Balzo in Venosa: Die Burg entstand im 15. Jahrhundert auf den Resten einer älteren Kathedrale. Heute befindet sich dort unter anderem das Archäologische Nationalmuseum von Venosa.

Castello del Malconsiglio in Miglionico: Die Burg ist mit der sogenannten Congiura dei Baroni von 1485 verbunden, einer Verschwörung neapolitanischer Barone gegen König Ferdinand I.

Liegen Schiffswracks vor der Küste der Basilikata?

Ja. Besonders interessant ist die Unterwasserarchäologie vor Maratea. Im Bereich von Santo Janni wurden Spuren antiker Schifffahrt und ein antikes Schiffswrack mit Amphoren entdeckt.

Die Funde zeigen, dass die Küste bereits in der Antike in Handels- und Schifffahrtswege eingebunden war. Die Amphoren geben Hinweise auf die transportierten Waren und damit auch auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen verschiedenen Regionen des Mittelmeers.

Damit besitzt die Küste von Maratea eine zweite, weniger sichtbare Geschichte: Über der Wasseroberfläche liegen heute Strände und moderne Küstenorte, während unter Wasser archäologische Zeugnisse einer wesentlich älteren Nutzung des Meeresraums erhalten geblieben sind.