Schafe am Gletscher des Monta Rosa

Das wahre Italien ist weit entfernt vom Ambiente des Gardasees, von überfüllten Stränden an der oberen Adria und von als Gladiatoren verkleidete Tagelöhner in Rom. Das wahre Italien findet sich dort, wo eben der Tourismus nicht so stark ausgeprägt ist – und das sind kleine Ortschaften, die kaum einer kennt. Aber genau in diesen kleinen Ortschaften findet man das echte Italien: einen Eisverkäufer, der noch wie vor 50 Jahren mit seinem mobilen Eiswagen die Straßen entlang schlendert, übervoll gepackte kleine Ape oder eben einen Café-Besitzer, der einfach mal für eine halbe Stunde sich aus seinem Lokal entfernt, ohne dabei Angst vor säumigen Kunden zu haben.

Neapel, Palermo und Genua

Innenhof in Palermo

Italien ist auch Neapel, Palermo und Genua – die drei für mich schönsten Städte Italiens. Jetzt mögen die Einen mit der Nase rümpfen, die anderen die wahre Schönheit erkennen. Denn genau diese drei Städte verkörpern Italien wie es leibhaftig lebt, liebt und leidet. Enge Gassen, in die kaum ein Sonnenlicht vordringt, dominieren. Die Wäsche wird über den Köpfen der Passanten gespannt. Gerüche seltsamster Art steigen empor und Straßenverkäufer jeglicher Nationen bieten einem das ein oder andere Kuriose an. Schrille Rufe im typischen Dialekt tönen aus den nah beieinander liegenden Fenstern, schnatternde Frauen stehen auf den Balkonen und darunter tobt eine Schar Kinder einem schon zerzausten Ball hinterher. Ältere Herrschaften sitzen in Bars und beobachten geduldig das Geschehen, in der Hoffnung, ein bekanntes Gesicht zu entdecken.

Gasse in Neapel

Fischverkäufer in Neapel

Verkaufsstand in Palermo

 

Typische enge Gasse in Neapel

Wäsche in Neapel gespannt

Leere Strände

Etwas rauhe See auf Sizilien

Italien ist aber auch Strand, Sonne und Meer – aber nicht nur die Adria. Es gibt herrliche unberührte Flecken mit Sandstränden, die sich aber im Süden Italiens befinden. Die obere Adria ist vornehmlich den Touristen vorbehalten, die sich dann auf ihren Sonnenliegen wie Ölsardinen zusammengefercht aalen. Der Italiener bevorzugt, in südliche Gefilde zu flüchten oder eben in die Cinque Terre. Die Cinque Terre sind wirklich wundeschön, aber der Massentourismus hat auch hier Einzug gehalten, weshalb gerade in den Monaten Juni, Juli und August die Parkplatzsuche zur Tortur werden kann. Eines muss man in Ligurien wissen: Parkplätze sind rar. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass sich die Ortschaften zwischen Meer, Klippen, Felsen und Gebirgsketten eingebettet  haben. Da bleibt auf den engen Straßen kein Platz mehr für eine Masse an parkenden Autos. Wer nach Ligurien möchte, muss also gut zu Fuß sein! Die besten Strände für einen erholsamen Urlaub in Italien findet man in Kalabrien, aber auch auf Sizilien und in der Basilikata. Als gutes Beispiel kann hier Bianco in der Provinz Reggio Calabria angebracht werden. Der lange Sandstrand ist weich und nicht von zahllosen Urlaubern überbevölkert. Auch Isca Marina in der Provinz Catanzaro ist herrlich und kann ich empfehlen. Ein wenig nördlicher liegt Montepaone Lido, das ebenso empfehlenswert ist. Die Spiaggia dei Gigli in der Provinz Crotone ist naturbelassen und bringt sehr hübsche weiße Strandlilien hervor. Die Punta Alice hingegen wird von kilometerlangen Stränden dominiert, ebenso der Strandabschnitt Bosco dei Cacci im Naturschutzgebiet. Die Punta Chiappa in Ligurien gehört zu meinen Lieblingsorten, da sich dorthin kaum ein Tourist hin verirrt. Es ist kein Strand vorhanden. Es dominiert schroffes Vulkangestein, jedoch ist die Lage einzigartig.

Badevergnügen an der Punta Chiappa

Von Geisterorten über Fischerdörfer zu Bergidyllen

Das durch ein Erdbeben verlassene Craco in der Basilikata

Auch verlassene Geisterdörfer gehören zu Italien. Es sind in erster Linie Ortschaften, die durch Erdbeben verlassen wurden. Sie findet man oft im Süden des Landes in Kalabrien und in der Basilikata. Sie sind spektakulär anzusehen, aber oft durch früheres Leid geprägt, wie zum Beispiel Craco in der Basilikata, Casalnuovo in der Provinz Reggio Calabria und Pentedattilo ebenso in der Provinz Reggio Calabria gelegen.  Kleine Fischerdörfer prägen vornehmlich auf Sizilien, in Kalabrien und in Apulien das Bild, aber auch im südlichen Kampanien. Je nördlicher man kommt, desto touristischer werden die Dörfer, was wiederum den ursprünglichen Charme dieser Dörfer nimmt. Herrliche Bergdörfer gibt es entlang des Apennins und der Alpenregionen. Hier finden man tatsächlich noch fast vom Tourismus unberührte Juwele – zumeist weitab asphaltierter Straßen und durch Fußmarsch zu erreichen. Ferrere in der Provinz Cuneo (nicht Asti!) ist ein gutes Beispiel, das über eine nicht endende, schmale Piste entlang einer faszinierenden Bergkulisse erreicht werden kann. Das Besondere an dem Bergdorf ist seine Abgeschiedenheit, was ihm seine ursprüngliche Architektur bewahrt hat. Auch San Gottardo in der Provinz Vercelli ist von beeindruckender ursprünglicher Schönheit. Der Ort ist nur über einen kleinen Fußmarsch zu erreichen. Rassa im Valsesia ist einzigartig schön und bildet eine der schönsten Bergdörfer in Italien. Empfehlenswert ist hier eine kleine Wanderung Richtung Rifugio Heidi. Gressoney la Trinité hat eine der schönsten Bergkulissen. Hier kann man kilometerweit entlang des Flusses Lys wandern, auch ohne viel Steigung! Das gesamte Valle Maira ist dank des noch nicht angekommenden Tourismus eine Perle an Ursprünglichkeit. Im Aspromonte in Kalabrien tummeln sich dagegen faszinierende, versteckte Ortschaften, eingebettet zwischen Felsenflanken, die zum Teil einen eigenen Dialekt aufweisen. Als größeres Fischerdorf ganz beschaulich ist Noli in der Provinz Savona. Die Ortschaft ist nicht zu sehr überlaufen und bietet einiges Sehenswertes nebst eines hervorragenden Genoveser Pesto! Häufig finden sich dann vor Ort wenige kleine Läden, in die man unbedingt reingehen sollte, denn dort werden regionale Produkte angeboten, die es eben nirgendswo anders gibt. Dies können Holzwaren, Bücher, Näharbeiten, Liköre, Eingelegtes oder auch andere Lebensmittel sein. Hier heißt es: Wenn das Herz was begehrt, nimm es unbedingt mit!

Aufstieg zum Roburent im Argentera Nationalpark

Fischeridyll zwischen San Rocco und Punta Chiappa in Ligurien

Berghaus zwischen Lupinen und Wasserfall im Gran Paradiso

Kuhhaltung in der Basilikata

Murmeltier nahe Lago Visaisa Acceglio

 
 

Geisterdorf Pentedattilo in Kalabrien im Aspromonte

 

Vesuv im Hintergrund, davor Pompeji

Schafmama mit Kindern am Monte Rosa

 
 

Esel in Rassa

Belmonte im Biellese

Chiappera

 

Typische Dorfatmosphäre im Inneren Siziliens

 

Unbekannte Sehenswürdigkeiten

Dogliani – Eingang zum Friedhof, realisiert durch Giovan Battista Schellino 1855-1867

Was wäre Italien ohne seine gesamten Sehenswürdigkeiten. Ich meine nicht die, die man als Tourist ohnehin schon kennt. Ich meine die, die man eben nicht kennt und die selten in Reiseführern stehen. In Italien findet man in jeder Ortschaft etwas, was sehenswert ist und an längst vergangene Zeiten erinnert. In der Regel bildet die Kirche den Kern des Ortes, wo sich auch das Municipio, das Dorfcafé und der Tabacchi befinden. Wer also den Dorfplatz sucht, muss sich an der Kirche orientieren. Man muss in Italien eigentlich nicht lange Suchen, um vor etwas Geschichtsträchtiges zu stehen. Es sind aber auch nichtalltägliche Dinge und Zustände, die faszinieren können.

Castello della Pietra in Vobbia in der Provinz Genua

Haus in Felsen eingearbeitet in Gressoney

 

Mittelaltergassen in Triora in Ligurien

Lago Nero im Valle Maira

 

Hausfassade aus Muscheln und verschiedenen Gesteinen in Pisa Botanischer Garten

 
 

Seen im Gran Paradiso

Das wahre Italien ist mehr als nur Pizzeria

Südfrüchte in Pompeji

Auf meinen zahllosen Reisen durch Italien habe ich in vielen Restaurants gegessen, war ich in den noch so kleinsten Alimentari einkaufen und habe in jeglichen Behausungen residiert, die man sich nur denken kann. Ich empfehle wirklich jeder Person, die das wahre und echte Italien kennenlernen will, einfach vor Ort eine kleine unscheinbare Pension zu suchen. Diese gibt es wirklich überall. Den Preis kann man verhandeln, denn Italiener lieben es – ebenso die Griechen – zu handeln. Hier taucht man dann in das echte Leben ein, sitzt nicht selten abends mit am Tisch und erfährt so manches Unglaubliche aus Bella Italia.

Froschschenkel frittiert im Piemont

Ich gehe auch gern essen, denn ich liebe es, auswärts zu essen. Ich meide aus persönlicher Überzeugung Pizzerien. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich mag die italienische echte Küche lieber. Daher bevorzuge ich kleine gepflegte Lokale, die zumeist ein wenig versteckt sind – eben weitab vom Massentourismus. In der Regel bekommt man hier auch regionale Küche serviert mit allerlei Wildgemüse, was eben gerade so in der Gegend zu dieser Zeit wächst, hopst, springt und rennt. Dies können Frösche sein, Schnecken jeglicher Größe und Farbe, Wildtiere, die unterschiedlichsten Pilze, unbekannte Beeren bis hin zu Höhlenkäse, gefüllte Rinderhoden, marinierten Baumwurzeln und Schafseinerlei. Die Vielfalt ist in Italien enorm. Man muss sie nur entdecken und probieren!