Grab von Fabrizio de André auf dem Monumentalfriedhof (Cimitero monumentale di Staglieno) in Genua

Fabrizio De André war ein Sänger und Komponist (Cantautore), der in Genua am 18. Februar 1940 geboren und in Mailand am 11. Januar 1999 an Lungenkrebs verstorben ist. Da er begeisterter Raucher war, hat man ihm unter anderem in sein Grab eine volle Zigarettenschachtel gelegt, zudem noch eine Clownsnase, ein paar Muscheln und einige Kieselsteine vom Strand. In der Familiengruft steht neben einigen Zeichnungen seine Gitarre. Faber, wie er in Italien auch liebevoll genannt wird, faszinierte durch literarisch meisterhafte Texte mit sehr hohem Niveau, die eine bisher von keinem weiteren, italienischen Musiker erreichte Genialität präsentieren. Er verstand es auf bestialisch hervorragender Weise, mitunter in treffenden Metaphern und stilistisch gekonnten Mitteln, sein beabsichtigtes Wirken seiner sehr niveauvollen Liedtexte umzusetzen. Er konzentrierte sich überwiegend auf Texte, die von Ausgestoßenen, Schwachen, Fremden, geschichtlichen Ereignissen und Tabu-Themen erzählen.

De Andrés Bescheidenheit

De André war stets bescheiden, liebte das Einfache im Leben und zog es vor, in einem einfachen Bistro in den dunklen Gassen des alten Genua zu speisen als in einem Sternerestaurant. De André blieb trotz seiner imensen Erfolge bis zu seinem Tod bodenständig und publikumsscheu. Bei seinen Konzerten, die er erst später unternahm, saß er stets auf einem Stuhl, ein Bein über das andere geschlagen, die Gitarre in der Hand und sang – ganz ohne Showeinlagen oder sonstigen Aufführungen. Er konzentrierte sich auf das Singen und zog zwischen den Liedern ab und zu mal an seiner Zigarette, die neben ihm auf den Boden angezündet war.

Erste Ehe und Vaterdasein

1961 lernte Faber seine erste Frau Enrica Rignon, genannt Punty, kennen. Sie wurde nur wenige Monate danach schwanger, was De André veranlasste, sie zu heiraten. 1962 wurde sein erster Sohn Cristiano geboren. Die Ehe verlief nicht besonders harmonisch, weshalb sich die Beiden Mitte der Sechziger Jahre scheiden ließen. Sie waren von ihren Charakteren und Ansichten zu verschieden. Er, der das Einfache liebte, konnte nichts mit dem Glamorösen anfangen, was seine Frau liebte und anders herum. Sie kam aus gut situierten Verhältnissen und erwartete von De André, dass er sich ebenso in solche Gefilde begibt. Sein Vater, der damals noch in der Zuckerfabrik Eridania im Mangement tätig war, gab dem 22-jährigen De André angesichts seines frischen Vaterdaseins eine Stelle als Vize-Präsident im eigenen Schulinstitut.

Beginn der Karriere

1961 wurde seine erste Platte mit den beiden Liedern Nuvole barocche und E fu la notte veröffentlicht. Am 2 Mai 1963 hatte Fabrizio De André seinen ersten öffentlichen Fernsehauftritt in der Sendung Rendez-Vous, moderiert von Line Renaud, wo er das Lied Il fannullone präsentierte. In den nachfolgenden Jahren widmete sich De André komplett der Musik und verließ sein bisheriges Studium der Rechtswissenschaften kurz vor dem Abschluss. Damit brach er das zweite Mal sein Studium ab. Vor Beginn des Jura-Studiums, widmete er sich dem Studium der Medizin und der Literatur. Er setzte auch nicht mehr die Arbeit bei seinem Vater fort, was weiterhin zu Spannungen zwischen dem Vater und De André aber auch zwischen ihm und seiner Ehefrau führte.

Entführung von De André und Dori Ghezzi

De André schottete sich immer weiter ab und lernte seine spätere zweite Ehefrau Dori Ghezzi kennen. Sie wurde jedoch bereits kurz nach der Scheidung der ersten Ehe schwanger mit der Tochter Luisa Vittoria De André (Luvi). Im Verlauf seiner Karriere brachte Fabrizio De André viele Lieder heraus, die als Meisterstücke gelten und zum Teil auch heute noch in der Schule behandelt werden. Am 27. August 1979 wurde er zusammen mit seiner noch damaligen Partnerin Dori Ghezzi auf Sardinien von anonima sequestri entführt, wo sie für vier Monate in die Berge verschleppt wurden. Nachdem 550 Millionen Lire, größtenteils vom Vater bezahlt, den Entführern zukommen gelassen wurden, konnten die Beiden befreit werden: Dori am 21. Dezember 1979 um 23 Uhr und Fabrizio am 22. Dezember um 2 Uhr nachts. Dieses Ereignis schweißte die Beiden noch mehr zusammen und sie heirateten 1989.

Via del Campo: Museum Fabrizio De André

Heute ist ihm in der von ihm besungenen Via del Campo das Museum 29:rosso gewidmet, in dem auch sämtliche Fanartikel erworben werden können.

Via del Campo, veröffentlicht 1967, stellte eines seiner ersten meisterhaften Lieder dar, in der er die Schönheit und Würde besang, die eben nicht nur die obersten Einkommensschichten, sondern auch die untersten Schichten haben können. Die Via del Campo ist in Genua eine Straße, die insbesondere für ihre Prostitution bekannt ist. Ich selbst habe sie besucht, um das ihm gewidmete Museum 29:rosso mir anschauen zu können. Es ist eine Straße, in der sich das Leben aller Schichten, aller Probleme und aller Nationen tummelt. Angst haben braucht man keine, sollte sich aber von den dort angebotenen Dienstleistungen nicht abschrecken lassen.

La canzone di Marinella – erster großer Erfolg

Bereits 1963 besang De André mit seinem Lied La canzone di Marinella, das sein erster großer Erfolg wurde, den Tod eines 16-jährigen Mädchens aus dem Raum Asti, die von ihrem Onkel verfolgt wurde, nachdem ihre Eltern gestorben sind. Nachdem man ihr am Fluß Tanaro die Handtasche beraubt hatte und diese in den Fluß warf, nahm sie sich das Leben.

Tabu-Themen: die großen Erfolge

De André erfreute sich jedoch nicht nur Beliebtheit. Er war besonders in der Politik zur damaligen Zeit und auch bei der Kirche zum Teil ein wenig unbeliebt, da er ein freiheitsliebender Anarchist war, der zugleich Probleme anschnitt, die im damaligen Italien zwischen 1950 und 1990 noch tabu waren wie beispielsweise die Homosexualität. So entstand sein Meisterwerk Se ti togliassero a pezzetti, was eine Ode an die Freiheit und die Liebe darstellt. Er musste es für die Öffentlichkeit ein wenig abändern, da es eigentlich eine Ode an die Anarchie werden sollte.

Mit dem Lied Andrea von 1978 versuchte De Andre die Problematik der Homosexualität zu thematisieren. Wer dem Italienischen mächtig ist, wird durch das Wort Ucciso schnell erkennen, dass es sich hierbei um die verlorene Liebe in den Bergen Trentos um einen Mann handelt, den Andrea nachtrauert und nicht um eine Frau, da das Wort Ucciso eine männliche Endung aufweist.

Mit Don Raffaè gelang ihm 1990 ein Meisterwerk, das die Verstrickung der Mafia bis zum Staat und die Situation in den staatlichen Gefängnissen in Italien in den 1980er Jahren thematisiert. Don Raffaè, ein Boss der Camorra sitzt ein, hilft aber dem Gefängniswärter Pasquale Cafiero des carcere di Poggioreale des Öfteren aus der Klemme, wofür er kleine Gefälligkeiten im Gegenzug erhält. De André hat das Lied in Neapolitanisch gesungen, was aber dennoch zu verstehen ist.

Am 11. November 1971 veröffentlichte Fabrizio De André in seinem Album Non al denaro non all’amore né al cielo neun der Anthologien des Spoon River von Edgar Lee Masters aus dem Jahr 1915.

Veröffentlichte Alben

1966 – Tutto Fabrizio De André

  1. La ballata dell’amore cieco
  2. Amore che vieni, amore che vai
  3. La ballata dell’eroe
  4. La canzone di Marinella
  5. Fila la lana
  6. La città vecchia
  7. La ballata del Miché
  8. La canzone dell’amore perduto
  9. La guerra di Piero
  10. Il testamento

 

1967 – Volume I

  1. Preghiera in gennaio
  2. Marcia nuziale
  3. Spiritual
  4. Si chiamava Gesù
  5. La canzone di Barbara
  6. Via del Campo
  7. Caro amore
  8. La stagione del tuo amore
  9. Bocca di Rosa
  10. La morte
  11. Carlo Martello ritorna dalla battaglia di Poitiers

 

1968 – Tutti morimmo a stento

  1. Cantico dei drogati
  2. Primo intermezzo
  3. Leggenda di Natale
  4. Secondo intermezzo
  5. Ballata degli impiccati
  6. Inverno
  7. Girotondo
  8. Terzo intermezzo
  9. Recitativo
  10. Corale

 

1968 – Volume III

  1. La canzone di Marinella
  2. Il gorilla
  3. La ballata dell’eroe
  4. S’i‘ fosse foco
  5. Amore che vieni amore che vai
  6. La guerra di Piero
  7. Il testamento
  8. Nell’acqua della chiara fontana
  9. La ballata del Miché
  10. Il re fa rullare i tamburi

 

1969 – Nuvole barocche

  1. Nuvole barocche
  2. E fu la notte

 

1970 – La buona novella

  1. Laudate Dominum
  2. L’infanzia di Maria
  3. Il ritorno di Giuseppe
  4. Il sogno di Maria
  5. Ave Maria
  6. Maria nella bottega del falegname
  7. Via della Croce
  8. Tre madri
  9. Il testamento di Tito
  10. Laudate hominem

 

1971 – Non al denaro non all’amore né al cielo

  1. La collina
  2. Un matto
  3. Un giudice
  4. Un blasfemo
  5. Un malato di cuore
  6. Un medico
  7. Un chimico
  8. Un ottico
  9. Il suonatore Jones

 

1973 – Storia di un impiegato

  1. Introduzione
  2. Canzone del Maggio
  3. La bomba in testa
  4. Al ballo mascherato
  5. Sogno numero due
  6. Canzone del padre
  7. Il bombarolo
  8. Verranno a chiederti del nostro amore
  9. Nella mia ora di libertà

 

1974 – Canzoni

  1. Via della Povertà
  2. Le passanti
  3. Fila la lana
  4. La ballata dell’amore cieco
  5. Suzanne
  6. Morire per delle idee
  7. Canzone dell’amore perduto
  8. La città vecchia
  9. Giovanna d’Arco
  10. Delitto di paese
  11. Valzer per un amore

 

1975 – Volume 8

  1. La cattiva strada
  2. Oceano
  3. Nancy
  4. Le storie di ieri
  5. Giugno ’73
  6. Dolce Luna
  7. Canzone per l’estate
  8. Amico fragile

 

1978 – Rimini

  1. Rimini
  2. Volta la carta
  3. Coda di lupo
  4. Andrea
  5. Tema di Rimini
  6. Avventura a Durango
  7. Sally
  8. Zirichiltaggia
  9. Parlando del naufragio della London Valour
  10. Folaghe

 

1981 – Fabrizio De André (L’indiano)

  1. Quello che non ho
  2. Canto del servo pastore
  3. Fiume Sand Creek
  4. Ave Maria
  5. Hotel Supramonte
  6. Franziska
  7. Se ti tagliassero a pezzetti
  8. Verdi pascoli

 

1984 – Crêuza de mä

  1. Crêuza de mä
  2. Jamín-a
  3. Sidún
  4. Sinàn Capudàn Pascià
  5. ‚Â pittima
  6. Â duménega
  7. D’ä mê riva

 

1990 – Le nuvole

  1. Le nuvole
  2. Ottocento
  3. Don Raffaè
  4. La domenica delle salme
  5. Mégu megùn
  6. La nova gelosia
  7. ’Â çímma
  8. Monti di Mola

 

1996 – Anime salve

  1. Prinçesa
  2. Khorakhané
  3. Anime salve
  4. Dolcenera
  5. Le acciughe fanno il pallone
  6. Disamistade
  7. Â cúmba
  8. Ho visto Nina volare
  9. Smisurata preghiera