Gebiet um Kollosseum für fliegende Händler gesperrt

RömerGladiatoren – damals zu Zeiten des Römischen Imperiums waren sie in Rom eine beliebte Live-Unterhaltung und – zumindest für damalige Verhältnisse – doch recht belustigende Abwechslung zum Alltag. Heute sind Hobbygladiatoren, insbesondere am Kollosseum, für die Stadtverwaltung ein Dorn im Auge.
Der Grund: Die als Gladiatoren und Legionäre verkleideten römischen Bürger zahlen auf ihre Einnahmen keine Steuern und betreiben somit tagein tagaus Schwarzarbeit.

Gerade jetzt, wo Italien sich in der Finanzkrise befindet, jeden Euro braucht, sind Steuereinnahmen wichtig für den Staat. Und demnach beschloss die Stadt kurzerhand das Gebiet rund um das Kollosseum für fliegende Händler und Hobbygladiatoren zu sperren.

Dass sie damit den Unmut der Hobbygladiatoren auf sich ziehen, war voraus zu sehen. Viele wiedersetzten sich der Sperre, einige wurden daraufhin von der Polizei festgenommen, andere wurden aggressiv und handgreiflich.

Für viele der als Gladiatoren und Legionäre verkleideten Bürger ist das Geschäft mit den Touristenfotos die einzige Einnahmequelle. Man bedenkt hierbei, dass ein Foto bis zu 10 Euro kosten kann. Viele machen diesen Job schon seit etlichen Jahren, haben Familie und können somit in der ewigen Stadt Rom überleben.

Römer

Römer als Legionäre verkleidet

Umso mehr ist es nun für genau diese Gruppe der Bürger ärgerlich, dass sie ausgerechnet an der wohl attraktivsten Sehenswürdigkeit der Stadt fern bleiben sollen. Das bedeutet enorme Umsatzeinbußen.
Die meisten der Hobbygladiatoren und würden Steuern zahlen. Jedoch haben Treffen und Arbeitsgruppen bisher keine Lösung gebracht.

Für Stadtteilbürgermeister Orlando Corsetti sind die Gladiatoren und Legionäre ein Dorn im Auge, nicht nur wegen der fehlenden Steuereinnahmen, sondern auch, weil Rom sich vor allem im Zentrum und rund um den Vatikan zu einem Kitschgebiet entwickeln könnte. Schon jetzt sind täglich dutzende fliegende Händler vor Ort, bieten Waren, angefangen von einem bunten Plastikwindrad bis hin zu kunterbunten Strohhüten, an. Getränke, Pizzastücke, Paninis sowie Eis werden zumeist überteuert auf fahrbaren Ständen angeboten. Die Zielgruppe ist wie bei den Hobbygladiatoren klar: Touristen.

Die Strassen im Zentrum Roms rund um die Sehenswürdigkeiten wie Trevibrunnen, Kollosseum, Forum Romanum, Engelsburg und um den Vatikan sind voll von Strassenverkäufern.

Das war jedoch nicht immer so. Erst als die fahrbaren Essensstände von den Randgebieten ins Zentrum verlagert bzw. die Verkäufer eine Genehmigung für den Verkauf trotz des wohl bestehenden Widerrechts erhielten, wimmelt die Innenstadt nur so davon.

Corsetti hat dabei eine einfache Erklärung. Er vermutet, dass Stadtrat Giordano Tredicine, ein Anhänger der Partei „Volk der Freiheit“ von Silvio Berlusconi, dies genehmigt hat, und zwar deshalb, weil die Familie Tredicine einen Großteil der Imbissbuden und fliegenden Händler in der Hand hat. Dies berichten zumindest Medienberichte.

Wie dem auch sei, bisher ist in Rom rund um das Kollosseum für fliegende Händler und Hobbygladiatoren Sperrzone. Diejenigen, die sich wiedersetzen, werden kurzerhand von der Polizei, der Polizia oder den Carabinieri, festgenommen. Eine Einigung zwischen der Stadt und den Händlern ist bisher noch nicht in Sicht.

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