Am vergangenen Donnerstag ist die italienische Polizei mit Wasserwerfern und Knüppeln gegen afrikanische Flüchtlinge vorgegangen, die in der Nähe des Hauptbahnhofs Termini kampierten. Zuvor räumten die Polizeibeamten das Bürogebäude, in dem die rund 800 Migranten Unterschlupf gefunden hatten. Rausgeworfen standen sie auf der Straße und kampierten im umliegenden Gebiet nahe der Piazza Indipendenza.

Unter den Migranten sind vor allem Frauen und Kinder, Alte und auch Behinderte. Aber auch einige italienische Staatsbürger, denen das Geld für eine Wohnung fehlt, sind mit betroffen.

Rom hat ein Problem: Es hat zwar viele Flüchtlinge, aber weiß nicht wohin mit ihnen. Zwar erhält die Stadt Gelder für Flüchtlingsunterkünfte, aber niemand weiß so recht, wo das Geld hinfließt, so Aussagen von Anwohnern. Eines ist aber klar: Es fließt anscheinend nicht in den Bau von Flüchtlingsunterkünften.

Vorgehen steht scharf in der Kritik

Unicef, „Ärzte ohne Grenzen“ und Kirchenvertreter kritisieren scharf das Vorgehen der italienischen Behörden. Immerhin sind 800 Menschen betroffen. Die Leute aus den leerstehenden Häusern rauszuwerfen kann man im Hinblick auf die rechtlichen Eigentumsverhältnisse verstehen, aber ihnen keine Alternative zu bieten, grenzt an einer Schande, wie sie berichten.

Flüchtlinge haben es schwer in Italien

In Italien ist es für Flüchtlinge besonders schwer Fuß zu fassen. Es gibt so gut wie keine Integrationshilfen und auch keine Jobs. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit auch unter den Italienern selbst, ist es für Flüchtlinge umso schwieriger, einen Job zu finden. Und diejenigen, die einen Job gefunden haben, verdienen in vielen Fällen nicht genug, um sich eine eigene Wohnung leisten zu können, denn in den großen Metropolen wie Rom, Mailand und Florenz sind die Mieten so hoch, dass sogar Normalverdiener manchmal diese kaum stemmen können. Hinzu kommt, dass viele Vermieter nicht an Afrikaner vermieten möchten. Zu hoch sei die Angst, zu hoch die Unsicherheit.

Für die vorwiegend aus afrikanischen Ländern stammenden Menschen bleibt nur die Hoffnung, dass eines Tages doch noch genügend Flüchtlingsunterkünfte gebaut werden. Viele von ihnen möchten in andere Länder weiterreisen, doch laut des Dubliner Abkommens müssen sie da bleiben, wo sie den Asylantrag gestellt haben.

Italien ist mit Flüchtlingen überfordert

Dass Italien mit der Flüchtlingssituation überfordert ist, ist schon lange zu beobachten. Nicht nur Rom ist von zahlreichen Flüchtlingen bevölkert. Jeden Tag landen Tausende neue Flüchtlinge auf dem italienischen Festland. Vor allem auf Lampedusa, Sizilien und in den südlichen Regionen Italiens, wie Apulien, Kampanien und Basilikata, stranden viele Flüchtlinge.

In Ventimiglia, einer in wenigen Kilometern an Frankreich grenzenden Stadt in der Region Ligurien, herrscht derzeit ebenso der Ausnahmezustand. Dort campen schon seit längerem am Strand Tausende Flüchtlinge, die jede Nacht auf´s Neue die Flucht nach Frankreich durch Gestrüpp und Buschland wagen. Viele von ihnen schaffen es nicht und werden von der Polizei aufgegriffen und wieder nach Italien geschafft. Einige von ihnen bezahlen die Flucht mit dem Leben. Erst kürzlich sind einige Afrikaner auf der Autobahn in einem Tunnel von einem herannahenden Fahrzeug erfasst worden.

In Bozen (Bolzano) zeigt sich ein anderen Bild. Hier sieht man nahezu an jeder Ecke zahlreiche Afrikaner, die nur darauf warten, die Grenze zu Österreich (Brenner) überqueren zu können. Viele Anwohner fühlen sich allein durch die Anwesenheit der Afrikaner belästigt, denn nicht alle Afrikaner sind friedlich. Einige von ihnen werden kleinkriminell, um sich das Überleben zu sichern.

Doch was tun?

Als erstes vorweg: Italien darf nicht mit dem Flüchtlingsproblem allein gelassen werden! Italien selbst hat eigene finanzielle Probleme und kämpft seit geraumer Zeit selbst mit dem Überleben, siehe Banken-Fiasko, hohe Arbeitslosenquote, niedrige Löhne.

Es ist zudem keine Aufgabe von Deutschland und auch nicht von Frankreich. Es ist eine Aufgabe, die die gesamte Welt etwas angeht.

Die Flüchtlinge kommen nach Europa, landen zuerst in Italien, weil es am nächsten an dem afrikanischen Kontinent grenzt. Nun versperrt die EU-Politik das weitere Prozedere. Flüchtlinge müssen dort bleiben, wo sie zuerst gestrandet sind: Nämlich in Italien.

Eine Aufteilung der Flüchtlinge auf andere EU-Länder funktioniert eher schlecht als Recht, weil die Solidarität mit Italien entweder nicht stark ausgeprägt ist oder weil die eigene politische Stellung im Land und das eigene Gedankengut eine Flüchtlingsabnahme nicht zulassen. Im Grunde genommen kann man beobachten, dass Italien, Deutschland und Frankreich die Länder sind, die sich am meisten an der Flüchtlingspolitik beteiligen. Die osteuropäischen Länder riegeln vermehrt ab. Bestes Beispiel liefert Ungarn.

Aber ist es nicht ein Problem, was uns alle angeht? Was ist mit anderen Ländern auf der Welt? Wäre nicht eine Verteilung der Flüchtlinge weltweit gerechter als nur in zwei, drei Ländern? Und wäre es vielleicht nicht sinnvoller, direkt vor Ort in den afrikanischen Ländern selbst, Hilfe zu leisten, sodass erst gar keine Flüchtlingsströme entstehen? Aufkärung vor Ort könnte schon helfen. Europa ist nicht das Paradies, dass von den Schleppern versprochen wurde, wo das Geld nur so an den Bäumen hängt, wo jeder ein Haus hat und wo jeder einen Job hat.

Vielmehr ist Europa ein Geflecht aus Ländern, in dem man erst einmal die Sprache des Landes lernen muss und einen Job finden muss. Angesichts der hohen Arbeitslosenquote in vielen EU-Ländern, siehe Griechenland, Spanien, Portugal und Italien, ist dies kein leichtes Spiel. Auch sind die Preise hier wesentlich höher als in Afrika. Viele Afrikaner unterschätzen dies. Dort kostet ein Kilo Rind kaum mehr als umgerechnet 2 Euro. Hier bezahlt man das Vielfache. Auch die Krankenkasse muss bezahlt werden, Strom, Miete und Essen. Viele kennen noch nicht einmal Mietzahlungen oder Strombeiträge, da sie aus ärmlichen Gegenden ohne Wasser- und Stromversorgung kommen. Ist es also nicht besser vor Ort erst einmal aufzuklären, Hilfe zu leisten und schließlich die Flüchtlinge, die dann nach Europa zu kommen, gerecht unter den einzelnen Ländern aufzuteilen? Doch dazu bedarf es ein Europa, was an einem Faden hinsichtlich der Flüchtlingspoblematik zieht und kein Europa, was ein Land, nämlich Italien, „im Stich lässt“, wie Italien bereits mehrfach als Hilfeschrei kundgetan hat.