Venedig (Venezia) ist mit einer Einwohnerzahl von 261.321 (Stand 01.01.2018) die Hauptstadt der norditalienischen Provinz Venetien. Verwaltungstechnisch gliedert sich die Stadt in einen an der Küste gelegenen größeren Festlandanteil, sowie mehr als 100 kleinerer, miteinander verbundener Inseln. Der historische Teil der Lagunenstadt ist in sechs sogenannte Sestiere (Stadtteile) untergliedert und wird jährlich von etwa 30 Millionen Touristen besucht, nicht zuletzt wegen der zahlreichen Sehenswürdigkeiten Venedigs.

Verkehrswege und Anreise

Über die Flughäfen Marco Polo und Aeroporto di Treviso lässt sich die Stadt von einer Vielzahl europäischer Städte aus direkt anfliegen. Beide Flughäfen sind an das öffentliche Verkehrsnetz optimal angeschlossen. Vom Flughafen Marco Polo fährt zum Beispiel in regelmäßigen Abständen mit rund 70 Minuten Fahrtdauer ein Boot in die Stadt zum Markusplatz.
Generell gibt es im historischen Teil nur wenige größere befahrbare Straßen. Hauptverkehrswege sind neben der Hauptverkehrsader, dem Canale Grande, demnach vorrangig die zahlreichen verwinkelten Kanäle.

Tipp: Wer die zahlreichen Gondeln nutzen möchte, um sich fortzubewegen, der sollte in eine Gondel in eine der zahlreichen kleinen Seitenstraßen steigen. Hier sind die Preise um ein Vielfaches niedriger. Grundsätzlich gilt: Den Preis vor der Fahrt aushandeln!

Venedig Sehenswürdigkeiten

Flankiert von Palästen und mondänen Gebäuden aus der Renaissance und Gothik, ist der Canale Grande die Hauptschlagader der Stadt und damit die wohl beliebeteste und bekannteste Sehenswürdigkeit Venedigs. Über ihn führt auch die Rialto-Brücke, welche bei vielen Touristen ein sehr beliebtes Fotomotiv darstellt. Der zentral gelegene Markusplatz mit seinem aus bunten Mosaiken versehene Markusdom (Basilica di San Marco) aus byzantinischer Zeit ist einer der Hauptattraktionen schlechthin und demzufolge ebenso bei Touristen äußerst beliebt. Vor allem das Mosaik der Porta Sant’Alipio ist äußerst sehenswert. Wer sich auf den Glockenturm (Campanile) hinauf begibt, kann eine grandiose Panoramasicht über die Lagunenstadt Venedig genießen.

Am Rande des Markusplatzes thront hingegen der Dogenpalast, der seit dem 9. Jahrhundert als Sitz des Dogen und von Regierungs- und Justizorganen wahrgenommen wurde. Die Seufzerbrücke (Ponte dei Sospiri) verbindet den Dogenpalast mit dem neuen Gefängnis der Stadt und stellt ebenso einen Anziehungspunkt und damit eine bekannte Sehenswürdigkeit Venedigs vieler Besucher dar.

Ein wirklich sehenswertes Spektakel stellt das jährliche Karneval-Festival im Frühjahr dar. Offiziell beginnt der Karneval in Venedig 10 Tage vor Aschermittwoch an einem Sonntag. Berühmt ist dabei der Engelsflug (Volo dell‘ Angelo), bei dem ein Artist vom Campanile an einem Stahlseil über den Markusplatz fliegt. Wer kann sollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen.

Ausflugstipps rund um Venedig

Zwar ist Venedig hochinteressant – vor allem architektonisch -, jedoch sollte man auch das Umland erkunden, denn hier gibt es einige sehenswerte Orte mit interessanten Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

Die Küste Venedigs entlang

Ob sehenswert oder nicht, dies hängt vor allem vom Geschmack des Urlaubers ab. Wer die Küste entlang fährt, der kommt an bekannte Ortschaften und Strände vorbei. Im Norden befinden sich die Strandabschnitte Lido di Jesolo, Eraclea Mare, Caorle, Bibione und Lignano Sabbiadoro – allesamt sehr gut besucht, nicht zuletzt, weil die Preise im erschwinglichen Bereich liegen. Hier verwundert es nicht, dass die Strandabschnitte in der Saison regelrecht überfüllt sind.

Wer volle Strände nicht mag, ist hier nördlich Venedigs grundsätzlich falsch. Da ich Italien umrundet habe und bis auf wenige Regionen ganz Italien mit meinen eigenen Augen gesehen habe, dem kann ich nur den Süden Italiens empfehlen. Bisher ist dort der boomende Tourismus – bis auf wenige Ausnahmen – noch nicht angekommen. Es können dort dünenartige Sandstrände gefunden werden, die noch nicht hoffnungsvoll überfüllt sind.

Im Süden Venedigs sind vor allem Lagunen und das imposante Po-Delta zu finden. Schöne Strände sind hier rar. Erst kurz vor Ravenna lassen sich wieder langläufige Sandstrände finden.

Ein kleiner Tipp kommt mir in den Sinn: Der Strand Barricata, der im äußersten Zipfel des Po-Deltas liegt. Er ist drei Kilometer lang und noch nicht vom Massentourismus geprägt. Wer also ein wenig Ruhe sucht, der kann sich dorthin flüchten.

Das Po-Delta

Das Po-Delta ist zweifelsohne ein Vogelparadies. Hier kommen Ornithologen auf ihre Kosten, denn es lassen sich im Delta etwa 370 Vogelarten zur Brut, zur Überwinterung oder einfach nur zur Rast nieder. Vor allem Fischreiher, Enten, Kormorane, Eulen, Seeschwalben, Säbelschnäbler, Stelzenläufer und Seidenreiher können im Delta beobachtet werden. Um die Natur und die Deltamündung näher kennenlernen zu können, eignen sich Touren mit kleinen Booten durch die zahlreich verzweigten Flussarme. Wer Interesse hat, kann zum Beispiel in dem kleinen Fischerdörfchen Goro einen Ausflug buchen und sich zugleich den Fischereihafen an der Bucht „Sacca di Goro“anschauen.

Tipp: Ein Ausflug in das Po-Delta lohnt sich besonders im Frühjahr oder Herbst, da hier zahlreiche Vögel brüten oder zur Rast im Delta Halt machen.

Euganeische Hügel oder Colli Euganei

Die Euganeischen Hügel sind nicht nur wegen ihrer geothermischen Aktivitäten interessant, sondern auch wegen ihrer reichhaltigen Flora und Fauna. Ein Ausflug zum 18.694 Hektar großen Naturpark der Region Venetien lohnt sich zu allen Jahreszeiten. Für die Fahrt von Venedig aus eignen sich besonders die Tangenziale di Mestre, A 4 und E 70. In rund 70 km, also in einer guten Stunde mit dem Auto ist man im Naturpark. Neben den bekannten Kurorten Abano Terme, Montegrotto Terme und Galzignano Terme sind vor allem Wanderungen durch den Park äußerst empfehlenswert. Augenmer sollten Besucher vor allem auf die großflächige Macchia legen sowie auf Bewirtschaftungsformen, wie Imkerei, Weinanbau, Olivenanbau, Nüsse, Mandeln, Granatäpfel sowie zahlreiche Wildbeeren.

Bassano del Grappa

Einen Ausflug wert ist die Stadt Bassano del Grappa, die mit rund 85 km unweit von Venedig liegt. Hier sind zahlreiche Grappa-Destillerien ansässig, die gerade für Grappa-Liebhaber recht interessant sein können. Allerdings stammt der Name des Ortes nicht vom hochprozentigen Grappa ab, sondern vom Berg Monte Grappa, der in der Nähe liegt und Zeitzeuge schwerer Auseinandersetzungen während des ersten Weltkrieges wurde. Neben den Destillerien ist die im 13. Jahrhundert entstandene Holzbrücke Ponte degli Alpini über den Fluß Brenta sehenswert. Diese wurde von Andrea Palladio entworfen. Daneben lohn sich ein Blick in die Villa Angarano, die ebenso von Palladio gestaltet wurde. Sie gilt als wichtiges UNESCO Kulturgut.

Wer die Gegend mal von oben sehen möchte, der kann einen Drachen- bzw. Gleitschirmflug auf dem Monte Grappa buchen. Ich persönlich habe es noch nicht gemacht, aber vom Hören und Sagen soll es ein grandioses Abenteuer sein.

Geschichte Venedigs

Die Hauptstadt der Provinz Venetien blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Spuren erster Siedler reichen bis in die etruskische Zeit zurück. Insgesamt kann man sagen, dass die Stadt aus rund 120 sumpfigen Inseln, die durch ausgeklügelte Entwässerungsmethoden bewohnbar gemacht wurden, entstand. Mit über 400 Brücken wurden sie über viele Jahre hinweg miteinander verbunden. So entwickelte sich die heutige Stadt Venedig, die bis ins 16. Jahrhundert zugleich eine der größten Handelsstädte war. Sie betrieb Handel mit nahezu dem gesamten Mittelmeerraum. Nach der Herrschaft von Frankreich und Österreich wurde die Stadt 1866 offiziell ein Teil Italiens.

Heute hat Venedig vor allem mit der Flucht aus dem historischen Kern zu kämpfen. Zwar sind die Einwohnerzahlen relativ konstant in den letzten Jahren laut ISTAT geblieben (2017: 261321, 2016: 261905, 2015: 263352, 2014: 264579, 2013: 264534, 2012: 259263), allerdings will kaum einer mehr in den alten Stelzbauten leben. Die Retaurierung ist aufwendig, die Kosten zu hoch. Deshalb fliehen viele Anwohner auf das Festland, um sich dort ein Eigenheim zu bauen. Wer Venedig auch aus einem anderen Blickwinkel beobachtet, dem fällt auf, dass viele Häuser unbewohnt oder zu verkaufen sind.

Venedigs Persönlichkeiten

Die bewegte Geschichte der Lagunenstadt brachte zahlreiche weltweit bekannte Persönlichkeiten hervor. Alleine acht Päpste entstammen der Stadt an der Adria, von denen Johannes Paul I. der vorerst letzte war. Doch vor allem im kulturellen Bereich waren und sind die Töchter und Söhne der Stadt federführend. Schriftsteller, Musiker und Maler wie Antonio Vivaldi, Claudio Monteverdi, Tizian und Giacomo Casanova machten Venedig über viele Jahrhunderte zu einem Ort des kulturellen Schaffens. Auch viele bekannte Seefahrer entstammen der Küstenstadt, allen voran Marco Polo, der durch seine Expeditionen nach Asien Weltruhm erlangte.

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